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Caisson-Krankheit

Eine Dekompressionserkrankung (DCI) entsteht durch zu schnelle Druckentlastung beim Auftauchen eines Tauchersaus der Tiefe.

Der Überbegriff Dekompressionserkrankung umfasst die Schäden, die durch

  • Gasblasenbildung durch überschüssigen Stickstoff= Caissonkrankheit oder Dekompressionskrankheit (DCS)
  • embolische Verschlüsse nach einem zentralen Lungenriss(arterielle Gasembolie, AGE)

entstehen.

Die Bezeichnung Caissonkrankheit (Kastenkrankheit) kommt von den Senkkästen, die ab 1890 vermehrt zur Herstellung von Gründungen für Brückenpfeiler eingesetzt wurden. Im Gegensatz zu den bis dahin üblichen Taucherglockenermöglichten diese eine wesentlich längere Arbeitszeit, die in der Folge zu einem sprunghaften Ansteigen der Dekompressionserkrankungen führte.

Die Unterscheidung zwischen Dekompressionserkrankung (Decompression illness, DCI) und Caissonkrankheit (Decompression sickness, DCS) kommt in der deutschen Übersetzung der Begriffe "Illness" und "Sickness" kaum zum Ausdruck und wird auch nicht von allen Tauchmedizinern akzeptiert.

Daneben wird in der Literatur DCI auch als Abkürzung für den Dekompressionsunfall (Decompression incident, DCI) verwendet, der dann anhand der Entwicklung der Symptome weiter typisiert wird.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Ursache
  • 2 Erste Hilfe
  • 3 Vorbeugung
  • 4 Typisierung
    • 4.1 Dekompressionskrankheit Typ I
    • 4.2 Dekompressionskrankheit Typ II
    • 4.3 Dekompressionskrankheit Typ III
    • 4.4 Lungenüberdruckunfall AGE
  • 5 Geschichte der Dekompressionsforschung
  • 6 Weblinks

Ursache

Nach dem Henry-Gesetzsteht die Menge eines in Flüssigkeit gelösten Gases in direktem Verhältnis zum Druck des Gases über der Flüssigkeit. Deshalb diffundiert bei einem Tauchgang auf z. B. 30 m Tiefe durch den erhöhten Druck der Einatemluft Stickstoffdurch die Alveolar- und Kapillarmembranen und löst sich im Blut. Das stickstoffreiche Blutwird dann durch die Gefäße zu den verschiedenen Geweben im Körper transportiert. Die verschiedenen Gewebe werden in Dekompressionsmodellen im allgemeinen als Kompartemente bezeichnet. Die Stickstoffanreicherung in den Geweben (Aufsättigung) geschieht mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, je nach Durchblutung der Gewebe. Das stark durchblutete Gehirnwird als "schnelles" Gewebe bezeichnet, die weniger versorgten Gelenkeund Knochenals "langsames" Gewebe. Dazwischen gibt es eine Reihe von Abstufungen. Als Halbwertszeiteines Gewebes bezeichnet man die Zeitdauer in Minuten, die dieses in der Tiefe bis zur Hälfte der Sättigung bzw. Entsättigung benötigt. Während des Aufstieges entsättigen die Gewebe von dem Stickstoff, der über Blut zur Lungetransportiert und abgeatmet wird. Bei einem zu schnellen Aufstieg an die Oberfläche unter Mißachtung der Dekompressionsregeln bleibt der Stickstoff beim Transport über das Blut zur Lunge nicht in Lösung, sondern bildet Blasen. Dies kann z. B. mit dem Sprudeln beim Öffnen einer Sprudelflasche verglichen werden.

Diese Blasen können sich an verschiedenen Stellen einlagern und dort Körperfunktionen beeinträchtigen.

Erste Hilfe

  • Gabe von reinem Sauerstoff(wichtigste Maßnahme)
  • Bei Bewusstlosigkeit die üblichen Maßnahmen (Seitenlage, ständige Beobachtung unter Kontrolle von Puls, Atmung, Blutdruck)
  • Herz-Lungen-Wiederbelebung bei Atemstillstand und / oder Herzstillstand. Beatmung unter Verwendung von reinem Sauerstoff
  • Kälteschutz
  • Seitenlage (Schocklage ist nicht zu empfehlen, da so der bereits erhöhte Hirndruck nochmals steigt)
  • Bei Bewusstsein Flüssigkeitszufuhr (durch Arzt Infusionsbehandlung)
  • Druckkammerbehandlung mit hyperbaren Sauerstoff (Hyperbare Oxygenierung) oder Behandlung mit komprimierter Luft (veraltet)

Vorbeugung

Bei allen Tauchgängen sind die Aufstiegsgeschwindigkeiten sowie die Dekompressionsregeln zu beachten. In den Fällen, in denen es trotz Einhaltung dieser Regeln zu Unfällen kam, lag meist ein oder mehrere der folgenden Risikofaktoren vor:

  • Akute Infekte der oberen Luftwege
  • starkes Rauchen
  • Akute Durchfallerkrankungen
  • Fieber
  • Alkohol(exzesse)

Typisierung

Dekompressionskrankheit Typ I

Bei einer Dekompressionskrankheit vom Typ I lagern sich die Blasen in der Haut, der Muskulatur, den Knochenoder den Gelenkenan. Sie verursachen dort Juckreiz (Taucherflöhe), Druckempfindlichkeit der Muskeln, Gelenkschmerzen und Bewegungseinschränkungen (Bends). Diese Symptome treten in 70 % der Fälle innerhalb der ersten Stunde nach dem Tauchgang auf, teilweise wurden aber auch noch Symptome 24 h nach dem Tauchgang beschrieben.

Am häufigsten treten blaurote Verfärbungen mit leichten Schwellungen der Haut auf, die der Verunfallte als "Taucherflöhe" mit starkem Juckreiz beschreibt. Die Schwellung (Ödem)ist durch Verschlüsse der Kapillarenund Lymphgefäßeder Haut mit Mikroblasen verursacht, welche eine erhöhte Durchlässigkeit für Wasser aufweisen.

In der Muskulaturverursachen die Blasen Druckempfindlichkeit und ziehende Schmerzen. Dies hält einige Stunden an und ähnelt anschließend dem Muskelkater.

Gelenke, Knochenund Bänderzeigen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Am häufigsten treten diese in den Kniegelenkenauf, seltener Ellenbogenund Schulter. Die Bezeichnung Bends für diese Symptome kommt von der gebückten Haltung der unter dieser Berufskrankheit leidenen Caissonarbeiter(to bend=beugen).

Sofort nach dem Auftreten sollte reiner Sauerstoff verabreicht werden. Die Beschwerden verschwinden in der Regel auch ohne Druckkammerbehandlung rasch. Da die DCS I oft der Vorläufer der gefährlichen DCS II ist, ist jedoch auch bei Abklingen der Beschwerden eine Druckkammerbehandlungempfehlenswert.

Dekompressionskrankheit Typ II

Bei einer Dekompressionskrankheit vom Typ II lagern sich die Blasen im Gehirn, dem Innenohroder dem Rückenmarkab. Ebenfalls werden Verschlüsse der Blutgefäße durch Gasblasen (Embolien) hier eingeordnet.

Zentrale Embolienverursachen unmittelbar eine Bewusstseinstrübung, bisweilen auch Bewusslosigkeit und Atemlähmung, weil wichtige Gehirnbezirke ausfallen. Manchmal hat der Taucher auch zunächst eine Bewusstseinstrübung, die erst später in eine vollständige Bewusstlosigkeit übergeht. Ebenso treten Halbseitenlähmungen und isolierte Ausfälle der Extremitäten auf.

Embolische Verschlüsse im Rückenmarkverursachen beidseitige Lähmungen, Empfindungsstörungen oder auch Harn- bzw. Mastdarmstörungen. Diese treten etwas später als zentrale Embolienauf und steigern sich oft von Mißempfindungen in den Zehen bis zur vollständigen Lähmung 2 Stunden später.

Innenohrembolienverursachen Brechreiz, Übelkeit, Ohrgeräusche und Schwindel.

Eine Differenzierung zwischen DCS II und AGE ist dem Ersthelfer kaum möglich (AGE tritt unmittelbar auf). Dies ist aber aufgrund gleicher Erste-Hilfe-Maßnahmen ohne negative Folgen.

Dekompressionskrankheit Typ III

Langzeitschäden bei Tauchern werden unter Typ III zusammengefasst. Als Berufskrankheit anerkannt sind bisher die aseptische Knochennekrose (AON), Hörschädigungen, Netzhautschäden sowie neurologische Folgeschäden nicht behobener DCS Typ II.

Ursache der Skeletterkrankungen und Gelenkveränderungen sind durch die langfristige Aufsättigung dieser Gewebe begründet. Hier reichen die Tauchpausen nicht aus, um diese langsamen Gewebe vollständig entsättigen zu können. Ebenfalls stehen Mikroblasen in Verdacht, die bei Berufstauchern in der Zeit zwischen Auftauchen und Aufsuchen der Dekompressionskammer entstehen. Diese Blasen bleiben durch die Rekompression "stumm", führen aber möglicherweise zu Langzeitschäden.

Es sind aber auch Schäden dieser Art bei einmaliger, aber sehr langer Druckexposition berichtet worden (U-Boot fahrer eines 1931 gesunkenen U-Bootes, die vor ihrer Rettung sehr lange unter Druck (36,5 m) standen und bei denen 12 Jahre später AON festgestellt wurde).

Lungenüberdruckunfall AGE

Bei einem zentralen Lungenrissgewinnt die Alveolarluft durch die Verletzung des blutreichen Gewebes der LungeZugang zum Gefäßssystem. Es kommt zum Übertritt der Atmungsluft in die Lungenvenen. Die Luftblasen rufen dann auf ihrem Weg durch die linke Herzkammerembolische Verschlüsse in den Endarteriendes Rückenmarks, des Gehirnsoder auch der Herzkranzgefäßehervor. Symptome ansonsten wie bei DCS II.

Geschichte der Dekompressionsforschung

Bereits 1670 hatte Robert Boylefestgestellt, das sich Gase unter Druck in Flüssigkeit lösen und es bei plötzlicher Druckentlastung zu Gasblasen in der Flüssigkeit kommt. Dies führte den deutschen Ernst Felix Hopper-Seyler 1857 dazu, seine Theorie der Gasblasenembolie als Ursache der Dekompressionskrankheiten aufzustellen, und 1869 veröffentlichte Leroy de Mericourt eine medizinische Abhandlung hierzu ("Vom physiologischen Standpunkt her betrachtet, ist der Taucher eine Flasche mit Sodawasser"). Zwar erkannte schon Mericourt den Zusammenhang zwischen Tauchtiefe, Tauchzeit und Geschwindigkeit des Aufstieges, aber leider wurde dies nicht in handhabbare Praxisanweisungen für die Allgemeinheit der Taucher umgesetzt.

Die ersten systematischen Untersuchungen hierzu wurden von Paul Bert, Physiologierprofesser in Paris, durchgeführt. Im seinem 1878 erschienen Lehrbuch für Taucher wird das Zusammenwirken von Druck, Zeit und Luft dargestellt. Paul Bert war auch der erste, der sich mit den Auswirkungen der verschiedenen Gase auf den Taucher befasste und neben der Rolle des Stickstoffs bei der Dekompressionskrankheit auch die gefährliche Rolle von reinem Sauerstoff unter Druck beschrieb. Bert beschrieb eine Dekompressionszeit von 20 Minuten pro Bar Druckentlastung.

Diese Empfehlungen bildeten für ca. 30 Jahre die Grundlage für Taucherarbeiten (die erste deutschsprachige Dissertation zur "Druckluftlähmung" erschien 1889). Im Jahr 1905 untersuchte dann John Scott Haldanedie Auswirkungen der "schlechten Luft" in Abwasserkanälen, Eisenbahntunneln und Kohlegruben auf den menschlichen Organismus. Im Zuge seiner Forschungen entdeckte er, dass die Atmung ausschließlich vom Druck des CO2 auf das Atemzentrum abhängt. Er schlug nunmehr der britischen Admiralität vor, eine Studienkommission zur wissenschaftlichen Erforschung des Tauchens einzusetzen, um über die Druckgasforschung zu sicheren Arbeitsmethoden für Taucher zu kommen.

Haldaneließ als erstes Ziegen ca. 60 m in der Druckkammer "tauchen". Dabei stellte er fest, dass magere Ziegen weniger anfällig für die Dekokrankheit als fette sind. Dies führte ihn zu der Theorie der unterschiedlichen Gewebeklassen, welche unterschiedlich schnell auf- und absättigen. Grundannahme von Haldane war, dass die Geschwindigkeit ausschließlich vom Durchblutungsgrad der Gewebe abhängt. Auf Basis dieses vereinfachten Modelles des menschlichen Körpers berechnete Haldane seine Dekotabellen, die er 1907 erstmals veröffentlichte. Die Tabellen von Haldane gingen, aufgrund eindeutiger Vorgaben der Auftraggeber (englische Marine), nur bis 58 m.

Dieses Modell war wiederum für ca. 25 Jahre die Grundlage aller Forschungen. Ab 1935 erkannte man, dass dieses Modell nur für einen sehr eingeschränkten Tiefen-Zeitbereich gilt und forschte an möglichen Verfeinerungen (konstante Übersättigungsfaktoren durch Hawkins, Schilling und Hansen 1935, variable Übersättigungsfaktoren durch Duyer 1976, Theorie der stillen Blasen durch Hills 1971).

Nach 1945 haben die Tabellen der US Navy(1958) die weiteste Verbreitung gefunden. Diese benutzen 6 Gewebeklassen mit variablen Übersättigungsfaktoren für jede Dekostufe. 1983 erkannte Albert Bühlmann, dass das Modell der parallelen Sättigung nicht mehr haltbar ist, da ja die Gewebe den Stickstoff nur an die umgebenden Gewebe abgeben können. Daraus entwickelte er ein Modellmit 16 Gewebeklassen (ZH-L16), welches aus linearen Differentialgleichungen besteht. Dieses Modell kann numerisch gelöst werden und bildet die Grundlage auch neuerer Dekotabellen (z.B. Deko 2000).

Dieser klassische Ansatz von Bühlmann et.al. (Diffusionsmodelle) zeigt aber nach neueren Erkenntnissen Schwächen bspw. hinsichtlich der Mikrogasblasenbildung. Daher versuchten sich verschiedene Tauchmediziner und -physiologen an einem alternativen Ansatz mit den sog. Blasenmodellen. So zum Beispiel D.E.Younts VPM(varying permeability model) oder Bruce R.Wienke mit seinem RGBM(reduced gradient bubble model), welches derzeit in den Tauchcomputern der finnischen Firma Suuntoverwendet wird. Nach dem RGBM Modell werden sogenannte "deep stops" favorisiert, von denen schon seit langem postuliert wird, dass Sie die Blasenbildung im venösen Blut vermindern können. Die Idee der "deep stops" ist nicht neu und sie besagt, dass bereits auf größerer Tiefe, kurze Stops eingelegt werden sollten, um bereits die Entstehung von kleineren Bläschen wirksam zu verhindern.

Weder das Bühlmann-, noch das VPM oder RGBM bieten eine absolute Sicherheit gegenüber Symptomen der Dekompressionkrankheit, da alle Modelle nur empirischer Natur sind und von einer deutlichen Vereinfachung der komplexe Abläufe der Auf- und Entsättigung im Körper ausgehen. Insbesondere die neueren Modelle bedürfen einer weitergehenden Validierung durch medizinische Untersuchungen. Eine Möglichkeit sind Untersuchungen zum Nachweis von Mikrogasblasen im venösen und artiellen Blutkreislauf durch Doppleruntersuchungen wie sie zur Zeit von DANin Rahmen von größeren Studien praktiziert werden.

Weblinks

  • Tauchkrankheiten
  • GTUEM
  • Druckkammern
  • Dekompressionda:Trykfaldssyge

en:Decompression sickness fi:Sukeltajantauti ja:??? nl:Caissonziekte pl:Choroba dekompresyjna ru:???????????????? ???????

Von "http://de.wikipedia.org/Dekompressionserkrankung"



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