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Spitzes

Spitzels Knabenkraut
Bild:Orchis spitzelii wiki mgk01.jpg
Spitzels Knabenkraut(Orchis spitzelii)
Systematik
Ordnung: Spargelartige(Asparagales)
Familie: Orchideen(Orchidaceae)
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Untertribus: Orchidinae
Gattung: Knabenkräuter(Orchis)
Art: Spitzels Knabenkraut
Wissenschaftlicher Name
Orchis spitzelii
Saut.ex W.D.J. Koch1837

Spitzels Knabenkraut (Orchis spitzelii) gehört zu den sehr seltenen OrchideenartenMitteleuropas. In Deutschland ist es lange ausgestorben, in Österreich und in der Schweiz ist nur je ein Fundort aktuell bestätigt. Spitzels Knabenkraut wurde 1835 vom Forstrat Anton von Spitzel (1807-1853) aus München im Land Salzburg (Österreich) entdeckt und 1837 ihm zu Ehren als Orchis spitzelii von Anton Eleutherius Sauternach einem Herbarexemplar von Wilhelm Daniel Joseph Kochbeschrieben. Der wissenschaftliche Name leitet sich also von griechisch ????? orchis (Hoden) und spitzelii, der latinisierten Benennung nach dem Entdecker, ab.


Inhaltsverzeichnis

  • 1 Morphologie, Blütezeit
  • 2 Genetik, Entwicklung
  • 3 Ökologie
  • 4 Verbreitung
  • 5 Naturschutz und Gefährdung
  • 6 Unterarten, Varietäten, Hybriden
  • 7 Systematik
  • 8 Literatur
  • 9 Weblinks

Morphologie, Blütezeit

Bild:Orchis spitzelii wiki mgk02.jpg
Spitzels Knabenkraut
(Orchis spitzelii)
Blüten

Spitzels Knabenkraut ist eine zierliche Pflanze, die Wuchshöhen von etwa 12 bis 40 cm erreicht. Sie hat verhältnismäßig viele (etwa 2 bis 7) grundständige, glänzende und ungefleckte Laubblätter, deren oberstes den Stängel scheidig umfaßt. Die Knollender Pflanze sind relativ klein, rundlich bis eiförmig. Der Blütenstand ist meist lockerblütig, bei starken Exemplaren auch dichtblütig. Die Tragblätter sind dünn, grünlich und rotviolett überlaufen, meist kürzer als der Fruchtknoten. Die etwa 8 bis 30 Blüten sind mittelgroß (im Vergleich zu anderen Arten der Gattung). Sepalenund Petalensind grünlich, innen mit braunpurpurnen Punkten und Flecken, eiförmig stumpf und einen Helm bildend. Die seitlichen Sepalen sind oft etwas abstehend. Die Lippe wird 8 bis 16 mm lang und ist dreilappig mit nochmals gespaltenem Mittellappen. Die Lappen sind seitlich zurückgebogen. Die Färbung der Lippe ist rosa bis purpurn mit dunkleren Flecken. Der Sporn ist kegelförmig, dick, abwärts gebogen, und etwa so lang wie der Fruchtknoten. Die Bestäubung dieser Art erfolgt in der Regel durch Hummeln und Wildbienen. Die Blütezeit der Art erstreckt sich von Mai bis Juli, je nach Region und Standort. Nach Untersuchungen der österreichischen Population seien Schnee und die Winterkälte sowie eine frühkonstante Bodenfeuchtigkeit ausschlaggebend für die Blühfähigkeit einer Pflanze. Sommerliche Trockenheit ist weniger relevant, da sie ohnehin in die Ruhephase der Pflanze fallen würde.

Genetik, Entwicklung

Spitzels Knabenkraut hat einen Karyotypvon zwei Chromosomensätzen und jeweils 21 Chromosomen(Zytologie: 2n = 42). Der Samedieser Orchidee enthält keinerlei Nährgewebefür den Keimling. Die Keimungerfolgt daher nur bei Infektiondurch einen Wurzelpilz (Mykorrhiza). Über die Dauer von der Keimung bis zur Entwicklung der blühfähigen Pflanze liegt keine Angabe vor.

Ökologie

Die Standorte dieser Art sind regional sehr unterschiedlich. Sie tritt in montanen Kiefern-, Buchen- und Mischwälder auf oder wächst auf Almwiesen sowie steinigen bis felsigen und vegetationsarmen Berghängen. Spitzels Knabenkraut gilt als kalkstet. Die Höhenverbreitung ist in den Alpen von etwa 800 bis 1800 m. ü. NN, auf Gotland(Schweden) kommt sie jedoch auf Meereshöhe vor. An seinen Standorten ist Orchis spitzelii oftmals die einzige Orchideenart.

Verbreitung

Orchis spitzelii kommt in Europaund Nordafrikavor und ist eine Art mit hauptsächlich mediterran-montaner Verbreitung. Jedoch hat sie kein geschlossenes Verbreitungsgebiet, sondern ein disjunktes Areal mit z.T. sehr weit auseinander liegenden Fundorten. Im mediterranen Raum gibt es auch noch einige ähnliche und nah verwandte Arten. Im Norden ihres Areals zeigt sich die Art eher wärmeliebend, nach Süden hin weicht sie auf kühlere Standorte aus (höher gelegene Orte, Nordhänge). Gewisse Verbreitungsschwerpunkte der Art liegen in den französischenSüdwestalpen (Vercors, Haute-Provence), und am italienischenSüdalpenrand (Trentino) sowie in den iberischen Hochgebirgen und auf dem Balkan. Des Weiteren kommt Orchis spitzelii isoliert weitab vom Hauptareal auf der schwedischenOstseeinselGotlandvor. Man vermutet, dass diese inselartigen Vorkommen Reliktstandorteeines ehemals größeren Verbreitungsareals dieser entwicklungsgeschichtlich relativ alten Orchideenart sind.

In Deutschlandist die Art ausgestorben, in der Schweizund in Österreichgibt es jeweils nur (noch) einen Fundort. Das einzige bekannte Vorkommen in Deutschland lag in Baden-Württemberg. Das historische Vorkommen am Nagolder Schloßberg gilt als belegt. Laut der Botanischen Zeitung 1845 wurde die Art vom Apotheker Peffinger dort gefunden. Als Ursache des Verschwindens liest man, dass sie "wegbotanisiert" worden sei oder aber dass der Standort durch "Wegebau" zerstört worden sei.

Auf der Insel Gotland wurde Orchis spitzelii bei seiner Entdeckung 1914 zunächst nicht erkannt, sondern vom Entdecker Thore Fries als "Orchis mascula in anderer Form, die an Orchis morio erinnert" bezeichnet. Erst B. Petterson erkannte sie in 1940 korrekt und beschrieb die gotländische Sippe als Orchis spitzelii var. gotlandica.

Naturschutz und Gefährdung

Wie alle in Europa vorkommenden Orchideenarten steht auch Spitzels Knabenkraut unter strengem Schutz europäischer und nationaler Gesetze.

  • Rote Listen:
  • Rote Liste Deutschland: 0
  • Rote Liste Bundesländer: Baden-Württemberg: 0
  • Rote Liste Schweiz: CR (Critically Endangered ? vom Aussterben bedroht)
  • Rote Liste Österreich: keine Angabe verfügbar.


Unterarten, Varietäten, Hybriden

Die gotländischeSippe wird entweder als Varietät (Orchis spitzelii var. gotlandica) oder als Unterart (Orchis spitzelii subsp. gotlandica) bezeichnet. Da die Unterschiede zur Nominatform nicht besonders ausgeprägt sind, neigt man eher zu Einstufung als Varietät.

Die Hybridisierungmit anderen Orchideenarten ist möglich, als Hybriden sind beschrieben (u.a. nach G. Blaich):

  • Orchis × algeriensis B. Baumann & H. Baumann 2005 (Orchis patens× Orchis spitzelii)
  • Orchis × amsittenii NA Sundermann 1980 (Orchis mascula × Orchis spitzelii)
  • Orchis × elsarocchia (Orchis purpurea × Orchis spitzelii)
  • Orchis × klopfensteiniae F Delforge 1994 (Orchis pallens × Orchis spitzelii)
  • Orchis × petterssonii G.Keller 1947 (Orchis mascula × Orchis spitzelii)
  • Orchis × tingitania GR NA 2004 (Orchis provincialis × Orchis spitzelii)
  • Orchis olbiensis × Orchis spitzelii

Systematik

Innerhalb der Knabenkräuter gehört Spitzels Knabenkraut in den Verwandtschaftskreis der "Patentes". Außer Orchis spitzelii gehören dazu einige mediterrane Arten Orchis anatolica (Türkei), Orchis bungii (Iran), Orchis canariensis (Kanaren), Orchis cazorlensis (Spanien), Orchis collina (östliche Mediterraneis), Orchis patens (Atlas, Ligurien), Orchis prisca (Kreta) und Orchis troodi (Zypern) mit kleineren Verbreitungsgebieten.

Der heute noch gültige Erstbeschreibungsname (Basionym) ist Orchis spitzelii Saut. ex W.D.J.Koch (1837).

Ein Synonymist Orchis patens subsp. spitzelii (Saut. ex W.Koch) Á.Löve & Kjellq 1973

Weitere Synonymebeziehen sich auf Unterarten und Varianten:

  • Orchis spitzelii subsp. gotlandica (B.Pett.) Á.Löve & D.Löve 1948
  • Orchis spitzelii subsp. nitidifolia (W.P.Teschner) Soó 1978
  • Orchis spitzelii var. gotlandica B.Pett. 1940

Siehe auch: Liste aller Orchideengattungen, Liste der Orchideen Europas

Literatur

Standardliteratur über Orchideen

  • Karl-Peter Buttler: Orchideen, die wildwachsenden Arten Europas. Mosaik Verlag 1986, ISBN 3-570-04403-3
  • H. Baumann, S. Künkele:Die wildwachsenden Orchideen Europas. Frankh, 1982, ISBN 3-440-05068-8
  • Robert L. Dressler: Die Orchideen - Biologie und Systematik der Orchidaceae. (1996) - gutes Werk zum Thema Systematik [deutsch]
  • Hans Sundermann: Europäische und mediterrane Orchideen. Brücke-Verlag, 2. Auflage: 1975, ISBN 3-871-05010-5
  • J. G. Williams: Orchideen Europas mit Nordafrika und Kleinasien. BLV Verlag, ISBN 3-405-11901-4

spezielle Literatur zu Spitzels Knabenkraut:

  • Pierre Delforge (1981): Une station de l' Orchis spitzelii Sauter en France. Orchidophile 46: 1829-1833
  • D. Hertel (1988): Über das Vorkommen von Orchis spitzelii Koch im Wallis. Bull. Murith., Soc. Valais Sci. Nat. 106: 75-78
  • A. Kessler (1993): Orchis spitzelii Sauter ex Koch (1837), Cephalanthera damasonium (Mill.) Druce und Orchis palustris Jacq. auf Gotland. - Mitt. Bl. Arbeitskr. Heim. Orch. Baden-Württemberg 25 (4): 448-452
  • J.-M. Lewin (1997) Orchis spitzelii Saut. dans les Pyrénées-Orientales: ça fait un sacré bout de temps que j'y suis !!! - Monde Pl. - 459 : pp. 27 à 28 -> 66
  • A. Ch. Mrkvicka (1992): Orchis spitzelii Sauter ex Koch (1837) im Ostalpenraum. - Mitt. Bl. Arbeitskr. Heim. Orch. Baden-Württemberg 24 (4): 669-678
  • G. Perazza (1996) Orchis spitzelii Sauter ex W.D.J.Koch in Trentino e nelle zone limitrofe (Nord-Italia). - Ann. Mus. civ. Rovereto, Sc. nat. Vol. 12 (1996) 147-176
  • J. van der Straaten / K. Laarhoven / W. van Kruijsbergen (2002) Het Voorkomen van Orchis spitzelii in de zuidoostelijke Vercors. - Eurorchis no. 14, 2002
  • Ch. Wegenke (1997): Orchis spitzelii und Limodorum trabutianum auf Mallorca. - Ber. Arbeitskrs. Heim. Orchid. 14 (1): 81-82

Weblinks

Verbreitungskarten

  • Gesamtverbreitungskarte
  • Schweiz
  • Deutschland
  • Deutschland AHO

Regionale / Spezielle Links

  • Die Orchideen Deutschlands - Orchis spitzelii
  • Bild auf Marco Klüber Fotografie
  • Orchis spitzelii in den Merkblättern "Artenschutz" der Schweiz (pdf-Dokument)
  • Orchis spitzelii auf "Den virtuella floran" (schwedisch)
  • Orchis spitzelii im Vercors (holländisch)
  • Orchis spitzelii in den italienischen Südalpen (italienisch)
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es:Orchis spitzelii

sv:Alpnycklar




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