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Der Morbus Bechterew (Synonyme: Bechterewsche Krankheit, Bechterew-Strümpell-Marie-Krankheit, Spondylitis ankylosans, ankylosierende Spondylitis, rheumatoide Spondylitis, Spondylarthritis ankylopoetica) ist eine chronisch entzündliche rheumatischeErkrankung mit Schmerzenund Versteifung von Gelenken. Sie betrifft vorwiegend die Wirbelsäule(besonders im Lenden-Brust-Bereich) und die Darm-Kreuzbeingelenke(Iliosakralgelenke), kann aber auch andere Gelenke betreffen. Im Verlauf des Morbus Bechterew kann es auch zu Entzündungen der Regenbogenhautdes Auges(Iris) kommen, selten anderer Organe.
Darstellung im Schnittbild, hier Kernspintomogramm
Bild:M Bechterew2 Spond li ISG MR pcor T1 FatSAT mit GD.jpg MRTeiner Spondylitis des linken Kreuzbein-Darmbeingelenks
Inhaltsverzeichnis
- 1 Bedeutung
- 2 Diagnostik
- 3 Therapie
- 4 Entdecker
- 5 Weblinks
- 6 Quellen
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Bedeutung
Die Spondylarthropathien, deren häufigste Art bei uns Morbus Bechterew bzw. Ankylosierende Spondylitis ist, betreffen einer Studie an Berliner Blutspendern zufolge ca 1,9 %der deutschen Bevölkerung [1], wobei viele der mit eher milden Symptomen einhergehenden Erkrankungen nie diagnostiziert werden, so dass nur eine Minderheit der geschätzten knapp 1,6 Million Menschen mit Spondylarthropathien in Deutschland überhaupt davon wissen dürfte. Die Deutsche Vereinigung
Morbus Bechterew e.V.[2]spricht von 100000 - 150000 diagnostizierten Fällen in Deutschland. Männer sind ungefähr drei mal so häufig betroffen wie Frauen, die ersten Symptome treten in westlichen Industrienationen meistens im jungen Erwachsenenalter (20-25) auf, in 5% der Fälle liegt der Erkrankungsbeginn nach dem 40.Lebensjahr. Eine Besonderheit ist die enge Assoziation der Erkrankung mit dem AllelHLA-B27, einem Blutgruppenantigen, das eine wichtige Rolle im Immunsystemzu spielen scheint. Dessen je nach Ethnie verschieden häufiges Vorkommen korreliertweltweit mit der Häufigkeit der Erkrankung. Es wird heute davon ausgegangen, dass die Ankylosierende Spondylitis größtenteils genetisch bedingt ist, wobei das HLA-B27-Gen die mit Abstand am besten bekannte, jedoch nicht allein auslösende genetische Ursache ist (mehr zu HLA-B27, englisch: [3]).
Diagnostik
Der Zeitraum bis zur Diagnose beträgt nach Informationen der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB) im Durchschnitt 5-7 Jahre, in einigen Fällen jedoch bis zu 15 Jahre, was bei sorgfältiger Untersuchung vermeidbar ist. Eine genauere Untersuchung ist dann ratsam, wenn unter 45jährige länger als 3 Monate lang Rückenschmerzen haben, charakteristischerweise mit
- länger als 30min andauernder Morgensteifigkeit,
- Besserung der Beschwerden bei Bewegung und
- nächtlichem Rückenschmerz [4].
Mit der Erkrankung einhergehende Bewegungseinschränkungen können durch bestimmte einfache Untersuchungen genauer bestimmt werden (Schober-Maß, Ott-Maß, Kinn-Brustbein-Abstand, Hinterkopf-Wand-Abstand, Atemabhängige Änderung des Brustumfangs). Des Weiteren kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz, am geeignetsten zur Früherkennung ist die Magnetresonanztomographie(MRT = "Kernspin").
Der Rheumafaktorist beim M. Bechterew negativ. 90% der Betroffenen haben das HLA-B27-Gen, allerdings kommt dieses Gen bei ca 9% der deutschen Bevölkerung vor. Dieses Gen zu haben ist also lediglich ein Risikofaktor, der die Wahrscheinlichkeit zu erkranken erhöht, die große Mehrheit der Genträger bleibt jedoch gesund. Entzündungsparameter wie CRPund BSGzeigen eine momentane Aktivität der Entzündungan.
Therapie
Beim M. Bechterew ist es sehr wichtig, sich regelmäßig zu bewegen, auch systematisch Krankengymnastikzu machen, um die Gelenke beweglich zu halten und eine Kyphosezu vermeiden. Dies kann für die Betroffenen jedoch oft sehr schmerzhaft sein. Damit kann die Beweglichkeit des Körpers i.A. ausreichend erhalten werden.
Seit 2003 ist das Medikament Enbrel (Etanercept) zugelassen. Es handelt sich dabei um einen TNF-alpha-Blocker (TNF = Tumor-Nekrose-Faktor), der die durch TNF-alpha vermittelten Entzündungsprozesse hemmt. Mit diesem noch sehr teuren Präparat werden in vielen Fällen gute Ergebnisse erzielt und es ist noch nicht abzusehen, wie sich die Prognose für betroffene Patienten durch anti-TNF-alpha-Therapie ändern wird, da noch keine Erkenntnisse über einen längeren Zeitraum vorliegen. Vor Aufkommen der TNF-alpha-Blocker (Infliximab) und (Etanercept) wurden gegen die Schmerzen wie auch als kausale, antientzündliche Therapie NSARwie z.B. Indometacineingesetzt, darüber hinaus bei bestimmten Formen Sulfasalazinund Methotrexat. Außerdem sollen, Studien zufolge, Pamidronat, ein Bisphosphonat, Thalidomid (der Contergan-Wirkstoff) und das radioaktive IsotopRadium224 als Infusion wirksam sein.[5]
Alternative Therapien sind:
- Diät- Stärkefreie Diät (Ebringer et al 1996), London Diät, Steinzeiternährung
- Dehnübungen - Yoga, Pilates
- Radonwird in verschiedenen Kurorten (z.B. Bad Kreuznach, Bad Gasteinim Gasteiner Heilstollen, Bad Schlema) zur Therapie verwendet
Entdecker
Als Pioniere der Spondylitis-ankylosans-Forschung gelten Wladimir Bechterew, Pierre Marie, André Leriund Adolph Strümpell.
Weblinks
- Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V.
- Österreichische Vereinigung Morbus Bechterew
- GesundheitPro.de - Bechterewsche Krankheit
- wissenschaftlicher Artikel über HLA-B27 (englisch)
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