Bild:BDSM collar back.jpg Das Halsband ist neben dem Ring der Ound dem Emblemein gebräuchliches Symbol des BDSM
BDSM ist ein Kunstbegriff und die korrekte Bezeichnung für eine verwandte Gruppe sexueller Vorlieben, die oft ungenauer als Sadomasochismus (SM, auch Sado-Maso) bezeichnet werden.
Die Buchstaben BDSM stehen für die subsumierten Aspekte
- B & D Bondage and Discipline (Fesselung und Disziplin)
- D & S Domination and Submission (Beherrschung und Unterwerfung)
- S & M Sadism and Masochism (Sadismus und Masochismus)
Dieses Modell zur Differenzierung dreier Aspekte des BDSM ist heute gebräuchlich, stellt aber lediglich den Versuch einer phänomenologischen Trennung dar. In der individuellen Ausprägung sexueller Vorlieben überschneiden sich die hier getrennten Aspekte häufig.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Praxis
- 1.1 Grundzüge
- 1.2 Aspekte der BDSM-Praxis
- 1.2.1 Bondage/Discipline
- 1.2.1.1 Bondage
- 1.2.1.2 Discipline
- 1.2.2 Domination und Submission
- 1.2.3 Sadomasochismus
- 2 Auslebung
- 2.1 Spielbeziehungen
- 2.2 Außererotischer BDSM
- 2.3 Professionelle Dienstleistungen
- 3 Vorkommen
- 4 Einordnung
- 5 Vorurteile
- 6 Szene, Subkultur und Öffentlichkeit
- 6.1 SM-Partys
- 6.2 Begrifflichkeit und Sprache
- 7 Etymologie
- 8 Rechtslage
- 8.1 Deutschland
- 8.2 Österreich
- 8.3 Schweiz
- 8.4 Großbritannien
- 9 BDSM in Kultur und Medien
- 9.1 Belletristik
- 9.2 Sachbücher
- 9.3 Magazine
- 9.4 Filme
- 10 Siehe auch
- 11 Weblinks
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Praxis
Grundzüge
Der Kern der BDSM-Praxis ist, dass sich die Partner freiwillig aus der Gleichheitin ein sehr ungleichesMachtgefälle begeben. Die Freiwilligkeit grenzt BDSM vom Gewaltmissbrauch ab. Der "devote"Partner gibt einen bestimmten Teil seiner Autonomieauf und übergibt sie dem anderen (Power Exchange). Dieser dominantePartner wiederum lässt sein Gegenüber z.B. körperliche Schmerzen, Erniedrigung oder Hilflosigkeit spüren. Sowohl der dominante als auch der devote Teilnehmer erzielen daraus einen Lustgewinn. BDSM-Handlungen finden während einer festen Zeitspanne meist in Form eines erotischen Rollenspielesstatt.
Viele der innerhalb von BDSM ausgeübten Praktiken wie Schmerz, Erniedrigungoder Unterwerfungwürden ohne den Zusammenhang zur speziellen sexuellen Vorliebe als unangenehm empfunden werden, weil sie sonst nur durch eine unfreiwillige Freiheitsberaubung zustande kommen. Der Unterschied zum BDSM liegt aber darin, dass sie im BDSM-Spiel prinzipiell von mündigen Partnern freiwillig und unter gegenseitigem Einverständnis in einem sicheren Maße praktiziert werden.
Dieses Grundprinzip wird mit der englischen Bezeichnung ?safe, sane and consensual? ausgedrückt. Dies bedeutet soviel wie ?sicher, mit klarem Verstand und in gegenseitigem Einverständnis?. Einige Anhänger des BDSM bevorzugen einen etwas anderen Verhaltenskodex mit der englischen Bezeichnung RACK (Risk aware consensual Kink) was etwa soviel bedeutet wie risikobewusstes einvernehmliches sexuelles Handeln und wollen damit die Eigenverantwortung beider Partner stärker betonen. Durch das Befolgen dieser Prinzipien unterscheidet sich das Handeln von Vergehen oder Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung.
Um jederzeit das gegenseitige Einverständnis sicherzustellen, wird besonders zwischen unbekannten Partnern in aller Regel neben einem vorherigen Gespräch über die Wünsche und Grenzen der Beteiligten auch ein Sicherheitswort ?Safeword? vereinbart, durch dessen Nennung die Handlung zu jeder Zeit unverzüglich angehalten oder abgebrochen werden kann.
Aspekte der BDSM-Praxis
Bondage/Discipline
Bondage und Discipline sind zwei Bereiche des BDSM, die miteinander nicht zwingend zu tun haben, jedoch auch gemeinsam vorkommen können.
Bondage
Bild:Bondage (Hogtie) Model Jassi.jpg Als Hogtiebezeichnet man eine Variante des Bondage, bei der Hände und Füße auf dem Rücken zusammengebunden werden.
Der englische Begriff Bondage(?Fesselung?) bezeichnet Praktiken der Fesselung in sexuellem Kontext zur Erregung und Steigerung sexueller Lust. Bondage ist eine sehr beliebte Spielart aus dem großen Variationsbereich von BDSM, macht sich jedoch immer mehr selbstständig und grenzt sich von BDSM immer weiter ab. Studien in den USA kamen zum Ergebnis, dass etwa die Hälfte aller Männer und viele Frauen Bondagespiele für erotisch halten.
Bondage im engeren Sinn meint das Fesseln des Partners durch das Zusammenbinden der Gliedmaßen, z. B. durch die Verwendung von Handschellen, oder auch das Festbinden des Partners an Gegenständen. Auch das Spreizen der Gliedmaßen kann durch Bondage erreicht werden, z. B. durch Fesseln an ein Andreaskreuz.
Siehe auch: Bondage
Discipline
Unter Discipline versteht man im Bereich des BDSM häufig die Disziplinierung des Partners durch Schläge mit der Hand oder verschiedenen Gegenständen, aus deren Zufügung oder Empfangen der erotische Lustgewinn entspringt. Allerdings variiert die Intensität der Schläge hierbei stark. Praktiken sind der Flagellantismusoder auch des Spanking-Fetischismus, im weitesten Sinne auch das erotische Spanking.
Eine Kombination mit Praktiken aus dem Bereich von Bondage ist häufig, aber nicht zwingend und die Abgrenzung vom Sadomasochismus manchmal schwierig. Neben Schlägen kommen gelegentlich auch andere Arten von Körperstrafenzum Einsatz, z. B. beim Figging.
Fälschlich, aber häufig, wird der Begriff Discipline auch gebraucht, um Erziehungsspiele aus dem Bereich Domination und Submission zu beschreiben. Eine Vermischung beider Bereiche kommt sicher ebenfalls häufig vor, der eindeutige Schwerpunkt in der Bedeutung von Discipline sind aber Schläge.
Eine andere Bedeutung/Deutung der Discipline ist die (Selbst-)Disziplin, das Bewusstsein der Verantwortung im Umgang mit dem Partner und die Respektierung seiner Rolle (auf beiden Seiten) sowie die Beachtung der Grundsätze der Sicherheit und des Einverständnisses.
Domination und Submission
Das Begriffspaar Domination und Submission kommt aus dem Englischen und bedeutet Herrschaft, Dominanz und Unterwerfung, Unterordnung. Man bezeichnet damit eine Abhängigkeit zwischen Partnern, die in diesem Sinne bewusst angenommen und verfolgt wird. Obwohl dieses Phänomen auch in vielen Partnerschaften auftritt, welche sich selbst nicht als sadomasochistisch auffassen, gilt es doch als Teilbereich des BDSM.
Die Variationsbreite der individuellen Ausprägungen ist dabei groß. Domination und Submission benennt eher die psychische Komponente des BDSM, und es findet seinen Ausdruck zum Beispiel im Besonderen durch das Tragen eines Halsbandes, das Anbringen individueller Tätowierungenoder (bei Frauen) auch durch das Tragen sehr kurzgeschnittener Haare oder Glatze, um die Unterwerfung gegenüber dem Partner zu demonstrieren. Auch die sexuelle Zurückweisung des Partners kann Teil von Domination und Submission sein (siehe auch Cuckold).
Domination und Submission wird beispielsweise in Erziehungsspielen erlebt, bei denen der dominante dem devoten Partner bestimmte Verhaltensweisen abverlangt. Sonderformen dieser Erziehungsspiele sind das Petplay, wobei der devote Partner die Rolle eines Tieres (oft eines Hundes oder Pferdes) einnimmt und das Ageplay, bei dem der devote Partner die Rolle eines Jüngeren spielt (z. B. in der Vorstellung des Verhältnisses Lehrer/Schüler).
Die bekannteste (und wohl klischeebehaftetste) Form von Domination und Submission ist die von Herrschaft und Sklaventum. Dies kann für die kurze Dauer eines ?Spiels? ansonsten gleichberechtigter Partner geschehen, aber auch permanent in den Alltag integriert werden (?24/7?) und reicht bei wenigen Partnerschaften bis hin zur tatsächlich völligen Unterwerfung eines Partners im Sinne des Total Power Exchange. Ausgleichende Elemente für Beherrschung und Unterwerfung sind dabei Fürsorge und Hingabe, die sich jeweils ergänzen und stabile Beziehungen ermöglichen.
Sadomasochismus
Mit Sadomasochismus wird oft - im Gegensatz zu Domination und Submission - die eher physische Seite von BDSM bezeichnet. Konkret sind hier alle Praktiken einzuordnen, deren Zweck das Zufügen oder Empfinden von Schmerzen ist.
Discipline (siehe oben) weist sadomasochistische Züge auf. Im Gegensatz zur Discipline spielen Schläge bei Sadomasochisten aber eine eher untergeordnete Rolle und es gibt eine Vielzahl anderer Praktiken, die verwendet werden, um Schmerzen zu erzeugen. Sadomasochismus wird vergleichsweise selten eigenständig praktiziert, eine Vermischung mit anderen Aspekten von BDSM ist häufig.
Auslebung
Spielbeziehungen
Viele Anhänger des BDSM betrachten die Ausübung von BDSM in ihrer Sexualität als erotisches Rollenspielund sprechen in diesem Zusammenhang daher auch von Spiel und spielen. Die Durchführung eines solchen Spieles bezeichnet man als "Session", und bezogen auf den Inhalt und die Umstände des Spiels spricht man von Scene (englisch für Szene, meint auch Inszenierung).
Analog dazu spricht man auch von Spielbeziehungen und meint damit zweierlei: Zum einen bezeichnet man mit diesem Begriff gewöhnliche gleichberechtigte Partnerschaften, in denen BDSM Teil oder Vorspiel der Sexualität ist. Bestehen mehrere Partnerschaften mit intensiven emotionalen Bindungen über eine Zeit hinweg, so kann eine Überschneidung mit der Praxis der Polyamoriebestehen. Es können mit dem Begriff Spielbeziehungen aber auch Partnerschaften gemeint sein, die ausschließlich gelegentliches gemeinsames Ausleben bestimmter sexueller Fantasien zum Ziel haben und in denen sonst kein weiteres partnerschaftliches Verhältnis besteht.
Außererotischer BDSM
Im Gegensatz zu solchen Spielbeziehungen stehen partnerschaftliche Beziehungen, die auch über den erotischen Bereich hinaus klar von Vorstellungen aus dem Bereich BDSM bestimmt sind. Die beteiligten Partner pflegen dabei ein entsprechendes Machtverhältnis zueinander und machen Aspekte des BDSM gemeinsam zu ihrem Lebensstil- womit man BDSM nicht mehr als rein sexuelles Phänomen bezeichnen kann. Man spricht dann von 24/7-Beziehungen, hergeleitet von 24 Stunden täglich, 7 Tage in der Woche.
Professionelle Dienstleistungen
Eine Domina bietet sexuelle Dienstleistungen aus dem Bereich BDSM entgeltlich an. Viele Dominas verstehen sich dennoch nicht als Prostituierte, da es häufig nicht zum Geschlechtsverkehr zwischen Domina und Kunden kommt. Die männliche Entsprechung der Domina, vorwiegend im Umfeld männlicher Homosexueller, heißt Sado oder auch Dominus.
Vorkommen
BDSM wird von allen Schichten der Gesellschaft praktiziert und kommt sowohl bei heterosexuellenals auch bei homosexuellenMännern, Frauen und Transgendernvor. Der Frauenanteil liegt merklich höher als bei den meisten anderen ehemals als Paraphilieeingeordneten Verhaltensweisen. Die Schätzungen über den Anteil sexueller Vorlieben aus dem Bereich BDSM in der Bevölkerung reichen von 5 bis 25 %, je nach der Art der Fragestellung. Repräsentative Erhebungen belegten bei heterosexuellen Personen ein Vorkommen bei etwa 3 Prozent, bei homosexuellen Personen um 15 Prozent (mit einer klaren starken Präferenz um 3 Prozent).
Durch eine gesteigerte Medienberichterstattung seit ungefähr Mitte der 1990erJahre sind einige Elemente des BDSM popularisiert worden ? sowohl schwarze Lederbekleidung als auch sexuelle Spiele wie Fesseln und Dominanz-Rollenspiele.
Nicht selten sind Anhänger des BDSM in der Schwarzen Szenezu finden.
Einordnung
Der Begriff Sadomasochismus wurde im Jahr 1913 von Isidor Isaak Sadgergeprägt und bezeichnete lange, was heute unter BDSM verstanden wird.
Früher wurden viele der innerhalb von BDSM gelebten Praktiken dem Sadismusoder dem Masochismuszugerechnet und im Sinne einer Triebstörung (Paraphilie) seitens der Psychiatrie als krankhaft eingeschätzt.
So gilt Sadomasochismus nach ICD-10als ?Störung der Sexualpräferenz? (Schlüssel F65.5), die dort wie folgt beschrieben wird: Es werden sexuelle Aktivitäten mit Zufügung von Schmerzen, Erniedrigung oder Fesseln bevorzugt. Wenn die betroffene Person diese Art der Stimulation erleidet, handelt es sich um Masochismus; wenn sie sie jemand anderem zufügt, um Sadismus. Oft empfindet die betroffene Person sowohl bei masochistischen als auch sadistischen Aktivitäten sexuelle Erregung. (Quelle: ICD-10-GM Version 2005)
Erst mit dem Erscheinen des DSM IVim Jahr 1994 wurden Diagnosekriterien veröffentlicht, nach denen BDSM eindeutig nicht mehr als Störung der Sexualpräferenz angesehen wird.
Die Diagnose Sadismusoder Masochismusdarf demnach hinsichtlich der sexuell motivierten Ausprägung dieser Störungen nur noch gestellt werden, wenn der Betroffene anders als durch die Ausübung sadistischer oder masochistischer Praktiken keine sexuelle Befriedigung erlangen kann, oder seine eigene sadistisch oder masochistisch geprägte Sexualpräferenz selbst ablehnt und sich in seinen Lebensumständen eingeschränkt fühlt oder anderweitig darunter leidet. Eine Überlagerung von sexuellen Präferenzstörungen und der Ausübung von BDSM-Praktiken kommt jedoch vor.
Vorurteile
Es existieren zahlreiche Vorurteile, Klischees und Stereotypen bezüglich des BDSM in der Öffentlichkeit.
Keine Seltenheit sind Missverständisse, die daraus resultieren, dass "Vanillas" nicht wie BDSMler zwischen dem wirklichen Leben und dem Praktizieren von BDSM unterscheiden. So gehen manche davon aus, dass Submissiveim BDSM auch im sonstigen Leben gerne Schmerz und Erniedrigung erfahren würden, und dass Dominanteim echten Leben auch im BDSM dominant sein würden. Umgekehrt behauptet ein anderer Mythos, Submissive und Dominante würden im BDSM genau dass Gegenteil ihres echten Lebens praktizieren - so wären die Kunden von Dominasmeist erfolgreiche Geschäftsmänner. Beide Positionen sind jedoch falsch, zwischen der Stellung im Alltag und im BDSM-Spiel besteht meist kein Zusammenhang.
Von der BDSM-Praxis kennen die meisten nur das Erkaufen sadomasochistischer Dienstleistungen von Dominasfür männliche Kunden, weswegen daraus viele Klischees entspringen. So gehen viele davon aus, beim BDSM würde die Fraugrundsätzlich den Manndominieren, was jedoch nicht zwingend der Fall ist; ebenso wird BDSM häufig auf körperlichen Schmerz meist grober Natur reduziert, ohne den vielen Spielweisen gerecht zu werden. Neben dem Klischee der schwingenden Peitsche stellt man sich Sadomasochisten häufig in Leder gekleidet vor, teilweise wird die SM-Szene mit der Fetischszene gleichgesetzt.
Als ein Problem der oberflächlichen Betrachtung ergibt sich zumeist, dass man im BDSM nur die Ausübung körperlicher und geistiger Gewalt sieht, während Gefühle zwischen den Partnern für viele angesichts einer Handlung, die oberflächlich als Gewalterscheint, nicht vorstellbar sind.
Szene, Subkultur und Öffentlichkeit
Es existiert eine BDSM-Szene, in der sich gleichgesinnte Menschen über BDSM-relevante Themen und Probleme austauschen können. Diese Szene hat den Charakter einer Subkultur, da BDSM von der Gesellschaft und den Medien meist als "bizarr", "pervers" oder "krank" betrachtet wird. Weil sie Unverständnis und Ausgrenzung fürchten, verbergen viele Menschen ihre Neigung vor der Gesellschaft.
Diese Szene zeigt sich vor allem im Internet, in Szenemedien wie Zeitschriftenund auf Veranstaltungen wie SM-Partys, Stammtischenoder Erotikmessen.
SM-Partys
SM-Partys sind Partys, auf denen sich gleichgesinnte BDSM-Anhänger und Interessierte treffen.
SM-Partys haben oft die Gestalt von Partys der Schwarzen Szene, mit mehr oder minder striktem Dress-Code, d.h., Zutritt haben nur Personen, deren Outfit den Vorgaben des Veranstalters entspricht. In der Regel versteht dieser darunter frivole Kleidung bzw. Teilbekleidung aus Lack (PVC), Leder, Latex, Vinyl, Lycra u.a., die körperbetonend wirken bzw. die sekundären Geschlechtsmerkmale besonders betonen. Ziel solcher Dresscodes ist, eine erotisierende Stimmung zu erzeugen und Spanner (die sich mit dem Thema SM nur schwach identifizieren) fernzuhalten. Minderjährigehaben in der Regel keinen Zutritt.
Sadomasochismus wird auf diesen Partys öffentlich (z. B. auf einer Bühne) oder quasi privat (in sog. Darkrooms) ausgelebt. Ein Grund für die relativ große Verbreitung dieser Art von Veranstaltungen ist das Vorhandensein von "Spielgeräten", für die es in den meisten Wohnungen keinen Platz gibt. Weiterhin gibt es im Allgemeinen kein "Lärmproblem" wie im privatem Rahmen. Weiterhin bietet eine Party sowohl Exhibitionistenals auch Voyeuren ein Forum, ihre Neigung ohne soziale Ablehnung auszuleben.
SM-Partys gibt es mittlerweile in jeder größeren Stadt. Die soziale Kontrolle auf diesen Partys ist in der Regel weitaus besser als in einer normalen Disko. Auf Konsensualität bei öffentlichen SM-Spielen wird strikt geachtet. Zu unterscheiden sind privat organisierte Partys bzw. nicht oder nur mäßig kommerzielle Partys, die von SM-Gruppen organisiert werden, sowie kommerzielle Partys.
Begrifflichkeit und Sprache
In der Szene existiert ein spezifisches Vokabular, welches sich oft erst mit einigen Erläuterungen erschließt.
Grundsätzlich nennt man BDSM-praktizierende Menschen "BDSMler", "SMler" oder "Sadomasochisten". Man unterscheidet gewöhnlich zwischen einem aktiven und einem passiven Partner und bezeichnet den aktiven Parter normalerweise als Top, den passiven als Bottom. Die Bezeichnung Sklave oder Sklavin wird in der Regel nur innerhalb bestimmter Vorstellungen aus dem Bereich Domination und Submission gebraucht. Ebenfalls vorwiegend im Bereich Domination und Submission werden analog zu den Begriffen Top und Bottom die Begriffe Dom und Sub gebraucht. Personen, die sowohl aus der aktiven wie auch aus der passiven Rolle Lustgewinn ziehen, bezeichnet man als Switcher.
Zur Unterscheidung von dominanten und devoten Personen werden üblicherweise die Namen (Pseudonyme, Nicknames) in großen (für dominant) und kleinen (für submissiv) Anfangsbuchstaben geschrieben. Dadurch wird symbolisch der dominante Part hervorgehoben und der submissive, devote unter den dominanten gestellt. Dies gilt besonders für die Kommunikation im Internet.
Etymologie
Ursprünglich waren Sadismus und Masochismus reine Fachausdrücke für psychologische Erscheinungen, welche als psychologische Erkrankung eingestuft wurden. Die Ausdrücke selbst leiten sich ab von den Autoren Marquis de Sadeund Leopold von Sacher-Masoch.
Die BDSM-Szene versuchte sich mit dem Ausdruck "B&D" für Bondage und Discipline von dem pejorativkonnotiertenBegriff "S&M" abzugrenzen. Die Abkürzung BDSM wurde wahrscheinlich in den frühen 1990er Jahren in der Subkultur um die Newsgroupnews://alt.sex.bondagegeprägt. Sie ist dort im Juli 1991 zum ersten Mal nachweisbar. Später wurde auch der Bereich Domination und Submission in den Bedeutungsumfang von BDSM integriert, wodurch das heute gebräuchliche mehrschichtige Akronymentstand.
Rechtslage
Es hängt sehr von der Rechtslage einzelner Staaten ab, ob Praktiken aus dem BDSM keine rechtliche Relevanz hat oder eine Straftat darstellen können. Eine eventuelle Strafbarkeit einvernehmlich ausgeführter BDSM-Praktiken resultiert zumeist daraus, dass derartige Praktiken - Schlagen, Fesselnu.ä. - normalerweise die Persönlichkeitsrechte verletzen, weswegen sie grundsätzlich immer bestraft werden.
In Deutschland, den Niederlanden, in Japanund in den skandinavischen Ländern stellen diese Praktiken grundsätzlich keine Straftat dar. In Österreichgibt es keine gefestigte Rechtslage, während in der SchweizBDSM-Praktiken nur teilweise strafbar sein können.
Deutschland
Mit gegenseitigem Einverständnis sind partnerschaftlich ausgeübte Praktiken aus dem Bereich BDSM in Deutschland im Regelfall nicht strafbar.
Im Rahmen von Handlungen aus dem Bereich BDSM können folgende Straftatbestände relevant werden:
- Sexuelle Nötigung(§ 177 StGB)
- Sexueller Missbrauchwiderstandsunfähiger Personen (§ 179 StGB)
- Beleidigungund Tätliche Beleidigung (§ 185 StGB)
- Körperverletzung(§ 223 StGB)
- Gefährliche Körperverletzung(§ 224 StGB)
- Freiheitsberaubung(§ 239 StGB)
- Nötigung(§ 240 StGB)
Für die Verwirklichung des Tatbestands der Nötigung muss die Anwendung von Gewalt oder die Drohung mit einem "empfindlichen Übel" gegeben sein, im Falle der Sexuellen Nötigung die Drohung mit einer Gefährdung für Leib und Leben. Sofern die Fortdauer der Handlung durch den Gebrauch eines Safewordsunverzüglich beendet werden kann, sind beide Tatbestände nicht zu verwirklichen.
Ähnliches gilt für den Tatbestand des Sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen. Danach ist zu bestrafen, wer unter Ausnutzung der Widerstandsunfähigkeit sexuelle Handlungen an einem anderen vornimmt. Solange der nötige Widerstand, die Fortdauer der Handlung zu unterbrechen, durch den Gebrauch des Safewordsaufgebracht werden kann, ist der Tatbestand nicht zu verwirklichen, da eine wirkliche Widerstandslosigkeit ja nicht besteht.
Eine Beleidigung kann gemäß § 194 StGB nur auf Antrag des Beleidigten verfolgt werden.
Eine Freiheitsberaubung ist verwirklicht, wenn das Opfer gemäß objektiver Betrachtung in der Freiheit der Wahl seines Aufenthaltsortes eingeschränkt wird.
Nach § 228 StGB handelt derjenige, der eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt. Am 26. Mai 2004 hat der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofes entschieden, dass sadomasochistisch motivierte Körperverletzungen nicht an sich sittenwidrig sind, und damit § 228 StGB gilt. Allerdings ist das Urteil über die Sittenwidrigkeit im Einzelfall abhängig vom Grad der Rechtsgutverletzung, mit anderen Worten von den drohenden gesundheitlichen Folgen der Körperverletzung. Die Grenze zur Sittenwidrigkeitist laut BGH auf jeden Fall überschritten, wenn ?bei vorausschauender objektiver Betrachtung aller maßgeblichen Umstände der Einwilligende durch die Körperverletzungshandlung in konkrete Todesgefahr gebracht wird.? In dem Grundsatzurteilhob der BGH ein Urteil des LandgerichtsKassel auf, in dem ein Mann, der seine Partnerin auf deren Wunsch gewürgt und dabei unwillentlich erwürgt hatte, wegen fahrlässiger Tötungzu einer Bewährungsstrafeverurteilt worden war. Eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolgehatte das Landgericht abgelehnt, da die Tat seiner Auffassung nach mit Einwilligung des Opfers geschehen sei.
Österreich
Nach § 90 StGB ist eine Körperverletzung (§§ 83, 84 StGB) oder eine Gefährdung der körperlichen Sicherheit (§ 89 StGB) nicht strafbar, wenn das "Opfer" einwilligt und die Verletzung oder Gefährdung nicht gegen die guten Sitten verstößt. Nach ständiger Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes ist eine Körperverletzung nur sittenwidrig und somit strafbar, wenn sie eine schwere Verletzung (das ist eine Gesundheitsschädigung oder eine Berufsunfähigkeit, die länger als 24 Tage dauert) oder den Tod des "Opfers" zur Folge hat. Eine leichte Verletzung ist bei Einwilligung des "Opfers" grundsätzlich erlaubt.
Bei der Gefährdung der körperlichen Sicherheit kommt es darauf an, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Verletzung auch tatsächlich eintritt. Ist die schwere Verletzung oder gar der Tod wahrscheinlich, so ist die Gefährdung jedenfalls strafbar.
Zum konkreten Fall der Körperverletzung durch Handlungen im BDSM-Bereich gibt es allerdings keine gefestigte Rechtsprechung. Es kann durchaus sein, dass der Oberste Gerichtshof im BDSM-Bereich auch leichte Körperverletzung als sittenwidrig und somit als strafbar ansieht. Ob eine Handlung gegen die guten Sitten verstößt hängt in Österreich nämlich davon ab, ob einem vorbildlichen Menschen die Sorge um die Gesundheit des "Opfers" wichtiger wäre als die Rücksicht auf dessen Wünsche. Es besteht also keine Rechtssicherheit.
Schweiz
Die sexuelle Mündigkeit beginnt in der Schweiz mit 16 Jahren, was auch für BDSM-Spiele gilt. Selbst Kinder (d. h. unter 16-jährige) machen sich nicht strafbar, sofern der Altersunterschied zwischen den Beteiligten unter drei Jahren liegt. Gewisse Praktiken erfordern jedoch die Einwilligung zur leichten Körperverletzung und sind deshalb erst ab 18 Jahren erlaubt.
Großbritannien
Das britische Strafrecht kennt keine Einwilligung in Körperverletzung, entsprechende Handlungen sind auch einvernehmlich unter Erwachsenen illegal, diese Rechtslage wird auch durchgesetzt. Dies führt zu der etwas skurrilen Situation, dass Großbritannien und insbesondere London als Weltzentrum der eng verwandten Fetischismus-Szene gelten, es aber für die BDSM-Szene fast ausschließlich private und keine mit der deutschen ?Playparty?-Szene vergleichbaren Veranstaltungen gibt. Dieser Umstand wird z. B. in dem Film ?Preaching to the Perverted? (1997) komödiantisch gelungen aufs Korn genommen.
BDSM in Kultur und Medien
Belletristik
In der Literatur ist vor allem Sadomasochismus ein Dauerbrenner und hat einige Klassiker hervor gebracht, z. B. Die Geschichte der O von Anne Declos (unter dem Pseudonym Pauline Réage), Justine von Marquis de Sade, Venus im Pelz von Leopold von Sacher-Masochoder die Cult Comics von Eric Stanton, in Anspielungen auch im King Ping Meh. Als Kuriosum zu erwähnen ist Marthas Brief an Leopold Bloom in Ulysses von James Joyce. Auch in Elf Minuten von Paulo Coelhowird das Thema angeschnitten. Eine sadomasochistische Autobiografie ist Dezemberkind von Leander Sukov(2005).
Siehe auch: Sadomasochistische Literatur
Sachbücher
- Kathrin Passig und Ira Strübel: Die Wahl der Qual. Rowohlt-Verlag 2004, ISBN 3499616920(Ein eher informatives Buch, das für Leute geeignet ist, die sich erstmalig mit der Thematik auseinander setzen wollen. Es ist auch geeignet, wenn man nicht weiß, was man von Sadomasochisten halten soll)
- Matthias T. J. Grimme: Das SM-Handbuch. Charon-Verlag 2002, ISBN 3931406016(Ein eher technisches Handbuch mit Schwerpunkten bei der Erklärung von Praktiken und Sicherheitshinweisen)
- Thomas A. Wetzstein, Linda Steinmetz, Christa Reis: Sadomasochismus, Szenen und Rituale. Rowohlt TB-Verlag 1993, ISBN 3499196328(Wissenschaftlicher Versuch, sich dem Thema SM zu nähern)
- Arne Hoffmann: Lexikon des Sadomasochismus von Arne Hoffmann. Schwarzkopf & Schwarzkopf 2004, ISBN 3896022903. (400-seitiges alphabetisches Nachschlagewerk)
- Sadomasochisten und ihre Subkulturen. A.Spengler, Campus-Verlag, Frankfurt 1979
- William A. Granzig (Vorwort), u. a.: Screw the Roses, Send Me the Thorns: The Romance and Sexual Sorcery of Sadomasochism. Mystic Rose Books 1995, ISBN 0964596008(Ein reichbebildertes und umfangreiches Handbuch mit Schwerpunkten bei der Erklärung von Praktiken und Sicherheitshinweisen)
- Jay Wiseman: SM 101: A Realistic Introduction. Greenery Press (CA)1998, ISBN 0963976389(umfangreiches Nachschlagewerk inklusive einiger Schwerpunkte wie ?BDSM als Lebensstil? und ?BDSM in der Schwangerschaft?)
- Dossie Easton, Janet W. Hardy: The New Topping Book. Greenery Press (CA) 2002, ISBN 1890159360(Praktische und theoretische Einführung für Tops mit Schwerpunkt auf psychologischen Aspekten, praktischen und technischen Fragen, sowie detaillierten Tips zur Partnersuche)
- Dossie Easton, Janet W. Hardy: The New Bottoming Book. Greenery Press (CA) 1998, ISBN 1890159352(Praktische und theoretische Einführung für Bottoms mit Schwerpunkt auf psychologischen Aspekten, praktischen und technischen Fragen, sowie detaillierten Tips zur Partnersuche)
- Gini Graham Scott: Dominanz und Demut Knaur 1994 (deutsche Ausgabe), ISBN 3426770962(soziologische Studie der amerikanischen SM Szene)
Magazine
- www.sm-news.de? SM-News, Lumehr Verlag, Rathausstr. 116, 85757 Karlsfeld. ISSN 1613-4567(Print), ISSN 1612-944X(Web)
- www.schlagzeilen.com? Schlagzeilen, Charon-Verlag Grimme KG, Simon-von-Utrecht-Str. 4c, 20359 Hamburg. ISSN 0948-6941.
- www.domina-bizarr-fuehrer.de? Der wahre Domina-Bizarr-Führer, Werbeverlag K.A., Vennhauser Allee 272, 40627 Düsseldorf.
Filme
- 1966: Belle de jour ? Schöne des Tages, Louis Bunuel IMDb
- 1969: Venus im Pelz, IMDb
- 1975: Geschichte der O, IMDbund diverse weitere "Geschichte der O"-Verfilmungen
- 1976: Im Reich der Sinne(Ai no corrida), IMDb
- 1976: Maîtresse, IMDb (nur Englisch)
- 1976: The Punishment of Anne, IMDb (nur Englisch)
- 1985: Verführung: Die grausame Frau, IMDb
- 1986: 9 1/2 Wochen, IMDb (nur Englisch)
- 1987: Personal Services, IMDb (nur Englisch)
- 1993: Tokio Dekadenz, IMDb
- 1994: Exit to Eden, IMDb
- 1994: Venus in Furs, IMDb(nur Englisch)
- 1996: Fetishes (Die Peitsche der Pandora), IMDb
- 1997: Preaching to the Perverted, BRD: The Fetish Club Website, IMDb(nur Englisch)
- 2001: Die Klavierspielerin, IMDb
- 2002: Secretary, IMDb
- 2003: Wir leben ... SM!
- 2005: Extasy in Berlin 1926 von Maria Beatty
- 2006: 24/7 - The Passion of Life von Roland Reber [1][2]
Neben diesen eher ästhetisch orientierten Filmen existiert natürlich ein breiter Markt für sadomasochistische Pornografiein Form von Pornofilmen.
Siehe auch
- Fetischismus
- Sexualität
- Erotisches Spanking
- Vanilla (Sex)
- Bondage
- Polyamorie
Weblinks
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| Commons: {{{2|Category:BDSM}}} ? Bilder, Videos oder Audiodateien
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Gute deutschsprachige, nicht-kommerzielle Webseiten zum Thema:
- www.datenschlag.org? Lexikon und weiterführende Infos
- www.bvsm.de? Bundesvereinigung Sadomasochismus e. V.
- www.bdsm.at? BDSM in Österreich
- www.bdsm.info- BDSM-Plattform
- www.ig-bdsm.ch? BDSM in der Schweiz
- www.smjg.org? BDSM-Jugendgruppe
- www.sm-alltalk.de.vu? BDSM-Geschichten,Historisches,etc.
- www.lustschmerz.de? BDSM Orientierungsseite mit Informationen
- www.derleuchtturm.ch? BDSM ? Plattform
- www.smikipedia.org? Ein WikiProjekt. Freie Enzyklopädie des BDSM
- www.sub-mission.de? Informationen für Subs und solche, die es werden wollen
- www.sm-hilfe.de noch junge Seite die fast das gleiche Motto hat wie sub-mission. Für alle BDSM'ler und die es werden wollen
- www.kinky-library.de? Eine bibliografische Sammlung zum Thema Erotik, Sexualität und BDSM
- www.bdsm-literatur.de? freie BDSM-Literatur
- www.NachtwaertZ.com? NachtwaertZ
- www.sm-outing.de
- Workshops zu SM und Sinnlichkeitda:BDSM
en:BDSM
fr:Bondage et discipline, domination et soumission et sado-masochisme
it:BDSM
nl:BDSM
pl:BDSM
sv:BDSM
zh:BDSM
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