Bild:Auge.png Anatomischer Aufbau des Auges. Linse violett.
Die gesunde Linse des menschlichen Auges ist ein kristallklarer elastischer Körper, der sowohl an der Vorderseite wie auch an der Hinterseite - hier stärker - konvexgekrümmt ist, in der Fachsprache somit als lens crystallina bezeichnet wird und als Sammellinsedas durch die Pupilleeintretende Licht an der Hinterseite des Augesso bündelt, dass auf der Netzhautein scharfes Bild entstehen kann.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Embryologie
- 2 Aufbau
- 3 Monofokale und multifokale Linsen
- 4 Akkommodation
- 5 Durchsichtigkeit der Augenlinse
- 6 Erkrankungen der Linse
- 7 Literatur
- 8 Weblinks
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Embryologie
Die Linse ist ektodermalenUrsprungs. Sie entwickelt sich aus einem Linsenbläschen, welches aus einer Kapsel und darunterliegenden unreifen Zellenbesteht, ansonsten jedoch hohl ist. Im weiteren Verlauf nehmen die Zellen der Hinterwand eine längliche Form an und entwickeln sich so zu Linsenfasern, die schließlich das Linsenbläschen ausfüllen. Dieser Prozess nennt sich primäre Linsenfaserdifferenzierung und führt zu der Bildung des embryonalen Linsenkerns.
Aufbau
Die reife Linse selbst besteht neben der Kapsel aus der Linsenrinde und einem Linsenkern. Ein Epithelbefindet sich nur unter der Vorderkapsel der Linse. In der Äquatorregion unter der Linsenkapsel werden in einer Wachstumszone (Zona germinativa) durch Zellteilungzeitlebens neue Zellengebildet. Diese formen sich im weiteren Verlauf in längliche Fasern um. Dabei produzieren und reichern sie transparente Proteine(Krystalline) an und verlieren dann ihre Zellorganellen. Die neugebildeten Fasern liegen schließlich, ähnliche den Häuten einer Zwiebel, den älteren Fasern von außen auf. Durch diesen Prozess nimmt die Linsenrinde zuungunsten des Linsenkerns mit zunehmendem Alter immer mehr zu und die ursprünglich sehr elastische Linse wird immer starrer. Zu einer entsprechend stärkeren Linsenkrümmung bei Nahsicht ist sie schließlich oft kaum mehr befähigt, was die Ursache für die meist ab dem 45. Lebensjahr bemerkte Altersichtigkeitist und das Tragen einer Lesebrilleerfordert.
Obwohl die Linse ein sehr stoffwechselaktivesOrganist, besitzt sie weder Nervennoch Blutgefäße, sondern wird ausschließlich über die im Kammerwasserenthaltenen Nährstoffe, Elektrolyteund anderen Substanzen versorgt. Damit ist die glasklare Durchsichtigkeit der Augenlinse gewährleistet.
Die Aufhängung der Linse am Ziliarkörpererfolgt über die seitlich in den Äquatorder Linsenkapsel einstrahlenden Zonulafasern (Fibrae zonulares).
Monofokale und multifokale Linsen
Im Laufe der Evolutionentstanden bei den Wirbeltierenzwei unterschiedliche Linsentypen: monofokale Linsen und multifokale Linsen. Parallel dazu entwickelten sich in Abhängigkeit vom jeweiligen Linsentyp runde bzw. schlitzförmige Pupillen, mit dem Zweck die spezifischen optischenEigenschaften des jeweiligen Linsentyps optimal zu ergänzen. So kommen schlitzförmige Pupillen nur bei Tieren mit multifokalenLinsen vor, also z. B. bei Katzen, Geckosoder manchen Schlangen. Artenmit runden Pupillen (z. B. Mensch, Hunde), wiederum verfügen über monofokale Linsen.
Multifokale Linsen fokussierenLicht unterschiedlicher Wellenlängen durch unterschiedliche konzentrische(ringförmige) Zonen. Auf diese Weise entsteht ein schärferes Bild, als bei Augen mit runden Pupillen, deren Linsen einfallendes Licht auf einen einzigen Punkt im Zentrum fokussieren. Bei einer mulitfokalen Linse würde eine runde Pupille bei ihrer Kontraktionganze kreisförmige Regionen der Linse abdecken, die jedoch für das Bündeln bestimmter Wellenlängendes Lichts notwendig wären. Dagegen kann bei schlitzförmigen Pupillen das Licht immer durch einen beliebigen Abschnitt des konzentrischen Rings der Linse durchtreten, so dass eine optimale Bündelung der unterschiedlichen Wellenlängen gewährleistet ist (J. Exp. Biol. 209, 18-25, 2005).
Akkommodation
Zur Akkommodation(Nah- und Ferneinstellung) kann die Brechkraftder Linse durch Veränderung der Krümmung angepasst werden. Dies geschieht durch den Ziliarkörper, dessen Muskulatur (Musculus ciliaris, Ziliarmuskel) den Krümmungsgrad der Linse reguliert. Die Kontraktion dieses glatten Muskelsführt zu einer Erschlaffung der Zonulafasern, wodurch die Linse aufgrund der Eigenelastizität der Linsenfasern eine stärker gekrümmte Form annimmt. Bei Erschlaffung des Muskels führt der Zug der Zonulafasern zu einer Abflachung der Linse.
Durchsichtigkeit der Augenlinse
Die Augenlinse besteht aus Zellen, die aufgrund verschiedener Faktoren die Durchsichtigkeit ohne Farbverfälschungen (beim gesunden Auge) gewährleisten:
- keine Organellenund kein Zellkern
- regelmäßige und dichte Ausrichtung der im Querschnitt hexagonalenFasern
- Produktion transparenter Proteine (Krystalline)
- geringer Wassergehalt
- praktisch gleicher Brechungsindexder Zellmembranen wie das Zytoplasmaim Innern der Zellen der Augenlinse
Die Durchsichtigkeit der Augenlinse ist ein Beispiel extremer Spezialisierung durch die biologische Evolution, da einerseits die Zellen der Augenlinse trotz fehlender Organellenund ohne Zellkernleben können, andererseits dieses Fehlen erst die Durchsichtigkeit ermöglicht. Bei der Bildung dieser besonderen Zellen scheinen Mechanismen des programmierten Zelltodes (Apoptose) eine Rolle zu spielen.
Erkrankungen der Linse
Eine Trübung der Linse aufgrund unterschiedlichster Ursachen wird als Kataraktoder grauer Star bezeichnet. Obwohl diese Erkrankung in Industrieländern in großen Zahlen erfolgreich durch eine Operation behandelt wird, gilt sie weltweit als die häufigste Erblindungsursache. Krebserkrankungender Linse kommen nicht vor.
Literatur
- Ralf Dahm: Klare Sicht durch Augenlinsen. Spektrum der Wissenschaft 02/2005, S. 24 - 30 (2005), ISSN 0170-2971
Weblinks
- http://www.medizinfo.de/augenheilkunde/linse/start.htm- Bau, Funktion und Erkrankungen der menschlichen Augenlinse
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