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Atypische

Autismus (v. gr.?????: selbst) ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung.

Ausprägungen von Autismus sind frühkindlicher Autismus (einschließlich der Variante hochfunktionaler Autismus), atypischer Autismus und Asperger-Syndrom, die zusammen das Autismusspektrum bilden. Um der Tatsache, dass es sich bei Autismus um ein Kontinuumverschiedener Ausprägungen handelt, begrifflich gerecht zu werden, wird auch von Autismusspektrumstörung (ASS) gesprochen.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Begriff ?Autismus?
  • 2 Autismusspektrum: Unterschiedliche Typen von Autismus
    • 2.1 Atypischer Autismus
    • 2.2 Frühkindlicher Autismus
      • 2.2.1 Soziale Interaktion
      • 2.2.2 Kommunikation
      • 2.2.3 Repetitive und stereotype Verhaltensmuster
    • 2.3 Asperger-Syndrom
      • 2.3.1 Soziale Interaktion
      • 2.3.2 Stereotype Verhaltensmuster und Sonderinteressen
    • 2.4 Komorbide Symptome
    • 2.5 Unterscheidung der Zustände innerhalb des Autismusspektrums
  • 3 Einteilung nach ICD-10 und DSM-IV
  • 4 Ursachen
    • 4.1 Genetische Faktoren
    • 4.2 Hirnschädigungen
    • 4.3 Biochemische Besonderheiten
    • 4.4 Gefühlsblindheit (mindblindness theory)
    • 4.5 empathising-systemising theory (E-S)
    • 4.6 underconnectivity theory
    • 4.7 Monotropismus-Theorie
    • 4.8 Spekulationen
  • 5 Epidemiologie
  • 6 Verlauf und Behandlung
    • 6.1 Langzeitverlauf
    • 6.2 Schule, Ausbildung, Beruf
    • 6.3 Behandlungsmöglichkeiten
      • 6.3.1 Verhaltenstherapie
      • 6.3.2 Soziales Kompetenztraining
      • 6.3.3 Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie
      • 6.3.4 Medikamentöse Behandlung
      • 6.3.5 Ergänzende Maßnahmen
      • 6.3.6 sonstige Maßnahmen
    • 6.4 Akzeptanz statt Heilung
  • 7 Differentialdiagnose
  • 8 Historisches
  • 9 Bekannte Autisten
  • 10 Siehe auch
  • 11 Literatur
    • 11.1 Fachliches
    • 11.2 Erfahrungsberichte
    • 11.3 Kinder- und Jugendliteratur
  • 12 Film und TV
    • 12.1 Dokumentationen
    • 12.2 Kinofilme und Serien
  • 13 Weblinks

Begriff ?Autismus?

Geprägt wurde der Begriff ?Autismus? 1911durch den schweizerPsychiaterEugen Bleuler. Autismus nannte er ein Grundsymptom der Schizophrenie, das die Zurückgezogenheit in die innere Gedankenwelt bei an Schizophrenie erkrankten Menschen meinte.

Leo Kanner (Lit.: Kanner 1943) und Hans Asperger(Lit.: Asperger 1944) nahmen diesen Begriff auf und benannten so ein Störungsbild eigener Art. Im Unterschied zu Menschen mit Schizophrenie, die sich aktiv in ihr Inneres zurückziehen, beschrieben Kanner und Asperger Menschen, die von Geburt an in einem Zustand der inneren Zurückgezogenheit leben. Damit unterlag der Begriff ?Autismus? einem Bedeutungswandel. Heutzutage wird der Begriff ?Autismus? zur Bezeichnung des von Kanner und Asperger beschriebenen Störungsbildes gebraucht.

Kanners Nachforschungen, die den Begriff ?Autismus? eng fassten und im wesentlichen den heute so genannten frühkindlichen Autismus beschrieben, erlangten internationale Anerkennung und wurden zur Grundlage der weiteren Autismusforschung. Die Veröffentlichungen Aspergers hingegen, die den Begriff ?Autismus? weiter fassten und auch leichtere Fälle mit einbezogen, wurden zunächst international kaum rezipiert, zum einen wegen des Zweiten Weltkriegsund zum anderen, weil Asperger auf deutsch publizierte. Erst in den 1990erJahren erlangten die Forschungen Aspergers internationale Bekanntheit in Fachkreisen. Die englische Psychologin Lorna Wing(Lit.: Wing 1981) führte in den 1980erJahren die Forschungen Aspergers fort und definierte die von Asperger beschriebenen leichteren Fälle von Autismus als Asperger-Syndrom.

Autismusspektrum: Unterschiedliche Typen von Autismus

Bild:Asd.png
Schematische Darstellung des Autismusspektrums

Es werden drei Typen von Autismus unterschieden:

  1. Atypischer Autismus,
  2. Frühkindlicher Autismus (auch infantiler Autismus, autistische Störung, Kanner-Syndrom oder Kanner-Autismus genannt) einschließlich der Variante des hochfunktionalen Autismus (engl. high-functioning autism) und
  3. Asperger-Syndrom.

Diese drei Typen bilden zusammen das Autismusspektrum (engl. autism spectrum). Auf der einen Seite dieses Spektrums steht der atypische Autismus, der meist mit schwerer geistiger Behinderungauftritt. Auf der anderen Seite dieses Spektrums ist das Asperger-Syndrom angesiedelt, das in der Regel mit normaler bis überdurchschnittlicher Intelligenzauftritt. Sowohl die Übergänge innerhalb des Spektrums als auch der Übergang vom Asperger-Syndrom zur ?Normalität? sind fließend. Allen Zuständen innerhalb dieses Spektrums sind die Merkmale eingeschränkte soziale Interaktion, eingeschränkte Kommunikation und repetitive Verhaltensmuster gemeinsam. Je nach Intensität der Ausprägung werden Patienten innerhalb dieses Spektrums eingeordnet.

Atypischer Autismus

Atypischer Autismus unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus dadurch, dass Kinder nach dem dritten Lebensjahr erkranken (atypisches Erkrankungsalter) und/ oder nicht alle Symptome aufweisen (atypische Symptomatik und atypisches Erkrankungsalter).

Autistische Kinder mit atypischem Erkrankungsalter zeigen hinsichtlich der Symptome das Vollbild des frühkindlichen Autismus, das sich bei ihnen aber erst nach dem dritten Lebensjahr manifestiert.

Autistische Kinder mit atypischer Symptomatik legen Auffälligkeiten an den Tag, die für den frühkindlichen Autismus typisch sind, jedoch die Diagnosekriterien des frühkindlichen Autismus nicht vollständig erfüllen. Dabei können sich die Symptome sowohl vor als auch nach dem dritten Lebensjahr manifestieren. Diese Form des atypischen Autismus tritt oft mit erheblicher Intelligenzminderungauf, weshalb auch von ?Intelligenzminderung mit autistischen Zügen? gesprochen wird.

Frühkindlicher Autismus

Die beiden international gebräuchlichen Klassifikationssysteme für Krankheiten, ICD-10und DSM-IV, nennen vier diagnostische Kriterien für frühkindlichen Autismus:

  1. Qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion,
  2. qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation,
  3. repetitive und stereotypeVerhaltensmuster und
  4. Manifestation vor dem 3. Lebensjahr.

Darüber hinaus nennt ICD-10 noch unspezifische Probleme wie Befürchtungen, Phobien, Schlafstörungen, Essstörungen, Wutausbrüche, Aggressionenund selbstverletzendes Verhalten(Automutilation).

Üblicherweise geht mit dem frühkindlichen Autismus eine Intelligenzminderungeinher. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen keine Intelligenzminderung auftritt. Diese Variante des frühkindlichen Autismus wird als hochfunktionaler Autismus (engl. high-functioning-autism) bezeichnet. Er ähnelt sehr dem Asperger-Syndrom. Eine Differenzierung kann nur anhand der Entwicklung in der frühen Kindheit vorgenommen werden, insbesondere anhand des Beginns der Sprachentwicklung. Teilweise werden die Begriffe hochfunktionaler Autismus und Asperger-Syndrom auch synonym verwendet. Dies trägt der Tatsache Rechnung, dass beide Störungen sich in ihrem Auftreten ähneln, ignoriert jedoch, dass es sich letztlich um zwei verschiedene Störungen handelt.

Soziale Interaktion

Eine qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion zeigt sich als extreme Kontaktstörung, die sich schon in den ersten Lebensmonaten durch fehlende Kontaktaufnahme zu den Eltern, insbesondere der Mutter bemerkbar macht. Kinder mit frühkindlichem Autismus strecken der Mutter die Arme nicht entgegen, um hochgehoben zu werden. Sie lächeln nicht zurück, wenn sie angelächelt werden und nehmen zu den Eltern keinen angemessenen Blickkontakt auf. Dem gegenüber steht eine starke Objektbezogenheit, die häufig beschränkt ist auf eine bestimmte Art von Gegenständen. Ihre Aufmerksamkeit ist auf wenige Dinge, wie Wasserhähne, Türklinken, Fugen zwischen Steinplatten oder kariertes Papier gerichtet, die sie magisch anziehen, sodass alles andere an ihnen vorbei geht. Oft finden sie in Gegenständen einen für andere fremden Zweck, sortieren beispielsweise die Einzelteile einer Spielzeugeisenbahn nach Größe und Farbe, oder ihr einziges Interesse an einem Spielzeugauto ist es, die Räder unablässig zu drehen.

Kommunikation

Bei Menschen mit frühkindlichem Autismus fehlt bei etwa der Hälfte der Patienten eine Sprachentwicklung ganz. Bei der anderen Hälfte der Patienten kommt es zu einer Verzögerung der Sprachentwicklung. Anfangs fehlt der Sprache die kommunikative Funktion. Wörter oder Sätze werden einfach wiederholt (Echolalie). Im Kindesalter vertauschen die Patienten oft die Pronomina(pronominale Umkehr). Sie reden von anderen als ich und von sich selbst als du oder in der dritten Person. Diese Eigenart bessert sich überlicherweise im Laufe der Entwicklung. Wortneuschöpfungen (Neologismen) treten häufig auf. Menschen mit frühkindlichem Autismus haften an bestimmten Formulierungen (Perseveration). In der Kommunikation mit anderen Menschen haben sie Schwierigkeiten, Gesagtes über die genaue Wortbedeutung hinaus zu verstehen, zwischen den Zeilen zu lesen. Ihre Stimme klingt eintönig (fehlende Prosodie).

Die Probleme in der Kommunikation äußern sich außerdem in Schwierigkeiten in der Kontaktaufnahme zur Außenwelt und zu anderen Menschen. Manche Autisten scheinen die Außenwelt kaum wahrzunehmen und teilen sich ihrer Umwelt auf ihre ganz individuelle Art mit. Deshalb wurden autistische Kinder früher auch Muschelkinder oder Igelkinder genannt. Die Wahrnehmungenim visuellen und auditiven Bereich sind oft deutlich intensiver als bei neurologisch typischen Menschen, daher scheint eine Abschaltfunktion im Gehirndie Reizüberflutungals Selbstschutz auszublenden. Autisten haben ein individuell unterschiedlich ausgeprägtes Bedürfnis nach Körperkontakt. Einerseits nehmen manche mit völlig fremden Menschen direkten und teils unangemessenen Kontakt auf, andererseits kann auch jede Berührung für sie aufgrund der Überempfindlichkeit ihres Tastsinnsunangenehm sein.

Vor diesem Hintergrund gestaltet sich eine verstehende Kommunikation mit einem Autisten als schwierig. Emotionenwerden oft falsch gedeutet oder gar nicht erst verstanden. Diese möglichen Probleme müssen bei der Kontaktaufnahme berücksichtigt werden und verlangen ein großes Einfühlungsvermögen.

Repetitive und stereotype Verhaltensmuster

Veränderungen ihrer Umwelt, wie zum Beispiel umgestellte Möbel oder ein anderer Schulweg, führen bei Autisten zu Beunruhigung und Verunsicherung. Manchmal geraten Betroffene auch in Panik, wenn sich Gegenstände nicht mehr an ihrem gewöhnlichen Platz oder in einer bestimmten Anordnung befinden. Die Tatsache, dass Autisten eine intensive Wahrnehmung für Details haben und daher auch kleine Veränderungen bemerken, verschlimmert dieses Problem. Handlungen laufen aufgrund der Probleme bei Unregelmäßigkeiten stark ritualisiertab.

Die Interessen von Autisten sind meist auf bestimmte Gebiete begrenzt. Menschen mit hochfunktionalem Autismus können in einem Bereich ihres besonderen Interesses ein enormes Wissen ansammeln. In Ausnahmefällen zeigen autistische Menschen außergewöhnliche Begabungen in einem sehr begrenzten Gebiet, etwa im Rechnen, Malen, in der Musik oder in der Merkfähigkeit (Inselbegabung).

Asperger-Syndrom

Die beiden international gebräuchlichen Klassifikationssysteme für Krankheiten, ICD-10 und DSM-IV, nennen vier diagnostische Kriterien für das Asperger-Syndrom (AS):

  1. Qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion,
  2. repetitive und stereotypeVerhaltensmuster sowie ausgeprägte Sonderinteressen,
  3. keine klinisch bedeutsame Verzögerung der sprachlichen und kognitiven Entwicklung und
  4. Symptome erfüllen nicht die Diagnosekriterien einer anderen tiefgreifenden Entwicklungsstörung oder der Schizophrenie.

Üblicherweise treten mit AS auch motorische Beeinträchtigungen auf.

Die mit AS in Verbindung stehenden Ausprägungen reichen bis weit in normale menschliche Verhaltensmusterhinein. Es kann von einem Kontinuum, also einem durchgehenden Spektrum von Auffälligkeiten ausgegangen werden. Für ein unklar umrissenes Sammelsurium von Auffälligkeiten kann ab einem gewissen Maße die Bezeichnung Asperger-Syndrom als zutreffend herangezogen werden.

Obwohl viele Verhaltensweisen das soziale Netzder Betroffenen, insbesondere der nächsten Bekannten, und der Familiestark in Anspruch nehmen, sind es nicht nur negative Aspekte, die AS qualifizieren. Es gibt zahlreiche Berichte über das gleichzeitige Auftreten von überdurchschnittlicher Intelligenzoder auch von ? für als normal geltende Menschen unfassbaren ? Inselbegabungen. Leichtere Fälle von AS werden im Englischenumgangssprachlich auch als ?Little Professor Syndrome?, ?GeekSyndrome? oder ?NerdSyndrome? bezeichnet.

Einen guten Überblick über die Symptome des Asperger-Syndroms bietet die von Aspergia e. V. herausgegebene Broschüre Wie macht sich das Asperger-Syndrom bemerkbar?(Lit.: Tibi 2005).

Soziale Interaktion

Das wohl schwerwiegendste Problem für Menschen mit AS ist das des beeinträchtigten sozialen Interaktionsverhaltens. Beeinträchtigt sind zwei Bereiche, zum einen die Fähigkeit, zwanglose Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen, und zum anderen die nonverbale Kommunikation.

Kindern und Jugendlichen fehlt in der Regel der Wunsch, Beziehungen zu Gleichaltrigen herzustellen. Dieser Wunsch entsteht normalerweise erst in der Adoleszenz, meist fehlt dann aber die Fähigkeit dazu.

Die Beeinträchtigungen im Bereich der nonverbalen Kommunikation betreffen sowohl das Verstehen nonverbaler Botschaften anderer Menschen als auch das Aussenden eigener nonverbaler Signale.

Als besonders problematisch erweisen sich die Schwierigkeiten im Bereich des sozialen Interaktionsverhaltens, da Menschen mit Asperger-Syndrom nach außen hin keine offensichtlichen Anzeichen einer Behinderung haben. So können selbst Menschen, die sich ansonsten durch Toleranz gegenüber ihren behinderten Mitmenschen auszeichnen, die Schwierigkeiten von Menschen mit Asperger-Syndrom als bewusste Provokation empfinden. Wenn etwa ein Betroffener auf eine ihm gestellte Frage nur mit Schweigen reagiert, wird dies oft als Sturheit und Unhöflichkeit gedeutet.

Im Alltag machen sich die Schwierigkeiten im Bereich des sozialen Interaktionsverhaltens auf vielfältige Art bemerkbar. Menschen mit AS können schlecht Augenkontakt mit anderen Menschen aufnehmen oder halten. Sie vermeiden Körperkontakt, wie etwa Händeschütteln. Sie sind unsicher, wenn es darum geht, Gespräche mit anderen zu führen, besonders wenn es sich um einen eher belanglosen Smalltalkhandelt. Soziale Regeln, die andere intuitiv beherrschen, verstehen Menschen mit AS nicht intuitiv, sondern müssen sie sich erst mühsam aneignen. Daher haben Menschen mit AS oft keine oder kaum Freunde. In der Schule etwa sind sie in den Pausen lieber für sich, weil sie mit dem üblichen Umgang anderer Schüler untereinander nur wenig anfangen können. Im Unterricht sind sie in der Regel wesentlich besser im schriftlichen als im mündlichen Bereich. In der Ausbildung und im Beruf macht ihnen der fachliche Bereich meist keine Schwierigkeiten, nur der Smalltalk mit Kollegen oder der Kontakt mit Kunden. Auch das Telefonieren kann Probleme bereiten. Im Studium können mündliche Prüfungen oder Vorträge große Hürden darstellen. Da auf dem Arbeitsmarkt wohl in allen Bereichen Kontakt- und Teamfähigkeit genauso viel zählt wie fachliche Eignung, haben Menschen mit AS Probleme, überhaupt eine geeignete Stelle zu finden. Viele sind selbstständig, jedoch können sie sich bei Problemen mit Kunden kaum durchsetzen, etwa wenn ein Kunde nicht bezahlt. In einer Werkstatt für behinderte Menschenindes wären sie völlig unterfordert. Die meisten Menschen mit AS können durch hohe Schauspielkunst nach außen hin eine Fassade aufrecht erhalten, sodass ihre Probleme auf den ersten Blick nicht direkt sichtbar sind, jedoch bei persönlichem Kontakt durchscheinen, etwa in einem Vorstellungsgespräch. Menschen mit AS gelten nach außen hin zwar als extrem schüchtern, jedoch ist das nicht das eigentliche Problem. Schüchterne Menschen verstehen die sozialen Regeln, trauen sich aber nicht, sie anzuwenden. Menschen mit AS würden sich trauen sie anzuwenden, verstehen sie aber nicht und können sie deshalb nicht anwenden. Die Empathieist bei Menschen mit AS eingeschränkt. Menschen mit AS können sich schlecht in andere Menschen hineinversetzen und deren Stimmungen oder Gefühle an äußeren Anzeichen ablesen. Überhaupt bereitet es ihnen Schwierigkeiten, zwischen den Zeilen zu lesen und nicht-wörtliche Bedeutungen von Ausdrücken oder Redewendungen zu verstehen. Dadurch können sie im sozialen Umgang anecken, da sie für andere Menschen offensichtliche nonverbale Signale nicht verstehen. Auch können sie in gefährliche Situationen geraten, da sie äußere Anzeichen, die auf eine bevorstehende Gefahr etwa durch Gewalttäter hindeuten, nicht richtig deuten können.

Stereotype Verhaltensmuster und Sonderinteressen

Repetitive und stereotype Verhaltensmuster zeigen Menschen mit AS in ihrer Lebensgestaltung und in ihren Interessen. Das Leben von Menschen mit AS ist durch ausgeprägte Routinen bestimmt. Werden sie in diesen gestört, kann das zu erheblichen Beeinträchtigungen führen. In ihren Interessen sind Menschen mit AS teilweise auf ein Gebiet beschränkt, auf dem sie meist ein enormes Fachwissen haben. Ungewöhnlich ist das Ausmaß, mit dem sie sich ihrem Interessensgebiet widmen; für andere Gebiete als das eigene sind sie meist nur schwer zu begeistern. Da Menschen mit AS meist gut logisch denken können, liegen ihre Interessensgebiete oft im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, aber auch andere Gebiete sind möglich.

Repetitive und stereotype Verhaltensmuster sowie ausgeprägte Sonderinteressen können sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen. Ein gut durchorganisierter Alltag gibt Halt, werden Routinen aber um ihrer selbst Willen gelebt, kann das zum Problem werden. Ausgeprägte Sonderinteressen können die Grundlage für eine berufliche Karriere bilden, können aber auch zu einem verengten Denken führen.

Komorbide Symptome

Zusammen mit Autismus können eine Reihe komorbiderSymptome auftreten. Menschen mit Autismus neigen üblicherweise zu stark visuellem Denken. Synästhesiekommt bei ihnen häufig dergestalt vor, dass sie Sinneswahrnehmungen bestimmte Farben zuordnen. Menschen mit Autismus sind empfindlich gegenüber Außenreizen, wie etwa Berührungen; andererseits haben sie üblicherweise ein verringertes Schmerzempfinden. Während der Adoleszenzoder im frühen Erwachsenenalter treten bei Menschen mit Autismus teilweise psychotische Episoden auf. Mit dem Asperger-Syndrom können motorische Auffälligkeiten auftreten. Positive Auswirkungen von Autismus sind beispielsweise eine besondere Kreativität, Neigung zur Ehrlichkeitund großes Durchhaltevermögen.

Bei Menschen mit Autismus ist die Intelligenzanders als bei neurologisch typischen Menschen nicht gleichmäßig ausgeprägt. Während sie im Gebiet ihres Spezialinteresses oft ein enormes Wissen ansammeln und gut logisch und systematisch denken können, sind ihre Fähigkeiten im sozialen und emotionalen Bereich unterentwickelt. Diese ungleichmäßige Intelligenzverteilung erklärt auch, warum manche ansonsten geistig behinderte Menschen auf einem eng umgrenzten Gebiet herausragende Fähigkeiten entwickeln können.

Häufige komorbide Symptome sind:

  • Aggressionoder Autoaggression
  • AD(H)S,
  • Bipolarstörung,
  • Depressionen,
  • Epilepsie,
  • Essstörungen(z.B. Anorexia nervosa, insb. bei Mädchen),
  • Migräne,
  • nonverbale Lernstörung,
  • Phobien,
  • posttraumatische Stressstörungen(PTSD),
  • Prosopagnosie(Gesichtsblindheit),
  • Schlafstörungen,
  • selbstverletzendes Verhalten,
  • sensorische Integrationsstörungen oder sensorisch-integrative Dysfunktionen (SID),
  • Sozialphobie,
  • Ticstörungen(die an das Tourette-Syndromerinnern),
  • Wutausbrüche,
  • zentral-auditive Verarbeitungsstörungen sowie
  • Zwangsstörungen.

Unterscheidung der Zustände innerhalb des Autismusspektrums

Eine Unterscheidung zwischen atypischem und frühkindlichem Autismus kann üblicherweise problemlos vorgenommen werden, da der atypische Autismus aufgrund seiner Unterschiede zum frühkindlichen Autismus definiert ist. Da atypischer Autismus meist mit geistiger Behinderung einhergeht, ist auch eine Abgrenzung zum Asperger-Syndrom gegeben. Bevor das Asperger-Syndrom in den 1990er Jahren als eigene Diagnose eingeführt wurde, bekamen Patienten, die heute die Diagnose Asperger-Syndrom erhalten, die Diagnose atypischer Autismus.

Frühkindlicher Autismus unterscheidet sich vom Asperger-Syndrom im Wesentlichen durch die beim Asperger-Syndrom fehlende Verzögerung der sprachlichen und kognitiven Entwicklung. Schwierig kann eine Differenzierung zwischen frühkindlichem Autismus und Asperger-Syndrom werden, wenn der frühkindliche Autismus in der Form des hochfunktionalen Autismus auftritt. In der Variante des hochfunktionalen Autismus liegt keine Intelligenzminderung vor und die Symptome ähneln denen des Asperger-Syndroms sehr. In der Forschung ist umstritten, ob überhaupt ein Unterschied zwischen hochfunktionalem Autismus und Asperger-Syndrom vorliegt. Daher werden teilweise die Begriffe hochfunktionaler Autismus und Asperger-Syndrom synonym verwendet. Einen guten allgemeinverständlichen Überblick über Gemeinsamkeiten und Unterschiede von hochfunktionalem Autismus und Asperger-Syndrom bietet das Essay Is There a Difference Between Asperger's Syndrome and High-Functioning Autism? von Tony Attwood.

Übersicht über die wichtigsten Unterschiede zwischen frühkindlichem Autismus und Asperger-Syndrom
frühkindlicher Autismus Asperger-Syndrom
erste Auffälligkeiten erste Lebensmonate ab 3. Lebensjahr
Blickkontakt selten, flüchtig selten, flüchtig
Sprache in der Hälfte der Fälle Fehlen einer Sprachentwicklung; ansonsten verzögerte Sprachentwicklung, anfangs keine kommunikative Funktion, Echolalie, Vertauschen der Pronomina keine bedeutsamen Auffälligkeiten; frühe Entwicklung einer grammatisch und stilistisch hoch stehenden Sprache
Intelligenz teilweise geistige Behinderung, teilweise normale Intelligenz normale bis hohe Intelligenz, teilweise Hochbegabung
Motorik keine Auffälligkeiten, die auf den Autismus zurückzuführen sind häufig motorische Störungen, Ungeschicklichkeit, Koordinationsstörungen

Einteilung nach ICD-10 und DSM-IV

Autismus wird in der ICD-10, dem Klassifikationssystem für Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation(WHO), als tiefgreifende Entwicklungsstörung unter dem Schlüssel F84 aufgeführt und wie folgt unterteilt:

  • F84.0: frühkindlicher Autismus
  • F84.1: atypischer Autismus
    • F84.10: Autismus mit atypischem Erkrankungsalter
    • F84.11: Autismus mit atypischer Symptomatik
    • F84.12: Autismus mit atypischem Erkrankungsalter und atypischer Symptomatik
  • F84.5: Asperger-Syndrom


Das DSM-IV, die US-amerikanische Klassifikation psychischer Störungen, führt Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung unter dem Schlüssel 299 auf. Dabei werden zwei Kategorien unterschieden:

  • 299.00: autistische Störung
  • 299.80: Asperger-Syndrom

Atypischer Autismus kommt im DSM-IV als Diagnose nicht vor.

Ursachen

Autismus ist eine neurologischeStörung und hat organische Ursachen.

Weil die Betroffenen meist normal aussehen, werden sie von Außenstehenden in der Öffentlichkeit schnell als unerzogen, unhöflich und provokativ erlebt. Die Schuld an ihrem unangepassten Verhalten wird meist den Eltern zugeschrieben. Solche Schuldzuweisungen und daraus resultierende Schuldgefühle enden nicht selten in Rückzug und sozialer Isolation. Die These, Autismus entstehe aufgrund der emotionalen Kälte der Mutter (ehemaliger Terminus der sogenannten ?Kühlschrankmutter?), durch lieblose Erziehung, mangelnde Zuwendung, Traumata o.ä. ist heute eindeutig widerlegt.

Die genauen Ursachen indes sind noch nicht geklärt, es existiert aber eine Reihe von Theorien, von denen die wesentlichen im Folgenden angesprochen werden sollen. Üblicherweise erklären die einzelnen Theorien nur einen Teilaspekt der autistischen Störungen, sodass Autismus letztlich wohl auf Wechselwirkungen mehrerer Faktoren zurückzuführen ist.

Nicht ausgeschlossen werden kann außerdem, dass es sich bei Autismus um ein Produkt der menschlichen Evolutionhandelt und nicht um eine Behinderungoder Krankheit. Autismus ist vielleicht nur Teil der biologischen Vielfalt der Menschheit. Diese Annahme wird durch neue Forschungsergebnisse untermauert, in denen subklinische Formen von Autismus untersucht werden. Außerdem entwickelt sich unsere Gesellschaft immer mehr in eine Richtung, die Autismus auffälliger werden lässt, weil diese stetig mehr auf soziale Fähigkeiten abzielt. Menschen, die früher nicht als Autisten galten, könnten heute schon als Menschen mit Asperger-Syndrom diagnostiziert werden. Hier spielt besonders die Abweichung von der Norm eine Rolle: Die Frage, ob Autismus vorliegt, wird hierbei zunehmend zu der Frage, wieviel Autismus ein Mensch hat. Fest steht, dass es sich bei Autismus um ein autistisches Spektrum (s.o.) handelt, bei dem alle denkbaren Zwischenstufen zwischen ?Autismus? und ?Normal? vorkommen (Lit.: Kennedy 2002; Ratey/Johnsons 1999).

Genetische Faktoren

Bei Familienstudien wurde festgestellt, dass es eine familiäre Häufung von Autismus gibt. GenetischeFaktoren sind daher als Ursache für Autismus sehr wahrscheinlich. Zwillingsuntersuchungen aus Europa und den USA zeigen, dass ein eineiiges autistisches Zwillingskind mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit (zirka 95,7%) einen autistischen Zwilling hat, als ein zweieiiges Zwillingskind. Daraus ließe sich zunächst folgern, dass die Ursache auch genetischer Art ist. Da aber nicht alle eineiigen autistischen Zwillingskinder einen autistischen Zwilling haben, lässt sich keine allgemeingültige Erklärung auf genetischer Basis finden. Aber nach den bisherigen Erkenntnissen aus diesen Familien- und Zwillingsuntersuchungen geht hervor, dass die Entstehung der Erkrankung durch eine Kombination verschiedener spezifischer Gene (sicher mehr als zwei), die wahrscheinlich insbesondere während der Gehirn-Entwicklung aktiv sind, bedingt ist.

In Regionen, wo die High-Tech-Industrie viele Arbeitsplätze anbietet (z.B. Silicon Valley, Kalifornien) und wo ein besseres Bildungsangebot herrscht (Nordwesten der USA, z.b. Massachusetts) scheint es häufiger Autismus-Fälle zu geben als anderswo. Ein möglicher Grund kann darin bestehen, dass intellektuellere Menschen eher autistische Kinder haben - und diese Menschen eher in diesen Gebieten arbeiten; oder dass ArbeitnehmerInnen in gewissen Branchen - die ja an bestimmten Orten konzentriert sind - eher unter sich Partnerschaften bilden und Kinder bekommen (sogenanntes non-random mating in der Ökologie). Diese selektiven Partnerschaften kann dazu führen, dass sich eventuelle Autismus-Gene in einer Bevölkerungsgruppe konzentrieren.

Hirnschädigungen

Verschiedene Studien haben ergeben, dass Hirnschädigungen Ursache für Autismus sein können. Festgestellt wurden insbesondere eine Funktionsstörung der linken Gehirnhälfte, abnorme Veränderungen des Stammhirnsin Kombination mit Aufmerksamkeitsdefizit sowie Störungen in der sensorischen Reizverarbeitung. Jedoch besteht in diesem Bereich noch weiterer Forschungsbedarf.

Biochemische Besonderheiten

Bei Untersuchungen von Menschen mit Autismus wurden Besonderheiten im biochemischen Bereich festgestellt. Teilweise weisen sie einen erhöhten Dopamin-, Adrenalin-, Noradrenalin- und Serotoninspiegelauf. Jedoch sind die Befunde in diesem Bereich uneinheitlich und lassen keine allgemeingültigen Schlüsse zu.

Gefühlsblindheit (mindblindness theory)

Leo Kannerselbst ging davon aus, dass Kinder mit Autismus Defizite im affektiven Kontakt aufweisen, also ihre Fähigkeit, anhand der Körpersprache anderer Menschen deren Gefühle zu erkennen, eingeschränkt ist. Dies wird auf kognitive Defizite (Gefühlsblindheit, engl. mindblindness) zurückgeführt. Menschen mit Autismus haben Schwierigkeiten zu verstehen, dass Menschen unterschiedliche Empfindungen haben. Außerdem wurde festgestellt, dass Autisten im Gegensatz zu neurologisch typischen Menschen Objekte und Menschen in der gleichen Gehirnregion wahrnehmen. Jüngere neurobiologische Erklärungen führen ferner eine unzureichende Einbindung von Spiegelneuronenin die kognitiven Prozesse als (Mit-) Ursache des Autismus an.

empathising-systemising theory (E-S)

Der britische Autismusforscher Simon Baron-Cohenvermutet, dass Autisten, verursacht durch einen hohen Testosteronspiegelim Mutterleib, ein extrem ausgeprägtes männliches Gehirn haben. In einer Studie mit 58 schwangeren Frauen zeichneten sich Kinder, die im Mutterleib einem erhöhten Testosteronspiegel ausgesetzt waren, gegenüber normalen Kindern durch einen kleineren, aber qualitativ höheren Wortschatz und selteneren Blickkontakt aus. Im Alter von vier Jahren waren diese Kinder sozial weniger entwickelt. Daraufhin entwickelte Baron-Cohen die empathising-systemising theory (E-S), die besagt, dass sich das Gehirn von Kindern, die im Mutterleib einem erhöhten Testosteronspiegel ausgesetzt waren, in Richtung zu einer verbesserten Fähigkeit, Muster zu sehen und Systeme zu analysieren, entwickelte. Diese Theorie wird auch extreme male brain theory genannt, da diese Fähigkeiten üblicherweise männlichen Gehirnen zugeschrieben werden.

underconnectivity theory

Die underconnectivity theory sieht die Ursache von Autismus in einem Mangel in der Koordination unter den verschiedenen Gehirnbereichen. In fMRI-Aufnahmen wurde festgestellt, dass bei Autisten Verbindungen zwischen Gehirnregionen fehlen. Diese Theorie erklärt, warum bei Autisten die Intelligenz ungleichmäßig ausgeprägt ist.

Monotropismus-Theorie

Monotropismus beschreibt den Aufmerksamkeitstunnel als die zentrale Ursache der kognitiven Stärken und Schwächen autistischer Menschen. Demnach können autistische Menschen sich tendenziell stark auf ein Interesse oder einen Reiz konzentrieren, sind aber tendenziell schlecht im Multitasking, wie es für das Verständnis sich potenziell schnell ändernder sozialer Situation erforderlich ist. Aufmerksamkeitstunnel seien der Grund, warum Menschen nicht aus Erfahrungen lernen und generalisieren, aber auch dafür, dass sie etwas so intensiv betrachten können, dass sie nicht hören, wenn man sie anspricht. Diese Theorie von Dinah Murray, Mike Lesser und Wendy Lawson wurde im Mai 2005 von der britischen Autismus- Organisation National Autistic Societyin dem Journal Autismveröffentlicht. Eine deutsche Übersetzung des Artikels ist hierveröffentlicht. Wendy Lawson schreibt in ihren Büchern über "Monotropismus", Donna Williams über "mono-track".

Spekulationen

Darunter fallen die Neandertal-Theorie der Vermischung genetischen Materials und nicht haltbare Gerüchte über die Schädlichkeit von Impfungen.

Die Neandertal-Theorie besagt, dass bestimmte psychische Störungen, darunter auch Autismus, auf die Kreuzung von Homo Sapiensund Neandertalernund damit das Eindringen von genetischem Material der Neandertaler in das Genomdes Menschen zurückzuführen sind. Ob solche Kreuzungen überhaupt wirklich aufgetreten sind, ist unter Fachleuten umstritten und die Theorie somit sehr spekulativ.

Es tauchen immer wieder Gerüchte auf, Autismus könne durch Impfungenetwa gegen Mumps, Masernoder Rötelnverursacht werden. ?Diese Berichte entbehren jeglicher wissenschaftlicher Grundlage, z.B. unterscheidet sich die Häufigkeit von Autismus nicht bei geimpften und ungeimpften Kindern.? (Lit.: Poustka 2004, S. 60). Siehe dazu auch Thimerosal, ein Impfstoff-Zusatz.

Epidemiologie

Frühkindlicher Autismus tritt mit einer Häufigkeit von 0,5 Prozent auf, wobei das Verhältnis von Jungen zu Mädchen bei 4:1 liegt.

Zur Häufigkeit von atypischem Autismus gibt es keine systematischen Studien.

Über die Häufigkeit des Asperger-Syndroms gibt es nur grobe Schätzungen, wobei sich die Zahlen in den letzten Jahren mit zunehmendem Bekanntheitsgrad des Syndroms erhöht haben. Vor 1980 Geborene wurden in der Regel ? oft bis heute ? nicht erkannt. Im Extremfall sind laut Schätzungen bis zu 1,5 Prozent der Bevölkerung betroffen. Asperger-Syndrom tritt bei deutlich mehr Männern als Frauen auf, wobei die Angaben des Zahlenverhältnisses von 4:1 bis 8:1 schwanken. Das mag daran liegen, dass sich das Asperger-Syndrom bei Frauen teilweise unauffälliger äußert. Möglicherweise können Frauen durch sozialere Verhaltensmuster, Nachahmung und Schauspielerei, stärkeren Bezug auf Kommunikation und weniger spielende Interaktion die negativen Aspekte besser ausgleichen, durch weniger auffällige Besonderheiten oder Verwerfungen mit Auffälligkeiten weniger in Erscheinung treten oder schlicht eine bessere Langzeitprognose haben, da sie besser in der Lage sind zu lernen, wie man mit anderen Menschen umgeht. Insgesamt ist noch einiges an Forschungs- und Aufklärungsarbeit nötig, um angemessenere Zahlen ermitteln zu können.

Bild:Increase in autism diagnosis.png
rote Linie:Zahl der Autismus-Neudiagnosen, Schuljahre 1992 bis 2003 in den USA

Die Zahl der Autismus-Fälle scheint in den vergangenen Jahrzehnten ständig zu steigen. Spekuliert wird von der einen Seite, dass zum Beispiel UmweltgifteAutismus förderten oder dass Impfstoff-Zusätzeeine tragende Rolle spielen würden - doch die unter Medizinern und Epidemiologen anerkannte These ist, dass

  • frühere Einschulung der Kinder die Chance erhöht, dass Autismus entdeckt wird
  • Eltern heute viel mehr darum besorgt sind, ob sich ihre Kinder normal entwickeln
  • die Definition des Autismus an sich verbreitert wurden, so dass mehr verhaltensauffällige Kinder als autistisch gelten
  • in der Vergangenheit Autismus viel eher unter "kindlicher Schizophrenie" oder ADSeingeordnet wurde


  • Weiterführende Informationen (engl.)

Verlauf und Behandlung

Der Langzeitverlauf einer Störung aus dem Autismusspektrum hängt von der individuellen Ausprägung des Autismus beim einzelnen Patienten ab. Die Ursache des Autismus kann nicht behandelt werden. Möglich ist lediglich eine unterstützende Behandlung in einzelnen Symptombereichen.

Langzeitverlauf

Beim frühkindlichen und atypischen Autismus bleibt eine Besserung des Symptombilds meist in engen Grenzen. Etwa 10-15 Prozent der Menschen mit frühkindlichem Autismus erreichen im Erwachsenenalter eine eigenständige Lebensführung. Der Rest benötigt in der Regel eine intensive, lebenslange Betreuung und eine geschützte Unterbringung. Bei Menschen mit hochfunktionalem Autismus oder Asperger-Syndrom hingegen ist der Langzeitverlauf meist positiv. Mit dem nötigen Verständnis und der erforderlichen Hilfe können sie ein großteils selbstständiges Leben führen. Obwohl ihnen ihre sozialen und kommunikativen Probleme meist in entscheidenden Lebensbereichen Schwierigkeiten bereiten, können sie durchaus ein erfülltes Familienleben führen und beruflich erfolgreich agieren.

Es existiert eine Reihe von Büchern über autistische Menschen. Die Psychologen Oliver Sacksund Torey L. Haydenhaben Bücher über ihre Patienten mit Autismus und deren Lebensweg veröffentlicht. An Büchern, die von Autisten selbst geschrieben wurden, sind insbesondere die Werke der US-amerikanischen Tierwissenschaftlerin Temple Grandin, der australischen Schriftstellerin und Künstlerin Donna Williams, der US-amerikanischen Erziehungswissenschaftlerin Liane H. Willeyund des deutschen Schriftstellers Axel Braunsbekannt.

Schule, Ausbildung, Beruf

Welche Form der Beschulung für Menschen mit Autismus geeignet ist, hängt von Intelligenz, Sprachentwicklung und Ausprägung des Autismus beim Einzelnen ab. Sind Intelligenz und Sprachentwicklung normal ausgeprägt, können Kinder mit Autismus eine Regelschule besuchen. Andernfalls kann der Besuch einer Lernhilfe- oder Sonderschule in Betracht gezogen werden.

Hinsichtlich Ausbildung und Beruf muss ebenfalls der individuelle Entwicklungsstand des Einzelnen berücksichtigt werden. Sind Intelligenz und Sprachentwicklung normal ausgeprägt, kann ein reguläres Studium oder eine reguläre Berufsausbildung absolviert werden. Andernfalls kann etwa eine Tätigkeit in einer Werkstatt für behinderte Menschenin Betracht gezogen werden. In jedem Fall ist es für die Integration und das Selbstwertgefühl autistischer Menschen sehr wichtig, einer Tätigkeit nachgehen zu können.

Problematisch kann der Einstieg ins reguläre Berufsleben werden, da viele Autisten die hohen sozialen Anforderungen der heutigen Arbeitswelt nicht erfüllen können. Verständnisvolle Vorgesetzte und Kollegen sind für Menschen mit Autismus unerlässlich. Wichtig sind außerdem geregelte Arbeitsabläufe und überschaubare Sozialkontakte.

Welcher Beruf geeignet ist, hängt von den Interessen und Fähigkeiten des Einzelnen ab. Tätigkeiten in den Bereichen Informatik, Verwaltung und Bibliothekswesen können geeignet sein, ebenso Archiv-, Sortier-, Verpackungs- oder Reinigungsarbeiten.

Behandlungsmöglichkeiten

Ausgehend vom individuellen Entwicklungsprofil des Patienten wird ein ganzheitlicher Behandlungsplan aufgestellt, in dem die Art der Behandlung einzelner Symptome festgelegt und die einzelnen Behandlungsarten aufeinander abgestimmt werden. Bei Kindern wird das gesamte Umfeld (Eltern, Familien, Kindergarten, Schule) in den Behandlungsplan einbezogen.

Eine Auswahl von Behandlungsmethoden soll im Folgenden kurz vorgestellt werden. Einen guten Überblick über Behandlungsmethoden bietet Lit.: Poustka 2004, S. 52-61. Weiterführende Informationen enthält Lit.: Weiß 2002.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapieist in der Autismustherapie die am besten wissenschaftlich abgesicherte Therapieform. Ziel ist es, einerseits störende und unangemessene Verhaltensweisen wie übermäßige Stereotypien oder (auto)aggressives Verhalten abzubauen und andererseits soziale und kommunikative Fähigkeiten aufzubauen. Im Prinzip wird dabei so vorgegangen, dass erwünschtes Verhalten durchgängig und erkennbar belohnt wird (positive Verstärkung). Verhaltenstherapien können entweder ganzheitlich oder auf einzelne Symptome ausgerichtet sein.

Die Applied Behavior Analysis(ABA) ist eine ganzheitlich ausgerichtete Therapieform, die in den 1960er von Ivar Lovaasentwickelt wurde. Diese Therapieform ist auf die Frühförderung ausgerichtet. Zunächst wird anhand einer Systematik festgestellt welche Fähigkeiten und Funktionen das Kind bereits besitzt und welche nicht. Hierauf aufbauend werden spezielle Programme erstellt, die das Kind befähigen, die fehlenden Funktionen zu erlernen. Die Eltern werden in die Therapie einbezogen. Die Verfahrensweisen von ABA basieren im Wesentlichen auf Methoden des operanten Konditionierens. Hauptbestandteile sind Motivation bei richtigem Verhalten und Löschung bei falschem Verhalten. Lernversuche und -erfolge sowie erwünschtes Verhalten werden möglichst direkt verstärkt, wobei primäre Verstärker (z.B. Nahrungsmittel) und sekundäre Verstärker (z.B. Spielzeug) eingesetzt werden, um erwünschtes Verhalten zu belohnen. In den 1980er Jahren wurde ABA durch Jack Michael, Mark Sundbergund James Partingtonweiterentwicklet, indem auch die Vermittlung sprachlicher Fähigkeiten (Verbal Behavior) einbezogen wurde. Es gibt zur Zeit in der Bundesrepublik Deutschland nur zwei Institute, die diese Therapie anbieten.

Ein weiteres ganzheitliches Therapieprogramm ist TEACCH(Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children), das sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene mit Autismus richtet. TEACCH ist darauf ausgerichtet, die Lebensqualität von Menschen mit Autismus zu maximieren und sie anzuleiten, sich im Alltag zurechtzufinden.

Soziales Kompetenztraining

Erwachsene Autisten mit gut ausgeprägten sprachlichen und intellektuellen Fähigkeiten können soziale und kommunikative Fähigkeiten beispielsweise in Patientengruppen trainieren. Bei sozialem Kompetenztraining finden sich Menschen mit vergleichbaren Auffälligkeiten zusammen, um unter fachkundiger Anleitung ihre Sozialkompetenzzu verbessern.

Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie

Die Ergotherapieumfasst handwerkliche, gestalterische sowie spielerische Übungen. Einen elementaren Bereich stellt das Üben lebenspraktischer Tätigkeiten dar. Durch Verbesserung, Wiederherstellung oder Kompensationder beeinträchtigten Fähigkeiten soll dem Patienteneine möglichst große Selbstständigkeitund Handlungsfreiheitim Alltag ermöglicht werden.

Motorische Defizite können durch Physiotherapieabgebaut werden.

Sprachauffälligkeiten in Lautstärke, Tonlage, Geschwindigkeit und Modulation können durch Logopädienormalisiert werden.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung kann eine Komponente im Gesamtbehandlungsplan sein. Beispielsweise Hyperaktivität, Wutausbrüchen, selbstverletzendem Verhaltenund Depressionenkönnen Medikamente Besserung verschaffen. Jedoch können durch Medikamente weder die Ursache noch die Kernsymptome des Autismus behandelt werden.

Ergänzende Maßnahmen

Mögliche ergänzende Methoden sind etwa Musiktherapie, Kunsttherapie, Massagetherapie, Reittherapie oder Delfintherapie. Sie können die Lebensqualität steigern, indem sie positiv auf Stimmung, Ausgeglichenheit und Kontaktfähigkeit einwirken.

sonstige Maßnahmen

Weitere bekannte Maßnahmen sind Festhaltetherapie, gestützte Kommunikationund Daily-Life-Therapie. Diese Maßnahmen ?sind im Kontext der Behandlung des Autismus entweder äußerst umstritten und unglaubwürdig oder deren Annahmen und Versprechungen wurden durch wissenschaftliche Untersuchungen im Wesentlichen widerlegt.? (Lit.: Poustka 2004, S. 59)

Die Festhaltetherapie wurde 1984von der US-amerikanischen Kinderpsychologin Martha Welchentwickelt und von Jirina Prekopins Deutsche übertragen. Ansatzpunkt bei dieser Therapie ist die Annahme, dass der Autismus eine emotionale Störung ist, die durch negative Einflüsse in der frühsten Kindheit hervorgerufen wird, sodass das betroffene Kind kein Urvertrauenaufbauen konnte. Bei der sehr umstrittenen Festhaltetherapie soll durch Festhalten des Kindes der Widerstand gegen Nähe und Körperkontakt gebrochen und so das Urvertrauen nachträglich entwickelt werden. Bedenklich bei der Festhaltetherapie ?ist nicht nur die manchmal äußerst dramatisch und fast gewalttätig anmutende Vorgehensweise, sondern auch die dem Konzept mehr oder weniger zugrundeliegende These, daß das frühe Urvertrauen vom Kind nicht erworben werden konnte. Dies wird häufig von Eltern im Sinne einer persönlichen Schuld am Sosein ihres autistischen Kindes interpretiert? (Lit.: Remschmidt 2002, S. 80).

Bei der gestützten Kommunikation wird von einer lautsprachlich kommunikationsbeeinträchtigten Person mit bestimmten körperlichen Hilfestellungen einer Hilfsperson eine Kommunikationshilfe (Buchstabentafel, Kommunikationstafel, Computertastatur u.ä.) angesteuert. Durch das einzelne Ansteuern von Buchstaben und Satzzeichen entsteht ein Text. Hilfspersonen werden in Seminaren in die gestützte Kommunikation eingeführt. Kritik an der Methode der gestützten Kommunikation entzündet sich daran, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Hilfsperson den Patienten unbewusst und unbeabsichtigt beeinflusst, sodass letztendlich die Hilfsperson und nicht der Patient Urheber des Textes ist.

Die Daily-Life-Therapie wurde erstmals 1964in Japanangewandt. Dabei wird von der Grundhypothese ausgegangen, dass ein hohes Angstlevel bei Menschen mit Autismus durch körperliche Anstrengung beseitigt werden kann. Körperliche Anstrengung führt zu einer erhöhten Ausschüttung von Endorphinen, die schmerzlindernd bzw. schmerzunterdrückend (analgetisch) wirken.

Des Weiteren gibt es verschiedene biologisch begründete Therapiemethoden. Diese ?sind aber nachgewiesenermaßen nutzlos, z.B. die Behandlung mit dem Darmhormon Sekretin, mit hohen Dosen von Vitaminen und Mineralien oder besonderen Diäten. Von diesen Maßnahmen ist mit Nachdruck abzuraten.? (Lit.: Poustka 2004, S. 59)

Akzeptanz statt Heilung

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Autismusschleife

Die Ausprägungen von Autismus umfassen ein breites Spektrum. Verständlich ist, dass sich Menschen mit einer hohen Ausprägung des Autismus eine Heilung wünschen. Viele Erwachsene mit leichter Ausprägung des Autismus haben gelernt, mit ihren autistischen Eigenarten zurechtzukommen. Sie wünschen sich vielfach keine Heilung ihres Autismus, sondern die Akzeptanz durch ihre Mitmenschen.

Die australische Künstlerin und Kanner-Autistin Donna Williamshat in diesem Zusammenhang den Begriff ?Auties? eingeführt, der sich entweder speziell auf Menschen mit Kanner-Autismus oder allgemein auf alle Menschen mit einer Autismusspektrumstörung bezieht. Von der US-amerikanischen Erziehungswissenschaftlerin und Asperger-Autistin Liane Holliday Willeystammt die Bezeichnung ?Aspies? für Menschen mit Asperger-Syndrom. Die Psychologen Tony Attwoodund Carol Grayrichten in ihrem Essay Die Entdeckung von ?Aspie?den Blick auf positive Eigenschaften von Menschen mit Asperger-Syndrom.

Um dem Wunsch vieler Autisten nach Akzeptanz durch ihre Mitmenschen Ausdruck zu verleihen, wird seit 2005jährlich am 18. Junider Autistic Pride Daybegangen.

Differentialdiagnose

Autistische Verhaltensweisen können auch bei anderen Syndromen und Krankheiten auftreten. Von diesen muss Autismus abgegrenzt werden.

Wesentliches Unterscheidungskriterium zur Schizophreniesind das Auftreten von Halluzinationen und Wahn, die bei Autismus nicht vorkommen.

Von autistischem Verhalten bei psychischem Hospitalismus, Kindesmisshandlungund Verwahrlosungunterscheidet sich Autismus dadurch, dass er primär, also von Geburt an, auftritt. Die typischen Verhaltensweisen werden bei Autisten nicht durch falsche Erziehung, mangelnde Liebe, Misshandlung oder Verwahrlosung ausgelöst. Bei psychischem Hospitalismus, Kindesmisshandlung und Verwahrlosung verschwindet das autistische Verhalten bei Besserung der äußeren Umstände wieder, wohingegen Autismus nicht heilbar ist.

Bei der schizoiden Persönlichkeitsstörungtritt im Gegensatz zu atypischem und frühkindlichem Autismus keine Intelligenzminderung auf. Eine Abgrenzung zum hochfunktionalen Autismus und Asperger-Syndrom kann im Einzelfall schwierig sein. Hierbei ist die Anamnesewichtig. Außerdem verschaffen neuropsychologische Testverfahren Klarheit.

Bei Menschen mit Zwangshandlungen(obsessiv-kompulsive Störung) ist die Sozial- und Kommunikationsfähigkeit normal ausgeprägt. Im Gegensatz zu Menschen mit Zwangshandlungen erleben Autisten ihre Routinen nicht als gegen ihren Willen aufdrängt, sondern sie schaffen ihnen Sicherheit und sie fühlen sich mit ihnen wohl.

Bei der Bindungsstörungist das Sprachvermögen - anders als beim atypischen und frühkindlichen Autismus - intakt. Eine Abgrenzung zum hochfunktionalen Autismus und Asperger-Syndrom kann im Einzelfall schwierig sein. Der Anamnese kommt hier eine wichtige Rolle zu. Neuropsychologische Tests sind eine weitere Grundlage einer klaren Differenzierung.

Das Fragile X-Syndromwird durch einen genetischen Defekt ausgelöst, der mit entsprechenden Analysemethoden eindeutig nachgewiesen werden kann, sodass eine Unterscheidung von Autismus eindeutig erfolgen kann.

Bei Magersuchtkönnen rigide Essgewohnheiten und soziale Isolation aufreten, die an hochfunktionalen Autismus oder Asperger-Syndrom erinnern. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum Autismus ist, dass bei Magersucht beide Symptome nur zeitlich begrenzt auftreten und nach Behebung der Ursache wieder verschwinden.

Historisches

Es gab zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Vorstellungen über die Entstehung von Autismus. Im zaristischen Russlandetwa glaubte man, dass autistische Kinder als besonders religiöse Menschen zur Welt gekommen seien und dass diese sich freiwillig für ein Leben jenseits aller Konventionenentschieden hätten. Aus überlieferten Berichten weiß man, dass Autisten in Lumpen durch den russischen Winter liefen, ohne sich vor der Kälte zu schützen. Sie sprachen selten, ihr Verhalten erschien merkwürdig und sie missachteten Gesetz, Ordnung und soziale Regeln. Man nannte sie deshalb ?heilige Narren? und glaubte, dass in ihrem Verhalten göttliche Botschaften verschlüsselt seien. (Lit.: Frith 1992, S. 49-51)

Bekannte Autisten

  • Axel Brauns? deutscher Schriftsteller
  • Temple Grandin? US-amerikanische Spezialistin für den Entwurf von Anlagen für die kommerzielle Tierhaltung und Dozentin für Tierwissenschaften
  • Sir Isaac Newton? englischer Wissenschafter (litt vermutlich am Asperger Syndrom)
  • Birger Sellin? deutscher Schriftsteller
  • Donna Williams? australische Schriftstellerin und Künstlerin

Siehe auch

WikiReader Autismus- WikiProjekt Autismus- Psychische Störung- Liste psychischer Störungen- Liste der Syndrome- Liste der Krankheiten- Portal:Psychotherapie

In Anlehnung an den medizinisch-psychologischen Autismus-Begriff gibt es in der Ökonomie den Begriff der post-autistischen Ökonomie. Dabei soll ?post-autistisch? bedeuten, dass Ökonomen aus der Selbstbezogenheit des derzeitigen Volkswirtschaftslehre-Mainstreams in gewisser Weise aufgewacht seien, der derzeitige Volkswirtschaftslehre-Mainstream autistisch sei im Sinne von selbstbezogen und kommunikationsarm (gegenüber der Außenwelt).

Literatur

Fachliches

  • Hans Asperger: Die ?Autistischen Psychopathen? im Kindesalter. In: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten 117 (1944), 73-136. (online verfügbar)
  • Tony Attwood: Asperger-Syndrom. Wie Sie und Ihr Kind alle Chancen nutzen. Das erfolgreiche Praxis-Handbuch für Eltern und Therapeuten. Trias, Stuttgart 2005, ISBN 3-8304-3219-4
  • Siegfried Walter: Autismus - Erscheinungsbild, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten, Hrsg: Erik Dinges / Heinz-Lothar Worm, Persen 2001, ISBN 3-893-58809-4
  • Uta Frith: Autismus. Ein kognitionspsychologisches Puzzle. Spektrum, Heidelberg u.a. 1992. ISBN 3-860-25058-2
  • Catherine Johnsons, John J. Ratey: Das Schattensyndrom - Neurologie und leichte Formen psychatrischer Störungen. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-91889-2
  • Ole Sylvester Jørgensen: Asperger: Syndrom zwischen Autismus und Normalität. Diagnostik und Heilungschancen. Beltz, Weinheim/ Basel 2002, ISBN 3-407-22112-6
  • Leo Kanner: Autistic Disturbances of Affective Contact. In: Nervous Child 2 (1943), 217-250. (online verfügbar)
  • Diane M. Kennedy: The ADHD Autism Connection: a Step Towards More Accurate Diagnosis and Effective Treatment. WaterBrook Press 2002, ISBN 1-578-56498-0
  • Joan Matthews, James Williams: Ich bin besonders! Autismus und Asperger. Das Selbsthilfebuch für Kinder und ihre Eltern. Trias, Stuttgart 2001, ISBN 3-89373-668-9
  • Fritz Poustka u. a.: Ratgeber autistische Störungen. Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher. Hogrefe, Göttingen u. a., 2004, ISBN 3-801-71633-3
  • Regionalverband Mittelfranken Hilfe für das autistische Kind (Hrsg.): Asperger-Autisten verstehen lernen. Internet 2004. URL: <http://www.autismus-mfr.de/_pdf/asperger.pdf>.
  • Helmut Remschmidt: Autismus. Erscheinungsformen, Ursachen, Hilfen. C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-44747-3
  • Daniel Tibi: Wie macht sich das Asperger-Syndrom bemerkbar? Eine Kurzinformation. Hrsg. v. Aspergia e. V.Kiel 2005. (online verfügbar)
  • Michaela Weiß: Autismus: Therapien im Vergleich. Ein Handbuch für Therapeuten und Eltern. Marhold, Berlin 2002, ISBN 3-89166-997-6
  • Ingrid Wickelgren: Autistic Brains Out of Synch? In: Science Band 308 (24. Juni 2005), S. 1856-1858 (Übersicht über den Stand der neurologischen Forschung)
  • Lorna Wing: Asperger's syndrome: a clinical account. In: Psychol Med. 11 (1981) 115-129 (Abstract online verfügbar)

Erfahrungsberichte

  • Axel Brauns: Buntschatten und Fledermäuse. Leben in einer anderen Welt. Hoffmann und Campe, Hamburg 2002, ISBN 3-455-09353-1
  • Gunilla Gerland: Ein richtiger Mensch sein. Autismus, das Leben von der anderen Seite. Verl. Freies Geistesleben, Stuttgart 1998, ISBN 3-7725-1667-X
  • Temple Grandin: Durch die gläserne Tür. Lebensbericht einer Autistin. Dt. Taschenbuch-Verl., München 1994, ISBN 3-423-30393-X
  • Temple Grandin: Ich bin die Anthropologin auf dem Mars. Mein Leben als Autistin. Droemer Knaur, München 1997, ISBN 3-426-77288-4
  • Temple Grandin, Catherine Johnson: Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier. Wie ich als Autistin Menschen und Tiere einander näher bringen kann. Ullstein, München 2005, ISBN 3-5500-7622-3
  • Christine Preissmann: ... und dass jeden Tag Weihnachten wär': Wünsche und Gedanken einer jungen Frau mit Asperger-Syndrom. Weidler, Berlin 2005, ISBN 3-896-93446-5
  • Jasmine Lee O'Neill: Autismus von Innen. Nachrichten aus einer verborgenen Welt. Huber, Bern/ Göttingen/ Toronto/ Seattle 2001, ISBN 3-456-83536-1
  • Katja Rohde: Ich Igelkind. Botschaften aus einer autistischen Welt. Nymphenburger, München 1999, ISBN 3-485-00826-5
  • Susanne Schäfer: Sterne, Äpfel und rundes Glas. Mein Leben mit Autismus. Verl. Freies Geistesleben, Stuttgart 1997, ISBN 3-7725-1679-3
  • Birger Sellin: Ich Deserteur einer artigen Autistenrasse. Neue Botschaften an das Volk der Oberwelt. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1995, ISBN 3-462-02457-4
  • Birger Sellin: Ich will kein Inmich mehr sein. Botschaften aus einem Autistischen Kerker. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1995, ISBN 3-462-02463-9
  • Patricia Stacey: Der Junge, der die Fenster liebte. Die Rettung eines autistischen Kindes. Beltz, Weinheim/ Basel 2004 - ISBN 3-407-85795-0
  • Franz Uebelacker: Ich lasse mich durch wilde Fantasien tragen. Selbstporträt eines autistischen Spastikers. Frieling, Berlin 1998, ISBN 3-8280-0503-9
  • Liane Holliday Willey: Ich bin Autistin - aber ich zeige es nicht. Leben mit dem Asperger-Syndrom. Herder, Freiburg im Breisgau/ Basel/ Wien 2003, ISBN 3-451-05300-4
  • Donna Williams: Ich könnte verschwinden, wenn du mich berührst. Erinnerungen an eine autistische Kindheit. Hoffmann und Campe, Hamburg 1992 (und weitere Auflagen), ISBN 3-455-08440-0
  • Donna Williams: Wenn du mich liebst, bleibst du mir fern. Eine Autistin überwindet ihre Angst vor anderen Menschen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1994, ISBN 3-455-08601-2

Kinder- und Jugendliteratur

  • Laurie Lears, Karen Ritz: Unterwegs mit Jan. Leben mit einem autistischen Bruder. KiK-Verlag, Berg am Irchel 2000, ISBN 3-906-58137-3
  • Dirk Bracke: Ich bin nicht aus Stein. Rex-Verlag, Luzern 1998, ISBN 3-725-20678-3
  • Kolet Janssen: Mein Bruder ist ein Orkan. Anrich, Weinheim 1997, ISBN 3-891-06304-0
  • (englisch) Mark Haddon: The Curious Incident of the Dog in the Night-Time, ISBN 0-099-45025-9

Film und TV

Dokumentationen

  • Pascale Gmür, Otmar Schmid: Meine Denksprache. Menschen, die nicht reden können, finden Worte. Dokumentarfilm zur gestützten Kommunikation. 2005. 57 Minuten.

Kinofilme und Serien

Im Folgenden eine Liste von Filmen und Serien, in denen Autismus vorkommt, mit entsprechender Angabe der Autisten-Rolle in Klammern.

  • Cube(Andrew Millerals Kazan)
  • Haus der Verdammnis(Kimberly J. Brownals Annie Wheaton)
  • Das Kartenhaus(Asha Meninaals Sally)
  • Das Mercury Puzzle(Miko Hughesals Simon)
  • Molly(Elisabeth Shueals Molly)
  • Mozart and the Whale- engl.(Josh Hartnettals Donald und Radha Mitchellals Isabelle)
  • Rain Man(Dustin Hoffmanals Raymond Babbitt)
  • Stummer Schrei(Ben Faulknerals 9-jähriger Autist Tim Warden)
  • Touch of Truth(Bradley Pierceals Michael)

Weblinks

Bild:Wikimedia-logo.svg Meta-Wiki: Aspergian Wikipedians ? Wikipedianer mit Asperger-Syndrom
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Wikibooks: {{{2|en:A survival guide for people on the autistic spectrum}}} ? Lern- und Lehrmaterialien
Bild:Wiktionary-ico-de.png
   
Wiktionary: {{{2|Autismus}}} ? Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
  • Autismus Deutschland e. V. ? Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus
  • Autismus-Ambulanz Linker Niederrhein
  • Informationen zu Autismus und Therapiemöglichkeiten sowie Manuskripte zum Download
  • Informationen und Artikel zu Autismus und Asperger-Syndrom sowie großer Büchershop
  • Aspies e. V. - Menschen mit Asperger-Syndrom
  • ASPERGIA - Zeitschrift für Menschen mit Asperger-Syndrom
  • Informationsangebot zum Asperger-Syndrom bei Kindern



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