Startseite | Impressum
Lumrix Logo
 
 



[ICD 10 Suche]
[Mehr über den ICD]

 

 

Onanie

Unter Masturbation wird die manuelle Stimulation der Geschlechtsorganeverstanden, die in der Regel zum Orgasmusführt. Im häufigsten Fall handelt es sich dabei um eine geschlechtliche Selbstbefriedigung, also eine Form der Autosexualität. Eine Masturbation kann jedoch auch durch andere Personen ausgeführt werden. Neben der normalen Benutzung der Hand als Stimulationswerkzeug gibt es auch verschiedene Sexspielzeugeund Masturbationshilfen, die benutzt werden können und die Masturbation unterstützen.

Die Masturbation stellt gemeinsam mit dem Geschlechtsverkehrdie häufigste Form der sexuellen Aktivitäten dar. Auch als Sexpraktik gemeinsam mit dem Partner ist sie beliebt, da bei sehr vielen Menschen allein durch die Beobachtung des masturbierenden Partners die sexuelle Erregunggesteigert wird.

Bild:Klimt Mulher sentada.jpg
Masturbation (Zeichnung von Gustav Klimt)

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Etymologie
  • 2 Techniken und Statistiken
  • 3 Geschichtliche Entwicklung
  • 4 Heutige Bewertung
  • 5 Religiöse Positionen
  • 6 Die Moderne
  • 7 Siehe auch
  • 8 Literatur

Etymologie

Die Etymologiedes Wortes ist nicht sicher geklärt. Oftmals wird es von ?Manustupration? (lateinischmanustupratio von manus "Hand" und stuprare "Unzucht") abgeleitet. In dieser Form wird es häufig als 'Befleckung/Unzucht mit der Hand' übersetzt. Eine Alternative wäre eine Zusammensetzung aus dem griechischenWort 'mezea' (?????, "Penisse") oder der Vorsilbe 'mas-' ("männlich") und dem lateinischen 'turbare' ("stören, Aufruhr").

Andere Bezeichnungen vor allem für die Selbstbefriedigung sind Onanie (von der biblischenGestalt Onan- dieser führte jedoch einen Coitus interruptusaus und ließ laut Bibel seinen Samen auf die Erde fallen, wofür er von Gott bestraft wurde), Ipsation (lateinischvon ipse "selbst") und umgangssprachlich unter anderem "wichsen" bzw. "sich einen runterholen".

Techniken und Statistiken

Viele Menschen befriedigen sich in unregelmäßigen Abständen selbst. Statistisch betrachtet, masturbieren mehr Männer (ca. 92 %) als Frauen (ca. 60 bis 70 %), und sie tun dies laut Umfragen auch häufiger. Viele davon entdecken die Masturbation - und ihren eigenen Körper - bereits in der frühen Pubertät, einige erst später und manche sogar schon als Kleinkindoder gar Säugling.

Masturbiert wird auf ganz unterschiedliche Weise. Mit den Händen bzw. Fingern oder Hilfsmitteln werden die eigenen erogenen Zonen des Körpers stimuliert.

Es gibt auch technische Hilfsmittel wie Vibratorenund Dildos. Im Spezialhandel erhältlich sind auch Puppen mit weiblichen oder männlichen Sexualmerkmalen. Das Masturbieren erfolgt oft unter starker Beteiligung der Phantasie. Durch optische Reize, durch Musik, durch das Betrachten erotischer Fotos oder Filme (beispielsweise Pornofilme), durch ein warmes Bad und durch akustische Reize können die beim Onanieren empfundenen Lustgefühle gesteigert werden.

Gelenkigen Menschen ist auch die oraleSelbstbefriedigung möglich; man spricht dann bei Männern von Autofellatio(das Wort Nekrotamie begegnet in der Diskussion dabei außerordentlich selten). Der Kinsey-Reportnennt eine Zahl 0,2 bis 0,3 % der männlichen Bevölkerung, die dazu in der Lage ist. Hingegen ist die Zahl der Männer, die dies wenigstens ausprobiert haben, wesentlich höher - auch ist dies ein nicht seltener Bestandteil masturbatorischer Traum-Phantasien. Kinsey vermutet hier einen animalischen Hintergrund, denn bei Primaten ist Autofellatio eine normale Form der sexuellen Betätigung.

Bei Frauen wird diese Fähigkeit entsprechend als Autocunnilingusbezeichnet. Rein anatomisch gesehen gehört diese Vorstellung bei Frauen/Mädchen jedoch ? vielleicht abgesehen von Zirkus-Artistinnen ? zur Fiktion.

Geschichtliche Entwicklung

Im antiken Griechenlandgalt die Masturbation als vollständig akzeptierte (aber selten thematisierte) Spielart gesunder Sexualität. Ab dem späten Mittelalterwurde sie genauso wie alle anderen Formen der Sexualität, die nicht ausschließlich der Fortpflanzung dienen, von der römisch-katholischen Kircheals Sündebetrachtet. Jedoch erfuhr sie erst in der Aufklärungeine Brandmarkung als "soziale Gefahr" und "unnatürliches Verhalten" jenseits der rein religiösen Verurteilung.

Im Jahr 1712erschien in Englanddas vermutlich von dem geschäftstüchtigen Quacksalberund Schriftsteller John Martengeschriebene und anonym veröffentlichte Pamphlet Onania, das nach und nach in alle europäischen Sprachen übersetzt wurde und große Verbreitung erfuhr. Darin wurde behauptet, dass exzessive Masturbation vielfältige Krankheiten wie Pockenund Tuberkuloseverursachen könne. Bezeichnend ist, dass John Marten gleichzeitig zahlreiche kleinere softpornografischeSchriften veröffentlichte und in Onania eine von ihm erfundene "Medizin" gegen die angeblich aus der Masturbation resultierenden Krankheiten anbot. Interessanterweise glaubten selbst die großen Aufklärer der Zeit dem anonym veröffentlichten Werk. Denis Diderotnahm die fragwürdigen Thesen sogar in seine Encyclopédieauf.

Bild:Corset-onanisme.png
Korsett zur Verhinderung der Masturbation, aus einem französischen Buch von ca. 1815

Im 18.und 19. Jahrhundertfand in der Folge in ganz Europageradezu ein "Feldzug gegen die Masturbation" statt. Die Vielzahl der pseudowissenschaftlichen Schriften, die die angeblichen Gefahren der Masturbation anprangerten und Methoden zu ihrer Verhinderung anboten, sind nicht mehr zu zählen.

Falsche Vorstellungen kursierten über Jahrhunderte, dass ?Selbstbefleckung? die gesunde geschlechtliche Entwicklung eines Knaben behindere und zur Gehirnerweichungund zum Rückenmarksschwundführe. Auch Krebs, Wahnsinnoder Leprasollten angeblich die Folge der Masturbation sein.

Erst seit Robert Koch1882den Tuberkelbazillus entdeckte, behaupten die Mediziner nicht mehr, dass Masturbieren Tuberkulose hervorrufe. Dagegen war noch bis weit ins 20. Jahrhunderthinein der Glaube weit verbreitet, dass Aknedurch Masturbation hervorgerufen werde. Die Hypothese konnte sich wohl deshalb so lange halten, weil Jugendliche in der Pubertätfast immer unter Akne leiden und gleichzeitig in der Pubertät auch häufig masturbieren.

Neben gesundheitlichen Gefahren wurden auch moralischeArgumente gegen die Masturbation vorgebracht: sie sei egoistisch, verleite zur Disziplinlosigkeitund stelle ein "nutzloses Vergnügen" dar. Die Masturbation fördere die Abkapselung des Masturbators von der Gesellschaft, da er zu seiner sexuellen Befriedigung keinen Partner benötigt.

Sigmund Freudbefasste sich eingehend mit der Masturbation und gegenbehauptete, Masturbation sei in der Jugend natürlich und für kleine Kindersogar absolut förderlich, um die eigene Sexualität zu entdecken.


Heutige Bewertung

Heute weiß man, dass Masturbation nicht mit gesundheitlichen Schäden verbunden ist, und viele Menschen sind der Auffassung, dass Selbstbefriedigung kein Ersatz für etwas ist, sondern eine eigenständige Form der Sexualität, die dem persönlichen Lustgewinndient und für die Entwicklung einer gesunden Sexualität hilfreich ist.

Masturbation wird nur dann als störend oder sogar krankhaft gewertet, wenn sie öffentlich bzw. zwanghaft ausgeübt und zur Suchtwird. Vom psychologischen Standpunkt aus ist Suchtverhalten in jedem Lebensbereich mit Risiken und möglichen Gefährdungen der eigenen Person oder anderer verbunden - so natürlich auch im Hinblick auf die Selbstbefriedigung. Für Menschen, die ihre Masturbationsgewohnheiten als Sucht einschätzen und von ihnen loszukommen versuchen, gibt es inzwischen Selbsthilfegruppen ähnlich den Anonymen Alkoholikern.

Religiöse Positionen

Die meisten Religionen, wie etwa das Judentumund der Islam, betrachten die Selbstbefriedigung normalerweise nicht als Sünde. Dies gilt auch für die evangelische Kirche. Die orthodoxe Kirchedefiniert "Sünde" als "Handlung gegen das Gewissen". Ob Masturbation darunter fällt, muss der Gläubige durch Beobachtung seines Gewissens selbst entscheiden.

Eine Ausnahme bildet die Haltung der heutigen römisch-katholischen Kirche. Nach ihr stelle die "bewusste und freiwillige Selbstbefriedigung" eine unreife und fehlgeleitete Form der Sexualität dar (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2352). In einer bestimmten Interpretation der paulinischenTradition, die sich u.a. auf Philo von Alexandriazurückführen lässt, gilt ferner allgemein jedes geschlechtliche Tun, das nicht der Fortpflanzung dient, als schwere Sündeder Unzucht.

Die Moderne

Bild:Gina erotic 051.jpg
Moderne künstlerische Studie von weiblicher Masturbation

Im Zeitalter von Aidsund des Internetserlebt das Masturbieren einen ? zwar immer noch "heimlichen", dennoch nicht aufzuhaltenden ? Aufschwung. Ob klassisch oder in Form von Telefonsexoder Cybersexbetrieben oder auch als das so genannte "Solo für Zwei", ist das alleinige oder auch gemeinsame Masturbieren die Essenzdes "safer sex". Frauen und Männer entdecken gleichermaßen, dass Masturbation eine besonders intime und damit erregende Spielart der Sexualitätsein kann, wenn man sie in das Liebesspiel einer Beziehungoder einer Affäreintegriert. Und sie geben damit der berühmten Aussage Woody Allens, dass "Selbstbefriedigung (...) Sex mit einer Person, die [man] besonders [liebe]" sei eine neue Bedeutung.

Siehe auch

  • Sexualforschung
  • Sexualkunde
  • Sexualmedizin

Literatur

  • Shere Hite: Das sexuelle Erleben der Frau, 1977, ISBN 3-44211-252-4
  • Thomas W. Laqueur: Solitary Sex ? A Cultural History of Masturbation. Zone Books, 2003, ISBN 1-89095-132-3
  • Caroline Erb/Deborah Klingler: Mysterium Masturbation. Wenn sich Frauen selber lieben, Verlag Peter Lang, Frankfurt a. M. u.a. 2004, ISBN 3-631-52098-0
  • Wiebke und Axel H. Kunert: Das Handbuch der Onanie, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin, 2002, ISBN 3-89602-402-7
  • Arne Hoffmann: Onanieren für Profis, Marterpfahl Verlag, Nehren, 2005, ISBN 3-93670-816-9bg:???????????

ca:Masturbació cs:Masturbace da:Onani en:Masturbation eo:Sinmasturbado es:Masturbación fa:??????? fi:Itsetyydytys fr:Masturbation he:?????? id:Masturbasi it:Onanismo ja:???? ko:???? lt:Masturbacija mk:???????????? nl:Masturbatie no:Onani pl:Masturbacja pt:Masturbação ru:??????????? simple:Masturbation sv:Onani tl:Masturbasyon vi:Th? dâm zh:??

Von "http://de.wikipedia.org/Masturbation"



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.