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Gallenstase

Bild:Disambig-grau.png Dieser Artikel erläutert ein Ausfallprodukt der Gallenflüssigkeit; es gibt auch eine Comicserie mit dem Namen Gallenstein.

Ein Gallenstein ist ein festes, kristallisiertes Ausfallprodukt der Gallenflüssigkeit. Gallensteine entstehen durch ein Ungleichgewicht löslicher Stoffe in der Gallenflüssigkeit. Findet sich der Gallenstein in der Gallenblaseso spricht man von einer Cholezystolithiasis (Gallenblasenstein). Bei einem Gallenstein im Gallengang (Ductus choledochus) wird von einer Choledocholithiasis (Gallengangsstein) gesprochen. Gallensteine sind häufig und machen oft gar keine Beschwerden. Wenn Gallensteine sich einklemmen kann es allerdings zu heftigen Kolikenund Entzündungen (Cholezystitis) kommen.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Epidemiologie
  • 2 Entstehung
  • 3 Pathogenese
  • 4 Symptome
  • 5 Diagnostik
  • 6 Behandlung
  • 7 Komplikationen
  • 8 Weblinks

Epidemiologie

10 bis 15 % der erwachsenen Bevölkerung sind Gallensteinträger. Frauen sind häufiger betroffen, wobei das Verhältnis von Frauen zu Männern ungefähr 2 zu 1 beträgt.

Entstehung

Bei einem Ungleichgewicht der löslichen Stoffe, der in der Lebergebildeten Gallenflüssigkeit, begleitet von einer Entzündungoder einer Flussbehinderung in den Gallenwegen, kann es zur Steinbildung kommen. Liegt ein Ungleichgewicht von Gallensäurenund Lezithinauf der einen Seite und Kalziumkarbonatoder Bilirubinauf der anderen Seite vor, so entstehen Kalzium- bzw. Bilirubinsteine. Bei einem Überangebot von Cholesterinund (seltener) einem Unterangebot von Gallensäuren entstehen Cholesterinsteine.

Bild:Chol-pigmentstein-mikroskop2.jpg
Mikroskopische Aufnahme eines Cholesterinpigmentsteines
Bild:Solitaerer cholesterinstein.jpg
Ein einzelner Cholesterinstein

Gefördert wird die Entstehung durch verschiedene Faktoren:

  • Schwangerschaft
  • familiäre Disposition
  • Zustand nach Dünndarmoperationen (Gallensäureverlustsyndrom)
  • Diabetes mellitus
  • Hypercholesterinämie
  • Hyperparathyreodismus
  • Morbus Crohn
  • Adipositas
  • Fettreiche Ernährung
  • Chronische Verstopfungen (Obstipation)
  • Bewegungsmangel
  • Einnahme bestimmter Medikamente (Ovulationshemmer (Pille), Clofibrat-Präparate)
  • Hämolytischer Ikterus
  • Schnelle Gewichtsabnahme bei sehr fettarmer Ernährung

Es wird auch von den "vier F" gesprochen: female, fat, fertile, forty (Weiblich, Übergewichtig, mehrere Kinder bzw. im fortplanzungsfähigen Alter befindlich, über vierzig). Im angloamerikanischen kommt noch das fünfte "F" fair (hellhäutig bzw. blond) und sechste "f" family (familiäre Häufung) dazu.

Pathogenese

Die normale Zusammensetzung der Galle ist Cholesterin, Phospholipideund Gallensäurenim Verhältnis von 5 zu 25 zu 70. Typisch für die lithogene Galle ist der hohe Anteil von Cholesterin und/oder der verminderte Anteil von Gallensäuren, so dass die Galle mit Cholesterin übersättigt ist. Folgende Faktoren begünstigen die Entstehung von Cholesteringallensteinen :

  • Hypomotilitätder Gallenblase, wodurch verlängerte Verweildauer der Galle in der Gallenblase
  • unvollständige Entleerung der Gallenblase

Symptome

Bild:Steingefuellte-gallenblase.jpg
Eine steingefüllte Gallenblase (Formalinfixiertes Präparat)

Nur in ca. 25 % der Fälle werden die Gallensteine symptomatischund nur in solchen Fällen muss auch eine Therapie erfolgen. Wenn ein Stein symptomatisch wird, dann kann dies in Form von Kolikenvorkommen. Diese treten besonders nach fettreichem Essenoder nachts durch Gallenblasenkontraktionen auf. Hierbei kommt es zu einem sich anfallsartig steigerndem Schmerz im rechten Oberbauch der auch in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen kann.
Weitere Symptome:

  • Druckschmerz im rechten Oberbauch
  • Allgemeine Krankheitssymptome (Völlegefühl, Blähungen, Erbrechen, Schweißausbrüche, Appetitlosigkeit)
  • Ikterus

Diagnostik

Neben der klinischen Untersuchung gibt es noch verschiedene apparative Untersuchungen zur Diagnostik und Befundsicherung bei Verdacht auf Gallenstein:

Bild:Sonografie Gallenstein.jpg
Sonografie einer Gallenblase mit einem einzelnem, ca. 1,3 cm großem Gallestein
  • Sonografie: Gallensteine und auch Entzündungen der Gallenblase lassen sich sonografisch gut darstellen
  • Röntgenuntersuchungen:
    • Leeraufnahme: Kalziumhaltige Steine sind im Röntgenbild schattengebend. Luft in der Gallenblase spricht für gasbildende Erreger.
    • Kontrastmitteluntersuchung:
      • Orale Cholezystografie
      • Infusionscholezystangiografie ("i.v.-Galle")
  • ERCP(Endoskopisch-retrograde cholangiopankreatikografie)
  • PCT (perkutane transhepatische Cholangiografie)
  • Computertomografie
  • Labordiagnostik (Nachweis von Entzündungen, Differentialdiagnose des Ikterus)

Behandlung

Gallensteine, die keine Symptome verursachen, bedürfen keiner Therapie. Kolikenerfordern Bettruhe, Nahrungskarenz, Schmerzmittel (z.B. Metamizol), Spasmolytikaund bei gleichzeitiger CholezystitisAntibiotika.

Nach Abklingen der akuten Symptomatik stehen mehrere Verfahren zum Entfernen der Gallensteine zur Verfügung:

  • Cholezystektomie: Operation mit Entfernung der Gallenblase, entweder durch laparoskopischeoder (heute selten) konventionelle Chirurgie, bei Steinen in der Gallenblase. Diese stellt die Therapie der Wahl dar, da sie wegen des minimal-invasiven Eingriffs eine sehr niedrige Komplikationsrate aufweist.
  • ERCPmit Steinextraktion und/oder Erweiterung der Papilla duodeni majorim Duodenum(Papillotomie), bei im Gallengang eingeklemmten Steinen.
  • Lyse: medikamentöse Auflösung der Steine mit Ursodeoxycholsäure, oder Chenodeoxycholsäure. Diese ist nur indiziert bei Steinen mit einem Durchmesser <2 cm, die Rezidivratebeträgt nach 5 Jahren ca. 45%. Sie ist deshalb nur Therapie der zweiten Wahl.
  • ESWL (extrakorporale Stosswellen-lithotrypsie): Zertrümmern der Steine mit Stosswellen, die dann in den Darm abgehen. Gute Resultate bringt diese ebenfalls vor allem bei Steinen mit einem Durchmesser <2 cm.

Komplikationen

  • Koliken
  • Gallenblasenhydropsmit Keimbesiedelung und Entzündung
  • Akute Cholezystitis
  • Chronische Cholezystitis
  • Cholangitis
  • Steinperforation - Wanderung eines Steines in das Duodenum, den Magenoder das Kolonmit Gefahr des Gallensteinileus
  • Porzellangallenblase (eine Präkanzerose)

Weblinks

  • http://www.pathologie-online.de/vorlesungen/VL-Galle/index.php
  • http://www.netdoktor.de/krankheiten/fakta/gallensteine.htm
  • SonoAtlas zur Cholecystolithiasis
  • Medinfo.de - gute Weblinks zum Thema Gallensteine
  • Patientenleitlinie GallensteinleidenEvidenzbasierte Patientenleitlinie der Universität Witten/Herdecke



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