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Bei Laktoseintoleranz (auch als Milchzuckerunverträglichkeit,
Kohlenhydratmalabsorption, Laktosemalabsorption, Laktasemangelsyndrom oder Alaktasie bezeichnet) wird der mit der Nahrung aufgenommene Milchzucker(Laktose), als Folge von fehlender oder verminderter Produktion des VerdauungsenzymsLaktase, nicht richtig verdaut. Das EnzymLaktasewird von allen Säugetierenwährend der Stillzeit gebildet, es spaltet den Milchzucker in die für den Menschen verwertbaren Zuckerarten Galaktoseund Glukose. Gelangt ungespaltener Milchzucker in den Dickdarm, wird er von Darmbakterien aufgenommen und vergoren. Die Gärungsprodukte führen u. a. zu Blähungen und osmotischer Diarrhoe(Durchfall). Das Fehlen des Enzyms geht allerdings nicht immer mit diesen Symptomen einher. In diesem Fall spricht man von Hypolaktasieoder genauer von Laktosemaldigestion(Laktose-Fehlverdauung), Abbauprodukte der Bakterienverursachen dann andere Symptome.
Die Laktoseintoleranz als Enzymmangel darf nicht mit der selteneren Milchallergieverwechselt werden, bei der es sich um eine aktive Immunreaktionaufgrund einer echten Allergiegegen Kuhmilcheiweißhandelt.
Da in Westeuropa, Australien und Nordamerika die Zahl der Menschen mit Laktoseintoleranz sehr gering ist, wird sie dort oft fälschlicherweise als Krankheit angesehen. Ähnliche Symptome bei Aufnahme von Fruchtzucker (Fruktose) zeigt die Fruktosemalabsorption. Eine Reihe von Patienten mit Symptomen des Reizdarmsyndromsleidet, ohne es zu wissen, unter Kohlenhydratmalabsorption.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Ursachen
- 2 Auswirkungen, Symptome
- 3 Möglichkeiten zur Feststellung
- 4 Behandlung
- 5 Literatur
- 6 Weblinks
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Ursachen
Laktasemangel kann verschiedene Ursachen haben:
- Angeborener Laktasemangel: Aufgrund eines Gendefektesist die Laktasebildung stark eingeschränkt, oder es kann überhaupt kein Enzym gebildet werden (so genannte Alaktasie). Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv. Da dadurch die Wachstums- und Entwicklungsphase nach der Geburt stark beeinträchtigt wird, kann diese Erkrankung unbehandelt zu schwersten Gehirnschäden führen ([1]).
- Erkrankungen des Verdauungssystemskönnen die laktaseproduzierenden Zellen so schädigen, dass vorübergehend die Laktaseproduktion beeinträchtigt ist; in seltenen Fällen kommt es zu einer lebenslangen Laktoseintoleranz.
- Physiologischer (natürlicher) Laktasemangel: Bei allen Säuglingen wird dieses Verdauungsenzym normalerweise in ausreichender Menge produziert. Nach der Entwöhnung verringert sich die erzeugte Laktasemenge jedoch je nach Weltregion unterschiedlich: Während z. B. ein Großteil der erwachsenen asiatischenBevölkerung keine Milchproduktemehr verträgt, bereitet in nördlichen Bereichen (bei den meisten Bewohnern Europas und des nahen Ostens oder Menschen europäischer/nahöstlicher Abstammung) die Milchzuckeraufnahme meistens bis ins hohe Alter keine Probleme. Grund für das Fortbestehen der Enzymproduktion im Erwachsenenalter ist eine autosomal-dominantvererbte Mutationdes LCT-Allelsauf dem Chromosom2.
Auswirkungen, Symptome
Bei Laktoseintoleranz gelangen nach dem Konsum von Milchund Milchprodukten größere Mengen Milchzucker, die eigentlich im Dünndarmverarbeitet werden sollten, in den Dickdarmund werden dort von der Darmfloraals Nährstoff fermentiert. In der Folge kommt es vorallem zu charakteristisch stinkenden Darm-Winden und Blähungen, Bauchdrücken bis -krämpfen und manchmal auch zu Durchfällen. Symptome gehen parallel zur Menge konsumierter Laktose.
Bei angeborener absoluter Laktose-Intoleranz sind die Symptome bedeutend schwerer als bei der 'natürlichen' mit dem Alter zunehmenden Form.
Andauernde schwere Durchfälle bedeuten eine Reizung der Darmschleimhaut und können allenfalls zu einer Störung der Aufnahme von Vitaminen, Mineralstoffenund Spurenelementenführen ev. sogar zu vermehrten Infektionen.
Möglichkeiten zur Feststellung
Für die Diagnose der Laktosintoleranz gibt es zwei leicht durchführbare Möglichkeiten:
- Diättest: Eine mehrtägige konsequente Diät ohne Laktose dh. vorallem ohne Milch, Rahm und versteckter Laktose. Treten in dieser Zeit keine Symptome mehr auf, ist eine Laktoseintoleranz wahrscheinlicher. Einen Expositionstest wird dann Klarheit schaffen. Achtung: Viele Fertigprodukte enthalten Milchzucker oder Milchbestandteile.
- Expositionstest: Am besten nach einigen Tagen Laktose-Verzicht wird ein Glas Wasser mit 50-100 gr gelöstem Milchzucker (gibt es in Drogerien, Reformhäusern und Apotheken) getrunken. Treten danach innerhalb von einigen Stunden die typischen Symptome auf, besteht eine Laktoseintoleranz.
Häufig ist die Diagnose nicht eindeutig, weil nur eine unvollständige Intoleranz besteht. Diese nimmt bei der häufigeren Form im Verlauf des Lebens zu, nicht bei der angeborener Mutation für das Enzym.
Folgende Teste sind in Anbetracht der oben beschrieben Möglichkeiten nur selten verhältnismässig:
- H2-Atem-Test: Es wird ein Glas mit Laktoselösung getrunken. Die nachfolgende Labormessung des Wasserstoffgehalts der Atemluft (Laktose-Atemtest) zeigt dann, ob der Milchzucker verarbeitet wurde. Allerdings führt dieser Test bei jedem 5. Laktoseintoleranten zu einem negativen Ergebnis: Diese Patienten haben in der Darmflora bestimmte (harmlose) Bakterien, die Methanerzeugen, das den entstehenden Wasserstoff neutralisiert.
- Blutzucker-Test: Unter ärztlicher Aufsicht wird ein Glas mit Laktoselösung getrunken. Die nachfolgende Labormessung des Blutzuckerspiegels zeigt an, ob der Milchzucker in Glukose und Galaktose gespalten wird, was den Blutzuckerspiegel erhöht.
- Gentest: Seit kurzem kann bei Verdacht auf Laktoseintoleranz ein Gentestauf den LCT-Genotypdurchgeführt werden. Als Untersuchungsmaterial genügt ein Wangenschleimhautabstrich.
- Biopsie: In sehr seltenen Fällen muss eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm entnommen und untersucht werden.
Behandlung
Physiologischer (natürlicher) Laktasemangel und der angeborene Laktasemangel ist nicht behandelbar. Die Auswirkungen können jedoch z.B. durch Umstellung der Ernährungauf milchzuckerarme bzw. -freie Kost auf ein Minimum reduziert werden (hier muss allerdings einem möglichen Kalziummangelvorgebeugt werden). Dazu existieren im Fachhandel zahlreiche Ratgeber, Lebensmittellisten und Kochbücher. Eine andere, nicht befriedigend wirksame und sehr teure Möglichkeit ist die Laktasezufuhr von außen in Kautabletten- oder Kapsel-Pulver-Form durch entsprechende pharmazeutische Produkte. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass das Produkt bereits im Magen wirksam ist.
Auch gibt es bereits immer mehr laktosefreie Milchprodukte auf dem Markt, unter anderem Milch, unnötigerweise auch Käse, Joghurt, Quark und mehr. Leider ist dafür zu beachten, dass Laktose in vielen Produkten enthalten ist, wie Broten, Getreideriegel, Fertiggerichten, Würzmischungen, Wurstwaren, mariniertem Fleisch, Teigen, Bonbons. Fermentierte Nahrungsmittel wie Joghurt, Käse, Quark enthalten auch Laktase und kaum mehr Laktose; genügend (Vorallem Natur-)Joghurt zu kleinen Laktosemengen kann deshalb sogar so helfen, kleine 'Notsituationen' zu überbrücken, z.B. wenn man bei einer Einladung die milchhaltige Speise nicht ablehnen will.
Ab dem 25. November 2005 gelten (wo?) neue Vorschriften zur Kennzeichnung allergieauslösender Lebensmittelbestandteile. Die Kennzeichnungspflicht umfasst dann auch Milch und Milcherzeugnisse einschließlich der Laktose. Derzeit wird die Laktose mit anderen Zuckerarten noch häufig im Inhaltsstoff ?Zuckerstoffe? zusammengefasst.
Außerdem ist zu beachten, dass viele Medikamente etwas Laktose enthalten.
Wird Laktoseintoleranz durch Erkrankungen des Verdauungssystems verursacht, so verschwindet der Laktasemangel nach der Behandlung der vorangegangen Krankheit ganz. In seltenen Fällen sind die laktaseproduzierenden Zellen so geschädigt, dass sie sich nicht mehr erholen.
Auch von psychosomatischbedingten ?Milchzuckerunverträglichkeiten?, (wahrscheinlich eher "Milchunverträglichkeit") wurde schon berichtet, die mit einer entsprechenden Therapie wieder verschwanden.
Literatur
- Gesellschaft für Ernährungsmedizin & Diätetik e.V.: Patientenbroschüre "Wenn Milch krank macht..." (kostenlos)
- Beate Schmitt: Ohne Milch und ohne Ei, ISBN 3895661791
- Simone Maus und Britta-Marei Lanzenberger: Gesund essen bei Laktoseintoleranz, ISBN 3774266492
- Anna Maria Jasperneite: Ein Leben mit Laktose-Intoleranz, ISBN 3-00-010219-1
- Praktische Milchzucker-Tabelle
Weblinks
- Portal rund um Laktoseintoleranz sowie Rezepte
- Informationen zur Laktoseintoleranz, Rezepte, Expertentipps und Forum
- Laktose- und Fructoseintoleranz: Aufruhr im Darm
- Erfahrungsaustausch, Infos & Fakten zur Laktoseintoleranz: Libase
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