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A20-Pestsepsis

Pest

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Dieser Artikel befasst sich mit der Pest als Krankheit, andere Bedeutungen unter Pest (Begriffsklärung).

Die Pest (v. lat.pestis = Seuche) ist eine hochgradig ansteckende Krankheit. Erreger der Erkrankung ist das BakteriumYersinia pestis (Fam. Enterobacteriaceae, Classis Zymobacteria Gammaproteobacteria). In großen Pandemienhat diese Krankheit immer wieder die Weltbevölkerunggetroffen und damit die Geschichte der Menschheit beeinflusst. Für den Verlauf der Geschichte in Europaist vor allem die große Pestepidemieim 14. Jahrhundertprägend gewesen. Da jedoch zu dieser Zeit noch jegliche Mittel zur exakten Diagnostik sowie eindeutig verwertbare Augenzeugenberichte fehlten, ist nicht zweifelsfrei erwiesen, dass es sich bei den damaligen Epidemien um einen Ausbruch der Pest im eigentlichen Sinne (Yersinia pestis als Erreger) handelte. Mit dieser Pestepidemie befasst sich ein separater Artikel mit dem Titel Schwarzer Tod.

?Doctor Schnabel von Rom? Kupferstich von Paulus Fürst 1656 (nach J. Columbina). Durch diese Kleidung hofften die Ärzte während der Pestepidemie von 1656 in Rom, sich vor der Pestansteckung zu schützen. Sie trugen einen Wachsmantel, eine Art Schutzbrille und Handschuhe. In dem Schnabel befand sich ?wolriechende Specerey?.
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?Doctor Schnabel von Rom? Kupferstich von Paulus Fürst1656(nach J. Columbina). Durch diese Kleidung hofften die Ärzte während der Pestepidemie von 1656in Rom, sich vor der Pestansteckung zu schützen. Sie trugen einen Wachsmantel, eine Art Schutzbrille und Handschuhe. In dem Schnabel befand sich ?wolriechende Specerey?.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Arten
    • 1.1 Beulenpest
    • 1.2 Pestsepsis
    • 1.3 Lungenpest
    • 1.4 Abortive Pest
  • 2 Übertragungsweg
  • 3 Wilde Nagetierpopulationen als Rückzugsgebiet des Pestbakteriums
  • 4 Medizinische Behandlung
    • 4.1 Historische Entwicklung
    • 4.2 Diagnose und Therapie heute
  • 5 Quarantäne und Meldepflicht
  • 6 Die Pest als biologische Waffe
  • 7 Geschichte
    • 7.1 Pest, Pocken und Milzbrand
    • 7.2 Antike bis Frühmittelalter
      • 7.2.1 Die große Seuche im antiken Griechenland
      • 7.2.2 Die Pest im Römischen Reich
    • 7.3 Der ?Schwarze Tod? ? die mittelalterlichen Pestepidemien
    • 7.4 Neuzeit
      • 7.4.1 15. bis 19. Jahrhundert
      • 7.4.2 Die Pest heute
  • 8 Die Pest in Literatur und Kunst
  • 9 Bekannte Opfer der Pest
  • 10 Zitierte Werke
  • 11 Literatur
  • 12 Weblinks

Arten

Man unterscheidet vier Erscheinungsformen der Pest: Beulenpest, Pestsepsis, Lungenpest sowie die abortive Pest. Bei Pandemien treten alle Formen der Erkrankung auf, am häufigsten jedoch die Beulenpest und die Lungenpest. Bei einer Beulenpest entwickelt sich ohne Behandlung allerdings fast immer zusätzlich eine Pestsepsis und eine Lungenpest.

Beulenpest

Darstellung der Beulenpest in der Toggenburgbibel von 1411
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Darstellung der Beulenpest in der Toggenburgbibel von 1411

Bei der Beulenpest, auch Bubonenpest genannt (v. lat. bubo = Beule), erfolgt die Ansteckung gewöhnlich durch den Biss des Rattenflohs. Wenn ein Floh seinen Wirtwechselt und ein neues noch nicht infiziertes Nahrungsopfer beißt, überträgt er damit auf biologischem Wege das Bakterium, welches sich in dem Floh vermehrt hat. Der Rattenfloh ist eigentlich eng an sein Wirtstier gebunden. Er befällt erst dann den Menschen, wenn er keinen geeigneten Wirt mehr findet. Daher ging zumindest der Beulenpest immer ein massenhaftes Rattensterben voraus. Die Inkubationszeitliegt bei wenigen Stunden bis sieben Tagen. Die Symptomesind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, starkes Krankheitsgefühl, Benommenheit und später Bewusstseinsstörungen. Der Name Beulenpest stammt von den stark geschwollenen, sehr schmerzhaften Beulen am Hals, in den Achselhöhlen und in den Leisten, die durch die Infektionder Lymphknotenund Lymphgefäßeim Bereich des Flohbisses entstehen. Diese Beulen können bis zu zehn Zentimeter groß werden und sind aufgrund innerer Blutungen in den Lymphknoten blau-schwarz gefärbt. Die Geschwüre zerfallen, nachdem sie eitrig eingeschmolzen sind. Die Beulenpest als solche ist nicht tödlich, und die Beulen sind nach Öffnung auch heilbar. Allerdings kommt es bei bis zu 75% der unbehandelten Patienten zu einer Infektion des Blutes und somit zur Pestsepsis und zur Lungenpest oder zu einer Streuung der Erreger mit ausgedehnten Hautblutungen. Diese Formen führen unbehandelt zum Tod.

Die Beulenpest verbreitet sich im Winter langsamer als im Sommer, da der Überträgerfloh bei Temperaturen unter 12 °C in eine Kältestarre fällt. Der epidemische Höhepunkt dieser Pestart fiel stets mit der Fortpflanzungszeit der Flöhe im Herbst zusammen.

Pestsepsis

Die Pestsepsis entsteht durch Infektion des Blutes. Dies kann durch Infektion von außen, zum Beispiel über offene Wunden, geschehen, aber auch als Komplikation aus den beiden anderen schweren Verlaufsformen, zum Beispiel durch Platzen der Pestbeulen nach innen. Die Erreger im Blutverteilen sich mit dem Blutstrom im gesamten Körper. Die Infektion bewirkt hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzenund ein allgemeines Unwohlsein, später großflächige Haut- und Organblutungen. Pestsepsis ist unbehandelt praktisch immer tödlich, in der Regel spätestens nach 36 Stunden.

Heute kann durch die Behandlung mit Antibiotikadie Sterblichkeit deutlich gesenkt werden.

Lungenpest

Infizierte LungeStreifige Zeichnungsvermehrung im mittleren Teil der linken Lunge, atypische Lungenentzündung
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Infizierte Lunge
Streifige Zeichnungsvermehrung im mittleren Teil der linken Lunge, atypische Lungenentzündung

Die Lungenpest kann sich im Verlauf der Beulenpest entwickeln, wenn die Erreger in die Blutbahn geraten, und man spricht dann von einer sekundären Lungenpest. Wird sie aber durch eine Tröpfcheninfektionvon Mensch zu Mensch übertragen, spricht man von einer primären Lungenpest. Diese Krankheit verläuft heftiger, weil die Abwehrbarrieren der Lymphknoten durch direkte Infektion der Lunge umgangen werden. Sie beginnt mit Atemnot, Husten, Blaufärbung der Lippen und schwarz-blutigem Auswurf, der extrem schmerzhaft abgehustet wird. Daraus entwickelt sich ein Lungenödemund ein Kreislaufversagen, welches unbehandelt nach zwei bis fünf Tagen zum Tod führt.

Die Inkubationszeitbeträgt nur ein bis zwei Tage, die Sterblichkeitsrate liegt hier bei 95 %.

Abortive Pest

Die abortive Pest ist die harmloseste Variante der Pest. Sie äußert sich meist nur als leichtes Fieber und leichte Schwellung der Lymphdrüsen. Nach überstandener Infektion haben sich Antikörpergebildet, die eine langanhaltende Immunitätgegen alle Formen der Erkrankung gewährleisten.

Übertragungsweg

?Am Morgen des 16. April trat der Arzt Bernard Rieux aus seiner Wohnung und stolperte mitten auf dem Flur über eine tote Ratte (...) Am selben Abend sah er aus dem Dunkel des Gangs eine dicke Ratte auftauchen, mit feuchtem Fell und unsicherem Gang. Das Tier blieb stehen, schien sein Gleichgewicht zu suchen, wendete sich gegen den Arzt, blieb wieder stehen, drehte sich mit einem leisen Schrei im Kreis und fiel schließlich zu Boden, wobei aus den halb geöffneten Lefzen Blut quoll...?
Rattenfloh
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Rattenfloh

Mit diesen Zeilen leitet der französische Literaturnobelpreisträger Albert Camusseinen 1947erschienenen Roman Die Pest ein. Wenn das Werk Camus' auch fiktiv ist, so beschreibt er doch treffend das große Rattensterben, das einer Pestepidemie vorauszugehen pflegt. Flöhe, insbesondere aber der Rattenfloh Xenopsylla cheopsis spielen bei der Übertragung des Pesterregers eine große Rolle. Flöhe sind Parasiten, die von außen an ihrem Wirt schmarotzen, selber aber gelegentlich Parasiten in ihrem Inneren beherbergen und ihren Wirt mit diesem Parasiten infizieren können. Das Pestbakterium ist ein solcher Parasit. Wechselt der Rattenfloh von einem infizierten Nager ? beispielsweise der Wanderratteoder der Hausratte? nach dessen Tod auf einen anderen Wirt über, ist er in der Lage, diesen mit dem Pestbakterium zu infizieren. Der Rattenfloh bevorzugt dabei als neuen Wirt wiederum Ratten, für die die Pesterkrankung ebenso tödlich ist wie für den Menschen. Fehlt es aber an Ratten, nimmt der Rattenfloh auch Menschen als neue Wirte an und infiziert dann auch diese mit dem Pestbakterium (Zoonose). Diese Situation ergibt sich vor allem, wenn viele Ratten aufgrund der Pest sterben.

Die Frage, welche weiteren Floharten neben dem Rattenfloh an der Übertragung der Pest beteiligt sind, wurde seit den 1950erJahren unter Naturwissenschaftlern und Medizinhistorikern kontrovers diskutiert. Mittlerweile besteht Übereinstimmung, dass etwa 30 Floharten sich als Überträger der Pestbakterien eignen, darunter auch der Menschenfloh(Pulex irritans). Das Pestbakterium kann darüber hinaus längere Zeit auch ohne tierischen Wirt überleben ? beispielsweise in Erde, im Staub, im Kot oder in Tierkadavern ? und von dort aus Krankheitsopfer infizieren.

Neben dieser indirekten Ansteckung kann es allerdings auch zu einer direkten Ansteckung an infizierten Nagetieren oder Menschen über offene Wunden und Speichel kommen. Gelangt der Erreger im Menschen in den Lungenblutkreislauf, entsteht die sekundäre Lungenpest mit hochinfektiösem blutigem Auswurf. Wer Kontakt mit einem darunter leidenden Patienten hat, kann sich direkt mit dieser sogenannten primären Lungenpest infizieren. Ist der Sprung des Pestbakteriums aus einer Nagerpopulation auf den Menschen erst einmal gelungen, dann ist dies sehr rasch der hauptsächliche Infektionsweg. Bereits 100 bis 200 eingeatmete Erreger reichen für eine Infektion aus.

Auch Raubtiere, die infizierte Ratten gefressen haben, können die Bakterien und die Flöhe weiter übertragen. Hauskatzenerkranken ebenfalls an der Pest, bei Hundenist dies nicht bekannt. Diese Übertragungswege sind im Normalfall zwar selten, spielen jedoch im Rahmen von größeren Pandemien eine Rolle.

Wilde Nagetierpopulationen als Rückzugsgebiet des Pestbakteriums

Ausbreitung der Pest 1998
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Ausbreitung der Pest 1998

Die Pestbakterien kommen auch heute noch in wilden Nagetierpopulationen vor ? wie beispielsweise bei den Präriehunden, Erdhörnchenund Murmeltieren. Diese wilden Populationen sind die natürlichen Reservoire des Pestbakteriums, von denen aus gelegentlich häusliche Nager wie beispielsweise Ratten infiziert werden. Während in Europaund Australienkeine infizierten Tierpopulationen bekannt sind, kommen solche im Kaukasus, Russland, in Südostasien, der Volksrepublik China, der Mongolei, Süd- und Ostafrika, Mittel-und Südamerikasowie im Südwesten der USAvor. Nach Nordamerika gelangte der Erreger dabei über ein Handelsschiff während der Pestepidemie, die ab 1894in Südostasien grassierte. Während nur sehr wenige Menschen in Nordamerika an der Pest erkrankten, infizierte der Erreger die amerikanische Eichhörnchenpopulation. Gelegentlich kommt es daher auch heute noch in Nordamerika zu Übertragungen von Tier zu Mensch. Meist sind es Jäger, die sich bei einem Nagetier anstecken; Norman F. Cantorverweist jedoch auch auf einen nordamerikanischen Fall aus den 1980erJahren, bei dem eine Frau ein Eichhörnchen mit einem Rasenmäher überfuhr und sich dabei mit der Pest infizierte.

Der Pestausbruch in der indischen Stadt Suratim Jahre 1994bestätigt daher die Aussage, die Camus bereits 1947gegen Ende seines Romans Die Pest macht:

?Während Rieux den Freudenschreien lauschte, die aus der Stadt empordrangen, erinnerte er sich daran, daß diese Fröhlichkeit ständig bedroht war. Denn er wußte, was dieser frohen Menge unbekannt war und was in den Büchern steht: Daß der Pestbazillus niemals ausstirbt oder verschwindet, sondern jahrzehntelang in den Möbeln und der Wäsche schlummern kann, daß er in den Zimmern, den Kellern, den Koffern, den Taschentüchern und den Bündeln alter Papiere geduldig wartet und daß vielleicht der Tag kommen wird, an dem die Pest zum Unglück und zur Belehrung des Menschen ihre Ratten wecken und erneut aussenden wird (...)?

Weltweit registriert die Weltgesundheitsorganisation(WHO) etwa 1000 bis 3000 Pestfälle pro Jahr, meistens in Form kleinerer, örtlich begrenzter Epidemien. In Europa gab es den letzten dokumentierten Pestausbruch im Zweiten Weltkrieg. Man nimmt an, dass die Pest gegenwärtig in Europa nicht mehr existiert.

Medizinische Behandlung

Gangrän der Pest
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Gangränder Pest

Historische Entwicklung

Während der mittelalterlichen Pestepidemien kauten Ärzte auf der Angelikawurzel(Engelwurz), um sich vor Ansteckung zu schützen. Noch 1771 gab der französische Autor Buchoz seinen Lesern den Rat, bei Pestepidemien seine Kleidung mit einem Pulver aus Engelwurz zu bestreuen. Die medizinische Diagnostik und Behandlung der Krankheit basiert weitgehend auf den Forschungen und klinischen Beobachtungen eines Pestausbruchs, der Ende des 19. Jahrhundertsin der Mongoleibegann. Der Bakteriologe Alexandre Yersinisolierte 1894in Hongkongden Pesterreger, der später nach ihm als Yersinia pestis benannt wurde. Die Ausbreitung der Pest konnte jedoch nur teilweise eingedämmt werden. 1896erreichte sie Bombay, wo Masanori Ogataund Paul-Louis Simondnachwiesen, dass der Biss des Rattenflohs den Erreger vom Tier auf den Menschen überträgt. Sowohl in China als auch in Bombay wurde darüberhinaus der Charakter und Verlauf der Epidemie umfassend klinisch beschrieben. Damit war der Grundstein für ein wissenschaftliches Verständnis der Pestinfektion gelegt, die Dezimierung der Ratten wurde zur Vorbeugung von Pestausbrüchen betrieben. Ein wirksames Gegenmittel der Erkrankung beim Menschen war damit noch nicht gefunden. Die Grundlage hierfür war die Entdeckung des Penicillinsim Jahre 1928.

Diagnose und Therapie heute

Die Diagnose erfolgt über den Nachweis der Erreger im Blut, im Sekretder Beulen oder bei der Lungenpest im Auswurf. Antikörperlassen sich ab dem zehnten Krankheitstag nachweisen. Behandelt wird die Pest heutzutage mit Antibiotika, und bei frühzeitiger Erkennung bestehen gute Chancen auf Heilung. Eingesetzte Antibiotika sind beispielsweise Streptomycinund Chloramphenicolsowie Kombinationen aus Tetracyclinenund Sulfonamiden.

Darüberhinaus stehen Schutzimpfungenzur Verfügung, die allerdings nur drei bis sechs Monate wirken und nur gegen die Beulen-, nicht aber gegen die Lungenpest wirken. Die Autoren Eberhard-Metzger und Ries weisen jedoch auf die schlechte Verträglichkeit dieser Schutzimpfungen hin. Die Weltgesundheitsorganisationempfiehlt diese Impfung daher nur Risikogruppen, zu denen beispielsweise Bauern, Landarbeiter und Jäger in Regionen zählen, in denen infizierte Nagetierpopulationen verbreitet sind.

Weitere Maßnahmen, um eine Pestepidemie einzudämmen, sind verbesserte Hygiene, Bekämpfung der Ratten und die Verhinderung des Transports von Ratten auf Schiffen. Da nach dem Tod der Ratten die Flöhe ihren Wirt wechseln, müssen die Menschen mit Insektiziden vor den Flöhen geschützt werden.

Quarantäne und Meldepflicht

Die Pest gehört neben den Pocken, Choleraund hämorrhagischem Fieber(Ebola, Lassau.A.) in Deutschland zu den vier Quarantäne-Krankheiten. Patienten, die daran erkrankt sind, müssen in speziellen Infektionsabteilungen abgeschirmt werden. Länderübergreifende Quarantäneregelungen für Schiff-, Luft-, Zug- oder Kraftfahrzeugverkehr sind im internationalen Sanitätsreglementvon 1971festgehalten. Ein Hinweis auf die Pest, die Erkrankung an oder der Tod durch Pest müssen in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetzauch bei Verdacht namentlich gemeldet werden. Die Meldungen werden von den Gesundheitsämternan die Landesgesundheitsbehörde und das Robert-Koch-Institutweitergeleitet. Das Robert-Koch-Institut meldet sie gemäß internationalen Vereinbarungen an die Weltgesundheitsorganisation.

Die Pest als biologische Waffe

Die Pest wird von der Weltgesundheitsorganisationzu den zwölf gefährlichen biologischen Kampfstoffen gezählt. Zu diesem sogenannten dreckigen Dutzend gehören neben der Pest auch Milzbrand- und Tularämiebakterien, Pocken-, Ebola- und Marburg-Viren.

Der erste historisch belegte Einsatz der Pest als biologische Waffe fand 1346in der Hafenstadt Kaffastatt, als der Tartarenführer Khan Djam BekPestleichen über die Mauern der Stadt werfen ließ und die Belagerten vor der Pest die Flucht ergriffen.

Während des Zweiten Chinesisch-Japanischen Kriegesstellte die japanischeArmee im Einheit 731 genannten Gefangenenlager bei Harbinin der MandschureiWaffen her, die mit Pest infizierte Flöhe enthielten und deren Einsatz in der Republik Chinain den Jahren 1940bis 1942lokale Pestausbrüche verursachten. Bei der Zerstörung der Produktionsstätten durch die japanische Armee 1945bei Kriegsende kamen mit Pest infizierte Ratten frei und lösten in den Provinzen Heilongjiangund Jilineine Epidemie mit über 20.000 Todesopfern aus.

Zur Zeit des Kalten Kriegesbeschäftigten sich russische Wissenschaftler mit dem Einsatz von Pesterregern als biologische Waffe. Wie der ehemalige russische Forscher für biologische Waffen Ken Alibekberichtete, gelang es Russland Ende der 1980erJahre, die Pest in eine sprühfähige Form zu bringen und gegen Antibiotika resistent zu machen.

In Deutschland beschäftigt sich das Robert-Koch-Institutmit den Gefahren durch biologische Kampfführung. Dort wurde auch die Informationsstelle des Bundes für biologische Sicherheit (IBBS) eingerichtet. Wie groß die Gefahr eines Angriffs mit biologischen Kampfstoffen tatsächlich ist, ist sehr umstritten. Die IBBS rät nicht zu einer Impfung gegen die Pest in Deutschland. Diese Empfehlung gilt sowohl für die Bevölkerung insgesamt als auch für Risikogruppen.

Geschichte

Pest, Pocken und Milzbrand

Große Pandemien sind bereits aus der Bibelüberliefert: Die Pest gehört zu den Plagen, die in der biblischen Erzählung Ägypten heimsuchen, und sie löst auch das Massensterben der Philisteraus, die sich der jüdischen Bundesladebemächtigt hatten. Da jegliches Mittel zur Diagnostik ebenso wie eindeutig verwertbare Augenzeugenberichte fehlen, ist nicht zweifelsfrei erwiesen, dass es sich bei den Pandemien, die uns aus der Zeit bis zum späten Mittelalter überliefert wurden, jeweils um einen Ausbruch der Pest handelt. Historiker nennen eine Vielzahl möglicher anderer Krankheiten. Das Spektrum reicht von Ebola-ähnlichen Krankheiten, Pocken, einer durch Kühe übertragenen Milzbrand-Infektion bis zu Gonorrhoe. Was die Ansteckungswege und die Symptomatik betrifft, kommen als Alternative zur Pest neben den Pocken eher Fleckfieber, Choleraund Typhusin Frage.

Letztendlich stammt das Wort Pest aus dem Lateinischenund bedeutet nichts anderes als Seuche. Es steht darüber hinaus für Unglück, Verderben, verderbliche Person oder Sache, Scheusal, Unhold, Qual, Leiden, Hungersnot. Die klassischen Texte, von der Aeneisüber die Iliasbis zur Bibel, bezeichnen daher alle großen Seuchen als Pest. Von den im nachfolgenden genannten Krankheitswellen sind viele Historiker jedoch überzeugt, dass Auslöser der Epidemien tatsächlich der Pesterreger war.

Antike bis Frühmittelalter

Die große Seuche im antiken Griechenland

Eine Seuche, der viele Menschen zum Opfer fielen, wurde bereits im antiken Griechenlandum 430 v. Chr.von Thukydidesausführlich beschrieben. Thukydides berichtet, wie die Krankheit, die jäh in einer entscheidenden Phase des Peloponnesischen Kriegesauftrat, im mit Kriegsflüchtlingen überbevölkerten Athenzu wüten begann.

?Die Körper lagen, während sie verendeten, einer über dem anderen; einige wälzten sich, nach Wasser lechzend, auf den Wegen, die zu den Brunnen führten, halb tot auf der Erde. Die geweihten Stätten, in denen man sich eingerichtet hatte, lagen voller Leichen, die Menschen waren da gestorben, wo sie sich hinbegeben hatten. Vor einer solchen Entfesselung des Leids achteten sie, da sie nicht wußten, was aus ihnen würde, überhaupt nichts mehr, nicht göttliche, nicht menschliche Ordnung.? (Thuk. II 52)

Perikles, der berühmte athenische Feldherrund Politiker, starb an der Seuche ebenso wie eine große Anzahl anderer Athener. Diodorschätzte, dass Athen damals ein Drittel seiner Bevölkerung verlor.

Zwei Jahre lang wütete die Epidemie in Athen und trug mit zu Athens Niederlage im Peloponnesischen Kriegbei, den Athen gegen Spartaführte. Ob Auslöser dieser Seuche der Pesterreger war, ist heute nicht mehr beweisbar. Viele Historiker unterstellen, dass es sich bei dieser Seuche entweder um die Pest oder um die Pocken handelte. Da Thukykides jedoch die typischen Charakteristika wie die Pestbeulen und die schwärzlichen Flecken auf der Haut nicht beschrieb und die beschriebenen Symptome in ihrer Gesamtheit auf keine heute bekannte Krankheit passen, werden von Historikern und Medizinern auch andere Erreger diskutiert. Zudem wird nicht ausgeschlossen, dass die Athener von einer mittlerweile ausgestorbenen Krankheit oder einem gleichzeitigen Auftreten unterschiedlicher Seuchen heimgesucht wurden. Unabhängig davon, welche Krankheit es letztendlich war, war ihre Auswirkung - ein dramatischer Bevölkerungsrückgang, der Zusammenbruch des sozialen Gefüges, die fatalen wirtschaftlichen Konsequenzen und der Verfall der militärischen Stärke sowie der politischen Macht - vergleichbar mit den Auswirkungen späterer, eindeutig belegter Pestepidemien.

Die Pest im Römischen Reich

Auch das Römische Reichwurde mehrfach von großen Epidemien getroffen. Die erste war die so genannte Antoninische Pest zur Zeit des Kaisers Marc Aurel(161?180), die von den aus den Partherkriegenzurückkehrenden Soldaten verbreitet wurde. Ob es sich bei dieser Epidemie um die Pest handelte, ist allerdings unklar. Pestwellen mit tiefgreifenden Auswirkungen auf das Römische Reich traten insbesondere in der Zeit zwischen 250und 650n. Chr. auf.

Die so genannte Justinianische Pest zur Zeit Kaiser Justinians(527?565), die 542in Konstantinopelausbrach, hat vielleicht zum Misserfolg der Restauratio imperiibeigetragen und gilt als die größte antikePestepidemie in Europa. Sie brach zunächst im Orient aus und verbreitete sich rasant im ganzen Mittelmeergebiet. Anhand der detaillierten Schilderungen des spätantikenHistorikers Prokopiosgeht man in der Forschung zumeist davon aus, dass es sich bei der Seuche tatsächlich um die Beulenpest gehandelt hat, die vielleicht zusammen mit anderen Krankheiten auftrat. 544ließ Justinian, der selbst erkrankt gewesen war, aber überlebt hatte, zwar das Ende der Pestepidemie verkünden, doch brach sie 557erneut aus, kehrte im Jahre 570nochmals wieder und trat bis zur Mitte des 8. Jahrhundertsin etwa zwölfjährigem Rhythmus immer wieder in Erscheinung, bevor sie nach etwa 770 wieder für über fünf Jahrhunderte verschwand.

Vom frühen Mittelalteran bis zum Ausbruch des so genannten Schwarzen Todes in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhundertsscheint Europa von der Pest weitgehend verschont geblieben zu sein.

Der ?Schwarze Tod? ? die mittelalterlichen Pestepidemien

Darstellung der Beulenpest in der Toggenburgbibel (1411)
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Darstellung der Beulenpest in der Toggenburgbibel (1411)

Mit der Bezeichnung ?Schwarzer Tod? wird heutzutage die große Pestepidemie bezeichnet, die in Europa von 1347bis 1353wütete. Über die nachfolgende Zusammenfassung hinaus sind die Auswirkungen dieser Pestepidemie auf die mittelalterliche Gesellschaft ausführlich in einem eigenen Hauptartikel Schwarzer Tod beschrieben.

Die Seuche war offenbar in den 30er Jahren des 14. Jahrhundertsin Zentralasienausgebrochen und breitete sich entlang der Handelswege auch Richtung Europa aus. 1347erreichte sie das an der Krimgelegene Kaffa. Kaffa, das heutige Feodosija, war als genuesischeHandelsstadt eng in das Handelsnetz der Genueser eingebunden, das sich über den gesamten Mittelmeerraum erstreckte. Von Schiffen verbreitet erreichte die Krankheit noch im selben Jahr die Küstenstädte Konstantinopel, Kairosowie das sizilianischeMessina. Im März 1348hatte die Epidemie über den Landweg bereits Toulouseerreicht, im Mai erkrankten die ersten Opfer in Paris, im August starben die ersten in Avignonan der Pest. Deutschland, Norwegen, Schwedenund Irlandwurden 1349von der Pest erreicht.

Man schätzt, dass etwa 20 bis 25 Millionen Menschen, rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas, durch den Schwarzen Tod umkamen. Über die Anzahl der Opfer in Asien und Afrika liegen keine seriösen Angaben vor. Jegliche Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu behandeln, da zeitgenössische Quellen die Anzahl der Toten eher zu hoch ansetzten, um den Schrecken und die Unbarmherzigkeit dieser Pandemie zu unterstreichen.

Der Schwarze Tod wütete nicht gleichmäßig in Europa, sondern ließ einige wenige Gebiete fast unberührt. Große Teile Polens, Belgiensund Süddeutschlands blieben beispielsweise von dieser ersten Pestwelle verschont. Auch Mailandentging der Heimsuchung durch die Pest, während in Florenzvier Fünftel der Bürger starben. In der Einleitung zu seiner Novellensammlung Decamerone schildert Boccaccioeindrucksvoll, wie verheerend sich die Epidemie auswirkte:

Verbreitung der Pestilenz zwischen 1347 und 1351
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Verbreitung der Pestilenz zwischen 1347 und 1351
?So konnte, wer ? zumal am Morgen ? durch die Stadt gegangen wäre, unzählige Leichen liegen sehen. Dann ließen sie Bahren kommen oder legten, wenn es an diesen fehlte, ihre Toten auf ein bloßes Brett. Auch geschah es, dass auf einer Bahre zwei oder drei davongetragen wurden, und nicht einmal, sondern viele Male hätte man zählen können, wo dieselbe Bahre die Leichen des Mannes und der Frau oder zweier und dreier Brüder und des Vaters und seines Kindes trug.? (Boccacio, Decamerone)

Viele der Menschen empfanden die Pest als Gottesstrafe. Religiöse Bewegungen entstanden spontan im Gefolge oder in Erwartung der Pest: Eine der auffälligsten waren die Bewegung der Flagellanten, die sich als Buße für ihre eigenen Sünden so wie die der Gesellschaft in öffentlichen Umzügen selbst geißelten und in den Städten Reue und Umkehr predigten. Sie verstanden sich als direkte Mittler zwischen Himmel und Erde ? ohne Einschaltung der kirchlichen Autoritäten. Papst Klemens VI.verbot daher bereits 1348öffentliche Selbstgeißelungen, ohne dieses Verbot jedoch durchsetzen zu können.

Ausschnitt aus dem Holzschnitt Totentanz (Hans Holbein der Jüngere). Holbein verdeutlichte, dass die Pest weder Stand noch Klasse kannte.
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Ausschnitt aus dem HolzschnittTotentanz (Hans Holbein der Jüngere). Holbein verdeutlichte, dass die Pest weder Stand noch Klasse kannte.

Bereits Anfang 1348 war das Gerücht aufgekommen, die Pest werde durch Brunnenvergiftungverbreitet. In der Karwochewurden in der Provenceerstmals Judenwegen der Pest verfolgt; der Vorwurf, sie träufelten Gift in Brunnen und Quellen und verbreiteten so die Pest, ist wenig später in den Quellen zu finden. In Savoyenbekannten sich im Herbst 1348 jüdische Angeklagte unter der Foltersolcher Vergehen für schuldig. Die Geständnisse fanden rasch Verbreitung und bildeten die Basis für eine Welle von Judenpogromenvor allem im Elsaß, in der Schweizund in Deutschland. Nicht selten gerieten die Juden dabei zwischen die Fronten älterer Auseinandersetzungen, so etwa in Straßburg. Die Lage der jüdischen Minderheit im Reich war durch die Auseinandersetzungen zwischen den Häusern der Wittelsbacherund der Luxemburgeräußerst prekär. Nachdem eine erste Pogromwelle um März 1349 abgeflaut war, war diese Großwetterlage für den Beginn einer zweiten Welle verantwortlich: Im Kampf um die Loyalität einzelner Städte (Frankfurt am Main, Nürnberg) gab Karl IV.die Juden den Interessen der städtischen Führungsgruppen preis. Die oft behauptete Verantwortung der Flagellanten für die Judenpogrome lässt sich in den seltensten Fällen nachweisen, am ehesten noch für Köln. In den meisten Fällen gilt, dass die Juden noch vor dem Eintreffen der Pest ermordet wurden. In Böhmenund Österreichwurden sie von der Landesherrschaft, in Regensburgvon der Stadtgemeindegeschützt.

Langfristig bewirkte und beschleunigte die Pest durch den massiven Bevölkerungseinbruch einen tiefgreifenden Wandel in der mittelalterlichen Gesellschaft, der sich langfristig positiv bemerkbar machte. So bezeichnete David Herlihydie Pest als die Stunde der neuen Männer: Die Entvölkerungermöglichte einem größeren Prozentsatz der Bevölkerung den Zugang zu Bauernhöfen und lohnenden Arbeitsplätzen. Unrentabel gewordene Böden wurden aufgegeben, was in manchen Regionen dazu führte, dass Dörfer verlassen oder nicht mehr wiederbesiedelt wurden (sogenannte Wüstungen). Die Zünfteließen nun auch Mitglieder zu, denen zuvor die Aufnahme verweigert worden war, und während der Markt für landwirtschaftliche Pachten zusammenbrach, stiegen die Löhne in den Städten deutlich an.

Die Identifikation der mittelalterlichen Seuchen mit der durch Yersinia pestis verursachten Pest wurde und wird nach wie vor mehrfach angezweifelt, so durch die Historiker David Herlihy, Samuel K. Cohnund Sue Scott, den Zoologen Chris Duncanund den Anthropologen James Wood. Dabei trifft insbesondere der Einwand, dass weder die damalige rasante Ausbreitungsgeschwindigkeit noch die historisch beschriebenen Krankheitszeichen mit den bei einer Beulenpest zu erwartenden übereinstimmten. Auch war damals keine zu erwartende Epizootiebei Hausratten beobachtet worden. Alternativ wird nunmehr die Möglichkeit diskutiert, dass es sich entweder um Milzbrandoder eine langsame Variante eines hämorrhagischen Fiebersgehandelt haben könnte. Ein Argument dafür liefert auch eine Mutationdes GensCCR5 im Menschen. Diese Mutation mit dem Namen CCR5?32 wird in ca. 10% der europäischen Bevölkerung gefunden, nicht aber in Asien oder Ostafrika. Mathematische Modelle zur Verbreitung dieser Mutationlassen auf einen großen Selektionsdruckvor etwa 700 Jahren schließen, dem Zeitpunkt der Pest in Europa. Diese Mutation könnte somit ein genetischer Überlebensvorteil bei der Pest gewesen sein. Diese Veränderung auf dem CCR5-Genschützt heute den homozygotischenTräger vor einer HIV-Infektion. Wenn es nur von einem Elternteil vererbt wird, verzögert es den Ausbruch von AIDSdurchschnittlich um drei Jahre. Vor Yersinia pestis schützt diese Mutationdagegen nicht. Bei der im Mittelalterals Pest bezeichneten Krankheit könnte es sich somit um ein direkt von Mensch zu Mensch übertragenes hämorrhagisches Fiebergehandelt haben, also eine Viruserkrankung, deren bekannteste Form das Ebola-Fieber ist.

Neuzeit

15. bis 19. Jahrhundert

Nach der schweren Pestepidemie, die 1347 begann, endemisiertesich die Seuche: In lokalen und regionalen Epidemien suchte sie die nächsten drei Jahrhunderte in nahezu regelmäßigen Abständen europäisches Gebiet heim. Die Stadt St. Gallenwurde beispielsweise zwischen 1500 und 1640 mindestens vierzehn Mal von der Pest heimgesucht. Nach 1580 traten außerdem in Zyklen von vier bis fünf Jahren zusätzlich die Pockenauf, an denen vor allem junge Kinder starben. Der nur drei Wochen dauernden Pestepidemie von 1555 im hessischen Niddafielen 300 Menschen, d.h. ein Drittel der Bevölkerung, zum Opfer. Ähnliches gilt für die kleine Stadt Uelzen, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts ungefähr 1200 Einwohner hatte. Uelzen gehört zu den Städten, die bereits im 16. Jahrhundert genaue Register über ihre Einwohner führten. So weiß man, dass im Jahr 1566in Uelzen genau ein Viertel der Einwohner starben, nämlich 295, von denen 279 der Pest erlagen. 1597- Uelzens Einwohnerschaft war mittlerweile auf ungefähr 1600 Einwohner angestiegen - starben 554 Einwohner, davon 510 an der Pest.

Zu weiteren schweren Epidemien kam es 1665/66in Londonmit etwa 99.000 Toten und 1678/79in Wienzu der Zeit, als dort der sogenannte liebe Augustin lebte. Die letzten Pestepidemien trafen Europa im 18. Jahrhundert: Von 1709bis 1711wütete die Pest in Ostpreußen; starben dort gewöhnlich pro Jahr 15.000 Menschen (von einer Einwohnerschaft von etwa 600.000), kamen in diesen drei Jahren insgesamt 230.000 Menschen ums Leben. Aus Sorge vor einem Ausbruch auch in Berlin ließ König Friedrich I. (Preußen)dort ein Pesthaus errichten, aus dem die Charitéhervorging. Im Mai 1720 trat die Pest wieder in Marseilleund in der Provenceauf und verschwand erst wieder 1722. Nachdem 1771in Moskaueine weitere Pestepidemie aufgetreten war, blieben weitere Pestepidemien in Europa aus.

 Wanderratte (Rattus norvegicus)
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Wanderratte (Rattus norvegicus)

Das Erlöschen der Pest in Europa bringt man damit in Zusammenhang, dass seit dem 16. Jahrhundertdie Hausratteallmählich von der Wanderratteverdrängt wurde. Da die Wanderratte scheuer ist als ihre Vorgängerin, kommt es weniger häufig zu direkten Kontakten zwischen Mensch und Tier, was eine Ansteckung durch pestinfizierte Flöhe reduziert. Der Historiker Vasold, der sich sehr intensiv mit der Pest beschäftigt hat, weist jedoch daraufhin, dass der Ausbruch in Moskau im Jahre 1771zu einem Zeitpunkt erfolgte, als die Wanderratte die Hausratte schon längst verdrängt hatte.

Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass sich der Pesterreger genetisch verändert hat oder dass Ratten immun gegen den Pesterreger wurden und nach der Infizierung durch den Floh nicht mehr starben, so dass es für die Flöhe keine Notwendigkeit mehr gab, abzuwandern. Auch die Fortschritte im Gesundheitswesen und die Verbesserung der Hygiene haben dazu beigetragen, dass Pestepidemien ausblieben.

Die letzte Pandemiebegann in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundertsin Zentralasienund kostete während der nächsten 50 Jahre weltweit rund 12 Millionen Menschenleben. Während dieser Pestepidemie konnte der Erreger identifiziert und der Übertragungsweg erklärt werden.

Die Pest heute

Die Pest ist auch heute noch nicht besiegt: Von 1979bis 1992meldete die Weltgesundheitsorganisation(WHO) 1451 Todesfälle in 21 Ländern. In den USA gab es beispielsweise 1992 dreizehn Infektionen und zwei Todesfälle.

Die letzte größere Pestepidemie ereignete sich von August bis Oktober 1994im indischen Surat. Die WHO zählte 6344 vermutete, 234 erwiesene Pestfälle und 56 Tote. Der dort festgestellte Pesterreger wies dabei bislang noch nicht beobachtete Eigenschaften auf. Er zeichnete sich durch eine schwache Virulenzaus und gilt aufgrund einiger molekularbiologischer Besonderheiten als neuartiger Erregerstamm.

Im Februar2005breitete sich die Lungenpest im Nordwesten Kongosaus. Nach Berichten der WHO gab es 61 Tote. Durch das Eingreifen von Ärzte ohne Grenzenkonnte eine weitere Verbreitung verhindert werden.

Die Pest in Literatur und Kunst

Die apokalyptischen Reiter (Holzschnitt von Albrecht Dürer)
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Die apokalyptischen Reiter(Holzschnitt von Albrecht Dürer)

Kaum eine andere Katastrophe prägte die kollektive Vorstellung von Machtlosigkeit, Untergang und Unglück so sehr wie die Heimsuchung durch die Pest.

Die frühesten Seuchenberichte stammen von antiken Autoren wie Homer, Thukydides, Lukrez, Prokopios von Caesareaund Ovid. In Buch VII, 501-613 seiner Metamorphosen berichtet er sehr detailliert über die Pest von Aegina. Vor allem jedoch die Pestepidemie des 14. Jahrhundertshat sich stark auf Kunst und Literatur ausgewirkt. Die Menschen erwarben sogenannte Pestblätter, um sich mit Hilfe der darauf abgebildeten Heiligen vor der Pest zu schützen. Boccaccioschrieb vor dem Hintergrund der Pest, die 1348in Florenz wütete, seine Novellensammlung Il Decamerone: Sieben Damen und drei junge Männer fliehen vor der Pest aus Florenzauf einen Landsitz. In einem bemerkenswerten Kontrast zu der Düsterkeit und Dramatik der Pestschilderungen stehen hierbei die erotisch-heiteren Geschichten, die sich die zehn Florentiner zur Unterhaltung erzählen. Sie finden einen Ausweg aus der Katastrophe in einem leichteren Leben. Die außergewöhnliche Situation der Pest gibt ihnen die Möglichkeit, in ihren Erzählungen die mittelalterlichen Normen und Werte zu hinterfragen.

In Lübeckentstand 1350unter dem Eindruck der verheerenden Pestepidemie das Gemälde ?Totentanz? in der neu erbauten Marienkirche. Im selben Jahr schuf Francesco Trainidie Wandmalereien des Campo Santo von Pisa. Der Tod ist hier kein Knochenmann, sondern eine schwarz gekleidete, alte Frau, die mit wehenden Haaren und einer breitschneidigen Sichel in der Hand auf eine Gruppe sorgloser, junger Menschen herabfährt. Zu den Meisterwerken der Sepulkralkunst, das auf das veränderte Bild des Todes in der spätmittelalterlichen Kunst hinweist, zählt auch das gegen Ende des 14. Jahrhunderts entstandene Grabmal des Kardinals La Grange. Der Kardinal ist als fast nackter, verwesender Leichnam dargestellt und die Inschrift mahnt alle noch Lebenden, wie nichtig das Leben sei: Was blähst du dich auf in deinem Stolz. Staub bist du und Staub musst du werden, ein verfaulter Kadaver, die Speise der Würmer. Die vermutlich erste medizinische Dissertationüber die Pest verfasste der aus Niddastammende Arzt Johannes Pistorius der Jüngere: De vera curandae pestis ratione (Über die rechte Art, die Pest zu behandeln), Frankfurt 1568.

In Wienentstand 1879die ? als solche heute oft gar nicht mehr erkannte ? Pestballade O du lieber Augustin, alles ist hin. (vgl. Marx Augustin), die der Pest einen Galgenhumorentgegensetzt.

1722 erschien in London Daniel DefoesJournal of the Plague Year (zu deutsch: Die Pest zu London). Die Erzählung wurde zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, als ein Pestausbruch in Südfrankreich eine erneute Heimsuchung durch diese Krankheit befürchten ließ, und fand breite Leserschaft. Lange Zeit galt sie als Augenzeugenbericht des Pestausbruchs im Jahre 1665. Defoe war jedoch zum Zeitpunkt des Ausbruches noch ein Kind von vier oder fünf Jahren; die Erzählung aber schildert den Pestausbruch aus der Sicht eines erwachsenen Mannes, der in sachlichem Ton die Ereignisse beschreibt und mitleidsvoll und einfühlsam die Reaktionen seiner Mitbürger verfolgt. Gemeinsam mit Robinson Crusoe und Moll Flanders begründete diese Erzählung den Ruf von Daniel Defoeals Schaffer der Kunstform des realistischen Romans.

Die Pest (Arnold Böcklin, 1889)
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Die Pest (Arnold Böcklin, 1889)

In den I Promessi Sposi schildert Alessandro Manzonidas Wüten der Pestepidemie im Mailanddes Jahres 1630. Seiner Darstellung liegen Berichte mehrerer Zeitzeugen zugrunde, namentlich die Historiae Patriae des Historiografen Giuseppe Ripamonti (1573? 1643) und die Pestchronik des Arztes Alessandro Tadino (Ragguaglio dell?origine et giornali successi della gran peste contagiosa, venefica et malefica, seguita nella città di Milano...), die 1648erschienen war. Goethe? vermutlich der erste deutsche Leser von Manzonis Roman (dieser hatte ihm die Promessi Sposi gleich nach dem Druck des dritten Bandes 1827zugesandt) ? bemerkte zwar, der Autor stehe in den Pestkapiteln ?als nackter Historiker? da und bemängelte das ?umständliche Detail? bei Dingen ?widerwärtiger Art?. Dessen ungeachtet gilt die erbarmungslos präzise Schilderung der Seuche in den Promessi Sposi heute als ein Glanzpunkt der italienischen Prosa. ? Mit Ereignissen in Mailand während des Pestjahrs 1630 beschäftigt sich auch Manzonis 1829 entstandene Storia della Colonna Infame.

Edgar Allan Poeschuf 1842die Erzählung Die Maske des Roten Todes, die eigentlich durch einen Zeitungsbericht über eine Choleraepidemie in Paris inspiriert war, aber Ähnlichkeit zu anderen Pesterzählungen aufweist. Obwohl eine Krankheit (der Rote Tod, Red Death) das halbe Land dahinrafft, gibt der Herzog Prince Prospero, der auf sein Schloss geflüchtet ist, einen pompösen Maskenball. Die Rahmenhandlung, bei der man vor der Epidemie in den Hedonismusflieht, erinnert hier an Boccaccios Decamerone, doch nimmt Poes Geschichte eine andere Wendung. Am Ende dringt der Rote Tod auch in das Schloss ein, und weil sich der Herzog nicht um sein Land gekümmert hat, wütet die Epidemie weiter.

In der Rahmennovelle Die schwarze Spinne verarbeitete Jeremias Gotthelf1843alte Sagen über einen Handel mit dem Teufel zu einer gleichnishaften Erzählung über die Pest.

Arnold Böcklinschuf zu diesem Thema 1889in Italien das Bild Pest/Der Schwarze Tod, das heute im Basler Kunstmuseumausgestellt ist. Böcklin personifiziert die Pest in seinem Bild als fliegendes, blindes Monstrum, vor dem es kein Entrinnen gibt. Die Senseund die skelettartige Gestalt greifen auf die mittelalterliche Todessymbolik zurück.

Albert Camusschrieb den Roman Die Pest (fr. La Peste) über einen neuzeitlichen Pestausbruch in der algerischen Stadt Oran(publiziert 1947). Darin trifft ein Arzt trotz der Aussichtlosigkeit und Absurdität des Kampfes gegen die Pest auf Menschlichkeit und Solidarität. Die Pest wird hierbei oft als Symbolauf den Nationalsozialismus interpretiert.

Bekannte Opfer der Pest

Der Pest erlagen viele Millionen Menschen. Zu den Opfern dieser Krankheit zählen u.a. (in chronologischer Reihenfolge):

  • Perikles, Stratege und führender Politiker im antiken Athen, ? 429 v. Chr.
  • Claudius II., römischer Kaiser, ? 270
  • König Alfons XI. von Kastilien, ? 1350war der einzige regierende Monarch, der während der großen Pestepidemie in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts selbst an der Pest starb
  • Margarethe I., Königin von Dänemark, Norwegen und Schweden, ? 1412in Flensburg
  • Jan ?i?ka, Heerführer der Hussiten, ? 1424
  • Eduard I., König von Portugal, ? 1438
  • Johann Hunyadi, ungarischer Nationalheld, ? 1456
  • Alfons I., König von Portugal, ? 1481
  • Andreas Bodenstein, Reformator, ? 1541in Basel
  • Hans Holbein der Jüngere, Maler, ? 1543in London
  • Theodor Bibliander, reformierter Theologe, ? 1564in Zürich
  • Christoph Froschauer, Buchdrucker, ? 1564in Zürich
  • Bernardino Ochino, reformatorischer Theologe, ? 1564 in Slavkov
  • Albrecht von Brandenburg Preußen, erster preußischer Fürst, ? 1568in Tapiau
  • Tizian, italienischer Maler, ? 1576in Venedigim Alter von 99 Jahren
  • Anna von Dänemark, Kurfürstin von Sachsen (Mutter Anna), ? 1585
  • Jean Bodin, französischer Staatsphilosoph und Hexentheoretiker, ? 1596
  • Peter Binsfeld, Weihbischof von Trier und Hexentheoretiker, ? 1598
  • Bernhard Textor, Theologe, ? 1602in Dillenburg
  • Johann Buxtorf der Ältere, Theologe, ? 1629in Basel
  • Friedrich von Spee, Jesuit, ? 1635in Trier
  • Wilhelm Schickhardt, Professor für biblische Sprachen, Astronomie und Mathematik, Konstrukteur der ersten mechanischen Rechenmaschine, ? 1635in Tübingen
  • Juana Inés de la Cruz, mexikanische Nonne und Dichterin, ? 1695in Mexiko-Stadt, nachdem sie sich als Krankenschwesterinfizierte

Zitierte Werke

  • Boccaccio; Il decamerone - Eine englische Übersetzung aus der Einleitung, aus der die obigen Zitate stammen, findet sich unter Introduction to il decamerone
  • Albert Camus: Die Pest, 1947
  • Thukydides berichtet in seinem Werk über den Peloponnesischen Kriegausführlich über die Seuche, die die Athener heimsuchte. Neben der Reclam- (oder der Bibliothek der Alten Welt) Übersetzung ist diese auch nachlesbar unter folgender englischsprachiger Website: Peloponnesischer Krieg: Thukydides; Der Peloponnesische Krieg (Reclam), hrsg. von H. Vrestka und W. Rinner, Stuttgart 2000. ISBN 3-150-01808-0

Literatur

  • Pauline Allen: The Justinianic Plague, in: Byzantion 49 (1979), S. 5-20.
  • Klaus Bergdolt: Der schwarze Tod in Europa, Becksche Reihe, C.H. Beck Verlag, München 2003, ISBN 3-406-45918-8
  • Norman F. Cantor: In the Wake of the Plague ? The Black Death and the Word it made, London 1997, ISBN 0-7434-3035-2
  • Claudia Eberhard Metzger, Renate Ries: Verkannt und heimtückisch ? Die ungebrochene Macht der Seuchen, Basel 1996, ISBN 3-7643-5399-6
  • Franz-Reiner Erkens: Buße in Zeiten des Schwarzen Todes: Die Züge der Geissler, in ?Zeitschrift für historische Forschung?, 26. Band 1999, Berlin, S. 483?513
  • Franti?ek Graus: Pest - Geißler - Judenmorde. Das 14. Jahrhundert als Krisenzeit, Göttingen 1987, ISBN 3-525-35622-6
  • David Herlihy: Der Schwarze Tod und die Verwandlung Europas, Berlin 1997, ISBN 3-8031-3596-6
  • Kay Peter Jankrift: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, ISBN 3-534-15481-9
  • Arno Karlen; Die fliegenden Leichen von Kaffa - Eine Kulturgeschichte der Plagen und Seuchen, Berlin 1996, ISBN 3-353-01054-8
  • Mischa Meier (Hg.): Pest. Die Geschichte eines Menschheitstraumas, Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3608943595. Gesamtdarstellung der Pestgeschichte von der Antike bis in die Moderne.
  • William Naphy, Andrew Spicer: Der schwarze Tod, Magnus Verlag, Essen 2003, ISBN 3-88400-016-0
  • Norbert Ohler: Sterben und Tod im Mittelalter, Patmos Paperback, ISBN 3-491-69070-6
  • Jacques Ruffié, Jean-Charles Sournia: Die Seuchen in der Geschichte der Menschheit, Stuttgart 1987, ISBN 3-423-30066-3
  • Barbara Tuchman: Der ferne Spiegel ? das dramatische 14. Jahrhundert, Düsseldorf 1980, ISBN 3-546-49187-4
  • Manfred Vasold: Die Ausbreitung des Schwarzen Todes in Deutschland nach 1348, in Historische Zeitschrift Band 277, 2003, S. 281?308
  • Manfred Vasold: Pest, Not und schwere Plagen - Seuchen und Epidemien vom Mittelalter bis heute, München 1991, ISBN 3-406-35401-7
  • Manfred Vasold: Die Pest, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1779-3
  • Stefan Winkle: Kulturgeschichte der Seuchen, 2000, ISBN 3933366542
  • Karl Georg Zinn: Kanonen und Pest, Opladen 1989, ISBN 3-531-12107-3
  • Sue Scott, Christopher Duncan: Return of the Black Death: The World's Greatest Serial Killer, John Wiley & Sons, Canada 2004, ISBN 0470090006






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