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Bacillus subtilis

Bacillus subtilis
Bild:Bacillus subtilis.jpg
Bacillus subtilis
Systematik
Domäne: Bakterien
Abteilung: Firmicutes
Klasse: Bacilli
Ordnung: Bacillales
Familie: Bacillaceae
Gattung: Bacillus
Art: Bacillus subtilis
Wissenschaftlicher Name
Bacillus subtilis
Ehrenberg 1835

Bacillus subtilis (lat. bacillum/bacillus, Stäbchen; subtilis, schlicht) oder Heubazillus ist ein weit verbreitetes grampositives, stäbchenförmiges, begeißeltes Bakterium. Wie alle Bakterien der Gattung Bacillus ist B. subtilis ein aerobwachsender Sporenbildner.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Taxonomie
  • 2 Historisches
  • 3 Morphologie
  • 4 Lebensweise und Physiologie
  • 5 Bedeutung für den Menschen
  • 6 Genetik
  • 7 Weblinks

Taxonomie

Taxonomisch zählt man B. subtilis zu den Eubakterien (Bacteria), genauer zu den Gram-positiven (Firmicutes). Dort wird er der Klasse der Bazillen und Clostridienzugeordnet (niedriger GC-Gehalt). Dieser Klasse untergeordnet ist die Bazillus-Staphylokokken-Gruppe, welche unter anderem die Familie Bacillaceaemit der Gattung Bacillus (ca. 150 Arten) einschließt (CLAUS & BERKELEY, 1986). Die phylogenetischeNähe zu Pathogenenwie Staphylokokken, Listerien, Mykobakterienund Mykoplasmenmacht B. subtilis besonders interessant für die molekularbiologische und -medizinische Forschung.

Historisches

B. subtilis wurde im Jahre 1835durch Christian Gottfried Ehrenbergals Vibrio subtilis(Gekrümmtes Stäbchen) beschrieben. 1872wurde es durch Ferdinand Julius Cohnin Bacillus subtilis(Stäbchen) umbenannt und von Fischer 1895einer gleichnamigen Gattung zugeordnet.

Morphologie

Bild:Bacillus subtilis Gram.jpg
Bacillus subtilis in der Gram-Färbung. Die ovalen nicht gefärbten Strukturen sind die Sporen.

Das stäbchenförmige B. subtilis weist üblicherweise eine Größe von ca. 2 bis 3 µm auf, die Dicke liegt bei ca. 0,6 µm. Die Zellen sind peritrichalso mehrfach und über die ganze Zelle verteilt begeißelt und können sich dadurch schnell fortbewegen. Das Bakterium wird von einer grampositiven Zellwand umgeben, die einem Zellinnendruck von 20 Atmosphären standhält.

Lebensweise und Physiologie

B. subtilis ist ubiquitärverbreitet und kann aus Boden (insbesondere Komposterde), Wasser und Luft isoliert werden. Sein natürlicher Standort sind aber die oberen Schichten des Bodens. Dort ist es aufgrund häufig wechselnder Umgebungsbedinungen fast ständig Stress- und Hungersituationen ausgesetzt, denen es sich entsprechend anpassen muss.

Den Namen Heubazillus trägt es, da es sich leicht in einem so genannten Heuaufgussanreichern lässt. Die Generationszeit beträgt bei optimalem Nährstoffangebot, optimaler Sauerstoffversorgung und einer optimalen Wachstumstemperatur von 40 °C ca. 26 Minuten.

B. subtilis ernährt sich chemoorganoheterotroph, d.h. er nutzt von anderen Lebewesen erzeugte Nährstoffe um Energie und körpereigene Substanz zu generieren. B. subtilis besiedelt sowohl die Rhizosphäreals auch die oberen Schichten des Bodens. Dort hat er als typisches Fäulnisbakterium Anteil an der Rückführung organischer Stoffe in die Nahrungskreisläufe. Er besitzt ein großes Arsenal an Glukan- (polymer verkettete Zucker) und Protein-abbauenden Enzymen, die bei Bedarf aus der Zelle exportiert werden.

Als Kohlenstoff- und Energiequelle wird bevorzugt Traubenzucker (Glukose) genutzt. Bei ausreichender Konzentration verhindert Glukose die Aktivierung von Genen, deren Produkte andere Kohlenstoffquellen in den Soffwechsel einschleusen. Bei Glukoseabwesenheit können auch andere Zucker oder kohlenstoffhaltige Substrate genutzt werden.

Zur Energiegewinnung dient Sauerstoff als bevorzugter terminaler Elektronenakzeptor (Zellatmung). Auch hier wird die Nutzung alternativ in Frage kommender Substrate bei Sauerstoffzutritt unterdrückt. Unter anaeroben Bedingungen können die Zellen bei Glukose- und Nitrat-Anwesenheit noch genug Energie für langsames Wachstum erzeugen. Sind keine als Elektronenakzeptor nutzbaren Substrate verfügbar, dann ist B. subtilis in der Lage, auch ausschließlich durch Gärungsstoffwechsel bei Erzeugung von Milchsäure, Ethanol, Acetoinund 2,3-Butandiolzu überleben.

Widrigen Umweltbedingungen entzieht sich B.subtilis durch aktive Fortbewegung mit Hilfe seiner Geißel. Ferner kann sich B.subtilis über die sogenannte generelle Stressantwort als vegetativ aktive Zelle mit Schwankungen von Umweltfaktoren auseinandersetzen. In letzter Konsequenz kann B.subtilis durch ein atypisches Zellteilungsprogramm Sporen bilden, die lange Perioden - allerdings unter Aufgabe der ökologischen Nische und Ausscheiden aus evolutiven Prozessen - überdauern.

Eine weitere Eigenschaft ist die Ausbildung der Kompetenz. Kompetenz bei Bakterien meint die Fähigkeit extrazelluläre (Fremd)DNA aufzunehmen und diese zwecks Erweiterung des eigenen Genomes zu integrieren oder sie zwecks Nahrung schlicht und einfach aufzufressen.

Bedeutung für den Menschen

Noch heute wird B. subtilis in der Humanmedizin angewandt. In der Roten Liste®der in Deutschland verfügbaren Fertigarzneimittel von 1997 (Rote Liste®, 1997) stößt man beispielsweise auf die Präparate Utilin®, Utilin N® und Bactisubtil®, die Zellen oder Sporen von B. subtilis als Lyophilisate(gefriergetrocknete Suspensionen) oder Suspensionen enthalten und zur Behandlung von chronischen Dermatosen bzw. von Durchfall, Gärungs- und Fäulnisdyspepsien, Enteritis, Enterocolitisoder von intestinalen Störungen chemo- oder strahlentherapierter Krebspatienten angewendet werden.

Aufgrund der hohen Hitzeresistenz der B. subtilis-Sporen werden diese auch als Indikator bei entsprechenden Sterilisationsprozessen in Pharmazie, Medizin und Lebensmittelindustrie eingesetzt.

In der Landwirtschaft dient das Bakterium als biologisches Fungizid für Samen von beispielsweise Baumwolle, Gemüse, Erdnüssen und Sojabohnen; es besiedelt während der Keimung das Wurzelsystem und beugt durch Konkurrenz Verpilzungen vor.

Aufgrund seiner Fähigkeit zur Sekretion extrazellulärer Enzyme wird B. subtilis insbesondere für die Herstellung von Waschmittelenzymen (z.B. Subtilisin), aber außerdem auch für die Synthese von Riboflavin(Vitamin B2) und des Antibiotikums Bacitracinin der biotechnologischen Industrie genutzt.

Genetik

B. subtilis gilt als das bestuntersuchte grampositive Bakterium. In den Jahren 1990bis 1997wurde sein Genom erforscht und komplett durchsequenziert. Der zirkuläre DNA-Doppelstrang umfasst 4.214.814 Basenpaare, der GC-Gehaltliegt bei 43,52%. Von der Gesamtsequenz haben 86,87% der Nukleotidecodierende Funktion, die restlichen Nukleotide befinden sich in z.T. regulatorisch bedeutsamen Regionen zwischen den Genen. Im Durchschnitt misst ein Gen 893,41 Nukleotide, das längste ist 14 793 und das kürzeste vorausgesagte 63 Nukleotide lang.

Weblinks

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Von "http://de.wikipedia.org/Bacillus_subtilis"



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