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Gliazellen, deren Name sich aus dem griechischenWort für ?Leim? herleitet, sind Zellendes Nervensystems. Sie sind auch nach der Geburtnoch vermehrungsfähig. Gliazellen bilden das Stützgerüst für die Nervenzellenund sorgen für die gegenseitige elektrische Isolationder Nervenzellen. Zudem sind sie maßgeblich am Stoff- und Flüssigkeitstransport im Gehirn beteiligt. Sie wurden Mitte des 19. Jahrhunderts von Rudolf Virchowentdeckt. Mittels unterschiedlicher Silberimprägnationen durch Santiago Ramón y Cajal, Del Rio-Hortegaund Camillo Golgikonnten sie Ende des 19. Jahrhunderts weiter klassifiziert werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Gliazelltypen
- 1.1 Astroglia, Astrozyten
- 1.2 Oligodendroglia
- 1.3 Radialglia
- 1.4 Mikroglia
- 1.5 Ependym
- 2 Erkrankungen
- 3 Weblinks
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Gliazelltypen
Es werden vier verschiedene Arten unterschieden:
- Astroglia
- Oligodendroglia (Oligodendrozyten)
- Radialglia
- Mikroglia
Darüber hinaus werden den Gliazellen weitere Zellen zugerechnet:
- Schwannsche Zellen
- Ependym
- Satellitenzellen
- Stützstellen des Sinnesepithels
- Teloglia der motorischen Endplatte
- Mantelzellen (Glia der Perikaryen in Spinalganglien)
Astroglia, Astrozyten
Bild:Astrozyten.jpg Astrozyt
Bild:Astrocyten.jpg Astrozyt
Die Astroglia oder Astrozyten bilden die Mehrheit der Gliazellen im zentralen Nervensystem von Säugetieren. Es sind sternförmig verzweigte Zellen, deren Fortsätze Grenzmembranen zur Gehirnoberfläche (bzw. Pia mater) und zu den Blutgefäßenbilden.
Es sind zwei Typen von Astrozyten bekannt:
- Faserglia (Astrocytus fibrosus - auch: Langstrahler), fibrillenreich, vor allem in der Weißen Substanz. Im Elektronenmikroskop durch zahlreiche Mikrotubuliund intrazelluläre Faserstrukturen charakterisiert
- Protoplasmatische Glia (Astrocytus protoplasmaticus - auch: Kurzstrahler) vor allem in der Grauen Substanz
Astrozyten sind maßgeblich an der Flüssigkeitsregulation im Gehirn beteiligt und sorgen für die Aufrechterhaltung des Kalium-Haushaltes. Die während der Erregungsleitung in Nervenzellen frei werdenden Kalium-Ionen werden vor allem durch eine hohe Kalium-Leitfähigkeit und zum Teil auch durch K+ und Cl- Kotransporter in die Gliazellen aufgenommen. Damit regulieren sie auch den extrazellulären pH-Haushaltim Gehirn.
Astrozyten bilden nach Durchtrennung der Axonevon Nervenzellen "Glianarben", die maßgeblich daran beteiligt sind, das neuerliche Auswachsen der Axone zu verhindern. Dies stellt ein zentrales Problem für Patienten mit Querschnittlähmungdar.
In Astrozyten kommt als Marker das IntermediärfilamentGFAP(Glial fibrillary acidic protein, "Saures Gliafaserprotein") vor, welches somit zum Nachweis von zentralnervösem Gewebe z.B. in Fleischprodukten verwendet werden kann, was insbesondere in Hinblick auf BSEan Bedeutung gewonnen hat. Die Bildung des Proteins wird durch krankhafte Veränderungen im Hirngewebe verstärkt.
Oligodendroglia
Oligodendroglia oder Oligodendrozyten bilden die elektrische Isolationder Axone der Nervenzellenim Gehirn. Sie entsprechen damit den Schwannschen Zellenin peripheren Nerven. Allerdings nehmen sie deutlich weniger Raum ein und verbrauchen vergleichsweise weniger Energie, denn ein Oligodendrozyt kann Axonabschnitte mehrerer Nervenzellen umwickeln, während eine myelinbildende Schwannsche Zelle immer nur ein neuronales Axon umwickelt. Die Evolution von Oligodendrozyten wird als Voraussetzung der Großhirnentwicklung bei Chordatierenangesehen.
Radialglia
Eine spezielle Form von Astrozyten, deren Hauptausläufer z.B. die Molekularschicht in etwa parallel durchziehen und in Endfüßen an der Pia mater enden. Wichtige Rolle als Leitstrukturen in der frühen Hirnentwicklung von Vertebraten (Wirbeltieren), im ausgereiften (Säuger-)Gehirn nur noch im Kleinhirn (Bergmannglia) und in der Retina (Müllerglia) vorhanden.
Mikroglia
Mikrogliazellen, auch als Hortega-Zellen oder Mesoglia bezeichnet, wandern aus dem Mesenchymüber Blutgefäßein das Gehirn ein. Sie haben im zentralen Nervensystem eine ähnliche Funktion wie Makrophagenin anderen Geweben und beseitigen Zellreste abgestorbener Nervenzellenund Oligodendrozyten durch Phagozytose. Eine Voraussetzung für diese Funktion ist jedoch eine spezielle molekulare Aktivierung, wie sie zum Beispiel nach Schädeltraumata oder bei Erkrankungen wie multipler Skleroseoder erblichen Leukodystrophienbeobachtet wird.
Ependym
Ependymzellen bilden die einschichtige Auskleidung des Hohlraumsystems(Ventrikel) im ZNS.
Erkrankungen
- durch Störung der Entwässerungsfunktion der Astrozyten oder Schädigung der Blut-Hirn-Schrankekann ein Hirnödementstehen
- Tumore: Gliomewie Astrozytom, Oligodendrogliom, Glioblastom
Weblinks
- Nervenzellen in BildernFranzösisch
- Gehirn: Freie Bilder
- Astrozyten
- Neue Einblicke ins Gehirn ? Beobachtung von Gliazellen in der intakten Hirnrinde, pdf
- Gliazellen - vergessene Multitalente
- Gliazellen bei der Bildung von Synapsen entscheidend
- Mikrogliazellen auf die Finger geschaut
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