Chagas-Krankheit
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Die Chagas-Krankheit [??a?gas-] (auch als Amerikanische oder Südamerikanische Trypanosomiasis bezeichnet), ist eine infektiöseErkrankungund Parasitose, die durch den Einzeller Trypanosoma cruzihervorgerufen wird.
Inhaltsverzeichnis
|
Verbreitung
Sie ist nur in Mittel- und Südamerika verbreitet und wird durch (vorwiegend nachtaktive) Raubwanzenübertragen. Die Raubwanzen infizieren sich auch gegenseitig durch Koprophagieund ?Kannibalismus?. Ein Erregerreservoir (s. a. Zoonose) besteht u. a. bei Tieren der Wildnis (z. B. Gürteltier, Opossum), aber auch bei Hunden, Katzen und Ratten. Auch der infizierte Mensch ist ein wichtiges Parasitenreservoir. Insgesamt soll es mehr als 16 Millionen Infizierte geben, in Bolivienkönnte etwa ein Viertel der Bevölkerung betroffen sein.
Erreger und Vektor
Der Erreger Trypanosoma cruzi ist ein Einzeller, der durch ein Insekt, welches umgangssprachlich auch assassin bug, kissing bug, vinchuca, barbeiro oder chipo heißt, übertragen wird. Der Überträger (Vektor) ist eine bis ca. drei Zentimeter große Raubwanze(Reduviidae) besonders aus den Gattungen Triatoma, Rhodnius oder Panstrongylus der Unterfamilie Triatominae.
Infektionwege
Die Raubwanze überfällt den Schlafenden, sticht ihn und saugt meist unbemerkt Blut mit Vorliebe in den dünneren Regionen der Haut z. B. der Lippen oder des Auges. Währenddessen defäkiert das Insekt. Die Infektion des Menschen erfolgt nicht durch den Stich an sich, sondern durch Einreiben des erregerhaltigen Kotes einer infizierten Raubwanze in die frische Stichwunde durch den irritierten, aufwachenden Menschen selbst, oder vermutlich auch durch Eindringen des Erregers in unverletzte Schleimhaut (bes. des Auges). Der Kot kann vermutlich jahrelang infektiös bleiben. Die diaplazentareInfektion des Fötusdurch die Mutter ist möglich. Auch Muttermilch ist infektiös.
Verlauf
Die Chagas-Krankheit tritt beim Menschen in zwei Stadien auf:
- Das akute Stadium tritt kurz nach der Infektion auf. Es ist meistens gekennzeichnet durch leichtes Fieber und eine Schwellung um die Stichwunde des Insekts (sog. Chagom).
- Das chronische Stadium tritt bei circa 10?30 % der akut Erkrankten erst nach einigen Jahren auf.
Von der chronischen Chagas-Krankheit werden vor allem das Nervensystem, das Herz und der Darm betroffen. Es können verschiedene neurologische Störungen, die bis zur Demenzgehen können, auftreten. Am Herzen kommt es zu einer Schädigung des Herzmuskels. Am Gastrointestinaltraktkann es zu einer starken Dilatation ( Verbreiterung ) des Darmes und der Speiseröhre kommen.
Unbehandelt kann die Chagaskrankheit in bis zu 10 % der Fälle tödlich enden. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder.
Diagnose
Der Erreger lässt sich besonders in der akuten Phase mikroskopisch im Blut nachweisen.
In der chronischen Krankheitsphase wird der Erreger mit Antikörpertests nachgewiesen.
In Südamerika gibt es den Trypanosomentest in Form der sog. Xenodiagnose. Dazu lässt man laborgezüchtete Raubwanzen, die erregerfrei sind, auf der Haut des Patienten eine Blutmahlzeit nehmen. Nach zwei bis vier Wochen (nach unterschiedlichen Quellen) werden die Raubwanzen auf einen neuen Erregerbefall untersucht.
Im Gehirn lässt sich die Auswirkung der Erkrankung mittels CToder NMRnachweisen. Im Herzen kann man dazu die Echokardiografienutzen.
Vorbeugung
Es gibt bisher keine Impfung.
Zur Vorbeugung der Krankheit werden die Raubwanzen bekämpft. Die Raubwanzen leben auch gerne nahe den Schlafplätzen der Haustiere, somit sind jene Orte abzusondern. Ausreichend geschlossene Wohnungen sowie zeltartige, auch bodenseitig durchgehend geschlossene Moskitonetze mit dichtschließendem Reißverschluss böten einen guten Schutz. Notfalls muss das herkömmliche Moskitonetzbis unter die Matratze gesteckt werden. Die gefährdetesten Schlafplätze liegen in offenen, einfachen Häusern z. B. mit Wänden und Dächern aus Stroh und ähnlichem Flechtwerk. Viele unspezifische Insektizide oder Repellentssind bei Raubwanzenmeist unwirksam.
Eine durchgehende Kontrolle von Blutspenden soll die Möglichkeit der Übertragung der Infektion bei Bluttransfusionenund Transplantationenverhindern.
Therapie
Medikamente wie Nifurtimoxund Benznidazolwirken vor allem in der akuten Phase der Erkrankung und die medikamentöse Therapie ist schwierig. Durch bessere Kontrolle der Erkrankungen bei Kindern sollen die schwerer zu behandelnden chronischen Formen vermieden werden. Die Zahl der Neuinfektionen ist nach den Statistiken der WHOallerdings wegen der Bekämpfung des Insekts sehr zurückgegangen. Wegen unterschiedlichster Verbreitungskarten, die im Internet angeboten werden, sollte vorsichtshalber im gesamten Verbreitungsgebiet der Krankheitsüberträger eine angemessene Prophylaxe getroffen werden, dazu könnten auch noch Gebiete in den USA gehören.
Geschichte der Erkrankung
Die Krankheit wurde von dem brasilianischen Wissenschaftler Carlos Chagas1909 entdeckt. Er arbeitete am Oswaldo-Cruz-Institut in Rio de Janeiro.
Siehe auch
Parasiten des Menschen, Tropenkrankheit, Trypanosoma
Inhalt steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation
