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Leo Kannerwar der Erstbeschreiber des frühkindlichen Autismus. Bereits 1943 diagnostizierte er bei elf Kindern eine ?Autistische Störung des affektiven Kontakts?, welche später unter dem Namen Kanner-Syndrom oder auch als frühkindlicher Autismusbekannt wurde.
Diagnostische Leitlinien oder Merkmale für den frühkindlichen Autismus lassen sich mithilfe der zwei international anerkannten Klassifikationssystemen ICD-10und DSM-IV erkennen. Fasst man die beiden Klassifikationssysteme zusammen, stimmen folgende Kriterien überein:
- qualitative Beeinträchtigungen wechselseitiger sozialer Aktionen,
- qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation,
- eingeschränkte Interessen und stereotype Verhaltensmuster,
- Beginn vor dem dritten Lebensjahr
Zudem wird bei ICD-10 als Merkmal noch ?unspezifische Probleme wie Befürchtungen, Phobien, Schlaf- und Essstörungen, Wutausbrüche, Aggressionen, Selbstverletzungen? aufgeführt.
Prägende Symptome für den frühkindlichen Autismus sind vor allem Abkapselung von den Mitmenschen, d.h. für Autisten ist es nahezu unmöglich eine Beziehung zu Personen aufzubauen. Schon in den ersten Lebensmonaten zeigt sich eine auffällige Entwicklung der Kinder. Oftmals zeigen sie selbst gegenüber ihrer Mutter eine starke Abwehrhaltung. Auch später haben sie starke Probleme sich z.B. in Gruppen zu integrieren und mit anderen Kindern zu spielen. Sie zeigen mehr Freude bei Beschäftigung mit Gegenständen, als im persönlichen Kontakt zu anderen Kindern. Dadurch bleiben sie meist ?allein? ohne Freundschaften, in sich zurückgezogen.
Ein weiteres Symptom ist die Veränderungsangst. Sie tritt immer dann auf, wenn etwas nicht nach dem geregelten Tagesablauf auftritt, wenn sich etwas verändert und sie darauf mit Angst- und Panikzuständen reagieren.
Außerdem haben frühkindliche Autisten meist starke Sprachauffälligkeiten. Ungefähr die Hälfte leidet unter einer zurückgebliebenen Sprachentwicklung. Erst sehr spät begreifen sie die eigene Person als ?ich? zu bezeichnen. Meist sprechen sie über sich in der dritten Person. Auch kommen sie spät oder gar nicht ins Fragealter oder stellen stereotyp immer die gleichen Fragen, auf die sie bereits eine Antwort wissen. Des Öfteren erfinden Autisten Wörter, die für sie eine spezielle Bedeutung haben und stets ist die Sprache mit grammatischen Fehlern versehrt. Häufig können die Kinder mit Kanner-Autismus die gelernte Sprache nicht kommunikativ nutzen. Wenn sie sprechen betonen sie meist falsch, es kommt zu abgehackten Sprechrhythmen.
Andere Symptome, die allgemein auf alle Autistentypen zutreffen, wie Zwangserscheinungen oder Aggressionen, können ebenso bei Kindern mit frühkindlichen Autismus auftreten.
Manche Mütter berichten auch, dass bereits während der Schwangerschaft Schwierigkeiten auftraten oder dass es zu Geburtskomplikationen kam. Bei zahlreichen Kindern mit Kanner-Syndrom kommt es im Laufe der Entwicklung zu einer Symptomverlagerung, d.h. einige Symptome wie Veränderungsängste, Geräuschempfindlichkeit oder verschiedene Zwänge gehen zurück.
Im Alter von vier bis 15 Jahren haben von 10.000 Kindern ungefähr vier bis fünf das Kanner?Syndrom. Das Verhältnis von Jungen zu Mädchen beträgt ca. 3:1. Insgesamt dürften in der Bundesrepublik von rund 80 Millionen Einwohnern etwa 40.000 autistisch sein. Davon etwa 5.000 bis 6.000 in der Altersgruppe von vier bis 15 Jahren, etwa 3.000 bis 4.000 zwischen 14 und 21 Jahre und etwa 30.000 bis 35.000 über 21 Jahre.
Da Autismus auf einem genetischen Defekt beruht, an dem jedoch mehrere Gene beteiligt sind, ist die Suche nach der eigentlichen Ursache sehr schwer. Man kann davon ausgehen, dass viel Dinge wie Erbeinflüsse, Hirnschädigungen und Hirnfunktionsstörungen, Störungen kognitiver Prozesse und Sprachentwicklung, biochemische Besonderheiten und Störung der emotionalen Entwicklung miteinander in Wechselwirkung stehen, das eine das andere beeinflusst oder das eine aus dem anderen resultiert.
Es ist also nach wie vor ungeklärt, wodurch Autismus wirklich verursacht wird. Festzuhalten wäre jedoch, dass vor allem für Familienangehörige die Ursachenfindung von großer Bedeutung wäre, um einmal dem Kind bessere Hilfestellungen geben zu können (stärker strukturierte Behandlungsmaßnahmen) und der Vorstellung einer eventuellen Mitschuld an der Behinderung für sich aber auch für die Gesellschaft endgültig ein Ende zu setzen. Natürlich kommt der Gedanke einer möglichen Prävention für die Nachkommen ebenso mit ins Spiel.
Literatur
SCHOR, B.J./SCHWEIGGERT, A.: Autismus ein häufig verkanntes Problem?, Donauwörth, 1999
DZIKOWSKI, S.: Ursachen des Autismus, 2. Auflage, Weinheim, 1996
REMSCHMIDT, H.: Autismus-Erscheinungsformen, Ursachen, Hilfen, München, 2000
Siehe auch
Liste der Syndrome
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