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Spinalstenose

Bild:Image661.gif
Lage des Rückenmarks im Spinalkanal

Die Spinalanästhesie (von griech. ???????? - Wahrnehmung, an- - 'nicht'; syn.: Lumbalanästhesie) ist eine Form der Regionalanästhesie. Sie bewirkt die zeitweilige, umkehrbare Funktionshemmung von ausgewählten Nervensegmenten. Sie führt dabei zur Sympathikolyse, Schmerzfreiheit, Empfindungslosigkeit und Hemmung der aktiven Beweglichkeit in Teilen des Körpers (in der genannten Reihenfolge).

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Historisches
  • 2 Anatomische Grundlagen
  • 3 Durchführung
  • 4 Anwendungsgebiete
  • 5 Komplikationen
    • 5.1 Postspinaler Kopfschmerz
    • 5.2 weitere Komplikationen
  • 6 Voraussetzungen für die Anlage einer Spinalanästhesie
  • 7 Kontraindikationen gegen eine Spinalanästhesie
  • 8 Siehe auch

Historisches

1898 | Der Chirurg August Bier(1861-1949) führte die Spinalanästhesie ein. Er ließ sich von seinem Assistenten O. Hildebrandt 2 ml einer 1%igen Cocain-Lösung rückenmarksnah (also in Strukturen der Wirbelsäule) injizieren.

Der Versuch gelang insofern, als die erwünschte Wirkung eintrat. Die beiden Wissenschaftler testeten den Effekt u. a. von Hammerschlägen gegen das Schienbein Biers, kräftigen Massagen der Hoden (auch von Bier!), wobei dieser keinen Schmerz verspürte. Bier und Hildbrandt feierten den Erfolg mit einem kräftigen Trinkgelage.

Am nächsten Tag litten Bier und sein Assistent an extremen Kopfschmerzen, die sie auf den Alkoholgenuss zurückführten. Nach heutigem Wissen ist bekannt, dass sie am sogenannten postpunktionellen oder postspinalem Kopfschmerz litten, einem Problem dass gelegentlich nach rückenmarksnahen Anästhesien beobachtet wird.

Anatomische Grundlagen

Im Bereich des Rückenmarks liegen die Nervenzellen und -fasern geschützt von mehreren Schichten an Bindegewebe, den Rückenmarkshäuten. Von innen nach außen sind dies: die Pia mater, eine dünne Schicht aus Stützzellen, die direkt dem Rückenmark aufliegen und auch in dieses ausstrahlen; die Arachnoidea materund als äußere Begrenzung die Dura mater, die harte Rückenmarkshaut. Zwischen Pia materund Arachnoidealiegt der sogenannte Subarachnoidalraum, in dem eine Flüssigkeit, der Liquor cerebrospinaliszirkuliert. In diesen Raum wird bei der Spinalanästhesie das Lokalanästhetikuminjiziert.

Während des Wachstums des Menschen wächst die Wirbelsäule schneller als das Rückenmark, sodass das Rückenmark auf Höhe des 1. Lendenwirbelendet, die zugehörigen Nervenfasern aber trotzdem weiter kaudalaus dem Rückenmarkskanal austreten (siehe Abbildung). Dieser Umstand erlaubt eine Punktion im Lendenbereich, ohne eine Verletzung des Rückenmarks selber zu erzeugen und damit bleibende Schäden hervorzurufen.

Bild:Spinal1.jpg
Punktion des Liquorraums
Bild:Spinal2.jpg
Injektion des Lokalanästhetikum

Durchführung

Die Spinalanästhesie wird im Sitzen oder in Seitenlage angelegt. Nach Desinfektionund Lokalanästhesieder Haut wird mit einer dünnen Nadel im Lendenbereich zwischen zwei Dornfortsätzen der Wirbelsäule punktiert. Wenn sich über die Nadel Liquor cerebrospinalisabziehen lässt, wird das Lokalanästhetikuminjiziert. Die Wirkung setzt meist unmittelbar ein und fängt mit einem Wärmegefühl der Beine oder des Gesässes an. Durch Lagerung des Patienten lässt sich die Ausbreitung des betäubten Gebietes steuern. Nach einer bestimmten Zeit, der Fixierungszeit, ist die Ausbreitung des Lokalanästhetikumabgeschlossen, und der Eingriff kann durchgeführt werden.

Anwendungsgebiete

Die Spinalanästhesie ermöglicht auf anderem Wege als die Narkoseunangenehme medizinische Prozeduren wie Operationen und Untersuchungen. Mit geringen Mengen an Betäubungsmitteln und geringem Aufwand können bei der Spinalanästhesie große Körpergebiete betäubt werden. Die Spinalanästhesie ist zur Ausschaltung des gesamten Unterkörpers für Operationen ab Rippenbogen abwärts geeignet und wird besonders bei orthopädischen, gynäkologischenoder urologischenEingriffen eingesetzt. Es existieren Kathetertechniken, die längere Therapiezeiträume ermöglichen.

Komplikationen

Postspinaler Kopfschmerz

Der postpunktionelle oder postspinale Kopfschmerz tritt gelegentlich nach rückenmarksnahen Anästhesien (Spinalanästhesie) auf. Es handelt sich um eine unangenehme Begleiterscheinung dieser Methode, die am häufigsten bei Frauen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auftritt. Synonym wird der Begriff "Liquorverlustsyndrom" benutzt, der die Ursache der Kopfschmerzen beschreiben soll. Diese Phänomen trat früher recht häufig auf, da es recht dicke Nadeln waren, die vorne abgeschrägt wurden. Dadurch wurde ein Loch in die Rückenmarkshaut gestanzt, durch welches Liquor austrat, was die Kopfschmerzen verursachte. Die heutigen Nadeln sind vorne dreieckig, an allen Kanten geschliffen und das Loch aus welchem die Injektionsflüssigkeit austritt ist im Nadelschaft. Dadurch bohrt sich die Nadel, wie beim Stoff, durch die Haut und beim zurückziehen verschließt sich das Loch so gut wie sofort, außer bei sehr alten Menschen oder bestimmten Krankheiten, bei denen die Haut spröde ist und daher einreisst. Bleibt der Verschluss aus, führt der Verlust von Gehirnflüssigkeit durch das Loch zu einem Druckabfall im Liquor. Dieser Druckabfall äußert sich als Kopfschmerz. Er kann bis zu drei Tagen anhalten. Notfalls versucht man durch Injektioneines Blutgerinnseltropfens in den Epiduralraum das Leck zu verschließen.

weitere Komplikationen

  • starke Blutdruckabfälle, Herzrhythmusstörungen
  • Verletzung des Rückenmarks (selten, ggfs. vorübergehende Gefühlsstörungen, Lähmungen, Blasen- oder Darmentleerungsstörungen)
  • Verletzung einer Vene; bei Gerinnungsstörungenggfs. Entstehung eines spinalen Hämatomsmit neurologischenSymptomen; auch systemische Nebenwirkungen des verwendeten Lokalanästhetikumsmöglich
  • Nebenwirkungen der verwendeten Lokalanästhetika
  • Infektion der Einstichstelle

Voraussetzungen für die Anlage einer Spinalanästhesie

  • Einverständnis des Patienten
  • intakte Wirbelsäule
  • keine neurologischeoder psychiatrischeStörung (ansprechbarer Patient)
  • intakte Blutgerinnung
    • Quick> 65
    • PTTbis 42
    • Thrombozyten> 100 000
    • entsprechender zeitlicher Abstand zu Antikoagulantientherapie
      • 4 h nach normalem (unfraktioniertem) Heparin
      • 12 h nach niedermolekularem Heparin
      • 1 Tag nach Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAID) wie Ibuprofen, Diclofenac, Indometacinu. a.
      • 3 Tage nach Acetylsalicylsäure-Einnahme ab einer Dosis > 100mg pro Tag
      • 7?10 Tagen nach Einnahme von Clopidogrel
      • bei Einnahme von Marcumar: Umstellung auf unfraktioniertes Heparinund Kontrolle des Quick
  • keine Infektionim Injektionsgebiet
  • keine Sepsis
  • keine schwere Herz-Kreislauferkrankung
  • keine Hypovolämie, kein Vorliegen eines Schocks

Kontraindikationen gegen eine Spinalanästhesie

  • Ablehnung durch Patienten
  • Gerinnungsstörung
  • Sepsis
  • Lokale Infektion im Injektionsgebiet
  • Neurologische Erkrankung (relative Kontraindikation, forensische Gründe)

Siehe auch

  • Lumbalpunktion
  • Periduralanästhesie



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