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Endokarditis

Die Endokarditis ist eine Entzündung der Herzinnenhaut, die die Herzhöhlen und den herznahen Anteil der Arterien und Venen auskleidet und auch die Struktur der Herzklappensegel bildet. Grundsätzlich kann jeder Mensch an einer Endokarditis erkranken und unbehandelt ist der Krankheitsverlauf meist tödlich. In Westeuropa ist die Endokarditis bei herzgesunden Menschen selten geworden und seit der Einführung von Antibiotika auch behandelbar. Eine erhöhte Gefahr, an einer Endokarditis zu erkranken, besteht jedoch bei Menschen mit angeborenen oder erworbenen Herzfehlern (insbesondere nach Herzklappenersatz).

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Die Endokarditis bei angeborenen Herzfehlern
    • 1.1 Auslösende Keime
    • 1.2 Infektionsmöglichkeiten
    • 1.3 Prophylaxe
    • 1.4 Behandlung von fieberhaften Erkrankungen
  • 2 Endokarditis-Risiko
    • 2.1 hohes Risiko:
    • 2.2 normales Risiko:
    • 2.3 geringes Risiko:
  • 3 Wie erkennt man eine Endokarditis?
  • 4 Gefahren einer Endokarditis
  • 5 Diagnostik und Therapie
  • 6 Siehe auch

Die Endokarditis bei angeborenen Herzfehlern

Bei allen Herzfehlern, bei denen der Blutstrom im Herzen nicht ?normal? ist, kann es durch Verwirbelungen des Blutstromes an immer wieder den gleichen Stellen zu kleinsten Verletzungen der Herzinnenhaut kommen. Diese Stellen sind dann anfällig für eine Entzündung wenn (meist) Bakterien ins Blut kommen und von dort aus eine Infektionbeginnt, die auf weitere Anteile der Herzinnenhaut und eine oder mehrere Herzklappenübergreift.

Auslösende Keime

Die häufigsten auslösenden Keime einer Endokarditis sind Bakterien(Streptokokken, Staphylokokken, Enterokokken), gelegentlich Pilze. Ob Vireneine Endokarditis auslösen können, ist wissenschaftlich nicht geklärt und wird eher für unwahrscheinlich gehalten.

Infektionsmöglichkeiten

Wunden, Verletzungen und fieberhafte Erkrankungen (z. B. Bronchitis, Lungenentzündung, Mandelentzündungund Harnwegsinfekte) können der Grund dafür sein, dass Bakterien ins Blut gelangen und die Basis für eine Endokarditis bilden, die bei herzgesunden Menschen durch das Lymphgefäßsystem (Leber, Milz, Lymphknoten, Fresszellen) rechtzeitig verhindert wird. Ärztliche Maßnahmen wie Spiegelungen von Körperhöhlen, Operationen an Urogenitaltrakt und Darm sind mit einem hohen Risiko einer Keimaussaat ins Blut verbunden. Alle zahnärztlichenMaßnahmen (z. B. Zahnsteinentfernung, Einsetzen einer Zahnspange, u. ä.), bei denen eine Verletzung des Zahnfleisches möglich ist, sind nachweislich eine hohe Gefahr für die Entstehung einer Endokarditis (im Gegensatz zu normalem Zahnwechsel, da hierbei keine Erreger in das Gewebe verbracht werden).

Prophylaxe

Bei allen planbaren Eingriffen (Zahnarzt, Endoskopie, Operations. o.) beim Patienten mit angeborenem Herzfehler ist deshalb eine Prophylaxewichtig. Das bedeutet die Gabe eines hochwirksamen Antibiotikums ca. zwei Stunden vor der Behandlung und bei Patienten mit hohem Endokarditisrisiko eine zweite Gabe einige Stunden danach. Diese Zeit der Medikation reicht aus bis der Bakterienspiegel im Blut wieder gefallen ist.

Behandlung von fieberhaften Erkrankungen

Bei allen Erkrankungen, die durch eine bakterielle Infektion (s. o.) ausgelöst wurden, ist eine strikte Behandlung mit einem hochwirksamen Antibiotikum über ausreichend lange Zeit unbedingt erforderlich um die Entstehung einer Endokarditis zusätzlich oder als Folge der Grunderkrankung zu verhindern. Dazu ist die Abgrenzung zwischen viralem und bakteriellem Infekt durch einen Arzt unbedingt erforderlich. Antibiotika wirken nicht bei viralen Infekten. Deshalb wäre eine Antibiotikagabe bei einem viralen Infekt eine zusätzliche Belastung für den Körper, aber keine Hilfe.

Endokarditis-Risiko

Das Risiko für eine Endokarditis wird heute (2004) ärztlicherseits wie folgt eingeschätzt:

hohes Risiko:

  • künstliche Herzklappen
  • Implantationvon künstlichen Gefäßverbindungen (auch Transplantateaus menschlichem Gewebe)
  • aorto-pulmonale Shunts
  • bereits durchgemachte Endokarditis
  • zyanotische Herzfehler

normales Risiko:

  • alle angeborenen Herzfehlermit Fehlbildungen großer Gefäße (außer s. u.)
  • ?Mitralklappenprolaps? mit Undichtigkeit der Klappe
  • Operationen unter Verwendung von Fremdmaterial
  • hypertrophe obstruktive Kardiomyopathien

geringes Risiko:

  • ASDII (Vorhofseptumdefekt vom Sekundumtyp)
  • Herzschrittmacherträger
  • Operationen ohne Verwendung von Fremdmaterial (Nahtverschluss eines ASD, VSDoder Unterbindung eines PDAsechs bis zwölf Monate nach der Operation)
  • ?Mitralklappenprolaps? ohne Undichtigkeit der Klappe

Entsprechend dieser Einteilung bekommen alle Patienten mit angeborenem Herzfehler von ihrem Kardiologen einen Endokarditispass. Es ist wichtig, diesen Pass bei allen oben genannten Situationen vorzulegen und sich strikt an die Empfehlungen zu halten. Sollte ein Zahnarzt die Empfehlungen nicht beachten, ist es sehr ratsam, den Zahnarzt sofort zu wechseln!

Wie erkennt man eine Endokarditis?

  • Klinische Zeichen:
    • Fieber, ohne sonstige Krankheitszeichen
    • Herzgeräusche (neu oder geändert im Klang)
    • allgemeine Abgeschlagenheit, Krankheitsgefühl
    • Milzvergrößerung
    • Herzinsuffizienzzeichen(Wassereinlagerungen, Lebervergrößerung)
  • Labor:
    • Entzündungszeichen
    • Anämie(Blutarmut)
    • Spuren von Blutim Urin
    • Zeichen der Nierenfunktionsstörung
    • Nachweis von Bakterien in Blutkulturen
  • Echokardiographie:
    • evtl. sind Vegetationen (= ?Wucherungen und Auflagerungen?, die der Körper an der entzündeten Stelle im Herzen als ?Reparaturvorgang? bildet) sichtbar.

Gefahren einer Endokarditis

  • Zerstörung von Herzklappen
  • Vegetationen (s. o.) werden durch das pumpende Herz losgerissen und verstopfen bei ihrem Fluss durch den KreislaufBlutgefäßein den Organen. Die gefürchteten Komplikationen daraus können sein: ein Gehirnschlag, eine Nierenembolieoder eine Lungenembolie.
  • Verschleppung von Keimen in andere Organe, wo sich dann Abszessebilden können.

Im Zuge der Blutvergiftung (Sepsis) und dem septischen bzw. toxischen Schock bei giftbildenden Bakterien kann es zu einem akutem Organausfall kommen (Nierenversagen, sog. Schockniere und/oder Lungenversagen, sog. Schocklunge).

Diagnostik und Therapie

Für die Diagnostikeiner Endokarditis stehen die Echokardiografieund Laboruntersuchungen zur Verfügung. Der Nachweis von Herzklappenveränderungenoder neu aufgetretenen Vegetationen im Herzen oder der Nachweis von Keimen in der Blutkultursind sichere Zeichen. Beide Nachweise sind aber manchmal schwer zu erbringen, weil sich trotz vorliegender Endokarditis noch keine Klappenveränderungen/Vegetationen gebildet haben oder der Nachweis von Keimen in der Blutkultur nicht gelingt weil der Patient vorher schon Antibiotikabekommen hat. Gelingt der Nachweis von Bakterien in der Blutkultur nicht (5 bis 10 % der Fälle), dann muss beim Vorliegen der klinischen Zeichen ?blind? behandelt werden. Man führt klinisch unter anfänglich strenger Bettruhe eine breit wirksame antibiotische Therapiein Form von Spritzenoder Infusionenüber eine Zeit von vier bis sechs Wochen durch. Danach folgt eine ein- bis zweiwöchige kritische Beobachtung. Trotzdem bleibt eine einmal durchgemachte Endokarditis ein erhöhtes Risiko für eine weitere Erkrankung. Deshalb sollte die Prophylaxe (s. o.) sehr ernst genommen werden.

Siehe auch

Aortenklappeninsuffizienz





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