|
Destruktivität (von niederreißen oder zerstören) beschreibt die zerstörerische Eigenschaft von Dingen bzw. zerstörerische Geisteshaltung oder Verhalten von Menschen und ist das Gegenteil von Konstruktivitätbzw. (seltener) Produktivität.
Man spricht auch von destruktiv sein.
Die Bezeichnung "destruktiv" wird dabei ähnlich oder als Steigerung von "negativ" benutzt.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Allgemeiner Sprachgebrauch
- 2 Arbeitssoziologie
- 3 Volkswirtschaftslehre
- 4 Siehe auch
|
Allgemeiner Sprachgebrauch
Der Vorwurf der Destruktivität in einer Diskussion meint die Überbetonung negativer und feindselig kritisierender Elemente. Im Gegensatz dazu werden bei konstruktiver Kritik auch konkrete Verbesserungsvorschläge ausgedrückt.
Ein Misstrauensvotumist ein destruktives, wenn nicht wie beim konstruktiven Misstrauensvotumgleichzeitig mit Antrag auf Abwahl eines Amtsträgers ein Vorschlag für den Nachfolger zur Wahl gestellt wird.
In der Subkulturdes Punkstellt sich das "dagegen Sein" als Lebenseinstellung dar.
Arbeitssoziologie
Mit Destruktivität wird in der Arbeitssoziologieneben der "Produktivität" der Arbeitihre andere Seite betont: Alles Arbeitenproduziere nicht nur etwas, einschließlich dessen, dass, wer arbeitet, sich auch selbst darin widerspiegele (siehe Bewusstsein, Stolz), sondern sie zerstöre gleichzeitig (a) die Umwelt (auch in Gestalt des verarbeiteten Rohmaterials), (b) andere Menschen (z. B. als Auswirkung des Wettbewerbsoder durch eine Beeinträchtigung der Kernfamilie), (c) den Arbeitenden selbst (kostet ihn Mühe und Lebenszeit).
Dieser destruktive Aspekt wird in Folge der Betonung der Produktivität der Arbeit in Volkswirtschaftslehreund Soziologieseit dem Aufkommen des Kapitalismussowohl im Liberalismusals auch im Sozialismusmeist verdeckt oder als dysfunktional eingeordnet, also nicht in seiner umfassenden Wirksamkeit behandelt. Doch ist z. B. SchumpetersKonzept der "schöpferischen Zerstörung" als Kennzeichnung des Unternehmersähnlich fundiert.
Die Destruktion kann sogar Hauptzweck der Arbeit sein (z. B. die Munitionsfabrikation), auch der Soldatist dem entsprechend ein Arbeiter (beispielsweise analog zu Karl Marxals - negativer - Proletarierbezeichnet), nur kann seine Arbeit destruktiver sein als z.B. die eines Bergmanns. Doch wird gleichzeitig auch hier etwas produziert (z. B. kann eine Armee Sicherheit schaffen).
Aus dieser Sichtweise heraus kann industriesoziologisch (ohne dass dies eine allgemeingültige Wertung darstellt) Serien- und Massenproduktion in einem Industriebetriebstrukturanalytisch in Beziehung zur "Serien-" und "Massendestruktion" im Krieg gesetzt werden (z. B. in Gestalt von Raketenbatterien als Fabrik, aber auch von Schlacht- und Luftflotten, die insoweit wie mobile Industriebetriebe aufgefasst werden). Ashworth hat dies strukturfunktionalistischan der Auswirkung der maschinellen (artilleristischen) Massentötung beim Grabenkrieg (in, engl.: Trench warfare) an der Westfront im Ersten Weltkriegab Herbst 1914 untersucht.
Auch im kriminellen Milieu - also bei der "Spitzbubenarbeit" (nach Riehl) - überwiegen die destruktiven die konstruktiven Züge, obwohl z. B. Taschendiebe, die von Messe zu Messe reisen, ihre Arbeit durchaus wie einen Berufauffassen und ein 'normales' Familienleben führen, wie etwa ein Handelsvertreter (vgl. The professional thief von Sutherland).
"Destruktive Arbeit" wird begrifflich streng (unabhängig von möglichen Überlappungen bei tatsächlichen Zerstörungen) von "vernichtender Tätigkeit" unterschieden. Beispiele für letztere reichen vom Alltag bis zum Serien- und Massenmord an den Insassen von Vernichtungslagern (KZs). Empirisch wird der Unterschied (z. B. freizeitsoziologisch) anhand der Bräucheder Genugtuunguntersucht, die nach einer abgeschlossenen "destruktiven Arbeit" bzw. anders nach einer abgeschlossenen "vernichtenden Tätigkeit" beobachtbar werden.
Literatur: Lars Clausen, Produktive Arbeit, destruktive Arbeit, Berlin/New York (de Gruyter) 1988, ISBN 3110118149
Volkswirtschaftslehre
- Das Element der Destruktivität spielt in der Volkswirtschaftslehreals "Schöpferische Zerstörung" eine Rolle.
- In der Theorie von Karl Marxerhalten die "Produktivkräfte ... unter dem Privateigentum eine nur einseitige Entwicklung, werden für die Mehrzahl zu Destruktivkräften, und eine Menge solcher Kräfte können im Privateigentum gar nicht zur Anwendung kommen." (Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, MEW3, S.60)
Siehe auch
Schöpferische Zerstörung, Entfremdung, Krieg, Kriminalsoziologie, Organisation, Personalführung, Unternehmer
Seitenkategorien: Soziologie| Schaden
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
|