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Saturnismus

Bei der Bleivergiftung (lat. Saturni(ali)smus) handelt es sich um eine Vergiftungdurch die Aufnahme von metallischem Bleioder Bleiverbindungen durch Nahrungsaufnahme und Inhalation.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Akute Bleivergiftung
  • 2 Chronische Bleivergiftung
  • 3 Wirkung und Symptome
  • 4 Vermeidung
  • 5 Behandlung
  • 6 Literatur
  • 7 Weblinks

Akute Bleivergiftung

Akute Bleivergiftungen durch einmaligen Kontakt erfordern eine hohe Dosis, die in der Regel nur durch Bleiverbindungen (wie Verschlucken von Bleizucker, Aufnahme von Bleitetraethylenauch durch Atemwege und Haut) zu erreichen sind. Symptome sind Blutdruck- und Temperaturabfall, Unruhe, Verwirrtheit bis Koma und Tod.

Chronische Bleivergiftung

Häufiger sind chronische Vergiftungen, die durch die regelmäßige Aufnahme von geringen Mengen von Bleiverbindungen entstehen können. Metallisches Blei wird über den Magen-Darm-Trakt wesentlich schlechter resorbiert als Bleiverbindungen. Bei Aufnahme von Staub ist jedoch durch die große Oberfläche eine Vergiftungsgefahr vorhanden.

Blei wird, wie viele Schwermetalle, vom Körper nur langsam ausgeschieden. Dadurch reichert sich das Blei im Körper an, man spricht von Akkumulation. Die Folgen sind selten tödlich.

Wirkung und Symptome

Blei stört den Eiseneinbau in die roten Blutkörperchen. Die toxischeWirkung des Bleis besteht in der Deaktivierung von bestimmten Enzymen, die eine Störung des Porphyrinstoffwechsels(siehe auch: Stoffwechsel), der Blutbildung und der Funktion der Gefäßnervenbewirken. "Dadurch werden die betroffenen Blutkörperchen funktionsuntüchtig und können keinen Sauerstoff aufnehmen. Der Mensch verspürt bei der Aufnahme von mäßigen Mengen Blei anfangs eine Mattigkeit, die Haut verfärbt sich gelblich-blass und möglicherweise tritt ein dunkelgrauer bis schwarzer Saum am Zahnfleischrand auf. (Bleisaum)

Bei Aufnahme größerer Mengen Blei treten dann eine deutliche Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, unter Umständen Kopfschmerzen oder Schwindel und Magen-Darm-Störungen hinzu. Erst bei Aufnahme großer Mengen Blei, wie man es heute im Arbeitsleben nicht mehr beobachtet, treten krampfartige Bauchschmerzen und Erbrechen auf sowie eine Schädigung des zentralen und peripheren Nervensystemes. Im Endstadium nach jahrelang höchster Bleibelastung beobachtet man auch Nierenversagen.

Ungeborene Kinder können schon durch deutlich geringere Konzentrationen geschädigt werden als Erwachsene. Deshalb und wegen der Störung der Blutbildung liegt der zulässige Blutbleispiegel (BAT-Wert, Biologischer Arbeitsstofftoleranzwert) für Frauen im gebärfähigen Alter, unter 45 J., niedriger (300 µg/l Blut) als bei den übrigen Arbeitnehmern (400 µg/l Blut). Die Konzentration 1 µg/l entspricht übrigens einem Stückchen Würfelzucker, das in der gesamten Ladung eines Öltankers gelöst ist." (Quelle: BG Glas.)

Eine häufige Folge der Bleivergiftung sind geistige Störungen, welche zu Wutausbrüchen und anderen Gemütsschwankungen führen können. Auch können Schlafstörungen auftreten.

Das wohl berühmteste Opfer der Bleivergiftung ist Ludwig van Beethoven. Er starb Jahrzehnte nach seiner Vergiftung an dieser. Fälle aus neuerer Zeit in Deutschland beschreiben die Artikel Bleikinderund Gressenicher Krankheit.

Symptome sind Funktionsstörungen

  • des Nervensystems(Bleienzephalopathie, Bleilähmung),
  • des peripheren Kreislaufs(Bleikolorit; Gangrän),
  • des Skeletts(Gelenkschmerzen, Bleigicht, Bleiosteosklerose),
  • des Verdauungstraktes(Bleisaum, Bleikolik)
  • der Nieren(Bleischrumpfniere).
  • des Gehörs(Taubheit)
  • Zeugungsunfähigkeit
  • Erhöhtes Ausscheiden von Deltaaminolävulinsäure im Harn (Nachweis)

Vermeidung

Der Kontakt mit metallischem Blei ist in der Regel ungefährlich. Blei in Metallform bildet an der Luft sehr schnell aus Luftsauerstoff und Kohlendioxid eine Patina aus Bleicarbonat. Da dieses schwer löslich ist, bildet es eine natürliche Schutzschicht. Auch Wasserrohre aus Blei bilden diese Schicht aus, vorausgesetzt, dass das Wasser hart ist.

Zur Vermeidung:

1) Suche nach Quellen für Bleibelastung Beruf, Hobby, Wohnung: Farben (Bleiweiß, Bleichromat) und Anstriche (Mennige), Keramik-Glasuren, Wasserleitungen (Bleirohre),Amalgamfüllungen in den Zähnen

2) Ersetzen von Anwendungen mit hohem Risiko, wenn diese mit anderen Mitteln ausgeführt werden können. (z.B. Bleitetraethylenals Antiklopfmittel im Benzin)

3) Vermeiden von Staub bei der Verarbeitung von Blei und Bleiverbindungen

Vermeiden von Dämpfen durch Verhindern der Überhitzung (Blei hat einen niedrigen Schmelzpunkt (327°C) und neigt bei dieser Temperatur nicht zum Verdampfen, da es einen geringen Dampfdruck hat)

4) Hygiene

"Das A und O beim Umgang mit Blei besteht darin, die Regeln der Arbeitshygiene peinlich einzuhalten. Man darf bei der Arbeit nicht essen, trinken oder rauchen. Vor allen Dingen beim Rauchen werden ständig kleinste Mengen Blei über den Mund aufgenommen, weil das Zigarettenende mit Blei von den Händen verschmutzt ist. Häufiges Händewaschen ist unabdingbar, insbesondere vor den Mahlzeiten. Arbeitskleidung darf nicht in der Freizeit getragen werden und ist getrennt von der Freizeitkleidung aufzubewahren. Die Arbeitskleidung darf zum Reinigen nicht abgeblasen werden.

Wer besondere Sorgfalt walten lassen möchte, kann gesonderte Arbeitskleidung tragen, die vor der Essensaufnahme abzulegen ist. Nach Arbeitsende muss geduscht werden und die Kleidung ist komplett zu wechseln. Die Arbeitskleidung sollte häufig gewaschen werden. Gegebenenfalls wäre Arbeiten mit einem Atemschutz bei besonders belastenden Arbeitsgängen, z.B. bei starker Rauchentwicklung, möglich, um die Schadstoffaufnahme weiter zu verringern. Bei bestimmten Arbeiten ist das Tragen von Atemschutz zwingend vorgeschrieben.

Für beschäftigte Schwangere und stillende Mütter gelten Beschäftigungsverbote und Auflagen laut Mutterschutzgesetz und Mutterschutzrichtlinienverordnung sowie TRGS 505." (Quelle: BG Glas.))

Behandlung

Nach Ausschalten der Ursache: Gabe von Penicillamin, Ethylendiamintetraessigsäure

Entgiften, Ausscheiden des gespeicherten Bleis insbesondere aus den Knochen durch Chelat-Therapie.

Literatur

  • Detlev Stöfen: Blei als Umweltgift. Die verdeckte Bleivergiftung - ein Massenphänomen? G. E. Schroeder, Eschwege 1974, ISBN 3-87721-023-6
  • Quelle BG Glas.: Arbeitsmedizinische Information Blei der BG der Glas- und keramischen Industrie
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 259. Auflage. de Gruyter, Berlin 2002

zur Berufskrankheit: BG-Kennziffer 1101

Weblinks

  • Untersuchung eines Bleibelastungsfalls am Arbeitsplatz (pdf-Datei)
  • zum Biomonitoring, Auszug aus dem Bundesgesundheitsblatt Bd. 39 (6), (1996), S. 236-241 (pdf)
  • Lead Poisoning: A Historical Perspective ? Historische Perspektive zur Bleivergiftung (US-amerikanische Webseite)
Von "http://de.wikipedia.org/Bleivergiftung"



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