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Als Missing Link bzw. fehlendes Bindeglied wird in der Evolutionsbiologieeine bislang fehlende Mosaikformbezeichnet, die Merkmale zweier Taxa(also zweier systematischunterschiedlicher Organismengruppen) aufweist. Sie wird im Rahmen der Evolutionsbiologie als Übergangsform vorhergesagt. Ist das vorhergesagte Missing Link schließlich fossil nachgewiesen, wird es auch als Zwischenform bezeichnet (transitionales Fossil). Im Englischen wird der Sprachgebrauch ?Missing Link? oft lax beibehalten.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Historisches
- 2 Bedingungen, die die Fossilisation beeinflussen
- 3 Derzeitiger Stand
- 4 Genetik und Missing Links
- 5 Siehe auch
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Historisches
Der Begriff wurde wahrscheinlich erstmals von Charles Darwinoder Thomas Henry Huxleyfür das vermutete fehlende Bindeglied zwischen Affenund Menschengeprägt. Die schon von Darwin im Rahmen seiner Evolutionstheorie vorhergesagten Entdeckungen von Missing Links waren zu seinen Zeiten noch relativ selten. Dies resultiert aus verschiedenen Umständen.
- Die Fossilisationläuft über die geologischen Zeiträume kumulativ ab und lagert Organismen nach zahlreichen spezifischen Bedingungen ein, die sich aus geologischen, biologischen und zufallsbedingten Gegebenheiten ableiten. (siehe nächster Abschnitt)
- Die Mosaikformen zwischen Taxaexistieren meist nur eine sehr kurze Zeit, da sich die abgespaltenen Linien physiologisch rasch verändern. Dies ist insbesondere dann so, wenn ein wichtiges Merkmal der neuen Abstammungslinie weitgreifende Veränderungen in der Lebensweise ermöglicht, da dann sehr rasch andere Merkmale nachziehen und den Bauplanin die später bekannte Form überführen. Deshalb stehen gerade in der Abspaltung neuer Abstammungslinien und modernerer Bauplänenur kurze Zeitspannen zur Fossilisationvon Individuen zu Verfügung.
Anfänglich wurden Missing Links oft als Gegenargument zu Darwins Theorie verstanden. Selbst heute noch werden sie manchmal fälschlicherweise so dargestellt. Wissenschaftlich gesehen haben sie sich jedoch zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Durch weit über 1000 ehemaligen ?Missing Links?, die bis heute gefunden wurden, hat sich die Evolutionstheorieauf überzeugende Weise bewährt.
Einer der spektakulärsten Funde war die Entdeckung des Urvogels Archaeopteryxim 19. Jahrhundert, der Dinosaurier- und Vogel-Merkmale in sich vereint. Eine Bauplanmodifikationermöglichte eine so große Umstellung in der Lebensweise, dass sich die Abstammungslinie der entstehenden Vögel explosionsartig entwickelte. Nachträglich betrachtet sind aus dieser kurzen Zeit wenige Fossilien erhalten, so dass es zunächst den Anschein machte, der Urvogel sei spontan mit vielen Veränderungen gleichzeitig aufgetreten. Inzwischen ist es trotzdem möglich, die Entwicklung von Federnanhand von Fossilien bis zu bodenbewohnenden Sauriern zurückzuverfolgen.
Auch Fischewie Acanthostega(ein Vorläufer der Amphibien) oder die SchneckeNeopilina galatea(ein Bindeglied zwischen Weichtierenund Ringelwürmern) zählen zu den gefundenen ?Missing Links? und belegen, dass es im Rahmen der Makroevolutionzahlreiche fließende Übergänge zwischen den verschiedenen Organismengruppen gibt.
Bedingungen, die die Fossilisation beeinflussen
- Geologischmüssen Sedimentevorhanden sein, die die Einbettung von Fossilien ermöglichen. Dies ist beispielsweise in Schwemmland gegeben. Nicht aber in Gebirgsregionen, da dort das geologische Substrat vornehmlich abgetragen wird.
- Ebenfalls geologischbedingt ist das Schicksal der entstehenden Sedimente. Gelangen sie im Laufe der Zeit in zu große Tiefe, werden die Gesteine umgebildet und verlieren alle Fossilien. Metamorphgesteinewie Granit, Basalt können keine Fossilien enthalten.
- BiologischeBedingungen bestehen darin, dass die Individuen nach ihrem Absterben nicht von anderen Zeitgenossen entdeckt, gefressen und zerstreut werden. Dies ist pro Tierartund Lebeweltstark unterschiedlich.
Derzeitiger Stand
Es gibt immer Entwicklungsformen von denen noch kein Fossil entdeckt wurde. Aufgrund der Weiterentwicklung der Evolutionstheoriegegenüber dem 19. Jahrhunderthat der Begriff Missing Link aber innerhalb der Evolutionsbiologieviel an Brisanz und Bedeutung verloren. Stand mit ihrer Entdeckung damals noch die Stichhaltigkeit der Gemeinsame Abstammung der Artenauf der Kippe, sehen Biologen heute fehlende Bindeglieder als gewöhnliche Fragestellung an und vertrauen darauf, dass sich mit der Zeit und dem ständig steigenden Fossilienaufkommendie gesuchten Beweise einstellen. Insbesondere die Erkenntnis, dass die Evolution nicht notwendigerweise immer allmählich und mit gleichmäßiger Geschwindigkeit abläuft, sondern mitunter auch sehr schnell vonstatten gehen kann, hat die Bedeutung der ?Missing Links? reduziert. Es ist also nur eine Frage der Fleißarbeit, wann sich Missing Links in bekannte Übergangsformen verwandeln. Hinzu kommen genetische Methoden der Verwandtschaftsbestimmung, die zunehmend in den Vordergrund treten.
Anders ist das in der Bildung. Die Evolutionstheorie lässt sich anhand von Übergangsformen anschaulich erklären, deshalb sind sie wichtige Lehr- und Anschauungsstücke. Sie werden zudem von vielen Menschen als schöne und anmutige Grüße aus früheren Zeiten angesehen, die vielerlei Anlass zu naturwissenschaftlicher Träumerei und Wunschvorstellungen geben (hobbymäßige Sammelei).
Genetik und Missing Links
Die fossilen Missing Links stellen heute nur eine Fragestellung der Paläontologie dar. Daneben treten die Erkenntnisse der Genetik in den Vordergrund. Auch hier werden beständig nach Übergangsreihen von Mutationengesucht. Man kann mit ihnen die Verwandtschaft zweier beliebiger rezenter Lebewesen bestimmen. Die fossilen Lebewesen lassen sich damit allerdings nur indirekt einordnen.
In Anlehnung an Huxleys Begriff wird der Terminus ?Missing Link? auch in der Sprachforschungverwendet.
Siehe auch
- Lebendes Fossilda:Overgangsform (fossil)
en:Transitional fossil
ja:????????
nl:Fossiele overgangsvormen
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