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Edelkastanie

Bild:Disambig-grau.png Dieser Artikel handelt von einem Baum und seiner Frucht. Zu dem Fluss in Südamerika, siehe Maroni (Fluss).
Edelkastanie
Bild:Edelkastanie (Castanea sativa) 1.jpg
Edelkastanie (Castanea sativa)
Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche(Rosidae)
Ordnung: Buchenartige(Fagales)
Familie: Buchengewächse(Fagaceae)
Gattung: Edelkastanien(Castanea)
Art: Edelkastanie
Wissenschaftlicher Name
Castanea sativa
Mill.

Edelkastanie (Castanea sativa Mill.), auch einfach Kastanie oder auch Esskastanie, Essbare Kastanie, Echte Kastanie, Zahme Kastanie, Cheste, Keschte, Köschte, Marone oder Marrone, bezeichnet eine Baumartaus der Familieder Buchengewächse(Fagaceae) sowie deren essbare Früchte.

Ursprünglich aus Kleinasienstammend, verbreitete sich die Kastanie im Zeitraum der vergangenen Jahrtausende - oft mithilfe des Menschen, der ihre nahrhaften, wohlschmeckenden und zudem gut lagerfähigen Früchte schon lange schätzt - im gesamten Raum zwischen Kaukasus und Portugal, weshalb sie hier zu den Archäophytengerechnet wird. Bei uns gedeiht sie hauptsächlich in mildem Weinbauklima, in rauheren Lagen reifen die Früchte nicht aus. Vor allen in den Tälern der Südalpen und auf Korsika halten sich noch große, alte Bestände. Der Name Maroni und die ähnlichlautenden Bezeichnungen in vielen Sprachen stammen vom griechischen maraon. Im antiken Griechenland wurde die Frucht auch als ?Eichel des Zeus? bezeichnet und hatte sowohl in der Ernährung als auch in der Heilkunde einen festen Platz. Auch in späterer Zeit schätzte man sie sehr, was unter anderem auch in der Capitulare de villis genannten Landgüterverordnung Karl des Großendokumentiert ist.


Inhaltsverzeichnis

  • 1 Erscheinungsbild
  • 2 Standort
  • 3 Ausbreitung
  • 4 Vorkommen
    • 4.1 Ursprungsgebiet und Einführung nach Europa
    • 4.2 Bestände in Deutschland und Naturschutz
      • 4.2.1 Vorkommen
      • 4.2.2 Naturschutz
    • 4.3 Bestände im übrigen Europa
  • 5 Wirtschaftliche Nutzung
    • 5.1 Nutzung als Holzlieferant, Streu- und Trachtpflanze
    • 5.2 Verwendung als Nahrungsmittel
      • 5.2.1 Kastanien als Kost bei Missernten
      • 5.2.2 Maronen als Bestandteil traditioneller Regionalküche
      • 5.2.3 Verarbeitungsweise
  • 6 Krankheiten
  • 7 Verwandte oder ähnlich aussehende Arten
    • 7.1 Zuchtformen
    • 7.2 Die Japanische Edelkastanie als Beispiel einer vergleichbaren Nutzung
    • 7.3 Verwechselungsgefahr mit der Rosskastanie
  • 8 Siehe auch
  • 9 Literatur
  • 10 Weblinks

Erscheinungsbild

Bild:Castanea sativa 20050703 433.jpg
Blüten der Edelkastanie

Edelkastanien sind sommergrüne Bäume oder Sträucher. Sie können bis zu 30 Meter hoch werden und bilden häufig eine weit ausladende Krone. Die 15 bis 30 Zentimeter langen Blätter sind lanzettlich geformt mit spitz gezähnten Rändern, auf der Oberseite dunkler grün gefärbt als auf der Unterseite. Die üppig blühenden, einhäusigenPflanzen können ein Alter von über 1.000 Jahren erreichen. Im Freiland blühen sie das erste Mal in einem Alter von 20 bis 30 Jahren, vorher sind naturgemäß auch keine Früchte zu erwarten. Stehen sie in dichten Beständen, können bis zur ersten Blüte mehrere Jahrzehnte vergehen. Die getrenntgeschlechtlichen Blüten erscheinen im späten Frühjahr und riechen wie beim Weißdornund der Ebereschenach Trimethylamin, was von den meisten Menschen als unangenehm empfunden wird. An den Blüten finden sich Bienen, Ameisenund Käferals Bestäuberinsekten ein. Aus den unscheinbaren, kleinen weiblichen Blüten entwickeln sich die hellgrünen, stacheligen Fruchtschalen, in deren Innerem die braunen Früchte heranreifen. Die Erntezeit der Edelkastanien ist im September, Oktoberund November.

Standort

Bild:Castanea sativa.jpg
Zweig mit Früchten der Edelkastanie

An den Standorten, die dem Wärmebedürfnis der Edelkastanie gerecht werden, zählt sie zu den Schattenbäumen. Je schlechter jedoch der Boden, auf dem sie steht und je rauer das Klima ist, desto stärker ist ihr Lichtbedürfnis.

An ihrem ursprünglichen Standort gedeiht die Edelkastanie in lichten Laubmischwäldern in sommertrockenem Klima und mildem Winter. Der optimale Boden ist nährstoffreich und tiefgründig. Kalk und Bodennässe verträgt die Kastanie nicht.

Ausbreitung

Die Edelkastanie zählt zu den Pflanzen, die aufgrund der sogenannten Versteckausbreitungsich neuen Lebensraum erobern. Nagetiere wie das Eichhörnchen, der Siebenschläfer, Wald-, Feld-und Schlafmaus, aber auch Vögel wie Krähenund Eichelhäherverschleppen die Früchte und legen versteckte Nahrungsvorräte damit an. Werden diese, aus welchem Grund auch immer, nicht aufgebraucht, keimen die zu den Dunkelkeimernzählenden Samen aus und begründen neue Bäume.

Vorkommen

Bild:Esskastanien.jpg
Edelkastanien
Bild:Castanea-sativa.JPG
Kastanienbaum in der Nähe des Monte Padrone, Korsika
Bild:Edelkastanie (Castanea sativa) 2.jpg
Kastanien

Ursprungsgebiet und Einführung nach Europa

Ursprünglich stammt die Edelkastanie aus Vorderasien. Sie wurde bereits im 5. Jahrhundert vor Christus nach Griechenland eingeführt. Von dort ausgehend wurde sie noch vor der Zeitenwende in Italien, Spanienund Frankreichetabliert. Mit den Römern ist sie ebenso wie die Weinrebe in die besetzten Gebiete Portugals, Nordafrikasund Germanienseingeführt worden. Am nördlichen Alpenrand war sie jedoch bereits verbreitet, bevor die Römer diese Landstriche eroberten.

Bestände in Deutschland und Naturschutz

Vorkommen

Edelkastanien finden sich innerhalb Deutschlands vor allem im Rheintal sowie in den wärmebegünstigten Nebentälern dieses Flusses. Heute ist sie unter anderem am Rand des Pfälzer Waldes(der so genannten Haardt) und im Taunusheimisch. Der dortige landessprachliche Name für die Fruchtist Keschde. Angebaut wird sie dort nicht nur wegen ihrer Früchte, sondern weil sie auch die zum Weinbaunotwendigen Rebstecken liefert. Reich an Edelkastanien sind auch die westlichen Randzonen des Odenwaldsund des Schwarzwalds. Sie ist außerdem im südlichen Spessartund im Südwesten Westfalenszu finden.

Die größte Edelkastanie Deutschlands wächst im Gemeindewald Hainfeldin der Nähe des Forsthauses Heldenstein im Pfälzerwald. Sie hat einen Brusthöhendurchmesser von 1,10 Meter und einen astfreien Stamm von 8 Meter.

Naturschutz

Obwohl die Edelkastanie eine eingeführte Baumart ist, fällt sie unter den Naturschutz. Sie soll vor allem aufgrund ihrer kulturhistorischen Bedeutung erhalten werden. Da die traditionellen Nutzungsformen weitgehend erloschen sind, sind viele Edelkastanienbestände überaltert. Da die Edelkastanie anders als Eichen auch im hohen Alter wieder gut ausschlägt, ist die Wiederaufnahme der traditionellen Nutzung möglich. Dies ist auf Beispielflächen auch erfolgreich getestet worden.

Bestände im übrigen Europa

Ungewöhnlich große Edelkastanien finden sich im klimatisch milden Großbritannien. Im italienischen Nationalpark Foreste Casentinesibilden Edelkastanien zum Teil Reinbestände und alte Kastaniengärten befinden sich auch auf Madeira, Korsikaund den Kanarischen Inseln. Reine Edelkastanienwälder finden sich auch an den Hängen des Mecsek-Gebirges im Süden Ungarnssowie in einigen sonnigen Abschnitten des Donaukniesnördlich von Budapest, wie auch im Kanton Tessinund im BündnerSüdtal Bergell(beide Schweiz). Ferner gibt es nördlich der Alpen an den Hängen der Rigi Kastanienwäldchen (sogenannte Chestenenweid). Auch in Österreich(Südsteiermark, Burgenland, Voralpengebiet) sind einige Bestände bekannt.

Wirtschaftliche Nutzung

Nutzung als Holzlieferant, Streu- und Trachtpflanze

Das Holzder Edelkastanie ist sehr wertvoll. Neben der Möbelproduktion wurde es auch bevorzugt zur Herstellung von Rebenpfählen sowie zur Produktion von Fässern und im Schiffbau genutzt, da es weitgehend resistent gegen Nässe und Fäulnis ist.

Traditionell wurden die abgefallenen Blätter als Streu sowohl als Dünger oder Einstreu in Stallungen verwendet. Die Blüten werden außerdem als Bienenweidegeschätzt.

Verwendung als Nahrungsmittel

Kastanien als Kost bei Missernten

In den italienischen Alpentälern sowie in den Regionen der Schweiz, die klimatisch so begünstigt waren, dass die Kastanien dort gedeihen konnte, galt die Kastanie früher als Bestandteil der Nahrungsmittel, mit denen man Zeiten der Missernten überstehen konnte. Man veranschlagte, dass die stärkereichen Früchte eines Baumes ausreichten, um einen Winter zu überstehen.

Maronen als Bestandteil traditioneller Regionalküche

Bild:Marone 2900 2004.jpg
Deutsche Edelkastanie

Maronenpüree ist eine typisch ungarische Spezialität, ohne die ein Winter in Ungarnundenkbar wäre. Es ist aber auch in Österreich (unter dem Namen Kastanienreis), oder Kroatien (als "kesten pire") verbreitet. Es wird in nahezu jeder ungarischen Konditorei angeboten. Aus dem Püree lassen sich beispielsweise auch schmackhafte Kuchen herstellen. Die Herstellung einer süßen Krem (sogenannte Maronenkrem) aus dem Fruchtmark ist aber auch in anderen Anbaugebieten (beispielsweise Südfrankreich) verbreitet. Korsika ist bekannt für sein Kastanienmehl, aus dem Suppe und eine Art Polenta hergestellt werden. Um Kastanienmehl zu erhalten, werden die Kastanien erst getrocknet, dann geröstet und schließlich gemahlen. Seit einigen Jahren gibt es auf Korsika auch Bier mit Kastanienmehl (Pietra), es schmeckt mild und würzig. In Deutschland und Österreich werden Edelkastanien oft geröstet auf Weihnachtsmärktenangeboten. In Österreich und der Schweiz werden diese Verkaufsstände als Maronibraterbezeichnet. In der Schweiz werben die Verkäufer oft mit "Heissi Marroni", was soviel bedeutet wie Heiße Maronen. Des Weiteren finden Maronen Verwendung als Füllung von gebratenem Geflügel(beispielsweise Gansoder Truthahn) oder als gekochte Beilagestatt Kartoffeln.

Verarbeitungsweise

Bild:Maroni dh 051216.jpg
Italienische Maroni, verschiedene Schnitte und geschälte Früchte

Die Edelkastanien werden am spitzen Ende kreuzweise eingeschnitten und etwa 10 Minuten trocken in einer unbeschichteten Pfanneoder im Backofen (bei mindestens 200 °C) oder unter dem Grill geröstet. Man kann sie stattdessen auch ca. 20 Minuten in Wasser kochen, dann schmecken sie etwas weicher und mehliger. Vor dem Verzehr werden die Maronen geschält und die darunterliegende braune Haut entfernt; die leider immer in gewisser Menge vorhandenen schlechten Exemplare muss man aussortieren. Weiterhin sollte man die unter der Schale befindlichen Härchen gründlich entfernen, da diese sehr bitter schmecken. Zur Herstellung eines Pürees müssen die Maronen vorm Pürieren etwa 20 Minuten in kochendem Wasser gedünstet werden. Im Bergell (Südostschweiz) werden die Kastanien seit Jahrhunderten in eigens dafür errichteten Holzhäuschen luftgetrocknet und von Hand zu Mehl gerieben.

Krankheiten

Seit Anfang des 20. Jahrhundertswütet ein aus Asienstammender Pilzunter den Kastanien, es handelt sich dabei um den sogenannten Kastanienrindenkrebs(Endothia parasitica = Cryphonectria p.). Dieser Pilz wurde erstmals 1904im New YorkerZoo entdeckt, bereits im Jahr 1937waren 99 Prozent aller Bäume in den USAbefallen oder abgestorben. 1938tauchte der Pilz in Genuaauf, und schon in den 1950erJahren hatte er Südtirolerreicht. Im Jahr 1992wurde er schließlich auch in Deutschlandentdeckt. Aufgrund seines späten Auftauchens zählt dieser Schlauchpilzzu den Neomyceten. Die Sporen werden von Wind, Regen, Insekten, Vögeln und Menschen verschleppt. Die Kastanienbäume werden zwar nicht befallen, sie welken jedoch, weil der Pilz die Wasser- und Nährstoffzufuhr beeinträchtigt. Der Baum geht schließlich ein, wenn die Nährstoffzufuhr komplett unterbrochen ist.

Verwandte oder ähnlich aussehende Arten

Zuchtformen

Neben der Wildform der Esskastanie haben sich im Verlauf der langen Kultivierungsgeschichte eine Vielzahl veredelter Sorten gebildet, bekanntere hiervon sind beispielsweise die Bouche de Betizac oder die Brunella, die beide als hervorragende Speisemaroni gelten.

Die Japanische Edelkastanie als Beispiel einer vergleichbaren Nutzung

Mit über 200 Artenist die Japanische Edelkastanie(Castanea crenata; jap. ??) eine wichtige Kulturpflanze in Japan. Sie wird dort in ähnlicher Weise wie die Edelkastanie in Europa genutzt. Ihre Früchte sind das Ausgangsmaterial zahlreicher Süßigkeiten und Konditorwaren (jap. ??).

Verwechselungsgefahr mit der Rosskastanie

Die Edelkastanie sollte nicht mit der Rosskastanieverwechselt werden, deren Früchte für den Menschenungenießbar sind und sogar Vergiftungserscheinungenhervorrufen können. Trotz einiger ähnlicher Merkmale sind Edelkastanie und Rosskastanie nicht näher verwandt. Während die Edelkastanie zusammen mit Bucheund Eichezur Familie der Buchengewächse(Fagaceae) gehört - in Asien und Nordwestamerika gibt es sogar Übergangsformen zwischen Eiche und Eßkastanie - zählt die Rosskastanie zu den Rosengewächsen.

Siehe auch

  • Markante und alte Baumexemplare in Deutschland
  • Neophyten

Literatur

  • Ingo Kowarik; Biologische Invasionen - Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa, Verlag Eugen Ulmer Stuttgart, 2003, ISBN 3-8001-3924-3
  • Doris Laudert; Mythos Baum - Was Bäume uns Menschen bedeuten: Geschichte, Brauchtum, 30 Baumporträts, BLV-Verlag München, 2001, ISBN 3-405-15350-6
  • Dr. G. Madaus; Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Band I, Georg Thieme Verlag, Leipzig
  • René A. Strassmann; Baumheilkunde, AT-Verlag Aarau/Schweiz
  • Max Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka, WVG, Stuttgart

Weblinks

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Commons: {{{2|Castanea sativa}}} ? Bilder, Videos oder Audiodateien
  • Alte Edelkastanie in Bamberg
  • Ein Portrait der Edelkastanie
  • Biologie und Historie der Esskastanie
  • Information zum Kastanienrindenkrebs
  • Wissenswertes zur Edelkastaniebg:?????? ??????

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