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Schleudertrauma

Als Schleudertrauma (engl.: whiplash injury) bezeichnet man eine Verletzung der Weichteile im Bereich der Halswirbelsäule, meist verursacht durch plötzliche Beugung und Überstreckung, wie z. B. bei einem Auffahrunfall. Dadurch kann es zu Schäden im Hals- und Nackenbereich kommen; diese können die Muskulatur, den Bandapparat, die Bandscheiben, die Gefäße und das Rückenmark betreffen. Verletzungen an den knöchernen Strukturen, die durch denselben Unfall verursacht wurden, werden nicht zum Schleudertrauma gezählt; dies sind eigene Verletzungen.

Durch diese Verletzung reagiert der Körper - je nach Schweregrad - mit Verspannungen der Hals- und Nackenmuskulatur, welche sehr schmerzhaft sein können und zu den Hauptsymptomen des Schleudertraumas führen.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Ätiologie (Ursachen)
  • 2 Symptome
  • 3 Diagnoseverfahren
  • 4 Therapie
  • 5 Unfallmechanik
  • 6 Recht und "Unrecht"

Ätiologie (Ursachen)

Die häufigste Ursache eines Schleudertraumas ist ein Verkehrsunfall. Den Löwenanteil machen dabei Auffahrunfälle aus, wobei die Insassen des vorderen Wagens gefährdet sind. Auch seitliche Auffahrunfälle bringen ein großes Risiko, ein Schleudertrauma zu erleiden, mit sich. (Details zur Unfallmechanik siehe weiter unten).

Neben Verkehrsunfällen führen häufig auch Sportunfälle (vor allem in Kampfsportartenwie Judo, Karate oder Boxen) zu einem Schleudertrauma.

Symptome

Hauptsymptome beim einfachen Schleudertrauma sind die Auswirkungen der Muskelverspannungen der Hals- und Nackenmuskulatur, welche zu Kopf- und Nackenschmerzen führen. In schwerwiegenden Fällen hält die Verspannung entsprechend länger an und kann zu weiteren Symptomen führen

  • Schwindel
  • Hör- und Sehstörungen
  • Schlafstörungen
  • Schwächegefühl
  • Schmerzen und/oder Missempfindungen in Gesicht und Armen
  • Gangunsicherheiten
  • Muskelfunktionsstörungen
  • Spasmen

Auch ohne Symptome soll zum Ausschluss einer Wirbelkörperverletzungoder eines Schädel-Hirn-Traumasunbedingt ein Arztaufgesucht werden.

Diagnoseverfahren

Verletzungen der knöchernen Strukturen werden in der Regel an Hand von Röntgenaufnahmen und der Computertomografie nachgewiesen. Die Weichteilverletzungen können nur durch eine funktionelle Magnetresonanztomografie(MRT) beurteilt werden. Wird lediglich eine Röntgenaufnahme oder ein CT gemacht, kann eine Weichteilverletzung nicht nachgewiesen werden und die Diagnose "keine bleibenden oder sichtbaren Schäden" wäre zu leichtfertig gestellt. Dies ist für die Geltendmachung der Schäden gegenüber einer Versicherung mißlich. Jedoch gibt es Hoffnung für Betroffene bei denen keine strukturellen Städen mit bildgebenden Verfahren nachgewiesen werden können. Am Fraunhofer Institute wird momentan ein neues Diagnoseverfahren(VR-Whiplash) entwickelt, welches momentan schon an der Universitätsklinik Ulm erprobt wird. Link: http://www.igd.fhg.de/igd-a4/projects18.html.en

Therapie

Neuere Studien haben gezeigt, dass eine längere Schonung der Halswirbelsäule (z. B. durch Tragen einer Halskrause) die Heilung eher verzögert. Am effektivsten zeigen sich krankengymnastischeÜbungen unter professioneller Anleitung, mit welchen bereits zwei bis drei Tage nach dem Verletzungsereignis begonnen werden soll (nach Absprache mit dem behandelnden Arzt). Von pharmazeutischerSeite kann neben eventuell notwendiger, vom Arzt verschriebener Schmerzmittelmedikationbisher keine wirkungsvolle Unterstützung geboten werden.

Nicht zu verachten ist der psychosomatische Faktor: Eine psychologische Begleitung kann helfen, eine Chronifizierung von Beschwerden zu verhindern, die nicht organischen Ursprungs sind, sondern einen psychischen Hintergrund haben (psychosomatischeBeschwerden).

Unfallmechanik

Der Anstoß durch ein auffahrendes oder seitlich aufprallendes Fahrzeug führt zur Übertragung der Bewegung auf die Insassen. Dies geschieht nach einer kurzen Latenz, während welcher zuerst die Knautschzonen des Fahrzeugs verformt werden und das angestoßene Fahrzeug selbst entsprechend der Wucht des Aufpralls in Bewegung gesetzt wird. Diese Beschleunigung überträgt sich via Autositz auf die Insassen (vgl. Impulskraft o. Impulserhaltung).

Die Wirbelsäule wird dabei zuerst beim sogenannten Ramping (Aufsteigen des Oberkörpers an der Rückenlehne) langgestreckt. Der Kopf 'drückt' dabei nach unten dagegen (Trägheitsmoment). Dabei werden die Bandscheiben 'zusammendrückt' (gestaucht, Distorsion). Auf die dadurch bereits geschwächte Wirbelsäule wirken in der weiter einsetzenden Bewegung nach wenigen Millisekunden weitere starke Kräfte, welche die Verletzungsgefahr erheblich steigern, da eine so gestauchte und gestreckte Wirbelsäule viel verletzungsanfälliger gegen Seitenbewegungen ist. Erst jetzt nämlich wandelt sich die Aufprallbeschleunigung auch für die Insassen in eine Vorwärtsbewegung um. Dabei wird der Oberkörper der Insassen vom Sicherheitsgurt zurückgehalten, während der Kopf nach vorn schnellen will. Dies findet jedoch nicht in einer bisher angenommenen reinen Peitschenschlag-Bewegung (engl. whiplash) statt, sondern in einer Translationsbewegung, das heißt horizontalen Scherbewegung mit höchstem Verletzungsrisiko für alle Strukturen der Hals- (HWS) und Brustwirbelsäule (BWS). So sieht man bei Rennen der Formel 1in letzter Zeit die schwarzen Aufsatzgestelle auf den Schultern der Fahrer, an denen der Helmmit Seilen befestigt wird, um dieser Translationsbewegung vorzubeugen und somit den Fahrer zu schützen.

Die Unfallanalyse und Biomechanik der Geschwindigkeitsänderungendienen als Quelle für die Frage, welche Kräfte auf den menschlichen Körper eingewirkt haben. Die Unfallanalyse rechnet aus, welche Kräfte auf die sich bewegenden Körper gewirkt haben, zum Beispiel welches Auto mit welcher Kraft belastet wurde. Interessant ist vor allem, welche Geschwindigkeitsänderung das von hinten angestoßene Auto erfahren hat. Dabei ist nicht wesentlich, wie schnell das hinterherfahrende Fahrzeug war, sondern wie groß der Geschwindigkeitsunterscheid zwischen den Fahrzeugen war. Auch die Knautschzonen sind wesentlich, da sie viel Eneregie absorbieren können. Die Biomeachanik (der Biomechaniker ist ein Arzt und erfahren mit der Unfallanalyse) sagt anschließend aus, wie stark die Kräfte, die auf die angestoßenen Körper (Autos) wirkten, sich auf den Menschen (Insassen) ausgewirkt haben. Dabei ist wesentlich, wie die Person sass, wie alt sie ist und wie ihr Gesundheitszustand ist. Der Biomechaniker kann schliesslich sagen, ob die geltend gemachten Beschwerden durch den Unfall erklärt werden können.

Nach wie vor gilt die sog. Harmlosigkeitsgrenze, also der Erfahrungswert, dass bei Heckanstössen unter einer Geschwindigkeitsänderung von 10 km/h (sog. delta-v) keine bleibenden Schäden zu erwarten sind. Bei Frontalkollisionen gilt mindestens der doppelte Wert. Natürlich ist dies nur eine Annahme, die sich im konkreten Fall als falsch erweisen kann. Voraussetzung sind allerdings außergewöhnliche Umstände. Die höchstrichterliche Rechtsprechung geht, auch wenn es gegenteilige Behauptungen gibt, grundsätzlich von diesem Erfahrungssatz aus.

Recht und "Unrecht"

Da nebst den Angaben des Patienten oftmals keine medizinisch nachweisbaren Läsionenoder Subluxationen vorhanden sind wurde häufig im Gerichtssaalanstatt am Patientenbettüber die Diagnose'Schleudertrauma' diskutiert. Problematisch ist, dass die Diagnose "Schleudertrauma" oft sehr leichtfertig gestellt wird und im Kopf des Patienten oft sehr negative Reaktionen auslöst (siehe oben, psychosomatische Beschwerden).

Mangels nachweisbarer Schäden verlegen sich viele Anwälte darauf, den KFZ-Versicherungenfolgendes vorzuwerfen: sie würden versuchen durch Diskreditierung der Unfallopfer, die häufig als Simulantenabgetan würden, zu verharmlosen und abzuwälzen.




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