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Kandidose

Eine Kandidose ist eine Sammelbezeichnung für Infektionskrankheitendurch Pilzeder GattungCandida, wobei Candida albicansam häufigsten anzutreffen ist, und wird auch als Candidosis, Candidiasis, Candidamycosis, Kandidamykose oder Soor (veraltet auch als Moniliasis) bezeichnet.

Infektiöse Pilzorganismen (Hefepilze/Candida, Dermatophyten, Schimmelpilze) sind in der Regel nicht dazu in der Lage, die Abwehrmechanismen der menschlichen Haut und Schleimhaut sowie der Immunabwehrvöllig zu überwinden. Sie kommen beim Gesunden nur in Form von oberflächlichen Haut- und Schleimhautbesiedlungen vor (vgl. Mykose). Bestimmte Candida-Arten leben auch im Rachen, Speiseröhre, Magen, Dünn- und Dickdarm der meisten Menschen als harmlose Saprophyten; sie sind bei ca. 70 % aller gesunden Probandennachgewiesen worden. Nur bei angeborener oder erworbener Immunschwäche(Krebs, AIDS, Sepsis, Zytostatika usw.) können sowohl diese körpereigenen als auch die überall in unserer Umwelt vorhandenen Pilze auch innere Organe befallen und schwere Erkrankungen auslösen, beispielsweise Lungenentzündungoder Systemmykosen(Infektiondes gesamten Körpers). Candida-Arten sind die häufigsten Erreger solcher schwerwiegenden Pilzerkrankungen. Neben Candida albicans kommen auch Candida tropicalis, Candida parapsilosis, Candida guilliermondi, und Candida glabrata vor.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Erkrankungen durch Candida albicans
  • 2 Diagnose
  • 3 Behandlung
  • 4 Alternativmedizin
    • 4.1 Beschwerden
    • 4.2 Diagnose
    • 4.3 Behandlung
  • 5 Literatur
  • 6 Weblinks
    • 6.1 Schulmedizin
    • 6.2 Alternativmedizin

Erkrankungen durch Candida albicans

Candida albicans hat die Fähigkeit, sowohl in Hefe- als auch in Hyphenformzu wachsen, was ihr die Invasionvon vorgeschädigter Haut ermöglicht. Candida kann auch gewebslösende Enzymewie Proteasenund Phospholipasenausscheiden.

Einfache Candidamykosen sind deshalb alltäglich; sie werden durch verschiedene Faktoren begünstigt: Kontrazeptivaund andere Hormonpräparate, sowie Schwangerschaftenvermindern das saure Scheidenmilieu; Antibiotikaschädigen die konkurrierende Bakterienflora, Glukokortikoideund Zytostatikahemmen das Immunsystem. Kosmetikfehler können den Säureschutzmantelder Haut stören.

Infektionsorte sind die Mundhöhle (genannt Soor oder Stomatitis candidomycetica), die Mundschleimhaut unter Zahnprothesen, die Genitalschleimhaut, Bindehäute, feuchte Hautfalten und Nagelfalze. Auf der Haut erkennt man eine starke Rötung mit Juckreiz. Auf den geröteten Schleimhäuten erscheint ein weisslicher, abwischbarer Belag (?Joghurt?). Zu Vaginalinfektionen s. unter Vaginale Pilzinfektion. Die Infektion der Eichel wird Balanitisgenannt. Oberflächliche Candidainfektionen sind problemlos heilbar.

Organkandidosen und generalisierte Infektionen bei Menschen mit stark geschwächter Abwehrlage können Lungen, Herz, Magen und Darm, Leber, Milz und Zentralnervensystem betreffen. Auf Intensivstationen beträgt die Prävalenzca. 14 % aller Patienten. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen alte Menschen häufiger als junge. Für HIV-Infizierte ist die Erkrankung typisch. Systemische Kandidosen enden in ca. 70 % der Fälle tödlich. Gefürchtet ist die Candida-Sepsis, bei der die Erreger in großer Zahl im Blut zu finden sind.

Diagnose

Die Diagnose einer oberflächlichen Candidiasis wird problemlos mikroskopisch aus dem Abstrich gestellt. Bildgebende Verfahrenwie Magenspiegelung, Ultraschall, Röntgenund CTzeigen das Vorhandensein einer Infektion innerer Organe an. Systemische Infektionen mit Candida sind dann nur aus Blut- Liquor- und Urinkulturen nachzuweisen. Falsch positive und - gerade bei der Sepsis- auch falsch negative Befunde sind leider nicht selten. Die Aussagekraft von Antikörpernachweisenim Venenblut ist umstritten; da Antikörperlange nach einer Infektion erhalten bleiben.

Behandlung

Eine korrekte Diagnose setzt den Nachweis der Pilze im Nativpräparat und eine Anzüchtung in der Kultur voraus. Wird allein der klinische Eindruck herangezogen, so gelangt man zu zweifelhaften Therapieversuchen, die in der Regel unbefriedigend enden.

Zunächst werden disponierende Faktoren soweit möglich beseitigt. Candida der Schleimhäute und Haut spricht gut auf eine örtliche Behandlung mit Antimykotika, desinfizierenden Farbstoffen und speziellen Reinigungsmitteln an. Die Haut wird möglichst trocken gehalten. Für den Organbefall stehen ebenfalls wirksame Medikamente zur Vefügung, welche intravenösverabreicht werden. In wenigen Fällen wurde eine Resistenzgegen bestimmte Antimykotikafestgestellt.

Alternativmedizin

Seit Anfang der 1990er Jahre entstanden zahlreiche Veröffentlichungen alternativmedizinischer Autoren, die eine chronische Darminfektion mit Candida-Arten propagieren, die durch falsche Ernährung entstehen und in der Bevölkerung extrem verbreitet sein soll. Dem liegt ursprünglich eine Publikation von C. Orian Truss (einem Internisten aus Alabama) von 1976 zugrunde (The Missing Diagnosis), sowie mehrere Bücher von William Crook ("The Yeast Connection"). Truss und Crook glaubten, dass in Phasen körperlicher und seelischer Anstrengung das Wachstum der Darmpilze erleichtert werde. Einseitige Ernährung, Streß und Medikamente trügen dazu bei, dass Candida überhand nehme und ein "Candida-Hypersensitivitäts-Syndrom" verursache, an welchem jeder dritte Amerikaner leide. Weiterverbreitete Symptome wie Herzbeschwerden, Atemnot, Blähungen, Heißhungerattacken, chronische Müdigkeit, Depressionen, sowie Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen seien die Folge.

Wissenschaftliche Studien konnten keinen der postulierten Zusammenhänge belegen, sodass Truss' These bereits in den 1980er Jahren von der Fachöffentlichkeit aufgegeben wurde (z.B. American Academy of Allergology and Immunology, 1986). In der Alternativmedizin ist sie dennoch sehr weit verbreitet, insbesondere ein Grundkonzept der alternativen Diätetik.

Beschwerden

Im Vordergrund stehen vor allem Verdauungsbeschwerden, sowie Folgen des dadurch entstehenden Mineral- und Viterminmangels: aufgeblähter Bauch, Durchfall, Blähungen, Hautprobleme ,Schuppenflechte, Neurodermitis, Seborrhoische Dermatitis, Akneaußerhalb der Pubertät, extremes Müdigkeits- und Abgeschlagenheitsgefühl, extremer Heißhunger auf Süßes, schlechte Verträglichkeit von Alkohol, unerklärbare Leber oder Gallenprobleme, Herzrythmusstörungen, Gelenkschmerzen, Vergesslichkeit u.v.a.

Diagnose

Da die o.g. schulmedizinischen Diagnostikmethoden meist nicht zur Verfügung stehen, stützen sich Heilpraktiker und Laienbehandler allein auf die Symptomatik.

Behandlung

Den Patienten wird fast immer eine vollständige Ernährungsumstellung empfohlen. Die "Anti-Pilz-Diät" verzichtet vollständig auf Zucker und Weißmehl sowie auf süßes Obst, um den Hefen die Nahrung zu entziehen. Saures Obst ist in geringen Mengen erlaubt. Hinzu kommt in der Regel ein sogenannter "Darmaufbau" mit Bakterienpräparaten, die unter zahlreichen Handelsnamen wie Symbioflor, Bactisubtil, Mutaflor, Omniflora, Paidoflor auf dem deutschen Markt sind. Diese Präparate sind Nahrungsergänzungsmittel. Medikamente(Antipilzmittel) werden nur gelegentlich eingesetzt; es kommen dann sowohl chemische Medikamente als auch Naturheilmittel zu Einsatz. Die Behandlung dauert in der Regel 4-6 Wochen.

Literatur

  • Eva-Maria Kraske: Candida - natürliche Hilfe bei Darmpilzen
  • Herbert Hof: Candida, Aspergillus und Co: Pathogene Pilze. Pharmazie in unserer Zeit 32(2), S. 96 - 103 (2003), ISSN 0048-3664
  • WE Dismukes, JS Wade, JY Lee, BK Dockery, and JD Hain, A randomized, double-blind trial of nystatin therapy for the candidiasis hypersensitivity syndrome NEJM 323:1717-1723 (Abstract: [1])
  • Lacour M, Zunder T, Huber R, Sander A, Daschner F, Frank U. The pathogenetic significance of intestinal Candida colonization--a systematic review from an interdisciplinary and environmental medical point of view. Int J Hyg Environ Health. 2002 May;205(4):257-68. (Abstract: [2]

Weblinks

Schulmedizin

  • - AWMF-Leitlinien zu Pilzerkrankungen
  • Candidiasis - Patienteninfo von NetDoktor.at

Alternativmedizin

  • http://www.candida-info.de
  • http://www.candida.de
  • Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung
  • Kritische Position der DGE



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