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Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease)
Definition und Pathogenese
? Gestörter Abbau der verzweigkettigen AS Leucin (Leu), Isoleucin (Ile) und Valin (Val) auf der Stufe des 2-Ketosäuren-Dehydrogenase-Komplexes (BCKAD-Komplex) in Leukozyten, Fibroblasten, Lebergewebe
? Anstauende AS, Ketosäuren und ihre Zwischenprodukte (10- bis 40fache Ansammlungen) im Blut, Urin und Zerebrospinalflüssigkeit? Hemmung anderer Enzyme? Hypoglycämie, metabolische Azidose, Störungen der Harnsäureausscheidung, Hemmung der Myelinisierung
Vererbung und Häufigkeit
? autosomal? rezessiv, 1 : 216 000, in Georgien 1 : 123 000
Klinik
? Symptome bereits in der 1.Lebenswoche: Nahrungsverweigerung, Apathie, Trinkschwäche, Opisthotonus, schrilles Schreien, Muskelhypotonie und ?rigor, Krampfanfälle und Koma, Tod in den ersten 10 Lebenstagen
? Uringeruch: würzig-süßlich nach Maggi, Curry oder verbranntem Zucker durch im Leucinintermediärstoffwechsel gebildetes Sotolon
? Verlaufsformen:
a) klassische: häufigste Erkrankungsform, Restenzymaktivität <2%, klinische Symptome innerhalb der ersten Lebenstage
b) intermediäre: 5-20 % der Enzymaktivität, von Entwicklungsverzögerung bis hin zum Schwachsinn mögl., v.a. bei gesteigertem Katabolismus oder nach Proteinzufuhr von> 1-1,5 g/ kg KG /d? Ketoazidose
c) intermittierende: 3-30 % der Enzymaktivität, Auftreten erst im Alter von 12-24 Monaten bei starkem Katabolismus und erheblicher Proteinzufuhr? Ataxie, Krämpfe, Koma. Außerhalb der Krisen - Patienten unauffällig
d) thiaminabhängige: Steigerung der Enzymaktivität durch große Thiaminmengen (100-1000 mg/24 h), meistens keine Einschränkung der Eiweißzufuhr notwendig
Diagnostik
? Pränatal: Defektnachweis des Enzyms in Amnionzellen möglich
? Neugeborenen-Screening: durch massenspektrometrische Verfahren im Plasma und Urin, im Blut [Leu]> 8 mg/dl in den ersten 3 Lebenstagen
? Orientierend: durch Dinitrophenylhydrozin (DNPH) im Urin (tiefrote Reaktion auf BCAA)
? Atemtest mit markiertem 13C-Isotop: Bedarfsermittlung an Leu
? CAVE: außerhalb der Krisen: AS-Werte bei intermittierender Form im Normbereich
Therapie
? bei geringstem Verdacht: bereits in den ersten Lebenstagen Einstellung der Proteinzufuhr
? Akute Entgiftung durch: Peritonealdialyse (N-frei), Plasmapherese, kontinuierliche arteriovenöse Hämofiltration? Leucinwert: <0,5 mmol/l
? Ausgleich der Azidose und Behandlung der Hypoglycämie mit hohen Glucosedosen (Insulin 0,2 IE/kg Kg/h i.v., Glu 1 g/kg KG/h i.v.)
? Applikation einer Fett-KH-Elektrolytmischung über nasogastrale Sonde
? Initialtherapie in der neonatalen Periode: BCAA-freie Protein- und Energiegaben aus Dextrose, Lipiden und bei mind. 20 % der Enzymaktivität 1,5 g Protein/kg KG/d
? Normalisierung: Ile innerhalb von 2-3 d, Leu innerhalb von 8-10 d
? Langzeitbehandlung: Natürliche Lebensmittel in Kombination mit Aminosäuregemischen ohne verzweigkettige AS (MSUD 1 und 2 von Milupa und ILV-AM von Maizena) mit lebenslanger Überwachung der Blutspiegel
? Ernährungsgestaltung im Säuglingsalter:
o Ausschließlich pflanzliche Proteinquellen verwenden
o Längere nächtliche Nüchternphasen vermeiden? Spätmahlzeit zw. 22 und 24 Uhr bis zum Ende des 1. Lebensjahres beibehalten
o Im Alter von 1 Jahr: morgens und abends KH-Getränke
o Obst und Gemüse mit niedriger [Leu] <50 mg/ 100 g erlaubt:
Obst Äpfel, Aprikosen, Kirschen, Trauben, Grapefruit, Mandarinen, Orangen, Pfirsiche, Ananas, Pflaumen, Erdbeeren, Himbeeren
Gemüse gekochter Spargel, Artischocken, Auberginen, Bohnen, Rote Beete, Weißkohl, Karotten, Gurken, grüner Salat, Zwiebeln, Paprika, Tomaten
? Klein- und Schulkinder:
o Bei leichten Infekten? Notfallprogramm: Starke Reduktion und u.U. Substitution der Zufuhr an BCAA und Erhöhung des Proteinersatzpräparats, möglichst auf Leu-Zufuhr verzichten
Prognose
? Ausschlaggebend: zeitlicher Abstand zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und der Diagnosestellung
? Gute Überlebenschancen, jedoch zerebrale Schädigungen und geistige Retardierung möglich
? Bei Infekten kommt es oft zu Stoffwechselentgleisungen
Quellen:
? Koletzko B. Kinderheilkunde und Jugendmedizin. 12. Auflage, Springer, Berlin 2004
? Shils ME, Olson JA, Shike M, Ross AC (Hrsg.). Modern nutrition in health and disease. 9. Auflage, Williams & Wilkins, Baltimore 1999
? Sitzmann FC. Pädiatrie. 2. Auflage, Thieme, Stuttgart 2002
? Stein J, Jauch KW. Praxishandbuch klinische Ernährung und Infusionstherapie. Springer, Berlin 2003
http://www.stoffwechselzentrum-muenchen.de/erkrank/ahornsir.htm(1.11.2005)
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