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República Argentina
Argentinische Republik
| Bild:Flag of Argentina.svg
| Bild:Argentina coa.png
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| (Details)
| (Details)
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Wahlspruch: En Unión y Libertad
(Spanisch für ?In Einigkeit und Freiheit?)
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| Amtssprache | Spanisch
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| Hauptstadt | Buenos Aires
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| Staatsform | Präsidiale Bundesrepublik
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| Präsident | Néstor Kirchner
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| Fläche | 2.766.890 km²
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| Einwohnerzahl | 38.592.150 (Schätzung 2005)
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| Bevölkerungsdichte | 14 Einwohner pro km²
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| BIP/Einwohner | $4.380 (72.) Stand: Mai 2005</small>
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| Unabhängigkeit | 9. Juli1816
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| Währung | Argentinischer Peso
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| Zeitzone | UTC-3
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| Nationalhymne | Himno Nacional Argentino
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| Kfz-Kennzeichen | RA
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| Internet-TLD | .ar
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| Vorwahl | +54
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| Bild:Argentina-Pos.png
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| Bild:Argentina map.png
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Argentinien (spanisch Argentina) ist ein Staatin Südamerika.
Es grenzt im Osten an den Atlantischen Ozean, im Westen an Chile, im Norden an Bolivienund Paraguay, und im Nordosten an Brasilienund Uruguay. Der von spanischen Kolonisten stammende Landesname ist vom lateinischen Argentum (für Silber) abgeleitet und kennzeichnet, welche Schätze diese dort einst zu finden glaubten und hofften.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Geographie
- 1.1 Wichtige Städte
- 1.2 Hohe und bedeutende Berge
- 1.3 Bedeutende Flüsse
- 1.4 Große Seen
- 1.5 Inseln
- 1.6 Bodenschätze
- 1.7 Klima
- 1.8 Flora und Fauna
- 2 Bevölkerung
- 2.1 Nachfahren der Europäer und Mestizen
- 2.2 Indigene Bevölkerung
- 2.3 Ausländer, Zuwanderung und Auswanderung
- 2.4 Religion
- 2.5 Sprache
- 2.6 Bevölkerungsentwicklung
- 2.7 Soziale Situation
- 3 Geschichte
- 4 Politik
- 4.1 Wichtige politische Persönlichkeiten
- 4.2 Mitgliedschaften in Internationalen Organisationen und Gruppierungen
- 4.3 Militär und Verteidigung
- 4.4 Bildungswesen
- 4.4.1 Schulsystem
- 4.4.2 Universitäten
- 4.4.3 Bibliothekswesen
- 5 Administrative Gliederung
- 5.1 Provinzen
- 5.2 Regionen
- 6 Infrastruktur
- 6.1 Verkehrsnetze
- 6.1.1 Schienenverkehr
- 6.1.2 Straßenverkehr
- 6.1.3 Flugverkehr
- 6.1.4 Schiffsverkehr
- 6.2 Energie
- 6.3 Telekommunikation und Post
- 7 Wirtschaft
- 7.1 Geschichte der Wirtschaftspolitik
- 7.2 Bruttoinlandsprodukt
- 7.3 Staatsverschuldung
- 7.4 Inflationsrate
- 7.5 Außenhandel
- 8 Kultur
- 8.1 Musik
- 8.2 Literatur
- 8.3 Theater
- 8.4 Film
- 8.5 Medien
- 8.5.1 Fernsehen
- 8.5.2 Radio
- 8.5.3 Printmedien
- 8.6 Sport
- 8.7 Feiertage
- 9 Reiseinformationen
- 10 Herkunft des Staatsnamens
- 11 Literatur
- 12 Weblinks
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Geographie
Argentinien hat eine Fläche von circa 2,8 Millionen Quadratkilometern und ist damit der zweitgrößte Staat Südamerikas. Das Land erinnert in seiner Gestalt an ein lang gezogenenes Dreieck. Die Ausdehnung von Norden nach Süden beträgt etwa 3.700 km, die von Westen nach Osten an der breitesten Stelle circa 1.400 km.
Das gesamte westliche Grenzgebiet wird von den Andeneingenommen, der längsten kontinentalen Gebirgskette der Erde. Deren höchster Berg, der Aconcaguamit 6.959 m Höhe, liegt nahe der argentinisch-chilenischenGrenze in der Provinz Mendoza.
Der zentrale Norden Argentiniens wird vom Gran Chaco, einer heißen Trockensavanneeingenommen.
| Grenze mit | Länge
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| Bolivien | 742 km
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| Brasilien | 1132 km
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| Chile | 5308 km
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| Paraguay | 1699 km
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| Uruguay | 495 km
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| insgesamt | 25728 km
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Östlich davon schließt sich entlang des Río Paranádas Hügelland der Provinz Misionesan.
Dort befinden sich am Dreiländereck Argentinien/Paraguay/Brasiliendie Wasserfälle von Iguazú, die zu den größten der Erde zählen.
Südlich davon, zwischen den großen Strömen Río Paranáund Río Uruguay, liegt das feuchte und sumpfige Mesopotamia. Am Río de la Plata, dem gemeinsamem Mündungstrichter dieser beiden Ströme, befindet sich die Stadt Buenos Airesund die gleichnamige Provinz Buenos Aires, das wirtschaftliche Herz Argentiniens. Hier konzentriert sich auch der Großteil der Einwohner Argentiniens.
Westlich und südlich von Buenos Aires erstrecken sich die Pampas, eine grasbewachsene Ebene, wo der größte Teil der Agrarprodukte des Landes erzeugt wird. In dieser Region befinden sich große Weizenfelderund Weideflächen für Rinder, deren Fleisch immer noch zu den Hauptexportgütern Argentiniens gehört.
Bild:Aconcagua2004.jpg Der Aconcagua
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Bild:Landschaft von Patagonien.jpg Patagonien
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Zwischen den Pampas und den Anden liegen im zentrale Argentinien die Gebirgszüge der Sierras Pampeanas.
Das im Süden Argentiniens gelegene Patagonienist von starken Westwinden geprägt und hat ein sehr raues Klima. Dieses Gebiet, das etwa ein Viertel der Fläche des Landes ausmacht, ist sehr dünn besiedelt. Der tiefste Punkt des Landes und Gesamtamerikas ist die Laguna del Carbónmit 105 m unter dem Meeresspiegel. Sie befindet sich zwischen Puerto San Juliánund Comandante Luís Piedra Buenain der Provinz Santa Cruz.
Von Argentinien wird ein Sektor des antarktischenKontinents beansprucht, siehe hierzu: Argentinisches Antarktisterritorium.
Wichtige Städte
Buenos Aires(auf Deutsch: Gute Lüfte), dessen Ballungsraumetwa 12 Millionen Einwohner umfasst, ist als politische Hauptstadt und wirtschaftliches Zentrum die wichtigste Stadt Argentiniens. Es ist umgeben von einer Reihe von selbstständigen Vorstädten, die zum Teil reine Schlafstädtesind, zum Teil aber auch selbst über Produktionsstätten verfügen.
Córdoba, mit 1,4 Mio. Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes, verfügt über größere Produktionsstätten und beherbergt die älteste Universitätdes Landes, welche gleichzeitig eine der wichtigsten ist. Rosarioin der Provinz Santa Fe(1,2 Mio. Einwohner) ist der zweitbedeutendste Hafen des Landes und ein wichtiges Industrie- und Handelszentrum. Mendoza(900.000 Ew.) ist vor allem für seinen Wein- und Obstanbau bekannt, dient aber auch als Brückenkopf für den Handel mit Santiago de Chile.
San Miguel de Tucumán(750.000 Ew.) ist die Geburtsstätte der Unabhängigkeit und wurde durch die intensive Landwirtschaft, insbesondere den Zuckerrohranbau, wirtschaftlich und kulturell bedeutsam, hat aber in den letzten Jahrzehnten wegen der Krise in diesem Wirtschaftssektor an Wichtigkeit verloren und ist heute eine der Städte mit der größten Armutsrate des Landes. Die Universitäten in dieser Stadt haben allerdings überregionale Bedeutung und werden z.B. von Studenten aus Bolivienbesucht.
Siehe auch: Liste der Städte in Argentinien
Hohe und bedeutende Berge
Bild:Argentinien topo.jpg Topographie
Bild:Lanin1997.jpg Vulkan Lanín in Argentinien
In den argentinischen Andengibt es eine Vielzahl sehr hoher Berge über 6000 m Höhe. Hierunter befinden sich auch der höchste Berg des amerikanischen Kontinents, der Aconcaguamit fast 7000 m Höhe und der höchste Vulkander Erde, der Ojos del Saladomit fast 6900 m. Im Folgenden sind alle Sechstausender sowie einige wichtige oder bekannte Berge unter sechstausend Meter aufgelistet:
- Aconcagua, 6958 m
- Bonete, 6759 m
- Ojos del Salado, 6893 m
- Tupungato, 6570 m
- Monte Pissis, 6795 m
- Mercedario, 6720 m
- Llullaillaco, 6739 m
- El Libertador, 6380 m
- Incahuasi, 6620 m
- Galan, 5942 m
- El Muerto, 6488 m
- Nacimiento, 6436 m
- Toro, 6168 m
- Tres Cruces Sur, 6748 m
- Tortolas, 6160 m
- El Cóndor, 6414 m
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- Famatina, 6097 m
- Solo, 6205 m
- Polleras, 5993 m
- Juncal, 5950 m
- Negro, 6070 m
- Quela, 6135 m
- Palermo, 6120 m
- San Juan, 6111 m
- Sierra Nevada, 6103 m
- Antofalla, 6440 m
- Marmolejo, 6100 m
- Maipo, 5264 m
- Poincenot, 3002 m
- Torre, 3133 m
- Fitz Roy, 3405 m
- Volcán Lanín, 3747 m
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Bild:Cerro Torre.jpg Cerro Torre
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Bedeutende Flüsse
Bild:Rio de la Plata BA 2.JPG Der Río de la Platamit dem Großraum Buenos Airesrechts unten
Argentiniens Hydrologiewird von den Zuflüssen des Río de la Platadominiert. Sein Einzugsgebiet umfasst etwa 5.200.000 km². Etwa ein Drittel hiervon liegt in Argentinien, der Rest in Bolivien, Brasilien, Paraguayund Uruguay. Zuflüsse des Río de la Plata sind der Río Paranáund der Río Uruguay.
- Río de la Plata(Mündung des Paranáund Uruguayin den Atlantik)
- Río Paraguay, 2549 km, 4300 m³/s (mündet in den Paraná)
- Río Salado, 2000 km, 15 m³/s (mündet in den Paraná)
- Río Paraná, 1800 km, 16806 m³/s (mündet in den Río de la Plata)
- Bermejo-Desaguadero-Salado, 1200 km, 14 m³/s
- Río Uruguay, 1100 km, 5026 m³/s (mündet in den Río de la Plata)
- Río Bermejo-Teuco, 1000 km, 339 m³/s (mündet in den Paraguay)
- Río Colorado, 860 km, 134 m³/s (mündet in den Atlantik)
- Río Pilcomayo, 850 km, 152 m³/s (mündet in den Paraguay)
- Río Chubut, 810 km, 48 m³/s (mündet in den Atlantik)
- Río Salado (Buenos Aires), 700 km, 88 m³/s (mündet in den Atlantik)
- Río Negro, 635 km, 865 m³/s (mündet in den Atlantik)
- Río San Juan, 500 km, 56m³/s
- Río Mendoza, 400 km, 50 m³/s
Große Seen
Bild:Perito Moreno Glacier - Satelite - NASA - ISS004-E-9707.JPG Lago Argentino und Gletscher Perito Moreno
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Bild:Falklandinseln Islas Malvinas aus dem Weltall.jpg Die Islas Malvinas aus dem Weltall
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Besonders bedeutend ist der See Laguna Mar Chiquitain der Provinz Córdobasowie die Seen Lago Argentinound Lago Viedmabeide im Naturpark Los Glaciaresgelegen, der zum UNESCO-Welterbeerklärt wurde. Dort befindet sich auch der GletscherPerito Moreno.
- Laguna Mar Chiquita, 5770 km²(Oberfläche stark schwankend)
- Lago Argentino, 1415 km²
- Lago Viedma, 1088 km²
- Lago Buenos Aires, 881 km² (argentinischer Teil, Gesamtfläche: 1.850 km²)
- Colhue Huapi, 803 km²
- Nahuel Huapi, 550 km²
Inseln
Die größte Insel ist Feuerland, die sich Argentinien (Provinz Tierra del Fuego) und Chileteilen. Weiterhin bedeutend sind die Malwinen(Falklandinseln), die zwar von Argentinien beansprucht werden, aber unter britischerVerwaltung stehen. Die Besetzung der Inseln durch Argentinien am 2. April1982löste den Falkland-Kriegaus, der bis zum 14. Juni1982dauerte und mit einer Niederlage Argentiniens endete.
- Feuerland(für den argentinischen Teil der Insel, siehe Provinz Tierra del Fuego): 21.051 km²
- Islas Malvinas(deutsch: Malwinen bzw. Falklandinseln) (Großbritannien, von Argentinien beansprucht): Isla Soledad (6.353 km²) und Gran Malvina (4.378 km²)
- Islas Georgias del Sur y Islas Sandwich del Sur(Großbritannien, von Argentinien beansprucht): San Pedro (Südgeorgien, 3.528 km²), Jorge (Südlichen Sandwichinseln, 110 km²), Blanco (Südlichen Sandwichinseln, 46 km²), Saunders (Südlichen Sandwichinseln, 40 km²)
- Isla de los Estados: 520 km²
- Islas Orcadas(von Argentinien beansprucht, fällt unter den Antarktisvertrag): Coronación(457 km²) und Laurie (86 km²)
- Trinidad(Provinz Buenos Aires): 207 km²
- Bermejo(Provinz Buenos Aires): 20 km²
Bodenschätze
Wertvolle Mineralerzeund Gesteinefinden sich in Argentinien nur in kleineren Mengen, so etwa Gold, Silber, Kupfer, Blei, Zink, Eisen, Zinn, Wolfram, Glimmerund Kalkstein. Wirtschaftlich bedeutender sind die Erdöl- und Erdgas-Vorkommen vor der Küste.
Klima
Bild:Klima buenosaires.png Klimadiagramm Buenos Aires | Bild:Klima salta.png Klimadiagramm Salta
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Bild:Klima mendoza.png Klimadiagramm Mendoza | Bild:Klima ushuaia.png Klimadiagramm Ushuaia
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| (Für allgemeine Erläuterungen siehe: Klimadiagramm)
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Argentinien hat von tropischenGebieten im äußersten Nordosten über subtropische im restlichen Norden und eine ausgedehnte gemäßigte Klimazone bis hin zu kalten Klimaregionen im Süden und in den Anden nahezu alle Klimazonenin einem Land vereint.
Der Nordwesten Argentiniens ist im Bereich der Anden trocken mit einer kurzen Regenzeit im Sommer. In ihr findet man die Hochwüste Puna, deren Westen zu den regenärmsten Gebieten der Welt zählt, sowie den steppenhaften, unfruchtbaren Monteam Fuß der Andenin den Provinzen Mendoza, San Juanund La Rioja. Eine Abweichung von dieser Regel sind die subtropischen Nebelwälder in den Provinzen Tucumán, Saltaund Jujuy, die im Sommer extrem feucht, im Winter aber relativ trocken sind. Der Gran Chacoim zentralen Norden ist zwar etwas feuchter, seine Niederschläge konzentrieren sich jedoch ebenfalls auf den Sommer. Der Nordosten sowie die Pampa-Region sind das ganze Jahr über feucht, wobei die höchsten Niederschlagsmengen im subtropischen Regenwald der Provinz Misioneszu finden sind.
Im Süden (Patagonien) ist es umgekehrt: der Westen, die Anden, sind ständig feucht und von der Temperatur kühl gemäßigt, während der Osten, das patagonische Schichtstufenland, sehr trocken und halbwüstenhaft ist. In dieser Region bestimmt der regelmäßig alle ein bis zwei Wochen vom Südwesten her blasende Pampero-Wind das Klima. Ein Sonderfall ist das Klima in Feuerland, wo die Temperaturen in Sommer und Winter nur wenig auseinander liegen, es jedoch insgesamt sehr kühl ist und die Niederschlagsmengen relativ hoch sind.
Flora und Fauna
Entsprechend den sehr unterschiedlichen Klimazonen Argentiniens variieren auch die Vegetation und die Tierwelt sehr stark. Insgesamt sind etwa zwölf Prozent der Landfläche bewaldet.
Flora
Bild:Amerikanische Platane.jpg Eine Amerikanische Platane
In den warmfeuchten tropischen und subtropischen Regenwäldernim Norden gedeihen tropische Pflanzen, wie Rosenhölzer(Dalbergia), Guajakholzbäume(Guaiacum officinale), Palisander(Jacaranda mimosifolia) und Quebracho-Bäume (Schinopsis lorentzii), aus denen Gerbsäuregewonnen wird, aber auch Palmen.
Der ebenfalls im Norden befindliche Gran Chacoverfügt über eine savannenartigeVegetation, welche von den Algarrobo-Bäumen (hauptsächlich Prosopis alba und Prosopis nigra) dominiert wird, Quebracho kommt auch vor.
Die Pampaist geprägt von ausgedehnten Graslandschaften mit verschiedensten Gräsern. Von Eukalyptus(Eucalptus), amerikanischen Platanen(Platanus occidentalis) und Akazien(Acacia) abgesehen, finden sich hier keine Bäume; die ersteren beiden Gattungen sind nicht heimisch. Aufgrund des sehr feinen steinfreien Bodens ist eine landwirtschaftliche Bebauung gut möglich, so dass sich nur noch wenig ursprüngliche Vegetation erhalten hat.
Patagonienliegt schon im Schatten der Anden und ist eine karge und weitestgehend baumlose Landschaft. Hier herrschen wie in der Pampa auch die Gräser vor, die Vegetation ist aber den wesentlich trockeneren Gegebenheiten angepasst. Daneben findet man verschiedenste krautige Gewächse und Sträucher. Wegen des steinigen Boden ist Getreideanbau nicht möglich, stattdessen werden die Graslandschaften als Schafweide genutzt.
In den Vorgebirgen der Andenund auf Feuerlandfinden sich ausgedehnte Nadelwäldermit Fichten(Picea), Zypressen(Cypressus), Kiefern(Pinus), Zedern(Cedrus) und anderen Nutzhölzern. Nahe der chilenischen Grenze gibt es vereinzelte Gruppen von Scheinbuchen(Nothofagus). Die Baumgrenze liegt bei etwa 3 500 m. In den trockenen, nördlichen Hochlagen der Anden finden sich in den ariden Halbwüsten viele Kakteen(Cactaceae) und Dornsträucher.
Die Blüte des Ceibos(dt.: Hahnenkammbaum oder Korallenbaum) ist als so genannte "nationale Blume" eines der Nationalsymbole.
Fauna
Bild:Guanako.jpg Guanakos - eine Wildform des Lamas
Im tropischen Norden ist die Tierwelt äußerst vielfältig. Hier kann man hauptsächlich verschiedene Affenarten, Jaguare, Pumas, Ozelots, Waschbären, Nasenbären, Ameisenbären, aber auch Tapire, Nabelschweineund Reptilienwie Schlangenund Alligatorenantreffen. Die Vogelwelt beherbergt im tropischen Norden Kolibris, Flamingosund Papageien. In den Flüssen sind neben vielen anderen Fischen auch Piranhaszu finden.
In der Pampafindet man Gürteltiere, Mähnenwölfe, Pampasfüchse, Pampaskatzen, Pampashirsche, Nandus, verschiedene Greifvögelwie Falkensowie Reiher.
In den kargen Gebieten der Andentrifft man auf die wilden Lamas, Guanakosund Vikunjas, sowie auf den Andenkondor. Raubtiere sind die Bergkatze, der Pumaund der Andenschakal. An Salzseen finden sich häufig Zugvögel wie Flamingos.
In Patagonienund Feuerlandist das Tierleben artenärmer. Auch hier leben Pumas, Nandus und Guanakos; der Pudúist ein kleiner Hirschder südlichen Anden. Auf Feuerland nisten zudem Kormorane. Die patagonischen Küsten beherbergen Magellanpinguineund Kolonien von Südamerikanischen Seebärenund Mähnenrobben.
Die Küstengewässer Argentiniens beherbergen unter anderem Südkaper, Orcasund Commerson-Delfine, daneben Seehechte, Sardinen, Makrelenund Dorados.
- Siehe auch: Liste der Nationalparks in Argentinien
Bevölkerung
Bild:Population of Argentina 1869 to 2015.png Bevölkerungsentwicklung 1869 bis 2015 (grün: Projektion)
Argentinien hat eine Bevölkerung von etwa 38,6 Millionen Einwohnern (Schätzung basierend auf der Volkszählung von 2001, Quelle: [1]). Dies entspricht einer Bevölkerungsdichte von 13 Einwohnern/km2.
Etwa 87 % der Bevölkerung leben in Städten von mehr als 2 000 Einwohnern, wovon allein 11,5 Millionen auf die AgglomerationGran Buenos Airesentfallen. Diese hat eine Bevölkerungsdichte von 2 989 Einwohnern/km2.
Die Stadtund die gesamte Provinz Buenos Aireszusammen haben 16,6 Millionen, die Provinzen Córdobaund Santa Fejeweils ca. 3 Millionen, so dass in diesen drei im zentralen Teil des Landes gelegenen Provinzen zusammen mehr als 60 % der Bevölkerung leben.
Weite Teile des übrigen Landes sind dagegen sehr dünn besiedelt, vor allem im trockenen Süden, wo nur etwa ein bis drei Einwohner/km2 leben.
Nachfahren der Europäer und Mestizen
Mehr als 90 % der Bevölkerung stammen nach der offiziellen Statistik von eingewanderten Europäern ab, hiervon etwa 36 % von Italienern, circa 29 % von Spaniernund etwa 3-4 % von Deutschen. Im Raum Buenos Aires sowie in den Provinzen Chacound Misionesspielt auch die polnische Kultur eine wichtige Rolle, es handelt sich hierbei um Nachkommen polnischer Emigranten aus den 1920er Jahren. In Buenos Aires gibt es ebenfalls viele kroatischstämmige Einwanderer.
Bis Anfang der 1990erJahren ging man von einem Anteil der Mestizen- Nachfahren sowohl von Europäern als auch von Indianern - unter 10% aus. Nach neueren Berechnungen ist deren Anteil jedoch weitaus höher. Eine Studie der Universität Buenos Aires, die die DNAeiner Auswahl von Argentiniern untersuchte, gab Hinweise darauf: Laut der Studie haben 56 % aller Argentinier mindestens einen indianischen Vorfahren. Diese Diskrepanz kommt vermutlich daher, dass die Mestizen früher unter einer starken Diskriminierung zu leiden hatten und sich daher als "Weiße" ausgaben.
Indigene Bevölkerung
Nur eine Minderheit der Argentinier sind Nachkommen von insgesamt 30 Indianerstämmen, die vor dem Eintreffen der Spanier auf dem Landesterritorium lebten. Dies liegt einerseits daran, dass Argentinien vor der Kolonialzeit nur im Nordwesten dicht bevölkert war, zum anderen auch daran, dass die verbleibenden Indianervon den Spaniern und später von den Argentiniern weitgehend ausgerottet wurden. Vom staatlichen Indianerinstitut INADI wird die Zahl der Indianer auf etwa 1 Million, von Seiten der Indianerorganisationen wie der AIRA (Asociación de Indígenas de la República Argentina) jedoch auf mehr als 1,5 Millionen geschätzt.
In einem Sonderzensus des INDEC, der im Jahr 2004 durchgeführt wurde, wurde ermittelt, dass etwa 2,8 % aller argentinischen Haushalte indigene Haushaltsmitglieder haben. Dieser Anteil variiert allerdings von Provinz zu Provinz stark. So ist in der Provinz Jujuyder Anteil mit 10,5 % am größten. Am niedrigsten ist der Anteil in der Provinz Corrientesmit 1,0 %, in der Hauptstadt Buenos Aires beträgt er 2,3 % (Quelle: [2]).
Bild:Araukanische haeuptlingsfamilie.jpg Araukanische Häuptlingsfamilie Ende des 19. Jahrhunderts
Die größten Gruppen sind die Kollasin Jujuyund Salta, die Mapuche(Araukaner) in Neuquénund Río Negrosowie die Wichiund Tobaim Chacound in Formosa. Nur eine Minderheit der Indianer lebt in ihren angestammten Siedlungsgebieten, viele sind in die Großstädte übergesiedelt, wo sie oft unter ärmlichen Bedingungen als schlecht bezahlte Arbeiter leben. So gibt es in Rosariound ResistenciaViertel, die nur von Toba-Indianern bewohnt werden, das selbe gilt für Kollasin San Salvador de Jujuyund San Miguel de Tucumán. Seit den 80erJahren erstarken innerhalb dieser Stämme Bewegungen, die traditionelle Kultur gezielt zu erhalten und verbreiten, etwa über Radiostationen und an Schulen.
Ausländer, Zuwanderung und Auswanderung
Etwa zehn Prozent der Bevölkerung sind Ausländer. Einwanderung gibt es heute vor allem aus den Nachbarländern Bolivien, Paraguayund Uruguaysowie aus dem südamerikanischen Staat Peruund früher zu Zeiten der Pinochetdiktatur auch aus Chile, jedoch aufgrund der Redemokratisierung und mittlerweile höheren Lebenstandards des Nachbarlandes in den letzten 4 Jahren, hat sich das umgekehrt, es findet eher eine Emigration von Argentiniern nach Chile statt. Insgesamt kommen etwa 68 % der Einwanderer aus amerikanischen Staaten. Etwa zwei Prozent aller Einwanderer kommen aus Asien(hauptsächlich Koreaner).
Seit den 1990erJahren findet man immer mehr Einwanderer aus Europa, die hauptsächlich wegen der unberührten Natur hierher ziehen. Im Unterschied zu den anderen Einwanderern weisen sie meist schon eine gesicherte Existenz auf oder sind Rentner, versuchen also durch den Umzug ihre Lebensqualität zu erhöhen. Sie repräsentieren etwa 28 % der Ausländer.
Seit der Argentinien-Krisezwischen 1998und 2002sind vermehrt Emigrationswellen aufgetreten. Argentiner verliessen das Land in Richtung Europa und Nordamerika, und in geringeren Maßen auch nach Brasilien und Chile. Diese Emigrationswelle ist jedoch weitgehend abgeebt, aufgrund der relativ schnellen Erholung der Argentinischen Wirtschaft.
Religion
Bild:Kirche im Stadtteil Recoleta von Buenos Aires Argentinien.jpg ehemalige Kirche im Centro Cultural des Bonarenser Stadtteils Recoleta
Mehr als 90 % der Bevölkerung sind römisch-katholischen Glaubens. Im Nordwesten Argentiniens haben sich die christlichen Riten mit der Religion der Ureinwohner vermischt (Pachamama-Kult). Weitere bedeutende Minderheiten bilden Juden, Protestantenund Moslems(vor allem im Nordwesten).
Sprache
Alleinige Amtsspracheist in Argentinien Spanisch. Daneben existieren eine Reihe von mehr oder weniger bedeutenden Minderheitensprache, die von der indigenen Bevölkerung gesprochen werden. Die wichtigsten darunter sind das Quichuaund das Guaraní, in manchen Gegenden wird aber auch noch Mapudungungesprochen.
Die argentinische Aussprache des Spanischen, das die Argentinier lieber Castellano (Kastilisch) nennen, unterscheidet sich deutlich von der in Spanien und auch von der in anderen lateinamerikanischen Ländern üblichen. Der Buchstabe ll wird wie das deutsche sch (also auch "Castescháno") oder wie das franösische j ausgesprochen , ebenso zwischen Vokalen der Buchstabe y. Der Buchstabe z wird immer wie ein stimmloses s ausgesprochen, das gleiche trifft auf das c vor e und i zu. Des weiteren herrscht in Argentinien der voseo vor, d. h. anstatt des Personalpronomens tú für die 2. Person Singular wird vos verwendet. Die Verben werden dabei anders konjugiert (im Präsensimmer endbetont und mit abweichenden Imperativformen). Weiterhin wird die 2. Person Plural vosotros auch in informeller Sprache durch die 3. Person Plural ustedes ersetzt, die im europäischen Spanisch nur die Höflichkeitsform ist. Darüber hinaus gibt es eine Reihe lexikalischer Abweichungen.
Während ein Großteil der Nachfahren italienischer Einwanderer in Argentinien die Sprache ihrer Vorfahren aufgegeben haben, wird von den Nachfahren der deutschsprachigen und englischsprachigen Einwanderer teilweise noch die Sprache ihrer Vorfahren gepflegt. So gibt es Stadtviertel im Großraum Buenos Aires, wo man noch sehr viel Deutsch hört. In der Provinz Córdobagibt es eine relativ große Kolonie von Überlebenden der Graf Spee, die sich in Villa General Belgranoniederließen, wo heute noch teilweise Deutsch gesprochen wird.
Siehe auch: Río de la Plata-Spanisch
Bevölkerungsentwicklung
In der Kolonialzeit lag der Schwerpunkt der argentinischen Bevölkerung lange im Nordwesten, und insbesondere in der Minenregion um Salta und Jujuy. Größte Stadt war das am Kreuzungspunkt mehrerer Handelsrouten gelegene Córdoba. Dies änderte sich mit der Einrichtung des Vizekönigreiches Río de la Plata1776. Der Handel ließ nun die Bevölkerungszahl des sogenannten Litoral im Osten des Landes (Buenos Aires, Santa Fe, Entre Rios) sprunghaft ansteigen, und nach der Erringung der Unabhängigkeit hatte sich die wirtschaftliche und politische Macht endgültig in dieser Region konzentriert. Das Gebiet südlich einer Linie etwa zwischen dem heutigen La Plataund Mendozawar dagegen bis zur Wüstenkampagne des General Roca in den 1870erJahren noch von den Indianern bewohnt, es gab allerdings einige spanische und walisische Enklaven.
Die Einwanderungswelle 1880-1930 verstärkte die Dominanz des Litoral und besonders von Stadt und Provinz Buenos Aires zusätzlich, da sich der Großteil der Einwanderer in dieser Gegend niederließen. Der Nordwesten wurde mehr und mehr zu einer rückständigen und wirtschaftlich schwachen Region, in dem relativ wenig Einwanderung stattfand, und Patagonien befand sich erst am Beginn seiner Entwicklung. Der Großraum Buenos Aires wuchs so zwischen 1850 und 1914 von 150.000 auf 1,6 Millionen Einwohner.
Nach dem Versiegen des Einwandererstroms um 1930 brachte die Industrialisierung einen Binnenwandererstrom, dessen Ziel ebenfalls Buenos Aires und - mit Abstand - Córdoba und Rosario war. Dieser Strom hielt bis in die 1970er Jahre an und führte dazu, dass sich der Großraum rund um die Hauptstadt weit über das eigentliche Stadtgebiet von Buenos Aires ausdehnte.
1980 überschritt der Großraum Buenos Aires im nationalen Zensus zum ersten Mal die 10-Millionen-Marke und konzentrierte damit fast 40% der Bevölkerung (damals 24 Millionen). Danach flachte das Wachstum der Städte des Litorals allerdings deutlich ab. Zwischen 1991 und 2001 verlor die Stadt Buenos Aires 7% ihrer Einwohner, die Bevölkerung des Ballungsraums der Stadt insgesamt stieg nur noch leicht an, auch Rosario und Santa Fe stagnierten. Zum Wachstumsmagnet wurden dagegen abgelegene Regionen wie das wirtschaftlich boomende Patagonien, insbesondere die südlichsten Provinzen Provinz Tierra del Fuego und Santa Cruz (44% bzw. 23% Zuwachs zwischen 1991 und 2001), aber auch die Städte des Nordwestens wie Jujuy, Salta, La Rioja und Tucumán sowie der Ballungsraum Córdoba.
In Buenos Airesund den meisten Großstädten existiert seit etwa 1980 das Phänomen der Stadtflucht: Viele, meist besserverdienende Einwohner siedeln von den Stadtzentren ins Umland um. Seit etwa 1990 hat sich dieses Phänomen durch die massenhafte Einrichtung von privaten Stadtvierteln und Country Clubsnoch verstärkt. Die Ursache liegt in der als steigend empfundenen Kriminalität, obwohl offizielle Zahlen seit 1995 einen Niedergang der Kriminalitätsrate (mit Ausnahme des Krisenjahres 2002) nahelegen. Auch touristisch und landschaftlich interessante Orte erleben seit dieser Zeit einen Boom, was auch mit der steigenden Mobilität der Bevölkerung sowie der inzwischen deutlich besseren Verfügbarkeit von infrastrukturellen Dienstleistungen wie Telefon, Radio, Fernsehen und Internet selbst in weit entlegenen Gebieten zusammenhängt. So wurden aus ehemals kleinen Ferienorten wie Pinamarund Villa Carlos Pazprosperierende, schnell wachsende Städte.
Soziale Situation
Die soziale Situation des Landes ist in mehrerer Hinsicht durch eine starke Ungleichheit gekennzeichnet. So gibt es einerseits ein sehr großes Wohlstandsgefälle zwischen Ober- und Unterklasse. So gehören die argentinischen Top-Manager-Gehälter zu den höchsten der Welt, während die ärmsten 40 % sich mit nur zehn Prozent des gesamten Volkseinkommenszufrieden geben müssen.
Aber auch die Unterschiede zwischen den Regionen Argentiniens sind groß. So liegt etwa die Armutsrate in der Hauptstadt Buenos Airesmit weniger als 25 % nur etwas mehr als halb so hoch wie im Landesdurchschnitt (40 %), während sie in der Provinz Formosabei etwa 65 % liegt. Eine Durchschnittsfamilie benötigte Anfang 2005 etwa 773 AR$um nicht unter die Armutslinie zu fallen. Generell kann man sagen, dass die nördlichen Provinzen, besonders die Provinz Tucumánund der Nordosten (Chaco, Formosa, Santiago del Estero) am stärksten von Armut und Unterernährung betroffen sind. Verschärft wird diese Situation durch das relativ schnelle Bevölkerungswachstum in dieser Region. Als relativ reich dagegen gelten die zentralen Provinzen (Buenos Aires, Santa Fe, Córdoba, San Luisund Mendoza), aber auch der äußerste Süden (Santa Cruzund Tierra del Fuego).
Es sind neben den grenznahen Gegenden (beispielsweise Jujuyund Formosa) allerdings vor allem die reichen Zentralprovinzen, die am stärksten mit der städtischen Armut und damit mit der Slumbildungzu kämpfen haben. Die Zuwanderung aus den ärmeren Nachbarländern Peru, Bolivienund Paraguaysowie die Binnenwanderung aus abgelegenen Gegenden des Landesinneren sind trotz einer Abschwächung in den 1990erJahren immer noch ein großes Problem in den Großstädten, die die Zahl der Slumbewohner trotz sozialer Wohnungsprogramme weiterhin anwachsen lässt. So liegt beispielsweise in Rosarioder Anteil der Slumbewohner an der Gesamtbevölkerung bei über 15 %. Zudem kam Zuwachs für die Slums auch von den so genannten Neu-Armen, besonders in den wirtschaftlich kritischen Jahren 1989/1990, 1995sowie zwischen 1998und 2002.
Einige Daten zur sozialen Situation: (Quelle: [3])
- Bruttosozialproduktpro Kopf: 11 427 AR$ (zu aktuellen Preisen, 2004); 10 500 US$ (Kaufkraftparität, 2002)
- Durchschnittslohn: 808 AR$ / 274 US$ (2002)
- Inflationsrate: 13,4 % (2003)
- Anstieg der Konsumentenpreise seit Dezember 2001: 61,3 % (März 2005)
- Arbeitslosigkeit: 12,1 % (4. Quartal 2004)
- Arbeitslosigkeit einschließlich Sozialhilfeempfänger: 19,5 %
- Unterbeschäftigung: 14,3 % (4. Quartal 2004)
- Armutsrate: 40,2 % (2. Halbjahr 2004) (Personen mit Einkommen unter ca. 200 $/Monat)
- Elendsrate: 15 % (2. Halbjahr 2004) (Personen mit Einkommen unter ca. 100 $ pro Monat)
- Analphabetenrate: 2,6 % (2001)
- HIV-Prävalenz: 0,7 %
- Zahl der Kinder pro Frau: 2,1 (2001)
- Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung /Jahr: 0,06 % (2002)
- Bevölkerungswachstum insgesamt /Jahr: 1,0 % (Durchschnitt 1991-2001)
Anmerkung: Bei der Armuts- und Elendsrate variieren die Einkommen, nach denen sich die Rate richtet, je nach Region, daher wird nur ein ungefährer Durchschnittswert angegeben
Geschichte
Siehe Unterartikel Geschichte Argentiniens
Man nimmt an, dass die "Entdeckung" des heutigen Argentiniens durch den Menschen etwa 15000 v.Chr. von Nordamerika aus erfolgte.
Die im Pampa-Raum des heutigen Argentinien ansässigen Stämme (Querandíes(Het), Tehuelches(Aonikenk und Gununaküna) waren bis zum Eintreffen der Spaniernicht sesshaft und besaßen auch keine nennenswert entwickelte Technologie. Die Stämme im Nordwesten des Landes hingegen (z. B. die Quilmes) praktizierten etwa ab der Zeit des frühen Mittelalters in Europa Land- und Viehwirtschaft und waren vor allem auf dem Gebiet der Architektur weit fortgeschritten.
Im 13.und 14. Jahrhundertexpandierte das Inka-Reich stark nach Süden und umfasste um 1450weite Teile des Nordwestens Argentiniens bis in den Norden der heutigen Provinz Mendoza.
Bild:Paraguay - O Prov de Rio de la Plata - cum regionibus adiacentibus Tvcvman et Sta. Cruz de la Sierra - ca 1600.jpg Argentinien und die heutigen Nachbarländer um 1600 als Teil des Vizekönigreichs Perú
Die Europäer erreichten die Region erstmals mit der Reise Amerigo Vespuccis1502.
Das heutige Argentinien wurde im 16. Jahrhundertvon den Spaniernaus zwei Richtungen kolonisiert: Von Peruaus nahmen sie die nordwestlichen Teile des Landes in Besitz, während andererseits vom Atlantikaus spanische Niederlassungen am Stromsystem des Río de la Platagegründet wurden, darunter Buenos Aires, wo sich die Spanier im Jahre 1580auf Dauer etablieren konnten, nachdem ein erster Versuch zur Gründung einer spanischen Siedlung dort im Jahre 1536am Widerstand der indigenen Bewohner der Pampa gescheitert war. Die weiter südlich gelegenen Gebiete des heutigen Argentinien wurden zwar theoretisch auch von Spanien beansprucht, blieben aber in der Kolonialzeit faktisch außerhalb der spanischen Herrschaftssphäre.
Administrativ war das heutige Argentinien zunächst Teil des Vizekönigreichs Peru, welches Südamerika mit Ausnahme der portugiesischenEinflusssphäre umfasste. Im Jahre 1776wurde von diesem das Vizekönigreich des Río de la Platamit Hauptstadt Buenos Airesabgespalten, welches neben Argentinien noch das heutige Bolivien, Paraguayund Uruguayumfasste.
Die unter dem Eindruck der Französischen Revolutionam 25. Mai1810in Buenos Aires erklärte Unabhängigkeit hatte nur lokale Wirkung (Mai-Revolution). Die Unabhängigkeit erlangte das Land schließlich nach einem Befreiungskrieg gegen die Spanier am 9. Juli1816in San Miguel de Tucumán. Wie zuvor Paraguayim Jahre 1811, spalteten sich dann auch 1825Bolivienund 1828Uruguayvon den damaligen Vereinigten Provinzen des Río de la Plata ab.
Zwischen 1816und 1880war die Entwicklung Argentiniens von Diktaturen (etwa unter Juan Manuel de Rosas) und Bürgerkriegen geprägt. In diese Zeit fiel auch der Tripel-Allianz-Krieg1864bis 1870, in dem Argentinien gemeinsam mit Brasilienund Uruguayeinen gewaltsamen Expansionsversuch Paraguaysabwehrte. Argentinien gewann durch diesen Krieg das Gebiet der heutigen Bundesstaaten Misiones, Formosaund Chacohinzu.
Bild:Julio A Roca.jpg Julio A. Roca
Die Jahre von 1880bis 1912waren durch die zahlreiche Einwanderung vor allem von Italienern und Spaniern gekennzeichnet, die sich in den Städten und in so genannten "Kolonien" auf dem Land ansiedelten. Politisch ist diese Zeit als Scheindemokratie zu bezeichnen, denn die Regierung Julio Argentino Roca und die folgenden Regierungen waren oligarchisch ausgerichtet, mit großem Einfluss der Großgrundbesitzer. Dem Gros der Bevölkerung wurde durch ein ausgeklügeltes Wahlbetrugs-System die politischen Rechte vorenthalten; auch die Einwanderer hatten kein Stimmrecht.
Ab 1893verschärfen sich die Grenzprobleme mit Chile, nachdem Bolivieneinen Teil der Puna de Atacama an Argentinien abgetreten hatte. Diese war seit dem Salpeterkriegvon Chile besetzt. Zwischen Chile und Argentinien kommt es zu einem Wettrüsten. Erst der britische König Edward VII.kann 1902den Grenzstreit schlichten. Patagonienund Feuerlandwerden neu aufgeteilt, davon fallen 54000 km² an Chile und 40000 km² an Argentinien.
Zwischen 1912und 1946wechselten sich demokratische Regierungen und Militärdiktaturen ab. Vor allem die 1930erJahre werden heute als década infame, als berüchtigtes Jahrzehnt bezeichnet, in dem die Demokratie nur auf dem Papier existierte und Wahlbetrug an der Tagesordnung war. Im Laufe der ersten Hälfte der 1940er Jahre gelang es dem jungen Offizier Juan Domingo Perón, sich trickreich an die Macht zu manövrieren. Er belegte zunächst unter den Militärs das Arbeitsministerium und wurde wegen seiner weit reichenden Zugeständnisse an die Gewerkschaftenschnell zu einem Volksheld in der Arbeiterklasse. Im Jahre 1946wurde er zum Präsidenten gewählt.
Im Zweiten Weltkriegwar Argentinien offiziell neutral. Es sympathisierte zunächst mit den Achsenmächten, unterstützte gegen Kriegsende jedoch die Alliierten. Während des Krieges war Argentinien Zielland von Flüchtlingen aus Europa; nach dem Krieg fanden in Argentinien ebenso wie in anderen Staaten Lateinamerikas zahlreiche NazisUnterschlupf.
Unter Perón, der mit faschistischem Gedankengut sympathisierte, verfolgte Argentinien das Ziel, in seinem Land einen Spezialdienst für den antikommunistischen Kampf aufzubauen, und konnte die Nazi-Führungskräfte dafür gut brauchen.
Unter den prominentesten Nazi-Kriegsverbrechern in Argentinien waren Adolf Eichmann, der am 23. Mai1960vom Mossadentführt und in Israelzum Tode verurteiltwurde, Josef Mengele, Arzt des KonzentrationslagersAuschwitz, sowie Walter Rauff, der im Zweiten Weltkrieg mitverantwortlich war für den Einsatz fahrbarer Gaskammern, mit denen die Häftlinge aus Konzentrationslagern ermordet wurden. Über so genannte Schlüsselfirmen wurden auch hohe Vermögenswerte der Nazis nach Argentinien verschoben.
Ab der ersten Regierungszeit von Juan Domingo Perón (1946- 1955) wurde das vorher von der Landwirtschaft geprägte Land industrialisiert; Argentinien verzeichnete in der Folgezeit wirtschaftliche Höhen und Tiefen im Wechsel. Zwischen 1955und 1983gab es eine Epocheder Instabilität, in der abwechselnd zivile und Militär-Regierungen das Land in der Hand hatten.
Die zweite Amtszeit Peróns von Oktober 1973bis zu seinem Tod am 1. Juli1974brachte nur eine geringfügige Beruhigung in die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Argentiniens. Nach seinem Tod wurde seine dritte Ehefrau, Isabel Perón(genannt "Isabelita"), die er zur Vizepräsidentin gemacht hatte, auf Betreiben der peronistischen Parteials Präsidentin eingesetzt.
Diese, eine ehemalige Nachtclubtänzerin, war mit diesem Amt völlig überfordert und diente den hinter ihr stehenden politischen Machthabern lediglich als Marionette.
Die darauf folgende Zeit war geprägt von Unruhen, wildem Streik ("huelga") und von den Gewerkschaften angeordnetem Stillstand des öffentlichen Lebens ("paro general" = Generalstreik), die von einer Minute auf die andere die Hauptstadt überzogen. Oppositionellesowie Kritiker, die den Machthabern unbequem erschienen, verschwanden, teilweise für immer. Kriminelle Gruppierungen machten sich das Chaos zunutze, für ihre eigenen Interessen Entführungenund andere Verbrechen zu begehen. Die Entführung des für Mercedes-Benzden Standort Argentinien betreuenden Produktionsleiters Heinrich Metz im Oktober 1975(er kam später für ein Lösegeld in Höhe von mehreren Millionen US-Dollar wieder frei), löste eine Fluchtwelle unter den für deutsche Firmen in Argentinien tätigen Immigrantenaus.
Im Jahr 1976kam es zum Umsturz der Regierung und es installierte sich unter der Führung von Jorge Rafael Videlaeine Militärdiktatur (Junta). Von da an verschwanden noch mehr Menschen, die genaue Zahl ist nicht bekannt und wird auf bis zu 30.000 Opfer geschätzt. Unter den "desaparecidos" (Verschwundenen) befanden sich auch zahlreiche Studenten, deren Mütter sich zusammenschlossen, um vor dem Regierungsgebäude - der "Casa Rosada" - ungeachtet ihrer Selbstgefährdung zu demonstrieren und damit in die Geschichte eingingen. Ziel der Madres de Plaza de Mayo("Mütter der Plaza de Mayo", war und ist es, Kenntnis über den Verbleib ihrer Kinder zu erhalten. Mittlerweile gibt es auch eine Organisation Abuelas de la Plaza de Mayo("Großmütter der Plaza de Mayo", [4]), deren Zweck es ist, die in der Gefangenschaft geborenen und illegal zur Adoption frei gegebenen Kinder der Verschwundenen in ihre Familie zurückzuführen. In späteren Gerichtsverfahrengegen verantwortliche Militärs, die nur mit Mühe durchgesetzt werden konnten, wurde bekannt, dass sich die militärischen Machthaber zahlreicher Menschen auf grausame Weise entledigt hatten: Die Opfer wurden betäubt und über dem Atlantikaus dem Flugzeug geworfen.
Im Dezember 1978kam es zu kriegerischen Drohungen zwischen Argentinien und Chile. Die Inseln Lennox, Picton und Nuevaim Beagle-Kanalwurden zum Streitpunkt. Insbesondere da in der Gegend größere Öl-Reserven vermutet wurden. Der Streit wurde erst durch Vermittlung des Heiligen Stuhlsmit einem Grenzvertrag am 16. Dezember1988friedlich beigelegt und die Inseln wurden Chile zugesprochen.
Bild:Raul Alfonsin.jpg Raúl Alfonsín
Im April 1982trat Argentinien unter dem neuen Junta-Chef Leopoldo Galtierimit Großbritannienin den Krieg ein. Es ging um die Argentinien vorgelagerten Falklandinseln(in Argentinien als "Islas Malvinas" bezeichnet), die nach argentinischer Rechtsauffassung zum eigenen Staatsgebiet gehören, jedoch von Großbritannien verwaltet werden. Die Invasionargentinischer Soldaten wurde von den Streitkräften des Vereinigten Königreichs mit Luftangriffen, einem Seekrieg und einer Landeoperation erfolgreich revidiert. Argentinien kapitulierteam 14. Juni1982.
1983kehrte das Land zur Demokratiezurück. Der erste Präsident dieser Epoche war Raúl Alfonsín(UCR), der jedoch 1989infolge einer schweren Wirtschaftskrise vorzeitig zurücktrat. Die Peronistische Parteikam mit Carlos Menemwieder an die Macht. Die neoliberaleWirtschaftspolitik Menems und die 1:1-Bindung des Argentinischen Peso an den US-Dollar war während seiner ersten Amtszeit äußerst erfolgreich und konnte das Land stabilisieren. Während seiner zweiten Amtszeit machten sich aber immer mehr die negativen Seiten dieser Wirtschaftspolitik bemerkbar.
Bild:Nestor kirchner.jpg Néstor Kirchner
Zwischen 1998und 2002fiel daher das Land erneut in eine schwere Wirtschaftskrise, in der die Wirtschaftskraft um 20 % zurückging. 1999wurde die Regierung Menem durch eine Mitte-Links-Koalition mit dem Präsidentschaftskandidaten Fernando de la Rúaabgelöst. De la Rúa konnte aber die verfahrene wirtschaftliche Situation, die sein Vorgänger hinterließ, nicht schnell und nachhaltig verbessern. Das zögerliche Handeln des Präsidenten, Streitereien innerhalb der Koalition und eine starke außerparlamentarische Opposition durch die Gewerkschaften, die traditionell den Peronisten nahe stehen, schwächten De la Rúa zunehmend. Dies gipfelte Ende 2001nach starken Unruhen und Plünderungen im Rücktritt von Präsident Fernando de la Rúa.
In der Folge gab es mehrere peronistische Interimspräsidenten. Im Mai 2003wurde nach einer sehr chaotisch verlaufenden Präsidentschaftswahl Néstor Kirchnerzum neuen Staatsoberhaupt gewählt. Er gehört eher dem linken Flügel der peronistischen Parteian. Trotz seines niedrigen Wahlergebnisses ist Kirchner jedoch zur Zeit in der Bevölkerung sehr beliebt, weil er fällige Reformen angeht, die die Situation des Landes auf allen (auch auf sozialen) Gebieten verbessern könnten. Derzeit ist die Wirtschaft auf Erholungskurs: 2003 verbuchte Argentinien ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktesin Höhe von +8,7 % gegenüber -10,9 % im Jahr 2002 (Quelle: [5]). Kritiker werfen jedoch Kirchner vor, nicht gegen die omnipräsenten Gruppen von arbeitslosen Straßenblockierern ("Piqueteros") vorzugehen, die oft illegal Straßenzölle erheben und den Binnenhandel lähmen.
Bei den Wahlen zum argentinischen Senatund zur argentinischen Abgeordnetenkammerim Oktober 2005 gingen die Anhänger Néstor Kirchners mit etwa 40% der Stimmen als Sieger hervor. Bei der Wahl um Senatorenposten der wichtigen Provinz Buenos Airesgewann seine Frau Cristina Fernández de Kirchnergegen die Ehefrau des ehemaligen Präsidenten Eduardo Duhalde Hilda González de Duhalde, die ebenfalls der Peronistischen Partei angehört. Der Präsident wurde somit gestärkt und kann sich in beiden Kammern auf eine breite Mehrheit auch innerhalb seiner eigenen Partei stützen. Er wird daher in Zukunft voraussichtlich weniger häufig per Dekret regieren müssen.
Siehe auch: Liste der Präsidenten von Argentinien, Argentinien-Krise
Politik
Nach der Verfassungvon 1994ist Argentinien eine föderalistische, republikanischePräsidialdemokratie.
Bild:Casa Rosada in Buenos Aires.jpg Der Präsidentenpalast, die Casa Rosada auf der Plaza de Mayo in Buenos Aires
Bild:Buenos Aires Congreso stock xchng 214239.jpg das Kongressgebäude in Buenos Aires
Der Präsident ist das Oberhaupt des Staates und hat eine sehr starke Stellung (unter anderem die Möglichkeit per Dekret zu regieren). Er wird alle vier Jahre (früher: alle sechs Jahre) in zwei Wahlgängen direkt gewählt, wobei der siegreiche Kandidat 45 oder mehr Prozent erreichen muss, um in der ersten Runde zu gewinnen, beziehungsweise zehn Prozentpunkte Vorsprung vor dem Zweitplatzierten haben muss. Dieselbe Person kann höchstens während zwei aufeinander folgenden Perioden Präsident sein, kann aber nach Ablauf von vier Jahren wieder für das Amt kandidieren.
Die Legislative (Überbegriff: Congreso(Kongress) bestehend aus Abgeordnetenkammerund Senat) wird in allen Provinzen zu anderen Zeitpunkten nach Mehrheitswahlrechtgewählt.
Die Anzahl der Abgeordneten der Abgeordnetenkammer beläuft sich auf einen Abgeordneten pro 33 000 Einwohner. Die Abgeordneten werden für vier Jahre gewählt, allerdings jeweils die Hälfte der Abgeordneten alle zwei Jahre.
Die Anzahl der Senatoren beträgt drei je Provinz und drei für die autonome Stadt Buenos Aires. Es wird nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt; zwei Senatorensitze erhält die Partei mit den meisten Stimmen, einen Sitz die Partei mit den zweitmeisten Stimmen. Die Senatoren werden für einen Zeitraum von sechs Jahren gewählt, alle zwei Jahre wird ein Drittel der Senatoren gewählt.
Wichtigste Partei ist die aus der peronistischenBewegung hervorgegangene PJ (Partido Justicialista) (auf deutsch meist: peronistische Parteigenannt), dahinter folgen mit heute weitem Abstand UCR (Unión Cívica Radical) und FrePaSo (Frente País Solidario) (Linkspartei) sowie die neueren Parteien ARI (sozialdemokratisch) und Recrear (liberal-konservativ). Die bekanntesten Linksparteien sind Izquierda Unida und der Partido Socialista. Das europäische Rechts-Links-Schema lässt sich in Argentinien nicht anwenden, da viele Parteien, besonders die dominierende peronistische Partei, häufig ihre Ausrichtung ändern.
Seit Ende der 90er Jahre finden die hauptsächlichen Debatten zwischen den Flügeln des PJ statt, die ideologisch sehr verschieden sind. Die Flügel werden meist mit dem Namen ihrer führenden Persönlichkeit bezeichnet. Der momentan herrschende Kirchnerismus ist sozialdemokratischorientiert, während der in den 1990er Jahren dominierende Menemismus neoliberaleingestellt war. Ein weiterer wichtiger Flügel ist der in der Provinz Buenos Aires regierende, bisher mit dem Kirchnerismus alliierte Duhaldismus. Allerdings nahm der Kopf dieser Bewegung, Eduardo Duhaldeöffentlich Carlos Menemin Schutz, der sich einer Gerichtsvorladung entzieht und daher polizeilich gesucht wird, was zu einem offenen Streit zwischen ihm und Néstor Kirchnerführte. Die beiden ehemals verbündeten Flügel sind daher zurzeit verfeindet.
Seit der Wirtschaftskrise ist die Debatte um eine politische Reform aufgekommen, da das heutige System vor allem für die Wähler sehr undurchsichtig ist und sowohl Personenkultals auch Korruption begünstigt.
So werden beispielsweise die Wahlen zum Senat und dem Repräsentantenhaus meist gemeinsam mit Bürgermeisterwahlen ausgetragen, was aufgrund der so genannten Listas Sabanas zu Verzerrungen führt. Das liegt an der Tatsache, dass in Argentinien keine Kreuze auf Stimmzettel gemacht werden, sondern jede Partei ihren eigenen Stimmzettel (Lista Sabana) hat und man seine Stimme durch die richtige Auswahl des Stimmzettels abgibt. Man kann aber bei vielen gleichzeitigen Wahlen die Stimmen aufteilen (eine Stimme für den Präsidenten, eine für den Senator, eine Stimme für den Abgeordneten der Repräsentantenkammer, etc.). In diesem Falle muss man, wenn man Kandidaten verschiedener Parteien wählen möchte, die Stimmzettel auseinander schneiden und nur die entsprechenden Abschnitte in die Urne werfen. Dies machen aber wenige, was dann eben bei Häufung von Wahlen am gleichen Tag zu Verzerrungen führt. Listas Sabanas (deutsch etwa: Betttuch(große)-Listen) heißen die Stimmzettel, weil sie oft sehr groß sind.
Die jeweiligen Mehrheitsverhältnisse in der Legislative werden zudem kaum publik gemacht, was auch daran liegt, dass die Zusammensetzung sich jedes Jahr ändert.
Wichtige politische Persönlichkeiten
Zur Zeit (2005) haben folgende Personen ein wichtiges politisches Amt inne:
- Néstor Kirchner- Präsident
- Daniel Osvaldo Scioli- Vizepräsident und gleichzeitig Präsident des Senats
- Alberto Fernández- Jefatura de Gabinete de Ministros
- Aníbal Fernández- Innenminister
- Jorge Taiana- Außenminister
- Felisa Miceli- Wirtschaftsministerin
Mitgliedschaften in Internationalen Organisationen und Gruppierungen
Argentinien ist in verschiedenen internationalen Organisationen und Gruppierungen Mitglied. Zu den wichtigsten zählen die Mitgliedschaften in den Vereinten Nationenund seinen Unter- und Sonderorganisationen, im Internationalen Währungsfondsund in der Weltbank. Auf regionaler Ebene sind die Mitgliedschaften in der Rio-Gruppe, die sich dem Erhalt der Demokratie in Lateinamerika widmet sowie im Mercosur, einer Zollunion in Südamerika, am bedeutsamsten.
Siehe auch: Mitgliedschaft Argentiniens in internationalen Organisationen
Militär und Verteidigung
Bild:Monumento Caidos Malvinas.jpg Das Denkmal für die Gefallenen des Falklandkrieges an der Plaza San Martín in Buenos Aires
Das argentinische Militär hat in der Geschichte des Landes immer wieder eine wichtige oder dominierende Rolle gespielt. Besonders in der Zeit zwischen 1955(Putsch gegen Juan Perón) und 1973(Rückkehr und 2. Präsidentschaft Peróns) und in der Zeit zwischen 1974(Tod Peróns) und 1983(Niederlage im Falklandkriegund Redemokratisierung) war vom Militär direkt oder indirekt geprägt. (Siehe auch: Geschichte Argentiniens)
Unter den Präsidentschaften Raúl Alfonsíns(1983-1989) und Carlos Menems(1989-1999) wurden die Militärs entscheidend geschwächt und 1994die Wehrpflicht abgeschafft. 1999betrugen die Ausgaben für die Verteidigung nur noch 62 % der Ausgaben von 1983; im gleichen Zeitraum sind die Staatsausgaben allgemein auf 152 % der Ausgaben von 1983 angestiegen (2004, Quelle: [6]).
Die argentinischen Streitkräfte haben heute eine Personalstärke (Soldaten und Verwaltung) von insgesamt etwa 102.300 Personen (Heer: 50.900 Personen (41.400 Soldaten), Marine: 26.600 Personen (17.200 Soldaten), Luftwaffe: 23.600 Personen (13.200 Soldaten), Verteidigungsministerium und Generalstab: 1.200 Personen). Der Anteil der Ausgaben für die Verteidigung am Bundeshaushalt beträgt etwa 7 %. (Quellen: [7](2004), [8](1998))
Bildungswesen
In Argentinien herrscht Schulpflicht von neun Jahren. Es gibt neben den staatlichen Schulen auch eine hohe Zahl von privaten Schulen. Das Schulsystem ist in zwei Stufen eingeteilt: Primaria (Grundschule, sechs Schuljahre) und Secundaria (weiterführende Schule).
Laut der Volkszählung des Jahres 2001 sind etwa 2,6 % der Bevölkerung Analphabeten(Quelle: [9]), in Deutschland liegt dieser Wert offiziell bei etwa 0,6 %.
Von allen Argentiniern, die über 20 Jahre alt sind, haben 88 % die Schule besucht. Etwa 14 % haben die Primaria nicht abgeschlossen, circa 29 % haben eine abgeschlossene Primaria, ungefähr 14 % haben die Secundaria nicht abgeschlossen, etwa 16 % haben eine abgeschlossene Secundaria, circa fünf Prozent einen höheren nicht-universitären Abschluss und etwa fünf Prozent einen Universitätsabschluss. Das heißt etwa 73 % der Bevölkerung haben mindestens die Primaria abgeschlossen, circa 30 % mindestens die Secundaria und nur etwa zehn Prozent haben einen weiterführenden Abschluss. (Quelle: [10])
Schulsystem
1995wurde das Schulsystem in vielen Provinzen reformiert: die ersten neun Jahre der Schulzeit werden seitdem als EGB (Educación General Básica) bezeichnet, die in mehrere Richtungen aufgeteilte weiterführende Schule stattdessen als Polimodal. Momentan koexistieren beide Schulabschlüsse noch. Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Schulabschlüssen (naturwissenschaftlich, sozialwissenschaftlich, technisch und wirtschaftlich orientiert), einige sind berufsbefähigende Techniker-Titel. Zum Besuch der Hochschulen berechtigen alle im Rahmen des Polimodal erlangten Abschlüsse, auch wenn der Studiengang nicht mit der Ausrichtung des Polimodals übereinstimmt.
Dieses System wird mit geringen Abweichungen in fast allen argentinischen Provinzen eingeführt, die Bezeichnungen variieren jedoch (so heißt beispielsweise in der Provinz Córdobader EGB CBU (Ciclo Básico Unitario). 2005/ 2006wurde diese Reform in einigen Provinzen, z.B. in Buenos Aires, teilweise überarbeitet und wieder ans alte System angenähert.
In der PISA-Studieschnitt Argentinien zwar verglichen mit anderen lateinamerikanischen Staaten bei weitem am besten ab, dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ein starkes Gefälle in der Qualität der Schulbildung zwischen Großstädten und ländlichen Regionen einerseits und zwischen Privatschulen und vielen staatlichen Schulen anderseits gibt. Durch kontinuierliche interne Qualitäts-Tests seit Ende der 1990erJahre versucht die Politik, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Bei diesen Tests kam eine Bandbreite von 30% bis 80% der möglichen Punktzahl heraus, wobei die schlechtesten Ergebnisse von Schulen in ländlichen Gegenden, die besten dagegen in den Privatschulen der Großstädte sowie in den so genannten Colegios Universitarios (von Universitäten abhängige Staatsschulen) erzielt wurden.
Universitäten
Bild:UBA-Facultad-Derecho.jpg Die juristische Fakultät der UBA
Argentinien hat eine Vielzahl von staatlichen und privaten Universitäten. Die älteste Universität ist die Universität von Córdoba, die 1613gegründet wurde. Die größte Universität ist dagegen die Universität von Buenos Aires(UBA), die 1821gegründet wurde und etwa 200.000 Studenten hat.
Bibliothekswesen
Das Bibliothekswesen in Argentinien ist vielgestalt. So entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts die ersten privat finanzierten Bibliotecas populares (Volksbibliotheken). Sie werden heute von der Comisión Nacional Protectora de Bibliotecas Populares (CONABIP, [11]) gefördert. Diese organisiert auch Weiterbildungsveranstaltungen für das Bibliothekspersonal. Seit 1977gibt es die Confederación Argentina de Bibliotecas Populares. Ihre Mitglieder sind zumeist keine Bibliothekare, sondern Politiker. Daneben existieren 19 Federaciones Provinciales.
Seit 1927entstanden die bibliotecas públicas municipales (Öffentliche Stadtbibliotheken), die heute fast ausschließlich in Buenos Aires existieren. Seit 1944untersteht diese der Secretaría de Cultura de la Municipalidad de la Ciudad de Buenos Aires. Derzeit existieren in Buenos Aires 23 Stadtbibliotheken und 3 Bücherbusse, deren größte Benutzergruppe Schüler sind.
Bibliotecas universitarias (Universitätsbibliotheken): In Argentinien gibt es private und staatliche Universitäten. Die 1963gegründete Junta de Bibliotecas Universitarias Argentinas (JUBIUA) vertritt die Interessen der staatlichen Universitätsbibliotheken gegenüber der Regierung und erarbeitet gemeinsame Zielvorgaben. Die privaten Universitätsbibliotheken verfügen nicht über eine institutionalisierte Zusammenarbeit.
Bibliotecas escolares (Schulbibliotheken): Nur wenige Schulen verfügen über eigene Bibliotheken, die durch Buch- und Sachspenden sowie ehrenamtliche Tätigkeit der Eltern der Schüler finanziert werden. Derzeit wird ein Konzept zum Aufbau eines nationalen Schulbibliothekssystems erarbeitet.
Die Biblioteca Nacional (Nationalbibliothek, [12]) wurde 1810unter dem Namen Biblioteca pública de Buenos Aires gegründet. Seit 1884ist sie die Nationalbibliothek. 1933erhielt sie das Pflichtexemplarrecht. Ihr Buchbestand wird auf 800000 bis 2,5 Millionen Bände geschätzt.
Die Biblioteca del Congreso de la Nación (Parlamentsbibliothek, [13]) entstand 1859. 1933erhielt die Bibliothek das Pflichtexemplarrecht. Die Bibliothek ist Depotbibliothekinternationaler Organisationen und besitzt schätzungsweise 1,5 Millionen Bestandseinheiten.
Administrative Gliederung
Bild:Provinz Buenos Aires Rio de la Plata Argentinien NASA.jpg Die Provinz und die Stadt Buenos Aires aus dem Weltall
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Bild:Blick über Buenos Aires.jpg Blick über Buenos Aires
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Provinzen
Siehe Unterartikel Liste der Provinzen Argentiniens
Die Provinzen (spanischprovincias, Einzahl: provincia) sind die Gliedstaatendes argentinischen Bundesstaates. Sie haben jeweils eine eigene Provinzverfassung, eine Provinzregierung unter Leitung eines direkt gewählten Gouverneurs (gobernador) und ein Parlament. Die Provinzen sind wiederum administrativ in Departamentos untergliedert. Ausnahme ist hier die Provinz Buenos Aires, die in Partidos untergliedert ist.
Argentinien hat 23 Provinzen. Die Hauptstadt Buenos Airesbildet einen Bundesdistrikt (Distrito Federal).
Regionen
Seit Ende der 1990erJahre haben sich die Provinzen Argentiniens mit Ausnahme der Provinz Buenos Aireszu Regionen zusammengeschlossen, mit dem Ziel, die Wirtschafts-, Infrastruktur- und Entwicklungspolitik untereinander abzustimmen und Gegengewichte zur dominierenden Stellung des Großraumes Buenos Aireszu bilden. Diese Regionen sind allerdings bisher keine offiziellen Gliedstaaten, sondern reine Interessengemeinschaften, sie haben also keinerlei offizielle politische Organe.
Folgende Regionen gibt es in Argentinien:
- Región Centro: Provinzen Córdoba, Entre Ríosund Santa Fe
- Región Cuyo: Provinzen Mendoza, San Juanund San Luis
- Región Noreste Argentino(auch NEA): Provinzen Chaco, Corrientes, Formosaund Misiones
- Región Noroeste Argentino(auch NOA): Provinzen Catamarca, Jujuy, La Rioja, Salta, Santiago del Esteround Tucumán
- Región Patagonia Argentina: Provinzen Chubut, La Pampa, Neuquén, Río Negro, Santa Cruzund Tierra del Fuego
Infrastruktur
Verkehrsnetze
Schienenverkehr
Bild:Logo fa.png Logo der ehemaligen argentinischen Eisenbahngesellschaft
Das Eisenbahnsystemin Argentinien hat am 29. August1857mit der ersten Fahrt eines Zuges seinen Anfang genommen und wurde relativ zügig ausgebaut. Hierfür wurden hauptsächlich englische Ingenieure und Firmen beauftragt. Das Eisenbahnsystem bestand aus mehreren unabhängigen privaten Firmen die 1948verstaatlicht wurden. Ab 1992wurde unter der Regierung von Carlos Menembegonnen, die Eisenbahngesellschaften wieder zu privatisieren. Das argentinische Schienennetz hat eine Länge von etwa 28.300 Kilometern in drei verschiedenen Spurweiten. Zwei Eisenbahnstrecken verbinden Argentinien mit Chile, weitere Strecken haben Verbindung mit Bolivien, Paraguay, Uruguayund Brasilien. Allerdings werden immer mehr Strecken stillgelegt, verfallen und werden nicht wieder in Stand gesetzt, bzw. nur noch für den Gütertransport verwendet. Der Personentransport per Eisenbahn spielt generell nur noch im Großraum Buenos Airesfür die Pendler ein Rolle. Bahnfernverbindungen gibt es noch bzw. wieder von Buenos Airesnach San Miguel de Tucumán, nach Santa Feund nach Posadas. Die Züge benötigen für die gleiche Strecke jedoch wesentlich länger als Fernreisebusse. Darüber hinaus gibt es einige interessante, touristische Züge, z.B. den Tren a las Nubes in der Provinz Salta, La Trochita - die einzige dampfbetriebeneSchmalspurbahnArgentiniens, die zwischen Esquelund Nahuel Panverkehrt, sowie der Tren del Fin del Mundo in der Provinz Tierra del Fuego.
Straßenverkehr
Die Rolle der Eisenbahnfür den Personentransport wurde weitestgehend von modernen, klimatisierten Reisebussenübernommen. Es kann praktisch jeder Punkt des Landes mit dem Reisebus erreicht werden und so sind die Busbahnhöfeheute neben den Flughäfen die wichtigsten Infrastruktureinrichtungen.
Wichtigster Busbahnhof Argentiniens ist sicherlich Retiro in Buenos Aires. Von dort gibt es Busverbindungen in das ganze Land. Die weiteste Entfernung ist dabei wahrscheinlich Río Gallegos(36-40 Stunden Reisezeit) von wo aus man weiter nach Ushuaiafahren kann. Weitere bedeutende Busbahnhöfe und Drehkreuze finden sich in Córdoba(etwa 10 Stunden Reisezeit von Buenos Aires) und Mendoza(etwa 14-15 Stunden Reisezeit von Buenos Aires).
Das Straßennetz hat eine Gesamtlänge von etwa 215.000 km. Die Qualität der Straßen variiert relativ stark. Von mehrspurigen Autobahnen über gute und weniger gute Nationalstraßen kann man bis zur Schotter- oder Erdpiste alles finden. Dennoch sind etwa 81% aller Straßen asphaltiert und die großen Wirtschaftszentren sind mit sehr guten Straßen verbunden, die meist durch Mautgebührenvon privaten Firmen gebaut und in Stand gehalten werden.
Flugverkehr
Bild:Aarg742-txl.jpg Boeing 747-200 von Aerolíneas Argentinas
Die ehemals staatliche FluggesellschaftAerolíneas Argentinaswurde 1990privatisiert und deckt nur noch wenige internationale Strecken ab. Im Inlandsverkehr hat Aerolíneas einen relativ hohen Anteil, es gibt aber noch einige weitere Inlandsfluggesellschaften, neuerdings tratt seit 2005 ein grösserer Konkurrent aus Chile mit LAN Argentina auf.
Aufgrund der großen Distanzen verfügt fast jede größere Stadt in Argentinien über einen Flughafen. Buenos Airesbesitzt sogar zwei Passagier-Flughäfen: Über den Flughafen Ezeiza(EZE) werden fast ausschließlich internationale Flüge abgewickelt. Er wird von allen großen europäischen und nordamerikanischen Fluggesellschaften angeflogen. Darüber hinaus gibt es einen Stadtflughafen (Aeroparque Jorge Newbery, AEP), der fast ausschließlich für Inlandsflüge genutzt wird.
Schiffsverkehr
Ungefähr 3.100 km der Wasserwege sind schiffbar. Besonders wichtig ist hierbei der Río de la Platamit seinen Oberläufen Río Paranáund Río Uruguay.
Energie
Argentinien erzeugt einen Großteil seiner Energie mithilfe von erneuerbaren Energien. Die Wasserkrafthat einen Anteil von 41% der Stromerzeugung; weitere 7% werden von Kernkraftwerkenund 52% von Wärmekraftwerkengeliefert. Daneben besitzt Argentinien große Vorkommen an Erdgas. Diese Energieform wird zum Kochen, Heizen aber auch vermehrt als Kraftstoff für Pkw eingesetzt. Mehr und mehr spielt der import von Erdgas, z.B. aus Bolivien, eine grössere Rolle, da durch Misswirtschaft der ansässigen Energiekonzerne und die Verknappung der Erdgasreserven der schnell steigende Energieverbrauch ein Problem darstellt.
Telekommunikation und Post
Die staatliche TelekommunikationsgesellschaftENTEL wurde 1990privatisiert und an zwei ausländische Firmen (Telefónica (Spanien) und Telecom (Frankreich, heute in der Hand von Telecom Italia) verkauft, die sich das Land aufteilten. Seitdem hat die Zahl der Telefonanschlüsseje Einwohner rasant zugenommen, denn nach der Privatisierung betrug die Einrichtungsgebühr für einen Telefonanschluss mit 100 US$ nur noch ein Zehntel der früheren Gebühr und auch die Wartezeit auf einen Anschluss hatte sich wesentlich verringert. Heute gibt es etwa 21 Festanschlüsse je 100 Einwohner oder ca. 7,5 Millionen Anschlüsse. Darüber hinaus gibt es etwa 3 Millionen Mobiltelefonanschlüsse.
Das Internetist in Argentinien sehr verbreitet, wird aber aufgrund der hohen Kosten von sehr vielen Privatleuten nur in so genannten Telecentros oder Locutorios und in Internetcafésgenutzt. Wohlhabendere Menschen und Firmen nutzen heute häufig Internet via DSLoder Kabel.
Auch der Postdienstwurde privatisiert. Die Bedingungen der Konzessionwurde aber nicht eingehalten und so versucht man gerade den Postdienst neu zu vergeben. Neben der größten Firma Correo Argentino, die aus dem staatlichen Postdienst hervorging, gibt es noch mehrere kleinere Postdienste, wie z.B. OCA und Andreani.
Wirtschaft
Argentinien ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die in den letzten Jahren zunehmend dereguliertund privatisiertwurde. Unter Präsident Néstor Kirchner jedoch wurde diese Tendenz umgekehrt.
Geschichte der Wirtschaftspolitik
Die argentinische Wirtschaft ist traditionell durch die Landwirtschaftgeprägt. Bis in die 1950erJahre wurden fast ausschließlich Agrargüter exportiert. Erst danach setze eine Industrialisierungnennenswerten Umfanges ein. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde jedoch von den verschiedenen Regierungen nach unterschiedlichen, teilweise widersprüchlichen Vorgaben reglementiert. Es entstand, vor allem unter dem Einfluss des Peronismus, ein breiter staatlich kontrollierter Sektor in Industrie, Handel und Dienstleistung. Korruptionwar und ist ein diesen Sektor durchziehendes Übel. Dennoch hat Argentinien das Wohlstandsniveau der 50er Jahre nie wieder erreicht.
1976leitete die Militärdiktatur eine drastische Kehrtwende hin zum Neoliberalismusein. Dies fügte vor allem der heimischen Industrie einen starken Schaden zu, während die Spekulation ausartete und die damalige Währung, der Peso Ley, mehrmals abgewertet werden musste. Es waren vor allem die wirtschaftlichen Probleme, die die Militärregierung auf die Idee brachte, den Falklandkriegzu starten.
Nach der Rückkehr zur Demokratie 1983erwies sich die Hyperinflationals eines der größten wirtschaftlichen Probleme des Landes. Der 1989gewählte Präsident Carlos Menemführte daraufhin die 1:1-Bindung des Argentinischen Pesoan den US-Dollarein. Dies führte fast schlagartig zu einem Ende der Inflation und zu einem deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Auf längere Sicht hatte sie aber zur Folge, dass argentinische Produkte auf dem Weltmarkt teurer und Importware im Inland billiger wurden. Zahlreiche argentinische Produktionsbetriebe mussten schließen. Es kam zu einem schnell zunehmenden Ungleichgewicht zwischen dem (offiziellen) Wechselkursder Währung und ihrer inneren Werthaltigkeit. Kapitalfluchtsetzte ein und das ohnehin hoch verschuldete Land musste immer neue Kredite im Ausland aufnehmen, um alte Verbindlichkeiten bezahlen zu können und Devisenfür dringende Importebereitstellen zu können. Gelegentlich wurden sogar Staatbedienstete nicht mehr mit Geld, sondern mit Schuldverschreibungenbezahlt und Geschäftsleute wurden gesetzlich verpflichtet, derartige Papiere an Zahlung statt anzunehmen. Anfangs wurde dies noch durch private Kapitalzuflüsse ausländischer Anlegerüberlagert, die sich in argentinische Unternehmen, besonders im Zuge der von Carlos Menemeingeleiteten Privatisierungvon Staatsbetrieben, einkauften. Doch schließlich hatte die Verschuldung soweit zugenommen und die Wirtschaftsleistung soweit abgenommen, dass Ende 2001nach schweren Unruhen der Präsident Fernando de la Rúazurücktrat.
Bild:Exchange rate Wechselkurs USDollar arg Peso 04 12 2001 bis 27 07 2005.png Wechselkurs des argentinischen Peso zum US-Dollar zwischen Dezember 2001 und Juli 2005
Die folgende Regierung gab die Einstellung der Zahlungen auf Tilgung und Zinsen, also den Staatsbankrott, bekannt. Wegen fehlender Unterstützung der Partei trat der übergangsweise angetretene Präsident Adolfo Rodríguez Saáschon nach fünf Tagen wieder zurück, es folgte der Peronist Eduardo Duhalde, der im Januar 2002 den argentinischen Peso zunächst auf 1,40 arg$/US-Dollar abwertete, um ihn dann wenig später ganz frei zu geben.
Der IWFversorgte nach einer langen Verhandlung Mitte 2002, mit politischer Unterstützung der wichtigsten Industrienationen, Argentinien im Rahmen verschiedener Interimsabkommen mit frischem Geld. Damit konnte die argentinische Wirtschaft, vor allem weil nun Mittelabflüsse durch Kreditrückzahlungen nicht mehr stattfanden und wegen des nun deutlich billigeren Peso (3,5 bis 4 Argentinische Peso je US-Dollar), bereits im Jahr 2003ein beachtliches Wachstum verzeichnen. Allerdings wurde im März 2004die Rückzahlung einer Rate von 3,1 Mrd. US-Dollar (etwa 2,5 Mrd. Euro) für einen im Rahmen der o.a. Interimsabkommen gewährten IWF-Kredite fällig. Erst unmittelbar vor dem letztmöglichen Termin wurde die Zahlung angewiesen. Vorausgegangen war ein mehrwöchiger Verhandlungspoker. Die argentinische Regierung wollte dabei erreichen, dass ein Bericht des IWF über die Bemühungen des Landes im Hinblick auf die Wiedergewinnung wirtschaftlicher Solidität, möglichst positiv ausfällt. Die galt als Voraussetzung für eine weitere Kreditgewährung durch den IWF. Dies hat die Regierung anscheinend geschafft, so dass nun gute Chancen bestehen, dass die nun zurückgezahlten Milliarden schon bald im Rahmen eines neuen Kreditabkommens an Argentinien zurückfließen. Über die Behandlung der Forderungen von privaten Gläubigern Argentiniens wurde bislang aber noch keine Einigung erzielt. Dies belastet weiterhin die Handelsbeziehungendes Landes.
Es war lange im IWFumstritten, ob Argentinien die Voraussetzungen für die weitere Vergabe von Kredite erfüllt. Die Auflage, in "guten Glauben" mit den privaten Gläubigern zu verhandeln, ist nach Ansicht dieser durch die argentinische Regierung nicht erfüllt worden. Statt dessen forderte Argentinien in den Verhandlungen zwischen 2002 und 2004 einen Kapitalschnitt, der auf 75% Barwertverlust hinausläuft. Es liefen Klagen gegen Argentinien und den IWF vor dem Bundesverfassungsgericht mit dem Ziel der vollständigen Rückzahlung des geliehenen Geldes, die teilweise noch nicht abgeschlossen sind. Eine deutsche Gläubigerorganisation ist die Interessengemeinschaft Argentinien e.V..
Anfang 2005 hat die Regierung Verhandlungen mit den Inhabern argentinischer Staatspapiere zur Annahme eines Umschuldungsplanes aufgenommen. Dieser Plan beinhaltet neben einem erheblichen Kapitalschnitt die zeitliche Streckung der Verbindlichkeiten sowie eine Reduzierung des Zinses. Dabei wurde ausschließlich mit privaten Gläubigern bzw. ihren Interessenvertretungen verhandelt. Hierbei war bislang bei inländischen Gläubigern eine deutliche Bereitschaft, das Umschuldungsangebot zu akzeptieren, erkennbar. Bei ausländischen Gläubigern stoßen die Vorschläge jedoch zunächst auf harten Widerstand.
Die Umschuldung verlief trotz aller anfänglicher Skepsis erfolgreich; am Ende akzeptierten etwas mehr als 76% der privaten Gläubiger den Umschuldungsplan. Eine kurzzeitige Streitigkeit mit einem Hedge-Fondsum 7 Milliarden Dollar verzögerte die Ausgabe der neuen Bonds allerdings um zwei Monate bis Ende Mai 2005.
Siehe auch: Argentinien-Krise
Bruttoinlandsprodukt
Das Bruttoinlandsprodukt(BIP) betrug im Jahr 2003376,2 Milliarden Arg$, dies entsprach etwa 103 Milliarden Euro. Davon entfielen etwa 43% auf die Produktion von Waren und etwa 51% auf die Erbringung von Dienstleistungen. Den größten Anteil am BIP hatten dabei die produzierende Industrie mit 22%, die Landwirtschaft mit 10%, der Groß- und Einzelhandel mit 11% sowie die Vermietung von Gebäuden und Grundstücken mit ebenfalls 11%. (Quelle: [14])
| Bruttoinlandsprodukt 1995-2004
|
| Jahr | | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004
|
| Bruttoinlandsprodukt (KKK) | Mrd. Dollar | 364,85 | 392,31 | 431,19 | 452,75 | 443,75 | 449,84 | 440,33 | 398,84 | 442,04 | 484,23
|
| Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen | Mrd. Dollar | 258,03 | 272,15 | 292,86 | 298,95 | 283,52 | 284,20 | 268,70 | 101,45 | 127,30 | 151,94
|
| Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen | Mrd. arg. Peso | 258,03 | 272,15 | 292,86 | 298,95 | 283,52 | 284,20 | 268,70 | 312,58 | 375,91 | 447,31
|
| Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen | Dollar | 7421,42 | 7729,38 | 8213,20 | 8278,98 | 7753,39 | 7674,59 | 7170,02 | 2675,25 | 3316,90 | 3912,14
|
| Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt zu konstanten Preisen | arg. Peso | 6994,59 | 7288,56 | 7781,04 | 7979,20 | 7612,44 | 7457,72 | 7044,61 | 6202,89 | 6671,18 | 7184,41
|
Quelle: World Economic Outlook Database, IMF, April 2005: [15]
Staatsverschuldung
Während der 1990erJahren galt Argentinien als ein positives Beispiel für finanzielle Stabilität und erfolgreiche Marktreformen. Dies änderte sich mit der Argentinien-Kriseund der Interimspräsident Adolfo Rodríguez Saáerklärte den Default (Staatsbankrott). Im Jahre 2004betrug die Staatsverschuldung Argentiniens 157,7 Mrd. US-Dollar (Quelle: CIA Factbook 2005: [16]).
Seit 1985gehört Argentinien ununterbrochen zu den Top-5-Kreditnehmern des Internationalen Währungsfonds(Quelle: [17], S.5)
Inflationsrate
Argentinien war in der 1980erJahren bekannt als ein Land mit einer sehr hohen Inflationsrate. Diese verstärkte sich ab Beginn der Redemokratisierung 1983zunehmend zu einer Hyperinflation, deren Höhepunkt 1989erreicht wurde. Im gleichen Jahr wurde unter der Regierung von Carlos Menemund seinem Wirtschaftsminister Domingo Cavallodie 1:1-Bindung des argentinischen Pesoan den US-Dollarbeschlossen. Diese Maßnahme konnte die Inflationsrate in der Folge relativ rasch auf "normale" Werte drücken. Im Zeitraum zwischen 1994und 1998gab es keine nennenswerte Inflationsrate. Ab 1999drehte die beginnende Wirtschaftskrise die Inflationsrate sogar in den deflationärenBereich. Mit der Argentinien-Krise, die um den Jahreswechsel 2001/2002ihren Höhepunkt erreichte und mit der Erklärung des Defaultund einer Abwertunggegenüber dem Dollar verbunden war, stieg die Inflationsrate zunächst stark an, sank aber zwischenzeitlich wieder auf erträgliche Werte. Das Hauptproblem ist jedoch, dass das Pro-Kopf-Bruttoinlandsproduktzu konstanten Preisen zwischen 1998 bis 2002 stetig sank und 2004 erst wieder das Niveau von 1992 erreichte. Weitere Probleme sind u.a. die hohe Arbeitslosigkeitund die stark gesunkene Kaufkraft.
| Inflationsrate 1980-2005
|
| Jahr | 1980 | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 | 1988 | 1989
|
| Inflationsrate (in %) | 100,8 | 104,5 | 164,8 | 343,8 | 626,7 | 672,2 | 90,1 | 131,3 | 343 | 3079,5
|
| Jahr | 1990 | 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999
|
| Inflationsrate (in %) | 2314 | 171,7 | 24,9 | 10,6 | 4,2 | 3,4 | 0,2 | 0,5 | 0,9 | -1,2
|
| Jahr | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005
|
| Inflationsrate (in %) | -0,9 | -1,1 | 25,9 | 13,4 | 4,4 | 7,7
|
Quelle: World Economic Outlook Database, IMF, April 2005: [18](Daten erst ab 1980 verfügbar)
Außenhandel
Der Außenhandel war in den vergangenen Jahren stark von der Argentinien-Krisegeprägt. Die Importe gingen seit 1999zurück. Im Jahresvergleich 2001/2002hatten sie einen unglaublichen Rückgang von 56% und konnte sich erst 2003 wieder erholen. Die Exporte blieben von der Argentinien-Krise nahezu unberührt.
Die Exporte sind von landwirtschaftlichen Produkten dominiert. 31% aller Exporte sind weiterverarbeitete, landwirtschaftliche Produkte, 25% sind Rohstoffe (wobei hierzu auch landwirtschaftliche Produkte zählen), 25% sind industrielle Produkte und 18% sind Mineralöle und andere Energieträger.
Wichtigste Handelspartner sind an erster Stelle die lateinamerikanischen Länder, speziell die Mercosur-Staaten, dann die Europäische Unionund gefolgt von den USA.
Bild:Außenhandel Argentiniens Grafik Wachstumsindex 1999-2003.png (Quelle: http://www.indec.gov.ar)
| Außenhandel im Zeitraum 1999-2003 in Millionen US$
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| Jahr | Exporte | Importe | Wachstumsrate | Handelsbilanz
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| Exporte % | Importe %
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| 1999 | 23.310 | 25.508 | | | -2.198
|
| 2000 | 26.339 | 25.364 | 13% | -1% | 975
|
| 2001 | 26.541 | 20.478 | 1% | -19% | 6.063
|
| 2002 | 25.649 | 9.004 | -3% | -56% | 16.645
|
| 2003 | 29.565 | 13.755 | 15% | 52% | 15.810
|
(Quelle: [19])
Kultur
Ein scherzhafter Ausspruch von Jorge Luis Borgesbezeichnet die Argentinier als "Italiener, die Spanisch sprechen und gerne Engländer wären." Dadurch kommt die Mischung des Volkes aus Einwanderern verschiedener europäischer Länder zum Ausdruck, der sich in der Kultur deutlich bemerkbar macht.
Siehe auch: Liste bedeutender Argentinier, Argentinische Küche
Musik
Bild:Tango.jpg Tango in den Straßen von Buenos Aires
Argentinische Musik ist durch den Tango(und die verwandten Musikformen Milongaund Vals) bekannt geworden. Bekannteste Interpreten sind Carlos Gardel, Astor Piazzollaund Osvaldo Pugliese. Tango kann jedoch nicht auf die musikalische Dimension beschränkt werden, vielmehr ist Tango ein gesamtkulturelles Phänomen mit den zusätzlichen Aspekten Textdichtung und tänzerischer Interpretation. Als solches begründet der Tango eine kulturelle Identität die sehr viel zum Selbstverständnis der Argentinier, genauer genommen der "Porteños" aus Buenos Aires, beiträgt.
Nach wie vor wichtig für die Musikszene Argentiniens sind in der traditionellen Musik verwurzelte Folkore-Interpreten. Zu den auch international beachteten Musikern zählen der als Atahualpa Yupanquiweltweit bekannt gewordene Héctor Roberto Chavero und die aus der Provinz Tucumánstammende Mercedes Sosa(geboren 1935), die 1982nach vier Jahren Exil in Madrid und Paris nach Argentinien zurückkehrte.
Neuerdings sind in Argentinien einige traditionelle Musikstile von der Popmusikher wiederbelebt worden. Zu nennen sind hier der fröhlich-leichte Tanz des Cuarteto, die urbane Musik der Stadt Córdoba, sowie einige Stile der von den Spaniern übernommenen nationalen Folklore, die durch Mischung mit anderen Stilen eine völlig neue Gestalt erlangt haben. Auch Musikstile aus anderen Teilen Südamerikas, allen voran die kolumbianische Cumbia, wurden von argentinischen Interpreten weiterentwickelt. So entstand als aktueller Beitrag Argentiniens zur Popmusik in Buenos Aires die Cumbia Villera(Slum-Cumbia).
Siehe auch: Argentinische Folklore, Argentinische Rock- und Popmusik
Literatur
Bild:GauchosvonALE.jpg Gauchos, Aufnahme zw. 1890 und 1923 veröffentlicht
Im 19. Jahrhundertlöst sich mit der Unabhängigkeit des Landes die argentinische Literatur von der spanischen - ohne dieses Erbe zu verleugnen. Durch die Thematisierung des Lebens der Gauchosin der Pampagewinnt die Literatur eine deutliche nationale Komponente. Beispiele dafür sind Fausto (1866) von Estanislao del Campo, das in Gedichtform die Geschichte eines Gauchos erzählende und oft als argentinisches Nationaleposbezeichnete El gaucho Martín Fierro(1872) von José Hernándezsowie das bereits 1845entstandene Facundo von Domingo Faustino Sarmiento. In ähnlicher Traditionslinie steht auch die 1926veröffentlichte Erzählung Don Segundo Sombravon Ricardo Güiraldes(deutsch bereits 1934: Das Buch vom Gaucho Sombra).
Bekannte moderne Autorensind Eduardo Mallea, Ernesto Sabato, Humberto Costantini, Julio Cortázar, Manuel Puigund besonders Jorge Luis Borges.
Der bekannteste CartoonArgentiniens dürfte Mafaldades Zeichners Quinosein, der unter anderem Preisträger des Max-und-Moritz-Preisesist.
Theater
Bild:Buenos Aires-ColonTeatre-P3050009.jpg Das Teatro Colón in Buenos Aires
In vielen Städten gibt es eine lebhafte Theaterszene. Man könnte pro Woche leicht über 100 verschiedene Theaterstücke von professionellen und Laiengruppen ansehen. Besonders bekannt ist Rosariofür seine Theatergruppen. Aktuell feiert die Akrobatik-Theatergruppe De la Guarda Erfolge in der ganzen Welt. Das bekannteste Theatergebäude Argentiniens ist das Opernhaus Teatro Colónin Buenos Aires.
Film
Argentinien war eines der Pionierländer auf dem Gebiet des Stummfilms. Schon 1896wurde der erste Filmgedreht, der die argentinische Fahne zum Thema hatte. 1933begann der Aufstieg der argentinischen Filmindustrie mit dem Aufkommen des Tonfilms. Damit begann die beste Zeit des argentinischen Kinos, die Filme dieses Landes wurden in der ganzen Welt gezeigt. Besonders bekannt wurden die Tangofilme aus Buenos Aires, unter anderem mit dem Superstar Carlos Gardel.
Bild:Carlos Gardel Abasto Buenos Aires.jpg Gardel-Statue am Abasto, Buenos Aires
Ab der Mitte der 1940erJahre griff allerdings der Staat mittels Zensur und Einmischung in die Kinoszene ein. Besonders dramatisch wurde dies in den Militärregierungen (1966-1973und 1976-1983). In den demokratischen Zwischenzeiten wurden jedoch künstlerisch sehr hochwertige Filme produziert.
1968kam La hora de los hornos(deutsch: Die Stunde der Hochöfen) von Pino Solanasheraus, ein Film, der als einer der Höhepunkte des politischen lateinamerikanischen Kinos gilt. Ein anderer wichtiger politischer Filmemacher aus dieser Zeit ist Raymundo Gleyzer. Nach der Militärdiktaturbegann das Kino, die Terrorherrschaft aufzuarbeiten. Es entstanden Filme wie La Historia Oficial (Luis Puenzo), La Noche de los Lápices (Héctor Olivera) und später Garage Olimpo (Marco Bechis), die teils fiktive, teils wahre Fälle von so genannten "Verschwundenen" auf die Leinwand brachten.
1997leitete Pizza, Birra, Faso (Adrián Caetano) die Epoche des "Nuevo Cine Argentino" ein, in dem vor allem Geschichten aus dem Milieu der einfachen Leute und Slumbewohner verfilmt wurden.
Heute ist die argentinische Filmszene vor allem in Buenos Aires und in geringerem Maße auch in Rosariound Santa Fesehr aktiv. International am bekanntesten unter den Regisseuren ist derzeit wohl der Berlinale-Gewinner Pino Solanasmit seinen sozialkritischen Filmen wie Sur, El Viaje sowie den aktuellen Dokumentationen Memoria del Saqueo und La Dignidad de los Nadies, die den Zustand von Politik und Gesellschaft des heutigen Argentiniens beschreiben.
Medien
Fernsehen
Argentinien hat einen staatlichen Fernsehsender, Canal 7 [20]. Daneben gibt es eine Vielzahl von lokalen und nationalen, privaten Fernsehsendern, die über Antenneund Kabelzu empfangen sind. Des Weiteren eine unglaubliche Anzahl von Sendern, die nur über Kabel und Satellitverbreitet werden.
Die bekanntesten Sender sind Telefé [21], Canal 9 [22]und Canal 13 [23], die in vielen Regionen auch lokale Programme ausstrahlen.
Einige argentinische Fernsehserien (genannt Telenovelas, wörtlich also Fernsehromane) sind wegen ihrer niedrigen Produktionskosten und der hohen Qualität zu einem Exportschlager vor allem nach Osteuropa geworden.
Mit dem Ziel einer stärkeren Integration Lateinamerikas ist Argentinien zusammen mit Uruguay, Venezuela und Kuba an dem Satellitensender teleSURbeteiligt, der im Juli 2005seinen Sendebetrieb aufgenommen hat.
Radio
Radioist ein sehr beliebtes Medium in Argentinien. Es gibt eine riesige Fülle von staatlichen und privaten Radiosendern. Von den privaten Radiosendern sind viele in Cadenas, Radio-Ketten zusammengeschlossen und so kann man viele Sender aus Buenos Aires im ganzen Land empfangen. Für die deutschstämmige Gemeinde in Argentinien wird Sonntags ein vierstündiges Radioprogramm Treffpunkt Deutschland ([24]) ausgestrahlt. Für Argentinier, die im Ausland leben, ist besonders das morgendliche Radioprogramm Radio Lagos ([25]) von Julio Lagos interessant. Dieser Radiomoderator versucht durch die Verknüpfung von herkömmlichen Radio, Internetradio, Chatund Webpräsenzdie im Ausland lebenden Argentinier der Heimat näher zu bringen und umgekehrt.
Eine umfassende Zusammenstellung von argentinischen Radio- und Fernsehsendern findet man auf der Webpräsenz Argentina Radios ([26]).
Printmedien
Es werden in Argentinien über 200 Tageszeitungenpubliziert. Die bedeutendsten Hauptstadtblätter sind Clarín, La Nación und Crónica; letztere hat etwa Bildzeitungs-Niveau, wird aber sechsmal am Tag herausgegeben. Eine linksalternative Zeitung aus Buenos Aires ist Página 12 mit detailliertem Kulturteil, die von der Clarín-Gruppe herausgegeben wird. Weitere wichtige Zeitungen sind La Capital (Rosario), La Voz del Interior (Córdoba) und La Gaceta (Tucumán).
In jüngerer Zeit haben eine Reihe von Zeitungen in den Großstädten Bedeutung erlangt, die kostenlos, vor allem in Bussen und Bahnen verteilt werden (zum Beispiel La Razón, El Diario del Bolsillo).
In Argentinien gibt es zudem eine große Anzahl von Zeitschriftenund Wochenblättern. Die bekanntesten Nachrichtenmagazinesind Noticias und Veintitres. Es gibt auch eine deutschsprachige Wochenzeitung, das Argentinische Tageblatt.
Siehe auch: Liste argentinischer Zeitungen
Sport
Bild:Bombonera.jpg die Bombonera, das Stadion von Boca Juniors
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Bild:Rugby-Argentina France.jpg Rugbyspiel Argentinien-Frankreich
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Die Argentinier sind eines der fußballbegeistertstenVölker dieser Erde. Bereits 1893wurde der argentinische Fußballverband AFAgegründet und gehört somit zu den ältesten nationalen Fußballverbänden der Erde. Das erste Länderspiel der argentinischen Nationalmannschaftwurde 1902gegen Uruguayausgetragen. Seither hat die Nationalmannschaft vierzehnmal die südamerikanische Fußballmeisterschaft, die Copa América, und zweimal die Fußballweltmeisterschaftgewonnen. Die beiden bekanntesten Fußballclubs sind River Plateund Boca Juniors, bei letzteren hat früher der bekannteste argentinische Fußballspieler, Diego Armando Maradona, gespielt. Die Spiele zwischen diesen beiden Mannschaften werden Superclásicos genannt und das öffentliche Leben steht praktisch still, wenn diese beiden Mannschaften aufeinander treffen.
Zweitbeliebtester Sport in Argentinien ist Rugby. Die argentinische Rugby-Nationalmannschaft, die Pumas, spielt auf oberstem internationalen Niveau, kann aber nicht an die großen Mannschaften, wie die Neuseeländer, heranreichen.
Neben Fußball und Rugby genießt Poloein großes Interesse in Argentinien. Die argentinische Polomannschaft, deren Mitglieder alle der Familie Heguy angehören, ist die Beste der Welt. Seit 1949ist Argentinien ohne Unterbrechung Weltmeister.
Im Gegensatz zu Polo, das eher von Mitgliedern der argentinischen Oberschicht gespielt wird, ist Patoein Spiel der normalen Landbevölkerung.
Siehe auch: Copa América, Argentinische Teilnehmer an den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen, Fußball in Argentinien
Feiertage
- 1. Januar: Neujahr(Año Nuevo)
- Gründonnerstag, Karfreitag(Viernes Santo) und Ostern(Pascuas)
- 2. April: Tag der Islas Malvinas(Día del Veterano y de los Caídos en la Guerra de Malvinas)
- 1. Mai: Tag der Arbeit(Día del Trabajador)
- 25. Mai: Erklärung der Unabhängigkeit von Spanien am 25. Mai 1810(Primer Gobierno Patrio)
- 20. Juni: Tag der Nationalflagge(Día de la Bandera, offiziell: Paso a la Inmortalidad del General Manuel Belgrano)
- 9. Juli: Anerkennung der Unabhängigkeit durch Spanien am 9. Juli 1816(Día de la Independencia)
- 17. August: Gedenktag zu Ehren des Generals José de San Martín(Paso a la Inmortalidad del General José de San Martín)
- 12. Oktober: Tag der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus(Día de la Raza) (siehe auch: Columbus-Tag)
- 8. Dezember: Maria Empfängnis(Inmaculada Concepción de María)
- 25. Dezember: Weihnachten(Navidad), teilweise ist auch der Heilige Abendarbeitsfrei
- (31. Dezember: Silvesterist teilweise arbeitsfrei)
Sollte ein Feiertag (außer Neujahr, Ostern und Weihnachten, der Tag der Arbeit sowie der 25. Mai und der 9. Juli) auf einen Samstag oder Sonntag fallen, so ist der darauf folgenden Montag meist arbeitsfrei.
Zusätzliche Feiertage, die für Angehörige der jüdischen Gemeinde arbeitsfrei sind (Daten sind variabel und richten sich nach dem jüdischen Kalender):
- zwei Tage zwischen dem 6. Septemberund dem 5. Oktober: jüdisches Neujahrsfest (Rosch ha-Schanah; Año Nuevo)
- ein Tag zwischen dem 15. Septemberund dem 14. Oktober: Versöhnungstag (Jom Kippur; Gran Día del Perdón)
Zusätzliche Feiertage, die für die Angehörigen der muslimischen Gemeinde arbeitsfrei sind (Daten sind variabel und richten sich nach dem islamischen Kalender):
- Opferfest (Id ul-Adha; Fiesta del Sacrificio)
- Islamisches Neujahrsfest (Hidschra ?; Año Nuevo Islámico)
- Fastenbrechenam Ende des Ramadan('?d al-fitr; Culminación del Ayuno)
Reiseinformationen
Deutsche, österreichischeund SchweizerStaatsbürgerbrauchen für die Einreise nach Argentinien lediglich einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepassund können sich dann 90 Tage visafreiin Argentinien aufhalten. Eine Verlängerung dieser 90-Tage-Frist ist gegen eine Zahlung von 100 AR$ beim argentinischen Ausländeramt (Dirección Nacional de Migraciones) erhältlich, eine andere Möglichkeit ist es, das Land zu verlassen und wieder einzureisen, um eine neue Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Eine Aufenthaltserlaubnisbekommt man auch, wenn man einen Arbeitsvertraghat, im Land studiert oder eine andere anerkannte Bildungseinrichtung besucht. Weitere Informationen zum Thema Einreise- und Visamodalitäten findet man unter http://www.mininterior.gov.ar/migraciones/.
Herkunft des Staatsnamens
Der Name Argentinien bedeutet "Silberland" (lat. argentum = Silber). Argentinien bekam seinen Namen durch die Beladung der spanischen Silberflotte mit dem Edelmetall aus Potosí(Bolivien) an der Mündung des Río de la Plata.
Literatur
- Benson, Phillip; Möginger, Robert [Bearb.]: Polyglott Apa Guide, Argentinien, Verlag: Langenscheidt, München: 2000, ISBN 3-8268-2468-7
- Bodemer, Klaus / Pagni, Andrea / Waldmann, Peter (Hrsg.): Argentinien heute. Politik. Wirtschaft. Kultur., Frankfurt a. M.: 2003. ISBN 3893545883
- Jost, Christoph: Argentinien: Umfang und Ursachen der Staatsverschuldung und Probleme der Umschuldung in: Auslandsinformationen 11/2003, Konrad-Adenauer-Stiftung: Sankt Augustin, ISSN 0177-7521(zum Herunterladen: [27])
- Llanos, Mariana / Nolte, Detlef: Menem wirft das Handtuch. Ein politischer Neuanfang in Argentinien unter Néstor Kirchner? in: Brennpunkt Lateinamerika 10/2003, Institut für Iberoamerika-Kunde: Hamburg, ISSN 1437-6148(zum Herunterladen: [28])
- o.A.: A survey of Argentina in: The Economist vom 15. Juni 2004, Economist Group: London, ISSN 0013-0613
- Galeano, Eduardo: Die offenen Adern Lateinamerikas, Peter Hammer Verlag Wuppertal: 1973, ISBN 3-87294-162-3
Weblinks
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| Wiktionary: {{{2|Argentinien}}} ? Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
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| Commons: {{{2|category:Argentina}}} ? Bilder, Videos oder Audiodateien
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- http://www.argentinische-botschaft.de/- Allgemeine Informationen über Argentinien
- http://www.cadicaa.com.ar/- Deutsch-Argentinische Industrie- und Handelskammer
- http://www.argentina-online.de/- Argentinien-Portal auf Deutsch
- http://www.indec.gov.ar/- Argentinisches Statistikamt (spanisch und englisch)
- IberoDigital- Aktuelle Presse aus und über Argentinien
- http://electroneubio.secyt.gov.ar/index2.htmArgentinisches Neurowissenschaft/Gehirn-Seele Studien (Deutsch, Spanisch und Englisch).
- http://www.ig-argentinien.org/- Interessengemeinschaft Argentinien e.V.
- http://www.uni-graz.at/franz.koelbl/argentinien/- Bilder und Erlebnisse einer Reise nach Argentinien
- http://astrid-kaiser.de/gallery/album77Fotos aus Bariloche, Buenos Aires und des Weges nach Mendoza von Chile
- http://www.reiseinformation.biz/argentinien/Argentinien Reiseinformation
- http://www.colonial-estates.pvoss.de/argentina-historical-estancias.htmHistorische Estancias in der Pampa (Argentinien + Uruguay)
- http://www.weltkarte.com/suedamerika/landkarten_argentinien.htmLandkarten und Stadtpläne von Argentinien
- http://www.andes.org.uk/andes-information-files/6000m-peaks.htm
Bild:Südamerika-Pos.png
Staaten in Südamerika
Argentinien |
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