| |
Bild:Edouard Manet 001.jpg Edouard Manet: Absinthtrinker, 1859
Absinth (auch: Absinthe, Wermutspirituose) ist ein wermuthaltiges alkoholisches Getränkaus (im historischen Standardrezept) Anis, Fenchelund anderen Kräutern.
Der Alkoholgehaltliegt standardmäßig zwischen 45 und 74 Volumen-Prozent und ist demnach dem oberen Bereich der Spirituosenzuzuordnen. Aufgrund der Verwendung bitter schmeckender Kräuter, insbesondere von Wermut, gilt Absinth als Bitterspirituose, obwohl er selbst nicht notwendigerweise bitter schmeckt.
Der Hauptbestandteil von Absinth ist neben Alkohol, Wermut (Artemisia absinthium), das dem Absinth seinen Namen gibt. Hochwertige Absinthe wurden damals wie heute mittels Destillation? mittelmäßige Absinthe mittels Mazerationvon Wermut hergestellt. Öle und Extraktefinden sich nur in Billigprodukten wieder. Die angeblich typisch grüne Farbe, wegen der Absinth auch "die grüne Fee" (französisch: la Fée Verte) genannt wird, kommt vom Chlorophyllder typischen Färbekräuter. Verzichtet der Hersteller auf den komplexen Färbeprozess, spricht man von einem "La Blanche" bzw. einem "La Bleue"
Absinth wird, wie andere Anis-Spirituosen (zum Beispiel Pastisoder Ouzo), nicht pur getrunken, sondern mit stillem Wasserverdünnt. Die klare, grüne Flüssigkeit opalisiert dabei, d.h. sie trübt sich ein. Diese Reaktion wird Louche-Effektgenannt. Ursache des Effekts ist die schlechte Wasserlöslichkeitder im Absinth enthaltenen ätherischen Öle. Wegen des selbst unter den Spirituosen sehr hohen Alkoholgehalts des Absinths ist es nicht zu empfehlen, ihn unverdünnt zu trinken, da sonst u. A. Verletzungen an den Schleimhäutenverursacht werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Geschichte
- 2 Herstellung
- 3 Trinkrituale
- 3.1 Das französische Trinkritual
- 3.2 Die Schweizer Trinkart
- 3.3 Das tschechische Trinkritual
- 4 Berühmte Konsumenten
- 5 Literatur
- 5.1 Deutsche Werke
- 5.2 Englische Werke
- 5.3 Französische Werke
- 6 Weblinks
- 6.1 Allgemeine Informationen
- 6.2 Wissenschaftliche Informationen
|
Geschichte
Bild:Edgar Germain Hilaire Degas 012.jpg Edgar Degas: Der Absinth, 1876
Bild:Affiche absinthe.jpg Poster, das das Absinthverbot in der Schweiz kritisiert, um 1910
Wermuttee gab es schon in der Antike, das Rezeptfür Absinth entstand jedoch erst gegen Ende des 18. Jahrhundertsin der französischsprachigen Schweiz, im Val-de-Traversim Kanton Neuenburg(Neuchâtel). Ein Arzt namens Dr. Pierre Ordinaire kaufte es den Schwestern Henriod ab, die es dort im Jahre 1792 als Heilmittelverkauften. Bald darauf gelangte das Rezept in die Hände des Major Dubied, dem Schwiegervater von Henri Louis Pernod. Zu dritt begannen sie in Couvet Absinth zu produzieren - 16 Liter am Tag. Der größte Teil der Produktion wurde ins nahegelegene Frankreich exportiert. Um die umständlichen Zollformalitäten zu umgehen, zog Henri Louis Pernod im Jahre 1805 ins französische Pontarlierund gründete dort eine Absinth-Destillerie. In Folge entstanden in Frankreich und in der Schweiz zahlreiche Absinthbrennereien. Die Absinth-Produktion war für ein Jahrhundert ein bedeutendes Gewerbe.
Seine zum Teil geheimnisumwitterte Aurabezog der Absinth aus dem oben erwähnten Louche-Effekt um den sich zahlreiche Trinkritualebildeten.
Traditionellerweise wurde ein Stück Zuckerauf einen Absinthlöffel gelegt. Ein Absinthlöffel ist ein Löffelmit vielen kleinen Löchern. Er ist 15 bis 20 Zentimeter lang und es gibt ihn in vielen verschiedenen, kunstvollen Formen und Variationen. Das Stück Zucker auf dem Löffel wurde dann langsam mit kaltem Wasser übergossen, bis es sich auflöste und in ein Glas mit Absinth floss.
Ritualewie diese, sowie der damals im Verhältnis günstige Preis, mögen dazu beigetragen haben, dass der Absinth zu einem der populärsten alkoholischen Getränke des 19. Jahrhundertswurde.
Bereits um das Jahr 1850wurden Sorgen über die Folgen des chronischenAbsinth-Konsums laut. Dieser führe angeblich zu Absinthismus. Als Symptome galten Sucht, Übererregbarkeit und Halluzinationen. Man führte dies auf das Thujonzurück. Heute wird jedoch in der Forschung davon abgerückt und die Wirkung dem hohen Alkoholgehalt und der Verwendung billigen oder gepanschten Alkohols zugeschrieben.
Ein spektakulärer Mordfall am Anfang des 20. Jahrhunderts, bei dem ein Mann im Absinth-Rausch seine Familie tötete, führte dazu, dass Herstellung und Verkauf von thujonhaltigen Getränken in den meisten europäischen Ländern und den USA gesetzlich verboten wurden. Dieser Mord wurde von einem Alkoholikerverübt, der neben seinem Absinthkonsum täglich auch mehrere Liter Weißweintrank. Diese Tatsache blieb bei der Verbotsdebatte (welche auch von den Weißweinproduzenten geführt wurde) meist unerwähnt.
In der Schweizwurde das Absinth-Verbot 1910durch eine Volksinitiativeim Jahre 1908sogar in die Verfassung aufgenommen. Dieser Artikel wurde jedoch am 1. Januar 2000 aufgehoben und durch einen entsprechenden Eintrag im Lebensmittelgesetzersetzt. Die Legalisierungdes Absinth erfolgte am 2. März 2005, somit war der Konsum und die Herstellung von Absinth bis zu diesem Datum in der Schweiz sehr eingeschränkt. Eine einzige Brennerei "Kübler", ein altehrwürdiges Familienunternehmen, hatte die Erlaubnis für den Schweizer Markt eine leichtere Absinth-Version mit 45% vol. zu brennen, die "Extrait-d'Absinthe" genannt wurde. Im Gegensatz dazu ist jetzt eine andere Version, die "Véritable fée verte" mit 53% vol. Alkohol erhältlich. Im Geheimen wurde der Absinth jedoch durchgehend auch während des Verbots weiterhin hergestellt. Besonders im Schweizer Jura wurde das Verbot kaum beachtet.
Nicht verboten wurde die Absinth-Herstellung in der Tschechoslowakeisowie in den EU-Ländern Spanienund Portugal. Dies führte aufgrund einer EWG-Richtlinie zur Aufhebung des Absinth-Verbots in der Europäischen Union.
Seit 1991ist in Deutschland ein reglementierter Thujon-Anteil erlaubt, der je nach Alkoholgehalt bei bis zu 35 mg/kg liegen kann.
Herstellung
Bei der Herstellung wird Wermut und ein Teil der Zutaten (wie z. B. Anis und Fenchel) in Neutralalkohol oder Weinalkohol mazeriert und anschließend destilliert. Die Destillation ist notwendig, um die starken Bitterstoffedes Wermuts abzutrennen. Diese sind weniger flüchtig als die Aromastoffeund bleiben bei der Destillation zurück. Andernfalls wäre das Ergebnis ungenießbar bitter.
Das Destillatkann danach mit den anderen Kräutern (wie z. B. pontischem Wermut und Ysop) eingefärbt werden. Einige heutige Absinthe (zumeist minderwertige Sorten) werden mit Lebensmittelfarbekünstlich eingefärbt. Neben der "Grünen Fee" gibt es dann u. A. auch rot, schwarz oder blau eingefärbten Absinth, wobei es sich jedoch nur um einen Marketinggag handelt.
Trinkrituale
Absinth kann auf verschiedenste Art getrunken werden. Jedoch haben sich aufgrund der Charakteristik des Absinths, wie z. B. der Louche-Effekt, der hohe Alkoholgehalt und manchmal bittere Geschmack, im Laufe der Zeit ganz spezielle Verfahren entwickelt um den persönlichen Genuss des Absinths noch zu steigern.
Dabei lassen sich vor allem drei Versionen der Absinthzubereitung ausmachen: das französische Trinkritual, die Schweizer Trinkart und das Feuerritual.
Einzig das französische Ritual besitzt eine historisch belegbare Tradition, Absinth wurde im 19. Jahrhundert bis hin zum Verbot (1915) in Frankreich auf diese Weise genossen. Die Schweizer Trinkart findet vor allem bei süßen Absinthen Anwendung, da hierbei die Zuckerzugabe mit Hilfe eines Absinthlöffels entfällt.
Das Feuerritual ist historisch nicht mit dem Absinthkonsum verbunden und stellt eine neuzeitliche Entwicklung im Zuge von Vermarktungsstrategien tschechischer Absinthhersteller dar. Es wird seitdem auch das tschechische Trinkritual genannt.
Das französische Trinkritual
- ca. 2-4 cl Absinth in ein Absinthglas füllen.
- ein oder zwei Stück Würfelzucker auf einen Absinthlöffel platzieren.
- ganz langsam und vorsichtig frisches, stilles Wasser über den Zucker gießen.
- verdünnt wird, je nach Geschmack, im Verhältnis 1:3 bis 1:5, so dass man den Alkohol geschmacklich nicht mehr oder kaum noch spürt.
Die Schweizer Trinkart
- ca. 2-4 cl Absinth in ein Absinthglas füllen.
- langsam mit frischem, stillem Wasser, je nach Geschmack, im Verhältnis 1:3 bis 1:5 auffüllen
Das tschechische Trinkritual
- ca. 2-4 cl Absinth in ein Absinthglas füllen.
- ein oder zwei Stück Würfelzucker in den Absinth tauchen, auf einen Absinthlöffel platzieren und anzünden.
- sobald das Zuckerstück Blasen zeigt und karamellisiert, die Flammen löschen und den Löffel in das mit Absinth gefüllte Glas tauchen. Auf keinen Fall dürfen noch brennende Zuckerstücke in den Absinth gegeben werden, da hierbei Brandgefahr besteht.
- mit Eiswasser im Verhältnis 1:3 bis 1:5 mischen. Auch hier entscheiden persönlicher Geschmack und Stärke des Absinth
Berühmte Konsumenten
Neben vielen Künstlern, Schriftstellern und Halbweltsleuten gehörte auch ein Mann zu den Anhängern der Grünen Fee, der besondere Bekanntheit erlangte: Vincent van Gogh. Wann immer er es sich leisten konnte, trank er Absinth. Ein weiterer großer Anhänger und Künstler war der Alkoholiker und Grafensohn Toulouse-Lautrec(1864-1901). Er ist an seinem zu hohen Alkoholkonsum gestorben und hatte die Angewohnheit, seinen Absinth nicht mit Wasser, sondern mit Cognac zu verdünnen. Zu diesem Thema malte er auch das bekannte Bild "Die Absinthtrinkerin". In der Bohèmevon Paris, wo er lebte, war Absinth sehr beliebt. Z.B. genossen außer ihm noch die Künstler Picasso, Degas, Monet, Manet, Gauguin, Siley, Pizzaround Baudelaireden Geschmack der "Grünen Fee".
Literatur
Deutsche Werke
- Helmut Werner: Absinth. Ullstein TB 2002. ISBN 3548363733
- Alexander Kupfer: Göttliche Gifte - kleine Kulturgeschichte des Rausches seit dem Garten Eden. Metzler 2002. (Umfangreiches Kapitel über Absinth in der Literatur und Kunst.) ISBN 3476014096
- Michael Erdmann, Heiko Antoniewicz: Kochkultur mit Absinth. Klartext-Verlag 2003. ISBN 3898611671
Englische Werke
- Barnaby Conrad: Absinthe: History in a Bottle. Chronicle Books 1997(Reprint). ISBN 0811816508
- Phil Baker: The Dedalus Book of Absinthe. Dedalus Ltd. 2001. (=Dedalus Concept Books). ISBN 1873982941
Französische Werke
- Marie-Claude Delahaye: L'absinthe - Son histoire. le Musée de l'absinthe 2000. ISBN 2951531621
- Marie-Claude Delahaye: L'absinthe, muse des poètes. le Musée de l'absinthe 2000
- Marie-Claude Delahaye, Benoît Noël: Absinthe, muse des peintres. Editions de l'Amateur 1999
- Marie-Claude Delahaye: L'Absinthe Les Cuillères.
- Benoît Noël: L'Absinthe, un mythe toujours vert. Esprit frappeur 2000. ISBN 2844050948
Weblinks
Allgemeine Informationen
- Absinth Forum, Informationen und Kaufberatung
- Erkennungsmerkmale eines hochwertigen Absinthes
- Testberichte fast aller erhältlichen Absinthe
- Degustationsberichte hochwertiger Absinthe, Absinthe Museum
- The Virtual Absinthe Museum (englisch)
Wissenschaftliche Informationen
- Joachim Emmert: Absinth Analytik mit GC/MS
- CVUA Karlsruhe: Absinth - eine Spirituose mit Vergangenheit und Zukunft aus analytischer und lebensmittelrechtlicher Sicht
- Annette Erb: Die grüne Fee, Seminararbeit
Bild:Qsicon lesenswert.png
| Dieser Artikel wurde in die Liste der Lesenswerten Artikelaufgenommen.
|
da:Absint
en:Absinthe
fi:Absintti
fr:Absinthe
he:??????
it:Assenzio
ja:????
lb:Absinth
lt:Absentas
mk:??????
nl:Absint
pl:Absynt
pt:Absinto
ru:??????
sv:Absint
Seitenkategorien: Spirituose| Ritual| Lesenswert
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
|