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Drehschwindel

Bild:Disambig-grau.png Dieser Artikel behandelt den medizinischen Ausdruck Vertigo. Für weitere Erklärungen dieses Begriffs siehe Vertigo (Begriffsklärung).

Vertigo ist der medizinischeFachausdruckfür Schwindel. Unter Schwindel im medizinischen Sinne versteht man das subjektive Empfinden eines Drehgefühls oder Schwankens oder das Gefühl der drohenden Bewußtlosigkeit. Definiert wird Schwindel im medizinischen Sinne als wahrgenommene Scheinbewegung zwischen sich und der Umwelt. Man unterscheidet u.a. Dreh-, Schwank-, Lift-, Bewegungs- und unsystematischen Schwindel. Außerdem wird eine Kreislaufschwäche oft Schwindel genannt. Im Deutschen wird der Begriff folglich für unterschiedliche Phänomene genutzt. Im Englischen werden demgegenüber "vertigo" = Schwindel und "dizziness" = Benommenheitsgefühl unterschieden.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Wortstamm
  • 2 Ursachen von Vertigo
  • 3 Untersuchungen bei Schwindel
  • 4 Trivia
  • 5 Siehe auch
  • 6 Literatur
  • 7 Weblinks

Wortstamm

Das Wort stammt aus dem Lateinischen.

  • vertere (Perfekt: verti, Partizip: versus sum) = hin und her wenden
  • versor = sich wälzen
  • vertex = Scheitel, Wirbel, Pol, Strudel
  • vertiginosus = schwindelig (vertiginös)
  • vertigo = Umdrehung, Schwindel

Ursachen von Vertigo

Schwindel entsteht häufig aus widersprüchlichen Informationen von am Gleichgewichtsempfindenbeteiligten Sinnesorganen wie Augen, Gleichgewichtsorganen der Innenohren sowie Muskel- und Gelenkrezeptoren. Dies wird von der abstrakt wirkenden Definition (s.o.) exakt abgebildet.

Das Gleichgewichtsorgan im Innenohrist ein Sensoriumfür Dreh- und Linearbeschleunigung und eng mit Reflexenverbunden.

Eine Linearbeschleunigung wird in den in horizontaler und vertikaler Ebene stehenden Macula sacculi und utriculi registriert. Die Sinneshaare dieser Rezeptoren sind in eine durch Kristallkörnchen, so genannte Otolithen, beschwerte Matrix eingebettet. Bei Beschleunigung in der Ebene der Macula bleibt diese aufgrund ihrer Trägheit zurück und führt zu einer Auslenkung der Sinneshaare. Durch die Erdbeschleunigung kann mit diesen Rezeptoren auch die Lage des Kopfes im Raum bestimmt werden.

Drehbeschleunigungen werden von den Bogengängenregistriert - jeweils 3 miteinander verbundene, senkrecht zueinander stehende, ringförmige Gefäße mit Lymphflüssigkeitund Sinneshaaren. Durch eine Drehbeschleunigung in der Ebene des jeweiligen Bogenganges wird die Endolymphflüssigkeit in Bewegung gesetzt und lenkt die Sinneshaare aus. Bei länger anhaltenden Drehbewegungen "gewöhnt" man sich an diese, sobald sich die Lymphe durch Reibungebenso dreht wie der Bogengang. Bei Aufhören der Drehbewegung rotiert die Flüssigkeit weiter und ruft den Eindruck einer entgegengesetzten Drehung hervor. Die reflektorische Reaktiondarauf kann nicht unterdrückt werden, auch wenn das Augedie wahre Bewegung zeigt. Der Widerspruch der Sinnesorgane erzeugt Verwirrung oder Desorientierung. Piloten müssen deshalb beim Instrumentenfluglernen, der Anzeige von Navigationsgerätenmehr zu trauen als ihrem Eindruck.

Erkrankungen des Gleichgewichtssystems (peripher: Innenohr + Gleichgewichtsnerv / zentral: Hirnstamm + Kleinhirn + Großhirn) können Ursache für Schwindelempfindungen sein: vestibulärer Schwindel. Oft wird Schwindel begleitet von vegetativen Reaktionen des Körpers wie Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbruch, Herzbeschleunigung und Kollaps.

Beispiele (nach Häufigkeit):

  • gutartiger Lagerungsschwindel(benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel)
  • Erkrankungen des Innenohres (Vestibulopathie)
  • Menier'sche Erkrankung (Morbus Meniere)
  • Entzündung des Gleichgewichtsnerven (Neuritis vestibularis)
  • seltener auch Durchblutungsstörungen (Kleinhirninfarkt), Tumoren (Akustikusneurinom), mechanische Schädigungen (traumatischer Labyrinthausfall bei Felsenbeinfraktur) usw. mit Beteiligung des Gleichgewichtssystems
  • beschrieben wurde auch ein migräne-assoziierter Schwindel

Für nicht-vestibulären Schwindel sind eine Vielzahl weiterer Ursachen möglich, unter anderem Vorstufen von Ohnmachtsanfällen (Prä-Synkope) bei Hypotonie(niedrigem Blutdruck), psychogener Schwindel (ohne organische Ursache), Herzrhythmusstörungen, wahrscheinlich auch Blockaden der Halswirbel. Weitere Schwindelursachen können psychiatrische Erkrankungen (Depressionen, Angstzustände, Psychosen) sein.

Gerätetaucher erfahren manchmal Vertigo, wenn sie in große Tiefen unter sich blicken. Dabei hilft es, sich an stationären Objekten festzuhalten.

Untersuchungen bei Schwindel

Zur Abklärung von Schwindel müssen Patienten oft von mehreren Fachärzten untersucht werden. Wenn der Hausarzt (Allgemeinmedizin, Innere Medizin) die Einordnung nicht ausreichend treffen können, sollten Fachärzte für HNOoder Neurologiekonsultiert werden. Unter Umständen sind auch Ärzte für Kardiologieoder Psychiatriesinnvoll.

Starker Schwindel erfordert manchmal die Einweisung in ein Krankenhaus.

Folgende Untersuchungsverfahren werden angewandt:

  • immer:
    • Anamnese = Krankengeschichte erheben (klärt bis zu 90% der Diagnose!)
    • körperliche Untersuchung
      • Blutdruck, Puls (dann ggf. EKGschreiben)
      • Untersuchung der Augenbewegungen (Nystagmus)
      • Gleichgewichtsprüfung + Gehörprüfung
      • Koordinationsprüfung
  • je nach Untersuchungsbefund technische Zusatzuntersuchungen:
    • Gehörprüfung (Audiometrie)
    • Gleichgewichtsprüfung (Vestibularistest)
    • gelegentlich Bildgebung (CT, MRT)
    • selten auch Doppler/Duplex-Sonographie, EEGoder EP's

Trivia

Vertigo - Aus dem Reich der Toten (1958) ist auch der Titel eines Films von Alfred Hitchcock, in dem die Hauptperson unter dem beschriebenen Phänomenleidet.

Siehe auch

  • Gleichgewicht
  • Vestibularapparat
  • Navigation

Literatur

  • Thomas Lempert: Wirksame Hilfe bei Schwindel. Trias-Verlag 2003, ISBN 3830431058
  • Thomas Brandt, Michael Strupp, Marianne Dieterich: Vertigo. Steinkopff 2003, ISBN 379851416X

Weblinks

  • http://www.mediclin.de/therapien/Schwindel/files/inhalt.html
  • http://www.schwindelambulanz-muenchen.de/
  • http://www.m-ww.de/krankheiten/neurologische_erkrankungen/schwindel.html
  • http://www.ac-hildesheim.de/www/refresher/vertigo.php(Bogengänge, Desorientierung im Flug)
  • http://www.neuro24.de/schwind.htmUmfangreiche bebilderte Darstellung der verschiedenen Erkrankungen, die Schwindel verursachen und deren Behandlung auf Neuro24

en:dizziness es:vértigo

Von "http://de.wikipedia.org/Vertigo"



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