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Obdachloser

Bild:Obdachloser.jpg
Obdachloser auf einer Parkbank

Obdachlosigkeit (Wohnungslosigkeit) wird definiert als Zustand, in dem Menschen über keinen festen Wohnsitz verfügen und im öffentlichen Raum, im Freien oder in Notunterkünftenübernachten. Der veraltete Begriff "Obdach" bedeutet Unterkunft oder Wohnung, wurde aber meist im Sinne von behördlich bereitgestellter Unterkunft verwendet. Das Wort "Obdachlos" oder "Obdachlose/r" soll aber vermieden werden und durch "wohnungslos oder "Wohnungslose/r" ersetzt werden, da dies weniger negativ behaftet ist. Außerdem wurde das Wort "Obdachloser" überwiegend durch das NS-Regime geprägt.

In Entwicklungsländernsind häufig Opfer von Naturkatastrophenwie z.B. Erdbebenzumindest für einige Zeit obdachlos. Die Mehrzahl der Obdachlosen in den Industriestaatensind Männer, unter den alleinstehenden Obdachlosen machen sie ca. 80-85% aus. Sie sind in Deutschland meist zwischen 20 und 50 Jahre alt. Ein Fünftel der Wohnungslosen sind ehemalige Strafgefangene, die nach der Haftentlassung nicht in geordnete Verhältnisse zurückgefunden haben.

Langzeitobdachlose sind heute in den meisten Großstädten präsent. Abfällig werden sie auch mit Bezeichnungen wie Landstreicher, Stadtstreicher, Penner oder Sandler (Österreich) tituliert.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Ursachen und Auswirkungen
  • 2 Folgen von Obdachlosigkeit
  • 3 Maßnahmen gegen Obdachlosigkeit
  • 4 Beispielhafte Statistik für Nordrhein-Westfalen
    • 4.1 Entwicklung in Nordrhein-Westfalen
    • 4.2 Momentane Entwicklung
  • 5 Situation in der DDR
  • 6 Verwandte Themen
  • 7 Literatur
  • 8 Weblinks

Ursachen und Auswirkungen

Der Rückgang des sozialen Wohnungsbaus, steigende Mietpreise und Mangel an preiswertem Wohnraum führten dazu, dass seit Ende der 1980erJahre immer mehr Haushalte in Mietrückstand gerieten. Räumungsklagenwegen Mietschuldensind der häufigste Anlass für Wohnungslosigkeit. Weitere Anlässe können sein: Unzumutbarkeit oder vertragswidriger Gebrauch der Wohnung, Entlassung aus Gefängnissen, Heimenund Anstalten, unvorhergesehene Notlagen (wie Brand- oder Wasserschäden), familiäre Zerwürfnisse.


Häufig treten folgende Ursachen für Obdachlosigkeit auf:

  • Mietschuldenund Zwangsräumungenmit zunehmender Tendenz
  • Scheidungvom Ehepartner oder Trennung vom Partner (meist von der Ehefrau)
Dieser starke Einschnitt in das Leben eines Menschen kann dazu führen, dass er keinen Halt mehr in der Gesellschaftfindet, was zu immer tieferem Abrutschen in der Gesellschaft führen kann. Häufig entsteht Obdachlosigkeit auch nach Trennung von einem gewalttätigenPartner.
  • Arbeitslosigkeitund Krankheit
  • Suchtverhaltenwie Alkohol- oder Drogenabhängigkeit
  • Fehlende Resozialisierungnach Gefängnisaufenthalt
Nach einem Gefängnisaufenthalt schaffen einige Menschen den Einstieg in ein bürgerliches Leben nicht mehr, da sie keinen Halt mehr in der Gesellschaft haben und sich eventuell frühere Freunde oder auch Familienmitglieder von ihnen abgewandt haben.
  • psychische Störungen

Diese Ursachen können einzeln auftreten, häufiger jedoch sind mehrere miteinander verknüpft.


Zur aktuellen Botschaft der Medien gehört, dass die "Straßenkinder" nicht nur 'immer zahlreicher', sondern auch 'immer jünger' würden. Die Großstadtjugendämterbesagen allerdings das Gegenteil. Die Zahl der obdachlosen Kinder wird als eher klein eingeschätzt.

Häufige Ursachen von Obdachlosigkeit bei Kindern und Jugendlichen:

  • materielle Not und Obdachlosigkeit der gesamten Familie
  • Flucht vor Gewaltund/oder Missbrauchim Elternhaus
  • zu enge Wohnverhältnisse im Elternhaus
  • Flucht vor ständigen Konflikten mit anderen Familienmitgliedern
  • Entweichung aus Heimen

Folgen von Obdachlosigkeit

Die Folgen von Obdachlosigkeit sind vielfältig. Sie betreffen sowohl Leib und Leben als auch den Charakter des Obdachlosen. Am sichtbarsten ist wohl die Verwahrlosungund Verelendung. Die Folgen der Obdachlosigkeit in Einzelnen sind zum Beispiel:

  • Krankheiten wie zum Beispiel Erkältungen, Grippe, AIDS, Hautekzeme, Eiterherdeund Abszesseam ganzen Körper, innere und äußere Verletzungen(zum Beispiel Schürfwundenund Quetschungen), Geschwüreder inneren Organe, Allergien, Pilzinfektionen, Frostbeulen und Erfrierungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Krankheiten, Schäden der Wirbelsäuleund Krankheiten der Atemwege, Krankheiten durch Fehl- und Unterernährung, Leberschädendurch ständigen Alkoholkonsum, verschiedene Krebsartendurch Rauchen, Abwehrschwächeund schlechtes Blutbild
  • Fehlende medizinische Betreuung, ungenügende ärztliche Untersuchungen, keine oder minderwertige Medikamente
  • Unzureichende Hygiene, Unsauberkeit, mangelnde Waschgelegenheiten, schmutzige Kleidung, Gestank
  • Exposition gegenüber der Witterungwie zum Beispiel Hitze, Kälte, Regenund Schnee, mangelnde körperliche Erholung
  • Unzureichende Ernährung, Verzehr verdorbener Nahrungsmittel, Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen, Auszehrung
  • Gewalttätige und sexuelle Übergriffe wie zum Beispiel Vergewaltigungen, Diebstahl, Raub, vereinzelt auch körperliche Gewalt bis zum Totschlagund Mord
  • Veränderungen und Schädigungen des Charaktersdurch das "Leben auf der Straße" wie zum Beispiel "gelockerte Sitten" und Mangel an Disziplin, Diskriminierungdurch die übrige Bevölkerung, Vereinsamung, Verzweiflung, Widerstandder Obdachlosen gegen die übrige Bevölkerung, psychische Krankheitenwie beispielsweise Psychosen, Schizophrenieund Depressionensowie Abhängigkeitvon Drogen
  • Suchtverhalten und Abhängigkeit von Drogen sowie Delinquenzsind möglich, zum Beispiel "Beschaffungskriminalität", Raub und Mundraub


Sozialpsychologen gehen davon aus, dass sich bereits nach einem halben Jahr "auf der Straße" der Charakter des Obdachlosen nachhaltig verändert, was die Resozialisierungerschwert. Es besteht die Gefahr eines Teufelskreisesaus Diskriminierung durch die übrige Bevölkerung, Verzweiflung und Widerstand der Obdachlosen gegen die "Etablierten".

Maßnahmen gegen Obdachlosigkeit

Wichtigstes Mittel des Staates gegen die Obdachlosigkeit sind finanzielle Hilfen; in der Bundesrepublik Deutschlandin erster Linie durch Sozialhilfe(Übernahme von Unterkunftskosten, teilweise auch von Mietschulden) und Wohngeld. Neben den finanziellen Hilfen, haben Städte und Gemeinden die Pflicht, sich obdachlos meldende Personen unterzubringen §§ 1, 14 und 17 des Gesetzes über Aufbau und Befugnisse der Ordnungsbehör-den ? Ordnungsbehördengesetz (OBG). Vor allem in den großen Städten gibt es ein Netz verschiedener Hilfen. Hierzu gehören Not- und Übergangsunterkünfte (z. B. Kirchenkaten) sowie Tagesaufenthaltsstätten zur materiellen Grundversorgung und ärztlich-pflegerische Ambulanzen zur medizinischen Versorgung. Beratungsstellen unterstützen Betroffene bei der Suche von Wohnung und Arbeit; häufig ist auch eine Beratung bezüglich Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, Haushaltsführung, Umgang mit Geldund Schuldenregulierungerforderlich. Beratungsstellen arbeiten oft auch aufsuchend als Straßensozialarbeit (Streetwork), um Betroffene vor Ort zu kontaktieren und Schwellenängste gegenüber der Hilfe abzubauen.

Präventiv wirken alle Maßnahmen im Bereich der Suchtprävention, der Jugendarbeitund der Resozialisierungvon Straftäternmittelbar auch zur Verhinderung der Entstehung von Obdachlosigkeit.

In einigen Städten und Gemeinden sind sogenannte Fachstelleneingerichtet worden, in denen die Leistungen und Kompetenzen zur Verhinderung von Obdachlosigkeit und zu derem Abbaus eingerichtet sind.

In Düsseldorf unterstützt die Galerie fiftyfiftyzusammen mit Franzikanerbrüdern Obdachlose.

Beispielhafte Statistik für Nordrhein-Westfalen

In Deutschland gibt es insgesamt etwa 860.000 Obdachlose. Allerdings sind diese Zahlen in keiner Bundesstatistikerfasst (lediglich Nordrhein-Westfalenführt seit den 60er Jahreneine Obdachlosenstatistik). Bundesweit gibt es eher Schätzungen, die von Wohlfahrtsverbändenaufgestellt wurden. Nach Schätzungen gibt es derzeit etwa 19500 Betroffene in Nordrhein-Westfalen, davon rund 6500 Einpersonenhaushalte, die z. T. in Ersatzwohnungen, überwiegend aber ohne eigene Wohnunterkunft in Sozialeinrichtungen (Gemeinschafts- und Notunterkünfte, Frauenhäuseretc.), bei Freunden und Bekannten oder auch ganz ohne Unterkunft leben, und rund 4500 Mehrpersonenhaushalte, die in der Mehrzahl als Nutzungsberechtigte in bereitgestelltem Ersatzwohnraum leben. Die jeweiligen Zahlen variieren stark : Laut Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfelebten 2005 rund 345.000 Wohnungslosein Deutschland. Davon seien 144.000 Alleinstehende, 148.000 hätten Partner oder Kinder. 53.000 seien deutschstämmigeAussiedler, die in ÜbergangsquartierenZuflucht gefunden haben.

Entwicklung in Nordrhein-Westfalen

Die Zahl der statistisch erfassten Obdachlosen in Nordrhein-Westfalen hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass der Um- und Abbau der sozialen Sicherungssystemedazu führen kann, dass viele Betroffenen nicht mehr erfasst werden. (siehe z.B. hier)

  • 1980: ca. 65000 Betroffene registriert
  • 1990: ca. 50000 Betroffene registriert
  • 2000: ca. 77000 Betroffene registriert

Momentane Entwicklung

Die Zahl der ordnungsbehördlich untergebrachten Personen ist um zehn Prozent geringer als Mitte 2002. Der verstärkte Einsatz vorbeugender Maßnahmen der Städte und Gemeinden hat in den letzten acht Jahren einen kontinuierlichen Rückgang der Zahl der Obdachlosen bewirkt.

Bei der Interpretationder Zahlen ist zu beachten, dass es sich bei den statistisch erfassten Obdachlosen nur um Personen handelt, mit deren Unterbringung die kommunalen Ordnungsbehörden befasst waren (Nichtsesshafte sowie aufgrund sozialhilferechtlicher Maßnahmen mit Wohnraum versorgte Haushalte sind nicht berücksichtigt). Tatsächlich ist die Dunkelziffervermutlich höher. Dies ist insbesondere bei alleinstehenden Frauen der Fall.

Durch die Umsetzung der Hartz IV-Gesetze wird mit einem Anstieg der Obdachlosenzahlen gerechnet. Der Grund hierfür liegt darin, dass mit dem Eintritt in das Arbeitslosengeld II die sozialhilferechtlichen Bestimmungen hinsichtlich der Größe und der Miete für Wohnraum bei den Betroffenen greifen.

Bei einem allgemeinen Rückgang der Obdachlosigkeit ist der Anteil junger und weiblicher Wohnungsloser, die häufig vor Misshandlungen und Übergriffen flüchten, stark gewachsen. Lag der Anteil der Frauen Mitte der 90erJahre noch bei rund 15 Prozent, so wird er inzwischen auf 23 Prozent geschätzt.

Situation in der DDR

In der DDRgab es nur geringe und verborgene Obdachlosigkeit, offiziell gab es keine. Das lag daran, dass dort sogenannte Asozialitätgemäß § 249 StGB-DDRwegen Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit strafbar war und die Mietensubventioniertwurden. Die Obdachlosigkeit in der BRDkonnte somit intensiv propagandistischausgeschlachtet werden. Dass es im ?kapitalistischenAusland? (also auch in der Bundesrepublik Deutschland) Menschen gibt, die in Pappkartons und unter Brücken schlafen müssen, wurde den Kindern schon früh in der Schule beigebracht.

Verwandte Themen

  • Wohnungsnot
  • Wohnungsnotfall
  • Notunterkunft
  • Sozialversicherung, Sozialhilfe
  • Obdachlosenzeitungen
  • Fiftyfifty
  • Elend
  • Armut
  • Hunger, Hungersnot, Unterernährung, Marasmus
  • Diskriminierung, soziale Isolation
  • Verwahrlosung
  • Arbeiterkolonie

Literatur

Weblinks

  • http://www.foerderkreis-tagestreff-fuer-wohnungslose.de/www.foerderkreis-tagestreff-fuer-wohnungslose.de] Seite des Förderkreises des Tagestreff für Wohnungslose in Wunstorf mit weiteren Materialien
  • http://www.gebewo.deInformationen zur Wohnungslosenhilfe in Berlin
  • Informationen über Obdachlosigkeit im Zusammenhang mit dem neuen Sozialhilfrecht 2005
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. Bielefeld
  • Obdachlosigkeit und psychische Erkrankung
  • Beitrag zum Dritten Wohnungsmarkt
  • Seite des Ev. Fachverbandes für Gefährdetenhilfe im Rheinland zu Fragen der Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe
  • Handbuch über Wohnungsnot und Obdachlosigkeit und Literaturdatenbank zum Thema
  • Neue Aspekte.de
  • Diakoniewerk Michaelshoven mit Obdachlosenhilfeda:Hjemløs

en:Homelessness eo:Senhejmeco es:Persona sin hogar fr:Sans domicile fixe hu:Hajléktalanság ja:????? nl:Dakloze pl:Bezdomno?? ru:????????? sv:Hemlöshet

Von "http://de.wikipedia.org/Obdachlosigkeit"



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