Eisenmangelanämie
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Die Eisenmangelanämie ist weltweit die häufigste Form der Anämieund wahrscheinlich auch die häufigste Mangelkrankheitüberhaupt. Ihre Prävalenzwird auf ca. 600 Millionen Menschen weltweit geschätzt. Durch Eisenmangelwird die Produktion des roten Blutfarbstoffes, des Hämoglobinsgestört. Menschen mit einer Eisenmangelanämie fühlen sich oft müde und schlapp und neigen zu einer blassen Gesichtsfarbe.
Inhaltsverzeichnis
|
Häufigste Ursachen
Die häufigsten Ursachen der Eisenmangelanämie sind Mangelernährungenund Blutungen. Säuglinge, die Milchersatzprodukte auf Kuhmilchbasis erhalten, zumindest wenn diese nicht mit Eisen angereichert sind, sind stärker gefährdet als gestillte Säuglinge, denn Kuhmilch ist eisenärmer als menschliche Muttermilch, und weist eine deutlich schlechtere Resorptionsrate auf. Entgegen landläufiger Meinung erkranken Vegetarier nicht häufiger an Eisenmangelanämie als Mischköstler (Draper & Wheeler, 1989; Anderson, 1981). Dabei sind im Zweifel Ovo-Lakto-Vegetarier stärker gefährdet als strenge Vegetarier, da Kuhmilchprodukte nicht nur eisenarm sind, sondern ebenso wie Eier die Eisenresorption hemmen. Aus dem selben Grund ist Kalbfleischso hell: Die Tiere werden in einem Alter, in dem sie in der Natur längst angefangen hätten, zu äsen, fast ausschließlich mit Milch gefüttert. So bleibt ihnen der Eisengehalt des Grasesund anderen Blattmaterials unzugänglich, und sie werden anämisch.
Blutungen kommen bei Männern und Frauen häufig im Magen-Darm-Trakt, häufig auch als Blutungen von Tumorenvor, bei jungen Frauen kann auch eine zu starke MenstruationUrsache der Eisenmangelanämie sein. In der Schwangerschaftist der Eisenbedarf sogar um fast 100% erhöht. Auch regelmäßige Blutspenderhaben einen erhöhten Bedarf, da durch die Entnahme von etwa einem halben Litern Blut auch ca 250 mg Eisen verloren gehen.
Behandlung
| Lebensmittel | Eisen (mg/100g) |
|---|---|
| Brennessel | 41,0 |
| Schweineleber | 22,1 |
| Kakaopulver | 12 |
| Schweineniere | 10,0 |
| Hirse | 9,0 |
| Sojabohnen | 8,6 |
| Kalbsleber | 7,9 |
| Pfifferlinge | 6,5 |
| Blutwurst | 6,4 |
| Sonnenblumenkerne | 6,3 |
| Weiße Bohnen | 6,1 |
| Austern | 5,8 |
| Leberwurst | 5,3 |
| Erbsen | 5,0 |
| Knäckebrot | 4,7 |
| Haferflocken | 4,6 |
| Spinat | 4,1 |
| Corned Beef | 4,1 |
| Haselnuss | 3,8 |
| Vollkornbrot | 3,3 |
| Rindfleisch | 3,2 |
| Schweinefleisch | 3,0 |
| Geflügel | 2,6 |
Da eine bestehende Anämie schwerwiegende Erkrankungen zur Ursache haben kann, ist die Konsultation eines Arztes empfehlenswert. Durch eine eisenreiche Ernährung kann aber einer Unterversorgung vorgebeugt werden. Sofern eine ausreichende Versorgung allein aus der Nahrung sichergestellt werden kann, ist eine Einnahme von Eisenpräparaten nicht anzuraten, denn diese können leicht überdosiert werden. Immer wieder kommt es auch zu schweren Vergiftungen, wenn kleine Kinder an solche Präparate gelangen, und sie reihenweise verzehren. Ab ca. 500-1000mg verzehrtem Eisen kann ein Kleinkind schwerwiegend vergiftet werden, 2000 bis 3000mg können tödlich sein. Diesen Gehalt weisen bereits 20-30 hochdosierte (100mg/Dosis) Kapseln oder Tabletten auf. Derartige Dosen lassen sich nicht durch die Nahrung erreichen, weswegen diese Option immer die sicherere Variante ist.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt den Eisenbedarf für Männer mit 10 mg/Tag und für Frauen mit 15 mg/Tag an. Das Verdauungsystem kann im Normalfall aber nur 10% davon und 5mg maximal, aufnehmen. Während der Schwangerschaft, oder bei einem bestehenden Eisenmangel erhöht sich die Resorptionsrate auf bis zu 40%. Bei einem Überangebot sinkt sie auf 5%.
Eine indische Studie an unter Eisenmangel leidenden vegetarischen Kindern zeigte, dass Eisenmangel durch verbesserte Vitamin C-Zufuhr behandelt werden kann. Nachdem - ohne sonstige Änderung der Ernährungsgewohnheiten - für 60 Tage zu Mittagessen und Abendessen 100mg Vitamin C (Ascorbinsäure) zugegeben wurden, trat bei allen Probanden der mit Vitamin C versorgten Gruppe eine deutliche Besserung des Hämoglobinstatus ein. Die Mehrzahl dieser Kinder genas sogar vollständig. (Seshadri, Shah, Bhade, 1985)
Aus methodischen Gründen wurde in dieser Studie künstliche Ascorbinsäure zugegeben. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass natürliche und künstliche Ascorbinsäure die gleiche Steigerung der Eisenresorption (bis zu Faktor 7) bewirken. Die oben angegebene Menge ist beispielsweise in ca. 200ml frisch gepresstem Orangensaft, 100g Brokkolioder wenigen Streifen roter Paprikaenthalten, jedoch reicht auch die Hälfte aus, um eine große Steigerung der Resorption zu bewirken. Allerdings nur, wenn zwischen dem Verzehr von ascorbinsäurehaltigen Lebensmitteln und eisenreichen Lebensmitteln höchstens wenige Stunden vergehen, das Vitamin C sich also noch im Verdauungstrakt befindet. Optimal ist die Einnahme zur gleichen Mahlzeit.
Vegetarische Ernährung
Die wichtigsten Eisenquellen stellen für viele Mischköstler Fleisch, Wurstund Leberdar, denn Milch und Eier hemmen die Aufnahme, und die reichlich verzehrten Weißmehlprodukteweisen bei zwar guter Resorptionsrate einen Eisengehalt von nur ca. 10% des Gehalts in Vollkorngetreideauf.
Da Vegetarier kein Fleisch, keinen Fisch und keine tierischen Organe verzehren, benötigen sie andere Eisenquellen. Eine Vielzahl pflanzlicher Nahrungsmittel enthält mitunter sehr viel Eisen, vor allem Gewürze(wie getrockneter Koriander, Petersilie, schwarzer Pfefferund Zimt), Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Ölsaaten(z.B. Sesamund Mohn) und Nüsse. Beispielsweise enthalten weiße Bohnenund Sojabohnenauf 100kcal bis zu achtmal so viel Eisen wie Rindfleisch, Zimt sogar mehr als die zwanzigfache Menge. Gleichzeitig reagiert Nonhäm-Eisenwie es in pflanzlichen Lebensmitteln, Milch und Eiern vorkommt, stärker auf gleichzeitig in der Nahrung aufgenommene Förder- und Hemmstoffe, sowie auf die Regulationsmechanismen des Körpers.
Förderstoffe der Eisenresorption:
- Vitamin Cist der wirksamste bekannte Förderstoff der Eisenresorption. Er vermag den eisenhemmenden Effekt vieler Hemmstoffe vollständig aufzuheben.
- weitere organische Säuren wie Äpfelsäure, Weinsäureund Zitronensäure; möglicherweise auch Essigsäureund Milchsäure
- Fruktose(Fruchtzucker), in schwächerem Maß auch andere Zucker
Allgemein also vor allem die Inhaltsstoffe von Früchtenund Fruchtgemüsen, sowie Kohlgemüse.
Hemmstoffe:
- Tanninin Kaffee und schwarzem Tee ist neben Phytinsäure der stärkste Eiseninhibitor
- Phytinsäurein unfermentiertem Vollkorngetreide und manchen (unfermentierten) Hülsenfrüchten
- Ballaststoffe, allerdings in geringerem Maß als ursprünglich angenommen
- Kalzium, Magnesiumin größeren Mengen
- unbekannte Substanzen in Eiern
- AntazidaMagensäure neutralisierende Medikamente
- Phosphatein Fleisch, Käse und mehreren Lebensmittelzusatzstoffen
- Oxalsäurewie z.B. in Rhabarber, Kakaound Spinat(dem mit bis zu 4mg/100g Frischware ansonsten eisenreichsten Gemüse)
Durch mikrobielle Fermentation wird der Phytinsäuregehalt von Lebensmitteln reduziert, wodurch die Resorptionsrate von Eisen und Zinksteigt. Deswegen sind unter Hefeteigführungund speziell Sauerteigführunggebackene Vollkornbroteeine bessere Eisenquelle als mit mineralischenBacktriebmittelnhergestellte Brote.
Beispiele für Kombinationen
- Bohneneintopf (eisenreiche Hülsenfrüchte) mit Kartoffelnund Paprika (ascorbinsäurehaltig)
- Bohnenpfanne mit Sauerkraut (Ascorbinsäure + Milchsäure)
- Vollkorn-Sauerteigbrot (eisenreich, Milchsäure) mit Hagebuttenmarmelade(Ascorbinsäure + Zucker)
- Spinat (eisenreich) mit Zitronensaft(Ascorbinsäure + Zitronensäure)
- Hummusenthält Kichererbsen, Sesam und oft Petersilie (alle eisenreich) + Zitronensaft (Ascorbinsäure)
Laborwerte
Typisch für die Eisenmangelanämie ist ein erniedrigter Hämoglobinwert, dabei ist auch der Hämoglobinwert im einzelnen Erythrozyten niedriger als normal (hypochrome Anämie). Beweisend für den Eisenmangel ist ein zusätzlich zum Hämoglobinmangel erniedrigter Ferritinwert. Eine Anämie bei normalem Ferritinwert deutet auf andere Ursachen hin, wie z.B. einem Mangel an Vitamin B6und/oder der Vitamine B12und Folsäure, die für die Blutbildung notwendig sind. (siehe Anämie)
Literaturverweise
- Draper, A. & Wheeler, E. (1989). The diet and food choice of vegetarians in Greater London. Centre of Human Nutrition, London.
- Anderson, B. et al. (1981). The iron and zinc status of long-term vegetarian women. American Journal of Clinical Nutrition v.34 (6) p.1042-1048.
- Seshadri S., Shah A., Bhade S., Haematologic response of anaemic preschool children to ascorbic acid supplementation
Inhalt steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation
