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Radiogene

Die Hörfunkgeschichte umfasst die technische, programm- und organisationsgeschichtliche Entwicklung Hörfunksund des Radioapparates.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Die Anfänge
  • 2 Entwicklung bis 1923
  • 3 Der Weg zum Massenmedium
  • 4 Der Rundfunk im Dritten Reich
  • 5 Die Nachkriegszeit
  • 6 Die 60er- bis 80er-Jahre
  • 7 Nach dem Fall der Mauer
  • 8 Zukunft
  • 9 Literatur
  • 10 Siehe auch
  • 11 Weblinks

Die Anfänge

Der Hörfunk umfasst die drei Komponenten: Aufnahme, Übertragungund Empfang. Eine der zur Aufnahme von Schallwellennotwendigen Voraussetzungen war die technische Wandelung von akustischen Schallwellen in elektrische Impulse; dies gelang erstmals im Jahre 1877Thomas Alva Edisonmit dem Phonographen.

Die Übertragung setzte die Erfindung des magnetischen Telefonsdurch Alexander Graham Bellim Jahre 1876voraus, der zunächst jedoch noch einen Draht als Leiter voraussetzte. Der drahtlose Rundfunk basiert auf der Entdeckung der elektromagnetischen Wellen durch Heinrich Hertzim Jahre 1886; Guglielmo Marconiübertrug diese Entdeckung auf die Übertragung telegrafischer Nachrichten; im Jahre 1897gelang ihm erstmals eine drahtlose Übertragung über die Distanz von fünf Kilometern, bereits 1901funkte er über den Atlantik.

Die aus dem Umgang mit der drahtlosen Telegrafiegewonnen Erkenntnisse wurden erweitert; besondere Bedeutung hatte dabei die Entwicklung des Röhrensenders(DRP-Patent Nr. 261 604 für die »Rückkopplung zur Erzeugung von Schwingungen«, 1913).

Die technischen Grundlagen des Rundfunks wurden im ausgehenden 19. Jahrhundertvon Nikola Teslaerfunden und patentiert. Allerdings vernichtete 1895ein Feuer seine fertige Anlage. Die Leistung der Erfindung des Radios wird häufig Guglielmo Marconizugeschrieben, dessen Systeme als erste großflächig eingesetzt wurden, und der deshalb in vielen Geschichtsbüchern als der Erfinder der Technik gilt. Etwa zeitgleich entwickelte Alexander Popowdas Radio. Er übermittelte 1896die Wörter "Heinrich Hertz" an eine 250 Meter entfernte Empfangsstation. 1906übertrug Reginald FessendenMusik. - 1943wurde Nikola Teslanach seinem Tode Gerechtigkeit zuteil, als das Oberste Patentgerichtder USAentschied, dass es sich bei Tesla um den wahren Erfinder des Radios handelt.

Entwicklung bis 1923

Im Ersten Weltkriegkam es zu ersten Versuchen mit Röhrensendern (s. Elektronenröhre) und Rückkopplungs-Empfängern durch Hans Bredowund Alexander Meißner(siehe auch Audion), bei denen bereits Musik übertragen wurde.

1920nahm in Pittsburgh(USA) die erste kommerzielle Radiostation ihren regelmäßigen Betrieb auf. Am 22. Dezember1920fand in Deutschland die erste Rundfunkübertragung eines Instrumentalkonzerts durch den posteigenen Langwellensenderin Königs Wusterhausenstatt. Der Funkerberg gilt daher als die Geburtsstätte des öffentlichen Rundfunks in Deutschland. (Bis zum Aufkommen des Fernsehens war das Ausdruck "Rundfunk" identisch mit Hörfunk; zeitweilig auch "Hör-Rundfunk" bzw. "Ton-Rundfunk" genannt.)

Entscheidend für die Entwicklung des jungen Mediums war der sogenannte Funkerspuk: Nach russischem Vorbild besetzten am 9. November 1918revolutionäre Arbeiter die Zentrale des deutschen Pressenachrichtenwesens und verkündeten irrtümlich den Sieg der radikalen Revolution (USPD, KPD, Spartakusbund) in Deutschland. Als Reaktion auf diese Aktion verschärfte die junge SPD-Reichsregierung die Kontrolle über das junge Medium:

  • Funkregal ("Funkhoheit"): Hoheitsrecht des Reiches zur Einrichtung und zum Betrieb von Sende- und Empfangsanlagen (ab etwa 1919);
  • Empfangsverbot von Funksendungen für Privatleute (um 1922, aufgehoben 1923);
  • Begrenzung der technischen Eigenschaften von Empfangsgeräten; Rückkopplungsverbot; Genehmigungspflicht; Gebühren (ab 1923).

Ab 1922wird der Wirtschaftsrundspruchdienst als erster regelmäßiger und gebührenpflichtiger Rundfunk betrieben. Am 6. April 1923wird der erste Radioclub in Berlingegründet sowie der Verband der Rundfunkindustrie in Berlin.

Als Geburtsstunde des deutschen Rundfunks gilt der 29. Oktober1923. An diesem Tag wird die erste Unterhaltungssendungaus dem Vox-Hausausgestrahlt. Wenige Tage später folgt mit der Berliner Funk-Stunde die erste Nachrichtensendung. Als erster offizieller Rundfunkteilnehmer in Deutschland gilt der Berliner Zigarettenhändler Wilhelm Kollhoff.

Der Weg zum Massenmedium

Am 1. Januar1924gibt es in Deutschland 1.580 Rundfunkteilnehmer.

Die Reichsregierung empfand die wachsende Zahl von Schwarzhörern (Zaungäste) als massive Bedrohung und verhängte Geld- und Gefängnisstrafen bis zu sechs Monaten auf Schwarzhören. Weiter verschärft wurden diese Bestimmungen durch die Funknotverordnung vom 8. März 1924. Als die Kontrollmaßnahmen danach zu greifen begannen, stieg das Vertrauen der Regierung in das Medium. Durch weitere administrative Maßnahmen wurde der Hörfunk als unpolitischer und überparteilicher Unterhaltungsdienst etabliert. Das Reichsinnenministerium gründete zwei Rundfunkgesellschaften, die Tagesnachrichten, sowie musikalische, wissenschaftliche und literarische Beiträge übertragen sollten; eine weitere Lizenz wurde an den Vox-Konzern vergeben, der an einem neuen Werbeträger interessiert war. Die finanzielle Ausstattung dieser Sender deckte jedoch nur die nötigsten Ausgaben.

1924werden weitere Sendereröffnet: Frankfurt am MainI und MünchenI (30. März), Sender HamburgI (2. Mai), Sender StuttgartI (10. Mai), Sender BreslauI (26. Mai) und Sender KönigsbergI (14. Juni). Zuletzt die Westdeutsche Funkstunde AG in Münster(10. Oktober).

Am 29. Maifindet die erste Rundfunkausstellung in Hamburg statt.

Am 1. Januar1925beträgt die Zahl der Rundfunkteilnehmer: 548.749. Am 3. September1926wird der Funkturm in Berlin eingeweiht.

Ab 1926 hatten sich Standardtypen bei den Hörfunkempfängernherausgebildet: Das Röhrengerät hatte den Detektorapparat verdrängt und der Lautsprecherden Kopfhörer.

Bertolt Brechtentwickelte in seinen Schriften eine alternative Konzeption zu dem etwa ab 1925etablierten Rund-Funk. In seinem Rundfunkexperimentversuchte er, den Hörer zum aktiven Mitspieler werden zu lassen und so den asymmetrischen Kommunikationsfluss vom Sender zum Empfänger in einen symmetrischen umzuwandeln. Die Gesamtheit dieser Vorstellungen bezeichnet man als Brechts Radiotheorie, obwohl sie kein homogenes Gebilde darstellt. Brecht war sich jedoch bewusst, dass seine Vorstellung "in dieser Gesellschaftsordnung" undurchführbar war. Er sah einen politischen Ursprung der Begrenzungen des Hörfunks: Nach der Freigabe des Rundfunkempfangsfür jedermann erlegte das Reichsinnenministerium der Industrie verschiedene Einschränkungen auf:

  • Es durften nur solche Empfangsgeräte hergestellt werden, die nicht mehr als den Wellenbereich von 250 bis 700 m (Mittelwellen) aufnehmen konnten
  • die Empfangsgeräte durften nicht in der Lage sein, Funkwellen selbst zu erzeugen
  • Empfangsgeräte durften nur von amtlich anerkannten Firmen hergestellt werden

Der Staat hatte damit eine weit reichende Kontrolle über die Funkempfangsanlagenerzielt. Zusätzlich gab es inhaltliche Auflagen für die Rundfunksender, deren Programmgestaltung durch Ausschüsse mit Kontrollfunktion geprüft wurden. Verboten waren unter anderem politische Äußerungen, Erotik und Satire.

Ab 1928wurden diese Auflagen stufenweise gelockert; zunächst durften Beiträge zu aktuellen Themen der Zeit gesendet werden (Beispiele für Themen: Wirtschaftskonjuktur, Wehrmacht, Alkoholmissbrauch), dann kamen unter Brüning gelegentliche "Statements verantwortlicher Staatsmänner" hinzu. Die Regierung unter von Papen ("Kabinett der Barone") machte den Rundfunk vollends zum Staatsorgan. "Der Rundfunk wurde den Rechten geöffnet und blieb den Linken verschlossen."

Der Rundfunk im Dritten Reich

Bild:Ve301w.jpg
Volksempfänger, Typ VE301W

Nachdem Brecht Anfang der 30er Jahre seine Vorstellungen von einem interaktiven Rundfunk aufgegeben hatte, entdeckten die Nationalsozialisten das Medium; sie wandelten den zuvor unpolitischen und überparteilichen Rundfunk in ein parteipolitisches Propagandainstrument um. Die Verbreitung von Empfangsanlagen wurde fortan massiv gefördert. Ausdruck fand dieser Wandel in der Massenfertigung eines preiswerten Empfangsgerätes, für das etwa ab 1934geworben wurde mit dem Slogan "Ganz Deutschland hört den Führer mit dem Volksempfänger".

Die industrielle Massenherstellung von Empfangsgeräten setzte ein mit der Produktion des VolksempfängersVE 301; die Typenbezeichnung VE 301 leitete sich vom Datum der nationalsozialistischen Machtergreifung ab (301 = 30. Januar 1933).

Ab dem 25. Mai 1933 wurden 100.000 Stück des VE 301 für 76 RM pro Stück hergestellt; ab Ende 1933waren es bereits 500.000 Stück und 19351,3 Millionen. Bis 1937war der Preis bis auf 59 RM gefallen. Der VE 301 konnte jedoch nur auf Mittel- und Langwelle empfangen -- ausländische Sender sendeten überwiegend auf Kurzwelle und konnten damit mit dem VE 301 nicht empfangen werden.

1933wird der Rundfunk völlig verstaatlicht und wird das wichtigste Propagandainstrument der Nationalsozialisten, kontrolliert und geleitet vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda(Dr. Joseph Goebbels).

Am 22. März 1935wird der erste regelmäßige Fernsehprogrammbetrieb der Welt aufgenommen; in Berlin, Leipzigund Potsdamwerden 28 öffentliche Fernsehstuben eingerichtet.

1936können die Olympischen Spiele live von rund 160.000 Zuschauern am Bildschirm verfolgt werden; aufgezeichnet werden kann aus technischen Gründen allerdings noch nichts.

Nach dem Erfolg des Volksempfängers wurde zusätzlich eine technisch einfachere Variante zum Preis von 35 RM angeboten, der Deutsche Kleinempfänger1938 (DKE 1938, im Volksmund "Goebbels-Schnauze" genannt).

Der dritte Rundfunkempfänger war der Deutsche Arbeitsfront Empfänger1011 (DAF 1011), ein Gemeinschaftsempfangsgerät, das für den in Betrieben und Fabriken befohlenen Gemeinschaftsempfang konzipiert war. Auch hier steht die Typenbezeichnung wieder für ein politisch bedeutsames Datum: Am 10. November 1933 fand der erste Gemeinschaftsempfang anlässlich der Übertragung einer Rede Adolf Hitlersaus der Maschinenhalle der Siemenswerke statt.

1936wurde ein weiteres Gerät auf den Markt gebracht, der Deutsche Olympiakoffer, ein transportables, mit Batterien bestücktes Koffergerät für den Empfang im Freien. Anlass war die Olympiade1936in Berlin, bei der erstmals weltweit eine Übertragung im Rundfunk stattfand. Seit diesem gleichermaßen rundfunktechnischen wie propagandistischem Großereignis hat es sich etabliert, innovative Techniken öffentlichkeitswirksam bei Großereignissen wie der Olympiade zu präsentieren. 1936stellten die Nationalsozialisten das Senden kommerzieller Werbungim Rundfunk ein.

Die Produktion des VE 301 und des DKE 1938 bewirkte, dass die Hörerzahlen von rund vier Millionen Anfang 1932auf über 12 Millionen Mitte 1939stiegen. Es ist jedoch wohl dennoch eine historische Legende, dass die Nationalsozialisten durch die Förderung der Verbreitung von Rundfunkempfangsgeräten eine besonders hohe Empfangsdichte erzielt hätten: Die Rundfunkempfangsdichte lag 1934in Deutschland bei 33,3%, bis 1937stieg sie bis auf 46,9%. 1937lag die Empfangsdichte in den USA jedoch bereits bei 78,3%, in Großbritannien bei 66,1%. In Deutschland waren vergleichbare Werte erst 1941mit 65% erreicht.

Mit der Übernahme der Staatsgewalt durch die Nationalsozialisten wurde der Rundfunk verstaatlicht; die bis dahin bestehenden elf unabhängigen Rundfunkgesellschaften wurden aufgelöst, umgegliedert in Reichssender und dem Ministerium für Volksaufklärung und Propagandaunterstellt. Die Gleichschaltungerfolgte im Rundfunkbereich durch Einrichtung der Reichsrundfunkkammer(1939jedoch wieder aufgelöst; ihre Kompetenze wurden dann auf die Reichsrundfunkgesellschaft(RRG) übertragen), welche auch die ab 1938zur Mitarbeit an Rundfunkproduktionen erforderliche Mikrofon-Eignungspüfung durchführte. Die Programme wurden einseitig politisiert durch Übertragung der Reden des "Führers" und der übrigen Nazi-Prominenz; die Musikauswahl konzentrierte sich auf deutsche Volks- und Marschmusik, ab 1935wurde "Nigger-Jazz" verboten; Rundfunkhören wurde zur staatspolitischen Pflicht erklärt, was den Absatz des VE 301 und des DKE 1938 weiter förderte.

Joseph Goebbelsäußerte sich in einer Rede zur Eröffnung der Rundfunkausstellung 1936über die inhaltliche Gestaltung des Rundfunkprogramms folgendermaßen: "Das Programm des Rundfunks muss so gestaltet werden, dass es den verwöhnten Geschmack noch interessiert und dem anspruchslosen noch gefällig und verständlich erscheint. Dabei soll besonderer Bedacht gerade auf die Entspannung und Unterhaltung gelegt werden [...]. Demgegenüber fallen die wenigen, die nur von Kant und Hegel ernährt werden wollen, kaum ins Gewicht."

Auf Veranlassung von Joseph Goebbels wurde zum 1. Januar1939für den Reichsrundfunk die Bezeichnung Großdeutscher Rundfunkeingeführt. Dieser sendete ab Juni 1940 ein nationalsozialistisches Einheitsprogramm für das ganze Deutsche Reich.

Am 31. August1939 fand ein fingierter Überfall deutscher SS-Soldaten, die sich als Polen ausgaben, auf den Nebensender Gleiwitzstatt, um einen Vorwand für den Einmarsch in Polenzu liefern. Das Abhören ausländischer Sender wurde mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegsam 1. September1939 verboten und als "Verbrechen gegen die nationale Sicherheit unseres Volkes" mit schweren Zuchthausstrafen geahndet. Mitte 1941kam es zum ersten Todesurteil wegen Hörens ausländischer Rundfunksender. Der Rundfunk wurde als "jüngstes Kind unserer Kriegstechnik" bezeichnet, die Alliierten nutzten den Hörfunk für die sogenannte "Gegenpropaganda".

Durch den am 1. September 1944 verfügten Führererlass "über den totalen Kriegseinsatz" waren alle kulturellen Einrichtungen wie Theater, Ausstellungen, Kunsthochschulenunter anderem geschlossen worden. Nur noch Filmund Rundfunksollten zuständig sein, "den Soldaten an der Front und der schaffenden Heimat Entspannung [zu] geben und kulturelle Werte [zu] vermitteln".

Am 7. Mai 1945verkündet der letzte intakt verbliebene Sender Flensburgdie bedingungslose Kapitulation.

Die Nachkriegszeit

Ab 1945nutzen die Alliierten den Hörfunk zur Kontrolle der wirtschaftlichen und politischen Lage sowie zur Demokratisierung der deutschen Bevölkerung. In der amerikanischen Zone werden dezentral mehrere Sender errichtet, in der französischen und britischen jeweils ein zentraler. Später sollte der Rundfunk in den westlichen Besatzungszonen nach dem Vorbild der britischen BBCneu organisiert werden, da diese Form möglichst staatsfern und deshalb nicht mehr so leicht politisch zu missbrauchen zu sein schien.

In der Sowjetischen Besatzungszone(SBZ) wird bereits kurz nach Kriegsende am 13. Mai 1945 aus dem alten Berliner Rundfunkgebäude in der Masurenallee(ab Juli britischer Sektor, später Sitz des ehemaligen SFB) die erste Radiosendung des zukünftigen Rundfunks der DDRausgestrahlt. Verantwortlich für das Programm war der zur Gruppe Ulbrichtgehörende KP-Funktionär Hans Mahleunter Kontrolle der Sowjetischen Militäradministration(SMAD).

In Westdeutschland wurden zwischen 1948und 1949durch die Landesrundfunkgesetzeder Bayerische Rundfunk, der Hessische Rundfunk, Radio Bremenund der Süddeutsche Rundfunkgegründet. 1950schließen sich alle Landesrundfunkanstaltenzur Arbeitsgemeinschaft öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) zusammen.

Weihnachten 1952strahlt der NWDRdas erste regelmäßige Fernsehprogramm der Nachkriegszeit aus. Im Februar 1956eröffnet der DDR-Rundfunk mit dem Funkhaus Nalepastraßein Berlin-Oberschöneweide ein neues Funkhaus, vom dem aus Ostdeutschland zentral mit Radiosendungen versorgt wird.

In der Nachkriegszeit haben sich die Rundfunkanstalten in Deutschland einen Namen als Kulturförderer, vor allem in den Bereichen Literatur und klassische Musik, erworben. In den 50er- und 60er-Jahren konnten beispielsweise viele Schriftsteller ihren Lebenunterhalt durch Lesungenund das Schreiben von Hörspielenfinanzieren. Neben den großen Radio-Sinfonie-Orchestern wie dem RSO Frankfurtmit ihrem klassischen Musikangebot förderte die ARD auch gezielt moderne Stilrichtungen, wie Jazzund elektronische Musik.

Die 60er- bis 80er-Jahre

In der 60er-Jahren beherrschen in Westdeutschland die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstaltenund in Ostdeutschland der Rundfunk der DDRden Markt.

Das kulturelle Engagement der ARD-Sender wird in den 70er-Jahren nicht weiter ausgebaut und in den folgenden zwei Jahrzehnten Schritt für Schritt zurückgefahren.

Während in Ostdeutschland der staatliche Rundfunk weiterhin als einziger Anbieter von Hörfunkprogrammen auftritt, nehmen in Westdeutschland Mitte der 80-Jahre private Radiostationenden Betrieb auf. Es ist der Beginn des sogenannten "dualen Rundfunksystems".

Am 23. Juli 1988wird mit Radio Dreyecklandin Freiburg das erste deutsche freie Radiolegalisiert, nachdem eine juristische Verfolgung des Piratenradiosaussichtslos wurde. In der Schweizging am 14. November 1983das freie Radio Radio LoRain Zürich auf Sendung. In dem Zusammenhang mit den "freien Radiostationen" spricht man auch vom "trialen Rundfunksystem".

Nach dem Fall der Mauer

Der Zusammenbruch der DDRbedeutete auch das Ende des staatlichen Rundfunks. 1990/91 wurden die ostdeutschen Sender umbenannt, Personal abgebaut und der Sendebetrieb auf Grundlage des Staatsvertrags über den Rundfunk im vereinigten Deutschland zum 31. Dezember1991eingestellt.

Die ARDwurde um die beiden ostdeutschen Anstalten ORB(2003 mit dem SFBzum RBBfusioniert) und MDRerweitert. Im Hörfunk entstand aus der Fusion ehemaliger Ostberliner (DS Kultur) und Westberliner Sender (RIAS 1) 1994das DeutschlandRadio Berlin (heute: Deutschlandradio Kultur).

Was die Kulturförderung betrifft, hat sich die Situation aus den Nachkriegsjahren mittlerweile umgekehrt. Zwar decken die öffentlich-rechtlichen Sender immer noch ein bedeutendes Spektrum an kulturellen Leistungen ab, aber die Arbeit für den Hörfunk wird nicht nur deutlich schlechter bezahlt als im Fernsehen, sondern ist in vielen Fällen für die beteiligten Autoren und Künstler zu einem Verlustgeschäft geworden. Es ist eine Schere entstanden zwischen gut bezahlten und sozial abgesicherten festangestellten Rundfunkmitarbeitern und den sogenannten "Freien", die von ihrer Arbeit oft nicht mehr leben können.

Zukunft

Bis 2010soll das Fernsehen in Deutschland komplett von analogerauf digitaleÜbertragung umgestellt sein. Die Europäische Kommissionfordert von den Mitgliedstaaten die Abschaltung des analogen Rundfunks bis Anfang 2012. Deutschland hat sich verpflichtet, den analogen Rundfunk (darunter auch UKW, Mittelwelle) bis 2010 abzuschalten. Als technischer Nachfolger für den analogen Hörfunk war ursprünglich DABgeplant, das sich als Standard bislang allerdings nicht durchsetzen konnte.

Literatur

  • Ansgar Diller: Rundfunk in Deutschland, Bd. 2: Rundfunkpolitik im Dritten Reich. München: dtv, 1980. ISBN 3-423-03184-0
  • Konrad Dussel: Hörfunk in Deutschland. Politik, Programm, Publikum (1923-1960). Potsdam: Vlg. f. Berlin-Brandenburg, 2002. ISBN 3-935035-33-0
  • Konrad Dussel: Deutsche Rundfunkgeschichte. 2. Aufl. Konstanz: UVK Medien, 2004. ISBN 3-8252-2573-9
  • Konrad Dussel: Deutsches Radio, deutsche Kultur. Hörfunkprogramme als Indikatoren kulturellen Wandels. In: Archiv für Sozialgeschichte 41/2001, S. 119-144
  • Hans-Jürgen Krug: Radiolandschaften. Beiträge zur Geschichte und Entwicklung des Hörfunks. Frankfurt/M.: Lang, 2002.
  • Winfried B. Lerg: Rundfunk in Deutschland, Bd. 1: Rundfunkpolitik in der Weimarer Republik, München: dtv, 1980. ISBN 3-423-03182-2
  • Inge Marßolek: Radio in Deutschland 1923-1960. Zur Sozialgeschichte eines Mediums. In: Geschichte und Gesellschaft 27/2001, S. 207-239
  • Inge Marßolek/Adelheid von Saldern (Hg.): Radiozeiten. Herrschaft, Alltag, Gesellschaft (1924-1960). Potsdam: Vlg. f. Berlin-Brandenburg, 1999. ISBN 3-932981-44-8
  • Inge Marßolek/Adelheid von Saldern (Hg.): Zuhören und Gehörtwerden, Bd. 1: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, Tübingen: Edition Diskord, 1998. ISBN 3-89295-638-3
  • Inge Marßolek/Adelheid von Saldern (Hg.): Zuhören und Gehörtwerden, Bd. 2: Radio in der DDR der fünfziger Jahre. Tübingen: Edition Diskord, 2001. ISBN 3-89295-639-1
  • Heinz-Werner Stuiber: Massenmedien in Deutschland, Bd. 2: Rundfunk. Koblenz: UVK Medien, 1998.

Siehe auch

Portal:Hörfunk, Hörfunk in den USA

Weblinks

  • Rundfunk in Deutschland 1945 - 1969
  • Bremer Rundfunkmuseum
  • Rundfunkgeschichte
  • DRS-Wiki zur schweizer Radiogeschichte
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