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Organtransplantat

Transplantation ist die Verpflanzung eines Transplantates. Das Transplantat kann aus Zellen, Geweben, ganzen Organenoder Gliedmaßen wie Fingernund Zehenbestehen. Transplantationen werden in der Regel an spezialisierten Transplantationszentrendurchgeführt. Das Transplantat wird entweder im Rahmen einer Organspendegewonnen (homologe Transplantation) oder dem Empfänger selbst von eine anderen Körperstelle entnommen (autologe Transplantation).

Die Transplantation wird nach Herkunft, Ort, und Funktion des Transplantats eingeordnet.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Art der Transplantation
  • 2 Transplantationsort
  • 3 Transplantatfunktion
  • 4 Transplantationsrichtlinien
  • 5 Immunreaktionen
    • 5.1 Transplantatabstoßung (Rejektion)
  • 6 Immunsuppressive Therapie
  • 7 Erkrankungen, die eine Transplantation erforderlich machen können
  • 8 Links zu Organisationen für Organspende und Transplantation
  • 9 Weblinks
  • 10 Siehe auch
  • 11 Literatur
  • 12 Sonstiges

Art der Transplantation

  • alloplastische Transplantation - künstliches Material wird implantiert
  • Allotransplantation- Spender ist ein anderer Mensch
    • Lebendspende
  • autologe Transplantation - Spender und Empfänger sind dieselbe Person
  • isogene Transplantation - Spender ist der eineiige Zwilling, d. h. Spender und Empfänger sind genetisch Identisch
  • Xenotransplantation- Spender gehört einer anderen Artan (z.B. Schweineherzklappe)


Transplantationsort

  • Isotope Transplantation - Ort und Gewebe ist identisch (z. B. Inselzellentransplantation)
  • Orthotope Transplantation - örtliche Übereinstimmung (z. B. Herztransplantation)
  • Heterotope Transplantation - keine örtliche Übereinstimmung (z. B. Nierentransplantation)

Transplantatfunktion

  • Allovitale Transplantation - das Transplantat ist voll funktionsfähig und vital
  • Allostatische Transplantation - die Funktion des Organs ist zeitlich begrenzt
  • Auxilläre Transplantation - Transplantat zur Unterstützung eines kranken Organs
  • Substitutive Transplantation - soll ein funktionsloses Organ ersetzen

Transplantationsrichtlinien

In der Bundesrepublik Deutschlandunterliegt die Transplantation von Geweben menschlicher Spender dem Transplantationsgesetz (TPG) [1]vom 1. Dezember1997(zuletzt geändert durch Art. 14 V vom 25. November 2003; I 2304) (siehe dazu Organspende). Erlaubt sind Organentnahmen von Verstorbenen (Leichenspende) oder von lebenden Personen (Lebendspende). Organhandel, d.h. Bezahlung oder andere Gegenleistungen für den Spender oder dessen Angehörige, ist verboten. Transplantationen werden ausschließlich in zertifizierten Transplantationszentrendurchgeführt.

Immunreaktionen

Das Hauptproblem jeder Transplantation sind Immunreaktionen des Empfängerorganismus gegen das Transplantat. Die T-Zellen und Antikörper des Empfängers bekämpfen dann das fremde Organ. Der Grund für Abstoßungsreaktionen liegt in der unterschiedlichen Oberflächenstruktur der Zellen, insbesondere Unterschiede in den Histokompatibilitäts-Antigeneder Zellmembranen beider Lebewesen. Diese Oberflächenstruktur wird von den Genenbestimmt, deshalb hat jedes Individuumeine eigene Zelloberflächenstruktur. Deshalb ist es auch klar, weshalb Verwandte als besonders geeignete Organspendergelten - denn hier stimmen die Gene oftmals besser überein. Die ersten erfolgreichen Organtransplantationen wurden so auch mit eineiigen Zwillingendurchgeführt.

Bei der Übertragung von Spendergewebe, das Immunzellen enthält - vor allem Knochenmarkund Lebergewebe- kann es auch zu einer "umgekehrten" Immunreaktion von Zellen des Transplantats gegen den Wirtskörper kommen: Graft-versus-Host-Reaktion.

Transplantatabstoßung (Rejektion)

Aufgrund der Immunabwehr kann das Transplantat abgestoßen werden Die Abstoßungsreaktionen werden nach ihrer Heftigkeit unterschieden:

  • Die hyperakute Abstoßung tritt innerhalb von Minuten bis Stunden nach der erfolgten Transplantation und der Wiederherstellung des Blutflusses auf. Sie ist durch allospezifische Antikörper oder durch blutgruppenspezifische Antikörper (zytotoxische Antikörper gegen AB0- oder HLA-Antigene des Transplantats) verursacht. Nach der Komplementaktivierung kommt es zu Fibrinablagerung in den Gefäßen des Transplantats und somit zu Verschlüssen; das Gewebe stirbt ab.
  • Die akute Abstoßung beginnt meist innerhalb von Tagen bis Wochen. Eine Abstoßung zwischen dem 2. und 5. Tag nach der Operation bezeichnet man auch als akzelerierte Abstoßung. Meist beruht sie auf zellulärer interstitieller Abstoßung (d.h. Infiltration des Organs durch T-Zellen). Eine akute Abstoßung kann meistens behandelt werden, etwa durch Steroide, Immunsuppressivaoder Antilymphozytenantikörper.
  • Die chronische Abstoßung kann einige Wochen bis Jahre dauern. Meist sind kaum Entzündungszeichen zu finden. Diese Art der Abstoßungsreaktion ist schlecht zu behandeln; meist muss eine erneute Transplantation durchgeführt werden. Feingeweblich liegt ihr eine Transplantatvaskulopathie zugrunde, d.h. irreversible Verengungen der Blutgefäße. Beispiele sind die Koronaratherosklerose nach Herztransplantation, die Nephrosklerose nach Nierentransplantation, Bronchiolitis obliterans nach Lungentransplantation.

ImmunsuppressiveTherapie

Ziel dieser Therapie ist es, das Transplant zu erhalten, indem die Abwehrreaktion des Körpers gegen das fremde Organ unterdrückt wird. Das Ziel einer dauerhaften Immmuntoleranz, d.h. der Abwesenheit einer transplantatspezifischen Immunreaktion ohne dauerhafte Unterdrückung des Immunsystems, ist bis heute durch Medikamente nicht erreichbar. Somit ist eine permanente medikamentöse Rejektionsprophylaxe erforderlich. Um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, können bestimmte Kombinationen von Medikamenten gegeben werden. Zur Induktionstherapie stehen vor, während und nach der Transplantation Immunsuppressiva (Ciclosporin, Tacrolimus, Azathioprin bzw. Mykophenolat, Steroide und Antithymoglobulinantikörper, teils in hoher Dosierung zur Verfügung. Als Basistherapie wird eine feste Dauermedikation angeordnet; in der Regel eine Dreifach-Kombination aus Steroiden, Calcineurininhibitoren (Ciclosporin bzw.Tacrolimus) oder Everolimusbzw. Sirolimus) und Azathioprin (bzw. Mykophenolat Mofetil). Von immenser Bedeutung ist das engmaschige therapeutische Monitoring der Immunsuppressiva in den ersten Monaten nach der Transplantation. Bei Langzeittransplantierten kann mitunter später die Medikation auf 2 Wirkprinzipien reduziert werden.

Da diese Medikamente auch die Abwehr gegen Infektionenschwächen, sind die damit behandelten Transplantatempfänger besonders anfällig für bakterielle, virale (CMV, HSV, HHV 6) und fungale (Aspergillen, Candida) Erkrankungen und gewisse Krebserkrankungenen, meist der Haut und des lymphatischen Systems treten vermehrt auf.

Erkrankungen, die eine Transplantation erforderlich machen können

  • Chronische Niereninsuffizienz: Nierentransplantation
  • Endzustand der koronaren Herzkrankheit, Formen der Herzmuskelerkrankung (Kardiomyopathie): Herztransplantation
  • Eisenmenger-Reaktion: Herz-Lungen-Transplantation
  • Leberzirrhose: Lebertransplantation
  • Mukoviszidose: Lungentransplantation
  • Leukämie: Knochenmark- bzw. Stammzelltransplantation

Links zu Organisationen für Organspende und Transplantation

  • Eurotransplant(Belgien, Deutschland, Luxemburg, Niederlande, Slowenien und Österreich)
  • Deutsche Stiftung Organtransplantation
  • Scandiatransplant(Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden)
  • Francetransplant(Frankreich)
  • Associazione Italiana Donatori Organi (AIDO)(Italien)
  • Swisstransplant(Schweiz)
  • Transplant Procurement Management (TPM) (Spanien)
  • 58 Organ Procurement Organizations (OPOs)(USA)

Weblinks

  • Transplantationszentren
  • Transplantationsergebnisse:In einer kollektiven Studie (Collaborative Transplant Study) werden die Ergebnisse aus 400 Transplantationszentren in 45 Ländern zur Transplantation von Niere, Herz, Lunge, Leber und Bauchspeicheldrüse zusammengefasst und ständig aktualisiert.
  • Arbeitskreis Organspende. Infos rund um Transplantation und Organspenden
  • Transplantationsgesetz
  • gute Links zur Organtransplantation auf www.medinfo.de
  • Der Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz - Info Gesundheit e.V. (BGV)

Siehe auch

Organspende, Dialyse, Transplantationszentrum, Transplantationsgesetz, Gesichtstransplantation

Literatur

  • Bundesverband der Organtransplantierten e.V. (Hg.): Mein Leben durch Dich - Geschichten und Gedichte zur Organspende von Patienten und Angehörigen
  • Johann S. Ach / Michael Anderheiden / Michael Quante: Ethik der Organtransplantation. Harald Fischer Verlag, Erlangen 2000, ISBN 3-89131-402-7
  • Ulrike Baureithel, Anna Bergmann: Herzloser Tod - Das Dilemma der Organspende Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3608919589- (Wissenschaftsbuch des Jahres 2000)
  • Vera Kalitzkus: Leben durch den Tod - Die zwei Seiten der Organtransplantation Eine medizinethnologische Studie
  • Gisela Lermann (Hg.): Ungeteilt sterben Mainz
  • Markus Müller: Chirurgie; Medizinische Verlags- und Informationsdienste, 7. Auflage 2004/05 ISBN 3-929851-06-7
  • Schumpelick, Bleese, Mommsen, Kurzlehrbuch Chirurgie; Georg Thieme-Verlag, 6. Auflage 2003 ISBN 3-13-127126-4
  • J. Rüdiger Siewert, Chirurgie; Springer-Verlag, 6. Auflage 1997 ISBN 3-540-61411-7

Sonstiges

  • Bundesverband der Organtransplantierten e.V. Deutschland
Paul-Rücker-Str. 22
47059 Duisburg
Tel. (0203) 44 20 10
Fax (0203) 44 21 27
E-Mail: geschaeftsstelle@bdo-ev.de
Internet: www.bdo-ev.de
  • www.iop-berlin.de- IG Organtransplantierter Patienten e.V.: "Patienten helfen Patienten"

Endzustände der koronaren Herzkrankheit, Formen der Herzmuskelerkrankung (Kardiomyopathie)




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