| Schlafmohn
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Bild:Illustration Papaver somniferum0.jpg Schlafmohn (Papaver somniferum)
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| Systematik
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| Klasse: | Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige (Rosopsida)
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| Unterklasse: | Hahnenfußähnliche(Ranunculidae)
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| Ordnung: | Mohnartige(Papaverales)
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| Familie: | Mohngewächse(Papaveraceae)
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| Gattung: | Mohn(Papaver)
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| Art: | Schlafmohn
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| Wissenschaftlicher Name
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| Papaver somniferum
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| L.
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Der aus dem östlichen Mittelmeerraum stammende Schlafmohn (Papaver somniferum) ist eine einjährige, bis 1,5 m hohe Blütenpflanze, deren Samen als Nahrungsmittel(für Süßspeisen) sowie zur Speiseölgewinnungverwendet werden. Die Pflanze führt außerdem einen morphinhaltigen Milchsaft, aus dem Opiumhergestellt wird. Der lateinische Name "somniferum" verweist auf die Verwendung als Schlafmittel für Kinder in der griechischen Antike. Es existieren zahlreiche Zuchtsorten, die sich u.a. durch Gehalt und Zusammensetzung der Alkaloideunterscheiden.
Bild:Schlafmohn lila.jpg Lila blühender Schlafmohn
Inhaltsverzeichnis
- 1 Die Pflanze
- 2 Herkunft & Geschichte
- 3 Mohn als Lebensmittel
- 4 Mohn als Droge
- 4.1 Therapeutischer Einsatz
- 5 Rechtslage
- 6 Literatur
- 7 Weblinks
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Die Pflanze
Der runde, überlaufende Stängel wird bis über 1 m groß. Die relativ großen Blüten haben einen zweiblättrigen Kelch, der beim Aufblühen abfällt, sowie vier weiße oder violette, schnell abfallende Blütenblätter, die auf schlanken, haarigen Stielen stehen. Blütezeit ist von Mai bis August. die kugeligen Fruchtkapseln beinhalten zahlreiche weißliche oder braune Samen.
Herkunft & Geschichte
Schlafmohn ist aus dem im westlichen Mittelmeerraum beheimateten "Borstenmohn" (P. somniferum ssp. setigerum) entstanden. Die Verwendung als Nutzpflanze ist in Südeuropa seit der Jungsteinzeit(ab ca. 6000 v.Chr.) nachgewiesen. Mohn gehört damit zu unseren ältesten Kulturpflanzen. Erwähnt wurden sie erstmals um 4000 v. Chr. in Keilschriftenaufzeichnungen. Dort finden sich auch Aufzeichnungen über die Herstellung von pharmazeutischenProdukten aus Schlafmohn. Es sind praktisch die ältesten Belege für eine Verwendung von Opium.
Die Sumererbezeichneten den Schlafmohn als "Pflanze der Freude"; aus dem alten Griechenlandbelegen archäologische Funde, dass die Griechen über den kultischen und den medizinischen Gebrauch Opiums bestens Bescheid wussten. Die Mohnkapsel war das Symbol für Morpheus, den Gott des Traumes, für Thanatos, den Gott des Todes, und für Nyx, die Göttin der Nacht. In Ägypten ließen sich Opium-Mixturen bis auf etwa 1800 v. Chr. zurückverfolgen. Die Ägypter lagerten ihr Opium in speziellen Gefäßen, den Bibil-Krügen. Im römischen Reichkam Opium und Schlafmohn in den zweifelhaften Rang einer Wohlstandsdroge, bzw. -pflanze. Bei einer Inventur des kaiserlichen Palastes 214 wurden insgesamt 17 Tonnen Opium entdeckt. Ab etwa 1100 bauen auch die Chinesen den Schlafmohn an, ursprünglich fand Opium hier fast ausschließlich medizinische Verwendung. Das frühe Christentum, das in einer Krankheit eine Strafe Gottes sah, verbot im 4. Jahrhundert die Anwendung von Opium als schmerzstillendes Mittel. Karl der Großeerneuerte dieses Verbot 810, Mohnsaft galt als Satanswerk. Erst im Mittelalter kehrte Opium und mit ihm der Schlafmohn mit der arabischen Medizin nach Europazurück.
Aus verschiedenen antiken Schriften geht hervor, dass man aus ausgepressten Pflanzen das Meconiumgewinnen kann. Meconium ist in seiner Wirkung schwächer als Opium, wurde aber ebenfalls als Schlaf- und Heilmittel genutzt.
Die außerordentliche Bedeutung, die die Entdeckung des Opiums für die Menschen von damals hatte, ist heute schwer nachvollziehbar. Erstmals standen der Heilkunst Mittel zur Verfügung, die Schmerzen stillten und viele medizinische Eingriffe für den Patienten erträglicher oder gar erst möglich machten.
Mohn als Lebensmittel
Die ölhaltigen, angenehm und nussig duftenden Samen des Schlafmohns werden als Lebensmittel vor allem für Süßspeisen und Gebäck verwendet. Die bekanntesten Rezepte wie der Mohnkuchen, Mohn-Kließlaoder Germknödelstammen aus dem Raum Böhmen-Schlesien. Von dort gelangten sie nach Österreich, das als klassisches Mohnanbaugebiet gilt. Die österreichische Küche ist daher besonders reich an Mohnrezepten.
Mohnsaat liefert mit einem Fettgehalt von 40 bis 45 Prozent außerdem ein hochwertiges Speiseöl (Mohnöl), das durch Kaltpressung gewonnen wird. In Japan wird Mohn auch in Gewürzmischungen verwendet. Ferner wird er als Futtermittel sowie in der Pharmazie genutzt.
Es sind weiße, graue und blaue bis blauschwarze Mohnsaaten erhältlich. Die weißen Sorten stammt zumeist aus Indien, die bei uns gehandelten blauen Sorten stammen zumeist aus der Türkei, aus Tschechien, Ungarnund Australien. Jährlich werden in Deutschland ca. 8000 Tonnen Mohnsaat verarbeitet. Zur Samengewinnung wird ausschliesslich Schlafmohn verwendet, andere Mohnsorten gelten als wenig ergiebig oder unbekömmlich.
Mit einem Kalziumgehaltvon 2475 mg pro 100 g ist Mohnsaat eines unserer kalziumreichsten Lebensmittel und übersteigt den Kalziumgehalt von Kuhmilchum das 20-fache. Mohn ist außerdem reich an B-Vitaminen.
Der Morphingehaltvon Mohnsamen ist sehr gering (0.005%) und gesundheitlich unbedenklich, kann aber zu positiven Drogentestsnach dem Genuß von mohnreichen Speisen führen.
Mohn als Droge
Bild:Opium9.jpg Opiumkügelchen
Ein weiteres Produkt des Schlafmohns ist das in dem weißen Milchsaft enthaltene AlkaloidMorphin, welches zur Herstellung von Opiumverwendet wird und früher in der Schmerztherapie eines der wichtigsten Therapeutika war. Auch das Heroin(eine Entwicklung der Firma Bayer) basiert auf dem Inhaltsstoff Morphin.
Zur Gewinnung des Opiums werden die noch grünen Mohnkapseln etwa 8 bis 14 Tage nach dem Abfallen der Blütenblätter in den Abendstunden angeritzt. In den folgenden Morgenstunden wird der getrocknete, braun verfärbte Milchsaft der gegliederten Milchröhren - das Rohopium- durch Abkratzen gewonnen. Eine Kapsel liefert ca. 20 bis 50 mg Substanz. Durch Fermentation(Lagern, Kochen, Rösten) wird das charakteristisch süß riechende Rauchopium (Chandu) hergestellt. Rohopium enthält 3 bis 23% Morphin. Rauchopium dagegen enthält weniger Morphin. Durch chemische Derivatisierung (Acetylierung --> Säureesterbildung) entsteht das stark suchterzeugende Heroin, welches in der Medizin unter dem Namen Diamorphin (Diacetylmorphin) bekannt ist. Diamorphin besitzt die 3- bis 6-fache analgetische (schmerzstillende) Wirkung von Morphin.
Die wichtigsten Alkaloidedes Schlafmohns sind Morphin, Codein, Papaverin, Noscapin(= Narkotin) sowie Thebainund Narcein. Chemisch handelt es sich bei Morphin, Codein und Thebain um Morphinanderivate. Narcotin, Papaverin und Narcein dagegen sind Benzylisochinolinalkaloide. Ein großer Teil liegt als Salz mit der Mekonsäure gebunden vor (sogenannte Mekonate).
Die illegalen Hauptanbaugebiete von Schlafmohn liegen in Afghanistansowie in Südostasien(Goldenes Dreieck).
Legaler Anbau zu medizinischen Zwecken wird hauptsächlich in Indien, Türkei und Ländern der ehemaligen Sowjetrepubliken betrieben.
Siehe auch Opiumkriege.
Therapeutischer Einsatz
Morphin wird zur Schmerzbekämpfung bei starken Schmerzen, wie Tumoren, eingesetzt, aber auch als Drogemissbraucht. Morphin ist bei Gallen- und Nierenkoliken zur Schmerzstillung nicht geeignet. Morphin macht psychisch und physisch abhängig. Bei Überdosierungvon Morphin setzt der Tod (Letale Dosis) durch Atemdepression ein. Codein ist nur 1/6 bis 1/12 so analgetisch wirksam wie Morphin und wird daher als Antitussivumbei starkem Reizhusten verwendet. Noscapin und Narcein sind nicht schmerzstillend und besitzen wie Codein eine antitussive Wirkung, die aber schwächer ist. Weiter sind Noscapin und Narcein im Gegensatz zu Morphin schwach atemanregend und bronchodilatatorisch. Papaverin wird angewendet bei Krämpfen des Magens, der Gallenblase, des Darms und der Harnwege (auch bei Nierenkoliken). Opiumtinktur, ein ethanolischer Auszug aus Rohopium, wurde früher bei Magen-Darm-Krämpfen, Durchfall als auch bei seelischen Leiden oft verschrieben, wegen der suchterzeugenden Wirkung heute jedoch kaum noch.
Rechtslage
Der Anbau von Schlafmohn war (und ist) in vielen Staaten verboten. Die Einbeziehung des Mohnanbaus in das Betäubungsmittelrecht bedeutete in Deutschland das jähe Ende des erwerbsmäßigen Mohnanbaus, der vor dem 2. Weltkrieg, in der DDRsogar bis zur Wiedervereinigung, weit verbreitet war. Mit der morphinarmen Sorte "Przemko" ist seit 1996zwar wieder eine zugelassene Mohnsorte erhältlich, der Anbau ist jedoch nach wie vor nur mit einer Sondergenehmigung der Bundesopiumstelleerlaubt, da die betreffenden Gesetze bisher nicht aktualisiert wurden.
Entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben ist der Anbau von Schlafmohn in Deutschlandim eigenen Garten als Zierpflanzenicht erlaubt und stellt ohne Sondergenehmigung in jedem Fall einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz(BtMG) dar. Dieser kann mit bis zu 5 Jahren Haft und/oder Geldstrafegeahndet werden. Das Gerücht, dass der Anbau auf einer Fläche bis zu 10 m² ohne Genehmigung erlaubt sei, geht wahrscheinlich auf die Tatsache zurück, dass früher eine morphinarme Sorte des Schlafmohns bis zu 10 m² genehmigungsfähig war. Diese Sorte ist jedoch nicht mehr zugelassen und auch nicht mehr im Handel erhältlich.
Im Unterschied zu Deutschlandist der Anbau des Schlafmohnes in Österreicherlaubt und blickt auf eine lange Tradition zurück, die bis in die Hallstadtzeit zurückreicht.
Mohn ist in Österreich eine beliebte Gartenpflanze und Basis für eine Fülle von lokalen Traditionen und kulinarischen Spezialitäten. Die gesammte österreichische Anbaufläche von Mohn betrug im Jahre 2004 rund 1.700 ha. Hauptanbaugebiete sind das nördliche Ober-und Niederösterreich(Waldviertel). Während in Oberösterreichhauptsächlich Blaumohnsorten angebaut werden ist das Waldviertelberühmt für seinen großsamigen Graumohn.
Literatur
Jan Sneyd: "Mohn. Sorten, Anbau, Rezepte.", Ulmer Verlag 2000.
Weblinks
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| Commons: {{{2|Poppy (Papaveraceae)}}} ? Bilder, Videos oder Audiodateien
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- Zum Nährstoffgehalt
- Zum Mohnanbau in Österreich
- Zur Giftigkeit des Schlafmohns
- {{{2|Schlaf-Mohn}}}bei Erowid(englisch)
- Geopium: Geopolitics of Illicit Drugs in Asia
- poppies.org Größte Community zum Anbau und Gebrauch von Papaver somniferum
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