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Nierensand

Nierensteine oder Nephrolithen (v. griech.?????? ?Niere? und ????? ?Stein?) sind Ablagerungen (Harnsteine) in den Nierengängen oder ableitenden Harnwegen. Letztere werden als Ureter- und Blasensteine bezeichnet. Andere Namen sind Nierenkonkrement oder Calculus renalis.

Der medizinische Fachausdruck für die Nierensteinkrankheit ist Nephrolithiasis oder Urolithiasis.

Nierensteine können sich im Nierenbeckenbilden, es kann aber auch zu einer Auskristallisation im Nierengewebe kommen, z. B. bei der Uratniere.

Durch Nierensteine kann die Funktion der Niere beeinträchtigt werden und es kann zu einer Nieren-Dysfunktionkommen, z. B. durch Rückstaudes Harnsin die Nierenkanäle.

Bild:MBq Harnleiterstein.jpg
Stein im rechten Harnleiter (Pfeil), mit Harnaufstau. Computertomografie mit Kontrastmittel

Am häufigsten bestehen Nierensteine aus Calcium-Oxalat. Die Bildung von Nierensteinen kann durch erhöhte Oxalsäure-Werte begünstigt werden, die in einigen Nahrungsmittelnwie Rhabarberoder Roter Beteenthalten ist. Die Möglichkeit zur Bildung von Calcium-Oxalat kann durch Aufnahme von Fruchtsäuren(Ascorbinsäure) verringert werden.

Nierensteine entstehen vor allem in Zeiten mit vermehrtem Flüssigkeitsbedarf, wie im Sommer.


Inhaltsverzeichnis

  • 1 Häufigkeit
  • 2 Einteilung
  • 3 Ursachen
  • 4 Untersuchungsmethoden bei Verdacht auf Nierensteine
  • 5 Medizinische Bedeutung
  • 6 Entfernung von Nierensteinen
    • 6.1 Perkutane Nephrolitholapaxie (PNL)
    • 6.2 Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL)
  • 7 Literatur
  • 8 Weblinks

Häufigkeit

Die Prävalenzvon Nierensteinen beträgt ca. 5%. Das Verhältnis von betroffenen Männern zu Frauen beträgt dabei 7 zu 5. Am häufigsten tritt die Erkrankung zwischen dem 30. und dem 50. Lebensjahr auf. In den Industriestaaten leben ca. 20% der Männer und ca. 7% der Frauen mit einem erhöhten Steinrisiko. Ist bereits ein Nierenstein aufgetreten, so beträgt das Risiko eines Rezidivsca. 60%.

Einteilung

Am gebräuchlichsten ist die Einteilung der Nierensteine nach ihrer äußeren Form oder ihrer chemischenZusammensetzung:

  • Klassifikation nach Form:
    • Ventilsteine
    • Hirschgeweihsteine
    • Korallensteine
    • Ausgusssteine
  • Klassifikation nach chemischer Zusammensetzung:
    • Kalziumoxalatsteine (ca. 65 %)
    • Uratsteine (Harnsäuresteine, ca. 15 %)
    • Magnesiumammoniumphosphatsteine (Struvitsteine, ca. 11 %) treten vor allem im Zusammenhang mit Infektionen auf und werden daher auch als Infektsteine bezeichnet.
    • Kalziumphosphatsteine (ca. 9 %)
    • Cystinsteine (ca. 1 %)
    • Xanthinsteine (ca. 1 %)
Auch Mischformen sind möglich.

Ursachen

Die Entstehung von Nephrolithen ist komplex und von vielen Faktoren abhängig, die je nach Zusammensetzung des Konkrementsvariieren und noch nicht in allen Einzelheiten geklärt sind.

Auf molekularerEbene kommt es zu einer Erhöhung der Konzentrationvon schwerlöslichen Ionenoder anderen Harnbestandteilen bis zur Überschreitung des sogenannten Löslichkeitsprodukts. Dadurch beginnen diese Substanzen (Salze) auszufallen und Konglomeratezu bilden, die je nach Größe die ableitenden Harnwegenicht mehr passieren können und sich ablagern.

Die Erhöhung dieser Harnbestandteile kann durch eine Vielzahl von Begleitumständen bedingt sein. Neben Exsikkoseund Flüssigkeitsmangel kommen hier vor allem Erkrankungen in Frage, die eine erhöhte Harnkonzentration von Metabolitenoder Ionenbedingen, unter anderem Hyperparathyreoidismus, Hyperoxalurien, Hyperurikämien(vermehrte Harnsäure, Gicht) oder bestimmte Infektionserkrankungen. Auch eine reichliche Zufuhr von Purinüber die Nahrung kann erhöhte Harnsäurespiegel zur Folge haben.

Untersuchungsmethoden bei Verdacht auf Nierensteine

  • Ultraschall, wobei kleinere Steine dabei leicht übersehen werden können
  • Röntgen-Kontrastdarstellung der Niere und ableitenden Harnwege (sog. i. v.-Pyelogramm) (nicht geeignet zur Darstellung von Urat- und Xanthinsteinen)
  • Untersuchung des Urins (z. B. auf Spuren von Blut = Hämaturie)
  • Retrograde Darstellung der Harnwege
  • EndoskopischeVerfahren
  • CT
  • NMR

Am häufigsten werden die Ultraschalluntersuchung, die Urinuntersuchung und das i. v.-Pyelogramm durchgeführt.

Medizinische Bedeutung

Nierensteine können recht groß werden und müssen dann operativ entfernt werden.

Bei dem Versuch des Körpers die Nierensteine auszuscheiden, treten oft Nierenkolikenauf (Ausnahme: Struvitsteine). Die Steine werden als Fremdkörper durch Muskelkontraktionen der ableitenden Harnwege in Richtung Blasegeschoben. Dabei müssen sie durch drei Engstellen. Die dabei entstehenden verstärkten Muskelkontraktionen rufen Schmerzen hervor, die als Koliken (Nierenkoliken) bezeichnet werden.

Entfernung von Nierensteinen

Vor der operativen Entfernung (besonders von Nierenbeckensteinen) wird versucht, die Steine durch vermehrten Urinauszuspülen. Dies wird durch erhöhte Flüssigkeitsaufnahme und Medikamenteerreicht, die den Harndrang und die Harnproduktion steigern. Reine Urat- und Cystinsteine können oft mittels alkalisierender Medikamente aufgelöst werden (Urolitholyse). Eine weitere Methode stellt die Schlingenextraktion dar, bei der ein Kathetermit einer Schlinge (Zeißsche Schlinge) über die Harnröhrein den Harnleitereingeführt wird. Meist verfängt sich der Stein in der Schlinge und durch ein Gewicht wird versucht, ihn schneller aus den Harnwegen zu entfernen.

Perkutane Nephrolitholapaxie (PNL)

Diese Methode kommt vor allem bei größeren Steinen, die ausgeprägte Harnstauungen verursachen, zum Einsatz. Dabei wird durch einen kleinen Hautschnitt ein Endoskop eingeführt, über das anschließend die Zertrümmerung des Steins mit Stoßwellen stattfindet.

Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL)

Die Lithotripsie (v. griech.????? ?Stein? und ??????? ?reiben?) oder ESWL ist die Zertrümmerung der Harnsteine durch Schallwellen. Hierbei kann meist auf einen stationären Eingriff verzichtet werden. Bei diesem Verfahren wird versucht, mit Hilfe von gebündelten Schallwellen, die auf die betroffene Stelle gerichtet werden, den Fremdkörper ohne einen percutanenSchnitt soweit zu zerkleinern, dass er entweder auf natürliche oder operative Weise entfernt werden kann.

Die Behandlungsmethode wurde 1980 erstmals von Ärzten des Universitätsklinikums Großhadern (München, Deutschland) und Ingenieuren und Technikern der Firma Dornier Systems (Friedrichshafen, Deutschland) erfolgreich durchgeführt. Das verwendete Gerät HM2 (?Human Modell 2?) bestand aus einer Badewanne, in deren Boden ein Stoßwellengenerator eingelassen war. Der Patient wurde an einer speziellen Liege unter Vollnarkose in die Wanne gebracht. Zur Ortung des Steins dienten zwei Röntgengeräte, deren Zentralstrahlen sich im Fokus des Stosswellengenerators kreuzten und dadurch die präzise dreidimensionale Positionierung des Steins erlaubten. Das Nachfolgemodell der ?Dornier-Badewanne?, der Lithotripter HM3, wurde ab 1983 weltweit vertrieben. Einige dieser Geräte sind bis heute in Betrieb. Neuere technische Entwicklungen führten zur Aufgabe der Badewanne zugunsten einer wassergefüllten Kunststoffblase (Koppelbalg). Etablierte Methoden zur Stoßwellenerzeugung sind elektrohydraulische (Funkenstrecke), elektromagnetische und piezoelektrische Generatoren. Heute sind weltweit mehr als 3000 Geräte (Lithotripter) im Einsatz, etwa 90 % aller Nierensteine werden in den Industrieländern auf diese schonende Art zertrümmert.

Literatur

  • Hesse, Albrecht; Bach, Dietmar: "Harnsteine - Pathobiochemie und klinisch-chemische Diagnostik"
    • (Klinische Chemie in Einzeldarstellungen, Band 5) Stuttgart: Thieme, 1982
  • Hesse, Albrecht; Joost, Jörg: "Ratgeber für Harnsteinpatienten" Stuttgart: Hippokrates, 1985/1992
  • Stark, Roger; Hesse, Albrecht: "Harnstein-Nachsorge in der urologischen Praxis" Monheim: Hoyer-Madaus, 2000

Weblinks

  • www.gesundheit.de/roche/- Nephrolithiasis
  • www.onmeda.de- Nierensteine
  • www.aerzteblatt.de- Epidemiologie, instrumentelle Therapie und Metaphylaxe des Harnsteinleidens



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