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Pankreaskarzinom

Das Pankreaskarzinom ist eine bösartige Erkrankung (Krebs) der Bauchspeicheldrüse. Im Jahr erkranken ca. 10.000 Patienten in Deutschland an Pankreaskarzinom. Es zählt zu den selteneren Krebserkrankungen. Aufgrund unspezifischer oder fehlender Symptome wird der Tumor allerdings häufig erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium entdeckt, häufig bestehen bei der Diagnosestellung bereits Metastasen. Erschwert wird die Früherkennung zudem wegen der ungünstigen Lage der Bauchspeicheldrüsefür bilderkennende Verfahren. Aus diesen Gründen zählt das Pankreaskarzinom zu einer der bösartigsten Krebserkrankungen mit einer 5-Jahresüberlebensrate von unter 5 % (fünfthäufigste Krebstodesursache in Deutschland). Die einzige heilende Therapiemöglichkeit ist eine radikale chirurgische Entfernung des Bauchspeicheldrüsenkopfes, des Bauchspeicheldrüsenkörpers, der Gallenblase, des Gallenganges, des Zwölffingerdarmund je Operationstechnik auch Teilen des Magens.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Epidemiologie
  • 2 Ätiologie
  • 3 Pathogenese
  • 4 Pathologie
    • 4.1 Pathologische Klassifikation
    • 4.2 Lokalisation
    • 4.3 Metastasierung
    • 4.4 TNM-Klassifikation
  • 5 Symptome
  • 6 Diagnostik
    • 6.1 Anamnese u. körperliche Untersuchung
    • 6.2 Labor
    • 6.3 Bildgebende Diagnostik
      • 6.3.1 Sonographie des Abdomens
      • 6.3.2 Computertomographie mit Kontrastmittel
      • 6.3.3 Endosonographie
    • 6.4 ERCP und MRCP
  • 7 Therapieoptionen
    • 7.1 Konservative Therapie
    • 7.2 Operative Therapie
      • 7.2.1 Kurative operative Therapie
      • 7.2.2 Palliative Operationen bei Pankreaskarzinom
  • 8 Prognose
  • 9 Weblinks

Epidemiologie

Die Inzidenzdes Pankreaskarzinoms beträgt 12 Fälle pro 100.000 Einwohner in Westeuropa. Das Pankreaskarzinom ist die vierthäufigste Todesursache aufgrund eines bösartigen Tumors beim Mann und die fünfthäufigste bei der Frau. 30.000 Menschen sterben pro Jahr in den USA an dieser Erkrankung. Das Pankreaskarzinom ist der dritthäufigstes bösartige Tumor des Magen-Darm-Traktesnach Dickdarmund Magen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen mit einem Verhältnis von etwa 2 zu 1. Der Altersgipfel dieser Erkrankung liegt im 6. bis 8. Lebensjahrzehnt. Aus epidemiologischen Studien ist bekannt, dass Pankreaskarzinome im Zunehmen begriffen sind.

Ätiologie

Die Ätiologiedes Pankreaskarzinoms ist unbekannt. Bekannte Risikofaktoren für die Entwicklung eines Pankreaskarzinoms sind:

  • Alter (zuverlässigster und wichtigster Risikofaktor)
  • Geschlecht (Männer häufiger betroffen als Frauen)
  • Alkoholmissbrauch
  • ethnische Herkunft (höchste Mortalitätin der schwarzen Bevölkerung)
  • familiäres Auftreten von Pankreaskarzinomen
  • hereditäre Pankreatitis
  • hereditäres non-polypöses kolorektales Karzinom
  • Ataxia-Teleangiektasie-Syndrom
  • familiäres Mammakarzinom
  • chronische Pankreatitis
  • Diabetes mellitus
  • Nikotinabusus
  • berufliche Exposition

Pathogenese

Die aktuelle medizinische Forschung geht davon aus, dass beim Pankreaskarzinom eine multi-step-Tumorgenese vorliegt. Zunächst entwickelt sich über mehrere Mutationeneine so genannte pankreatisch-intraepitheliale Neoplasie, aus der sich über mehrere weitere Mutationsschritte dann das invasive Karzinomentwickelt.

Pathologie

Pathologische Klassifikation

Histologisch werden unterschiedliche Formen von Pankreaskarzinomen unterschieden. Am häufigsten ist das duktale Adenokarzinomder kleinen Pankreasgänge. Seltenere histologische Formen sind das azinäre Pankreaskarzinom, das vorwiegend sich im Pankreasschwanz entwickelt, das muzinöse Adenokarzinom, das auch als Gallertkarzinombezeichnet wird, das Siegelringkarzinom, das adenosquamöse Karzinom mit verhornenden Plattenepithelanteilen und das pleomorph-riesenzellige Karzinom.

Lokalisation

Kopf (70 %) > Corpus] > Schwanz > Papille (molekularbiologisch und prognostisch verhalten sich Papillenkarzinomeanders als die übrigen Pankreaskarzinome)

Metastasierung

Beim Pankreaskarzinom kommt es zu einer sehr frühen lymphogenen Metastasierung in die regionalen Lymphknoten sowie zu einer frühen hämatogenen Metastasierung in die Leber.

TNM-Klassifikation

Primärtumor:

  • T X = Tumor kann nicht beurteilt werden;
  • T 1 = Tumor < 2 cm, auf das Pankreas beschränkt;
  • T 2 = Tumor > 2 cm, auf das Pankreas beschränkt;
  • T 3 = Tumor wächst invasiv in umgebende große Blutgefäße oder Organe außer Duodenum;
  • T 4 = Tumor erstreckt sich direkt in Magen, Milz, Grimmdarm oder benachbarte große Gefäße

Lymphknoten:

  • N X = regionale Lymphknoten können nicht beurteilt werden;
  • N 0 = keine regionalen Lymphknotenmetastasen;
  • N 1 = regionale Lymphknotenmetastasen

Fernmetastasen:

  • M 0 = keine Fernmetastasen;
  • M 1 = Fernmetastasen

Symptome

  • oft keine
  • Typisch ist ein schmerzloser Ikterus, wobei dieses Symptom erst ein Spätsymptom ist und Folge eines Einwachsens oder Komprimierens des Ductus choledochus(Gallengang) ist.
  • Gewichtsverlust
  • diffuse Oberbauchschmerzen, zunächst nach dem Essen, später unabhängig von der Nahrungsaufnahme
  • Inappetenz
  • körperliche Schwäche
  • Übelkeitund Erbrechen
  • Steatorrhoe(Fettstühle)
  • Phlebothromboseder unteren Extremität
  • Rückenschmerzen
  • neu aufgetretener Diabetes mellitus
  • Symptome einer akuten Pankreatitis

Diagnostik

Anamnese u. körperliche Untersuchung

  • Leber eventuell durch Metastasenvergrößert tastbar
  • Courvosier-Zeichen

Labor

  • eventuell Anämie
  • eventuell Cholestaseparametererhöht (alkalische Phospatase, Cholinesterase, Gamma-GT, direktes Bilirubin)
  • Tumormarker CA 19-9/ CA 50 (Diese beiden Parameter eignen sich nicht zur Frühdiagnose, sind aber gut geeignet zur postoperativen Kontrolle auf Rezidivfreiheit.)

Bildgebende Diagnostik

Sonographie des Abdomens

  • Nachweis einer Raumforderung im Pankreas(Jede hypodenese Struktur im Pankreas ist karzinomverdächtig.)
  • eventuell Vergrößerung der Gallenblaseund Erweiterung der Gallengängenachweisbar
  • eventuell Erweiterung des Pankreasgangs (Ducutus wirsungianus)
  • eventuell Nachweis von Lymphknotenmetastasen im Ligamentum hepatoduodenale
  • Darstellung von Lebermetastasen

Häufig wird der Sonographie des Abdomens die Ausdehnung des Primärtumors unterschätzt, da das Pankreas sonographisch vor allem bei adipösenMenschen nur schlecht dargestellt werden kann.

Computertomographie mit Kontrastmittel

Die Computertomographie ermöglicht eine genaue Lokalisationsdiagnostik des Tumors, insbesondere kann mit dieser Methode festgestellt werden, ob der Tumor in Gefäße einwächst oder diese komprimiert. Die Nachweisgröße für Pankreaskarzinome schwankt zwischen 1 und 2 cm, abhängig vom Gerät und Untersucher. Lymphknotenmetastasen können in der Regel ab einer Größe von 1 cm in der Computertomographie nachgewiesen werden. Lebermetastasen können mit gleicher hoher Sensitivität in der Computertomographie nachgewiesen werden wie in der Sonographie des Abdomens.

Endosonographie

Die Endosonographieermöglicht eine sonographische Darstellung des Pankreasvon der Magenhinterwand aus. Im Rahmen einer solchen Untersuchung kann eine Feinnadelpunktiondurchgeführt werden, um Gewebe meist nur einzelne Zellen (Zytologie) für eine feingewebliche Untersuchung zu gewinnen.

ERCP und MRCP

Der Begriff ERCP ist die Abkürzung für eine endoskopische Methode zur Darstellung der Gallengänge und Pankreasgänge. Der Name ERCP bedeutet endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie. Bei Patienten mit Pankreaskarzinom findet man häufig eine Verengung (Stenose) oder einen Abbruch des Ductus pancreaticus. Eventuell zeigt sich vor dem Tumor eine Erweiterung des Pankreasganges, eine sogenannte prästenotische Gangdilatation. Seit einigen Jahren gibt es als alternative Methode zur ERCP die nicht-invasive MRCP (Magnetresonanzcholangiopankreatikographie). Im Rahmen einer ERCP-Untersuchung kann interventionell eine Verengung des Gallengangs infolge Tumorkompression behoben werden mittels Einlegen eines DHC-Stents, dies ist bei einer MRCP nicht möglich.

Therapieoptionen


Konservative Therapie

Bei Verengung oder Verschluß des Gallengangssollte bei Verschlußikterusinterventionell endoskopisch eine Endoprothese in den Gallengang gelegt werden (DHC-Stent). Bei Inoperabilität wird eine palliative Chemotherapie auch in Kombination mit Strahlentherapie mit Gemcitabinoder Oxaliplatinund 5-FUdurchgeführt. Bisher gelingt mit einer Chemotherapie in der meisten Zahl der Fälle nur eine Verbesserung der Symptomatik (Schmerzen, Gewichtsabnahme und soweiter), eine Überlebenszeitverlängerung ist beim inoperablen Pankreaskarzinom und palliativer Chemotherapie möglich. Bei bildgebend fraglich operablen Tumoren kann durch eine präoperative (=neoadjuvante) Radiochemotherapie ein operables Stadium und somit eine Prognoseverbesserung für den Patienten erreicht werden. Die Strahlentherapie ist auch als palliative Maßnahme mit oder ohne Chemotherapie immer zu diskutieren, da eine Überlebenszeitverlängerung nachgewiesen ist.


Operative Therapie

Kurative operative Therapie

Indikation : Stadium I (eventuell Stadium II und III)

Die klassische Operation beim Pankreaskopfkarzinom, die in der Regel palliativen Charakter hat, ist die Operation nach Whipple-Kausch. Bei dieser Operation wird chirurgisch der Pankreaskopf, der gesamte Zwölffingerdarm, die Gallenblase, der Galllengang, die distalen 2/3 des Magens sowie alle umgebenden Lymphknoten entfernt. Zur Rekonstruktion werden der Rest des Pankreas, der Ductus hepaticus communisund das Jejunumals Roux-Ymit dem Magen adaptiert (Gastro-hepatico-pancreatico-jejunostomie). Die Operation nach Whipple-Kausch ist eine der kompliziertesten viszeralchirurgischen (bauchchirurgischen) Eingriffe und vor allem in Zentren mit niedrigen Operationsrate im Jahr kommt es häufig zum Auftreten von Komplikationen, daher sollte die Operation nach Möglichkeit nur in speziellen Zentren mit mehr als 15 bis 20 Operationen pro Jahr durchgeführt werden. In der größten Zahl der Fälle ist heute bei Patienten mit resektablem Pankreaskopftumor alternativ zur Whipple-Operation die pyloruserhaltende Pankreaskopfresektion möglich, bei dieser Art der Operation werden keine Anteile des Magens chirurgisch entfernt.

Palliative Operationen bei Pankreaskarzinom

Bei konservativ nicht therapierbarem Ikteruswird eine Choledochojejunostomieangelegt, daß heißt eine Jejunumschlingewird auf den Ductus choledochusaufgenäht, um einen Abfluß der Galle zu gewährleisten. Bei Magenausgangsstenose oder Zwölffingerdarmstenose kann eine Gastrojejunostomiedurchgeführt werden, um die orale Nahrungsaufnahme wieder zu ermöglichen.

Prognose

Die Gesamt-5-Jahresüberlebensrate aller Pankreaskarzinome liegt unter fünf Prozent, nach kurativer chirurgischer Resektiondes Tumors erhöht sich diese auf etwa 20%. Trotz eines enormen Zugewinns des Wissens über die Molekularbiologie des Pankreaskarzinoms in den letzten 20 Jahren, hat sich die Prognose bisher nicht verbessert.

Weblinks

  • www.krebshilfe.de- Ratgeber "Krebs der Bauchspeicheldrüse" der Deutschen Krebshilfe
  • www.wissenschaft.de: Mit Gemüse gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs- Ein hoher Gemüsekonsum senkt das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs um 50 Prozent





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