Startseite | Impressum
Lumrix Logo
 
 



[ICD 10 Suche]
[Mehr über den ICD]

 

 

A00-Cholera

Cholera

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Choleraverbreitung auf der Welt (Stand 2004)
vergrößern
Choleraverbreitung auf der Welt (Stand 2004)

Die Cholera (gr.: Gallenbrechdurchfall) ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit, die vorwiegend den Dünndarm befällt. Sie kann extremen Durchfallund starkes Erbrechenverursachen, was zu einer schnellen Exsikkosemit Elektrolytverlust führen kann. Obwohl die meisten Infektionen asymptomatischverlaufen (ca. 85 %), beträgt die Letalitätbei Ausbruch der Krankheit unbehandelt zwischen 20 und 70%.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Symptome und Beschwerden
  • 2 Ursachen
  • 3 Geschichte
  • 4 Behandlung
  • 5 Choleratoxin
  • 6 Verwandte Themen
  • 7 Weblinks

Symptome und Beschwerden

Nach einer Inkubationszeitvon 2-3 Tagen verläuft Cholera meist in drei Stadien:

  1. Stadium mit Brechdurchfallmit häufig dünnflüssigem Stuhl, oft mit Schleimflocken durchsetzt ("Reiswasserstuhl") und selten mit Schmerzen im Bauch.
  2. Stadium des Flüssigkeitsmangels (Exsikkose). Dabei kommt es zu Untertemperatur und zu einem auffälligen Gesichtsausdruck mit spitzer Nase, eingefallenen Wangen und stehenden Hautfalten.
  3. Stadium der allgemeinen Körperreaktion mit Fieber, Benommenheit, Verwirrtheit, Komaund Hautausschlag. Komplikationen wie zum Beispiel eine Lungenentzündung, eine Entzündungder Ohrspeicheldrüseund eine Sepsiskönnen hinzukommen.

Menschen mit der Blutgruppe0 sind gefährdeter.

Die Diagnose geschieht

  • anhand der typischen Beschwerden, die bei einer Person in einem Gebiet mit bekannter Choleragefahr auftreten und
  • anhand des bakteriologischen Erregernachweises im Stuhl

Ursachen

Cholerabakterien im Elektronenmikroskop.
vergrößern
Cholerabakterien im Elektronenmikroskop.

Die Cholera wird durch das BakteriumVibrio cholerae ausgelöst, dessen Toxin(Choleratoxin genannt) zu starkem Durchfall mit Wasserverlust führt (bis zu 20 Liter am Tag). Der Erreger wurde erstmals von Pacini 1854als gekrümmtes, kommaförmigesund hochbewegliches Bakterium beschrieben. Robert Kochhat 1883zusammen mit Fischer und Georg Theodor August Gaffky(1850-1918) in Ägyptenden Erreger aus dem Darmvon verstorbenen Patienten in Reinkultur angezüchtet.

Cholera tritt häufig in armen Ländernauf, in denen Trinkwasser- und Abwassersystemnicht voneinander getrennt sind.

Cholera wird in der Regel durch Trinkwasserverursacht, welches mit Choleraerregern verunreinigt ist. Choleraerreger finden sich vor allem in Fäkalien, sowie in Fluss- und Meerwasser, welches mit Fäkalienbelastet ist. Außerdem können Fischeund andere Nahrungsmittelaus Flüssen und dem Meer mit Choleraerregern verunreinigt sein. In den Industrieländernist meist eine ausreichende und hygienisch einwandfreie Versorgung der Bevölkerung gewährleistet, so dass Cholerafälle selten sind. In den Entwicklungsländernist die Cholera eine weit verbreitete und gefährliche Krankheit. Der letzte größere Choleraausbruch in Deutschlandwar in Hamburgim Jahr 1892. Die Krankheitkann epidemischauftreten und ist in Deutschland meldepflichtig.

Geschichte

Die Cholera wurde seit etwa 600 v. Chr. im Gangestalin Indienbeobachtet. Um 1831gelangt die Krankheiterstmals nach Europa. Um 1892grassiert die Cholera in Afghanistanund gelangt nach Russland. Vermutlich bringen von hier aus russische Amerika-Auswanderersie mit nach Hamburg. Allein in Hamburgstarben mehr als 8000 Personen.

Die letzte größere Choleraepidemieweltweit breitete sich in Peru1991in Windeseile aus. Am 9. Februarrief die peruanische Regierungden nationalen Notstandaus, trotzdem breitete sich die Epidemieauch in Ecuador, Kolumbien, Mexikound Nicaraguaaus. Von den rund 400.000 damals in SüdamerikaErkrankten starben schätzungsweise 12.000.

Behandlung

Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist der ausreichende Ersatz von Flüssigkeit, Zuckerund Salzen. Dieser Ersatz erfolgt am besten intravenös, da so der entzündete Magen-Darm-Trakt umgangen wird. In Ländern der Dritten Weltwird aber auch der orale Flüssigkeitsersatz einfach und erfolgreich praktiziert.

Die WHOempfiehlt eine oral zu verabreichende Salz- und Glukoselösungin Wasser, die aus folgenden Komponenten besteht:

  • Glukose20 g/l = Traubenzucker
  • Natriumbikarbonat2,5 g/l
  • Natriumchlorid3,5 g/l = Kochsalz
  • Kaliumchlorid1,5 g/l

Ein Antibiotikumist bei schweren Verläufen empfehlenswert.

Mit diesen Maßnahmen kann die Sterblichkeitsrate von 60 % auf unter 1 % gesenkt werden. Zur Vorbeugung empfiehlt sich vor allem die Einhaltung hoher hygienischer Standards, vor allem die Bereitstellung hygienischeinwandfreien Trinkwassers. Auch eine Impfungist möglich, wird allerdings im allgemeinen nicht empfohlen. Neuere Entwicklungen (Schluckimpfung) sind wirksamer und verträglicher und schützen auch zu einem gewissen Grad vor dem klassischen Reisedurchfall.

Choleratoxin

Das Choleratoxin ist ein aus einer sogenannten A und fünf B-Proteinuntereinheiten aufgebautes Toxin. Es hemmt die für G-Proteinenotwendige Umsetzung von GTPzu GDP, und blockiert damit die Signalabschaltung in der Zelle. Es kommt zu einem Überschuss des Second MessengerscAMP.

Verwandte Themen

  • Erkrankungen im Zusammenhang mit Wasser
  • Durchfallund Erbrechen, Bauchschmerzen
  • Magen, Darm, Verdauung
  • Hygiene, Wasser, Trinkwasser
  • Krankheit, Infektion, Infektionskrankheit, Virus, Bakterium



Inhalt steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation

 
  © 2003-2007 LuMriX.net GmbH, Schweiz | Alle Rechte vorbehalten.