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Die Krankheit Masern (Morbilli) ist eine durch das Masernvirushervorgerufene, hochansteckende, systemische Infektionskrankheitmit - sofern die Infektion überlebt wird - anschließender lebenslanger Immunität.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Verlauf
- 2 Diagnose
- 3 Erreger
- 4 Epidemiologie
- 5 Komplikationen
- 5.1 Masernkrupp
- 5.2 Masernpneumonie
- 5.3 Keratitis
- 5.4 Enzephalomyelitis
- 5.5 Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE)
- 5.6 Thrombozytopenische Purpura
- 5.7 weitere Komplikationen
- 6 Impfung
- 6.1 Impfkomplikationen
- 6.2 Argumente der Impfgegner
- 6.3 Studien zur Masernimpfung
- 7 Geschichte
- 8 Siehe auch
- 9 Weblinks
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Verlauf
Bild:Koplik Flecken.jpg Masern-Enanthem am weichen Gaumen
Typisch für die Masern ist ein zweiphasiger Krankheitsverlauf: Auf die Inkubationszeitfolgt ein uncharakteristischeres Prodromalstadium. Erst danach geht die Krankheit in das typische Exanthemstadiummit Hautausschlag über. Dementsprechend ist auch der Fieberverlaufhäufig zweigipflig, wobei der erste Gipfel während des Prodromal-, der zweite während des Exanthemstadiums auftritt.
Nach der Inkubationszeitvon 8-12 Tagen folgt das 3-4 Tage dauernde Prodromal-oder Initialstadium. Dieses äußert sich durch eine Entzündung der Schleimhäute des oberen, teilweise auch des mittleren Atemtraktesund der Augenbindehäute. Im einzelnen kann es zu Katarr(Katarrh): Rhinitis, trockener Bronchitis, Konjunktivitis, Fieberbis 41°C, Übelkeit, Halsschmerzen und Kopfschmerzenkommen. Am 12.-13. Tag kann ein typisches Enanthem(Koplik-Flecken an der Wangenschleimhaut) auftreten.Bild:RougeoleDP.jpg typische Hauterscheinungen bei Masern Am 14.-15. Tag breitet sich ein makulopapulöses, zum Teil konfluierendes Exanthem- hinter den Ohren (retroaurikulär) beginnend - innerhalb von 24 Stunden über den ganzen Körper aus. Nach 4-5 Tagen bilden sich die Symptome in der Regel zurück. Als Überbleibsel des Exanthems kann eine kleieförmige Schuppung für kurze Zeit bestehen bleiben. Begleitend treten häufig Lymphknotenschwellungen auf.
Atypische Verläufe kommen in verschiedenen Situationen vor: Säuglinge mit Leihimmunität durch mütterliche Antikörper oder Patienten, die Antikörperpräparate erhalten haben, erkranken an mitigierten (abgeschwächten) Masern. Bei Personen mit Immunschwäche kann der Verlauf ganz anders sein als bei Gesunden, z. B. kann der typische Hautausschlag hier fehlen ("weiße Masern").
Während und nach der Erkrankung an Masern kommt es regelhaft zu einer insgesamt 4-6 Wochen dauernden Immunschwäche. Diese kann anderen Infektionserregern den Weg bereiten und stellt daher eine zusätzliche Gefahr für das erkrankte Kind dar.
In unkomplizierten Fällen folgt eine rasche Erholung und eine lebenslang anhaltende Immunität.
Diagnose
Die Diagnose ist in unkomplizierten Fällen nur über den serologischenNachweis von IgM-Antikörpern zu führen. Dies wird heute methodisch meist mit Hilfe eines Enzymimmunoassay (ELISA)
erreicht, in manchen Labors wird auch noch die Komplementbindungsreaktion (KBR) oder der Hämagglutinationshemmtest (HHT) durchgeführt.
Der direkte Erregernachweis (RT-PCR aus Virus-RNA oder Virusanzucht in Zellkulturen) ist aufwändiger als der indirekte (Antikörpernachweis) und bleibt eher spezielleren Fragestellungen vorbehalten.
Die Diagnose anhand des "typischen" Masernexanthems ist mit einer Fehlerhäufigkeit von 50% behaftet. Im Epidemiefall kann die Diagnose dennoch häufig klinisch gestellt werden, insbesondere von erfahrenen Untersuchern.
Erreger
Das Masernvirus ist ein ausschließlich humanpathogeneretwa 120-140 Nanometer großer Erregeraus der Familie der Paramyxoviren(Genus Morbillivirus). Das einzige Reservoir bildet der infizierte Mensch. Es gibt mehrere stabile Genotypenund einen ebenso stabilen Serotyp. Seine Hülle ist lipidhaltig, was die Kontagiositäterhöht. In der Hülle ist weiter Hämagglutinin, jedoch keine Neuraminidaseenthalten. Das Masernvirus ist sehr empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen wie erhöhten Temperaturen, Licht, UV-Strahlen, Fettlösungs- und Desinfektionsmitteln.
Das bedeutet:
- Das Virus wird nur von Mensch zu Mensch übertragen, ist also theoretisch ausrottbar.
- Da es nur in einem stabilen Serotypvorkommt, konnte ein gut wirksamer Impfstoff hergestellt werden.
- Und da es in mehreren Genotypen - in Mitteleuropa C2 und D6 - vorkommt, können die weltweiten Infektionswege genau nachvollzogen werden.
Epidemiologie
Der Erreger kommt weltweit vor und ist in mehreren Entwicklungsländern noch weit verbreitet, andererseits zwischenzeitig durch gut organisierte Impfkampagnen in verschiedenen Ländern bereits ausgerottet. 1984legte die WHOeinen Zeitplan für die Eliminationder Masern bis zum Jahr 2000fest - tatsächlich starben 2003 jedoch weltweit nach Angaben der WHOnoch etwa 530.000 Menschen - davon die Mehrzahl Kinder - an Masern. Masern-Infektionen sind für ungefähr die Hälfte aller durch Impfungvermeidbaren Todesfälle verantwortlich. Der neue Zeitplan sieht die weltweite Ausrottung des Virus - bei entsprechender Anstrengung - jetzt für das Jahr 2007vor.
- So sank die Anzahl der Masern-Erkrankungen in den USAvon 800.000 1958auf einige (wenige) Fälle in den letzten Jahren, wobei alle Erreger von ungeimpften Personen aus Europa und Asien importiert worden waren, was durch die Bestimmung des Genotyps nachgewiesen werden konnte. Einen dramatischen Anstieg der Fälle gab es jedoch in den Jahren 1989-1991. In diesen 3 Jahren wurden 55.622 Erkrankungsfälle berichtet, von denen 123 tödlich endeten. Hauptsächlich waren Kleinkinder aus hispanoamerikanischen und afroamerikanischen Familien betroffen, wobei die Rate an ungeimpften Kindern dort 4-7x höher war als bei den Betroffenen der übrigen weißen Bevölkerung. Zwischenzeitig treten genuine Masernerkrankungen in allen amerikanischen Staaten von Kanada bis Argentinien mit Einschluss der Karibik kaum noch auf.
- In Finnlandmit seinen 5,2 Mio Einwohner gab es von 1996- 20004 Masernfälle. Und auch diese waren aus dem Ausland importiert!
- In Deutschlandwurden im Jahre 2004 124 Masernfälle gemeldet. Im Jahr 2005 ist es in Deutschland bereits zu zwei größeren Masernausbrüchen gekommen, im Februar starb ein 14jähriges Mädchen in Hessen, im Mai wurden 110 Fälle aus Oberbayern gemeldet. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass eine hohe Dunkelziffer existiert und die Zahl der Krankheitsfälle wesentlich höher liegt als die der Meldungen.
- In Österreich, das für Masern bis 2001keine Meldepflichtkannte, wurde vom Institut für Virologie des AKHin Wienein freiwilliges Meldesystem geschaffen, das etwa 8% der österreichischen Bevölkerung abdeckt. Somit konnten für den Zeitraum von 1993-1997etwa 28.000 - 30.000 Masernfälle für ganz Österreich hochgerechnet werden, wobei besonders 1996und 1997 ein beinahe epidemisches Auftreten von Masernerkrankungen zu verzeichnen war. Insgesamt dürfte die Durchimpfungsrate in Österreich somit nur unwesentlich besser sein als in Deutschland. Würden hier jedoch ähnlich strenge Richtlinien wie in den USA angewandt werden, würde man hier schon 2700 Erkrankungen in 5 Jahren nicht akzeptieren.
- In Rumänienkam es zwischen dem 1. Dezember1996und dem 30. September1997zu einer Masern-Endemie mit 20034 Erkrankungen und 13 Todesfällen. Quelle: Centers of Disease Contol and Prevention, Atlanta. Gegenwärtig (Dezember 2005) gibt es eine neuerliche Masernepidemie in Rumänien. 4000 Kinder sind bereits erkrankt, 10 gestorben (Quelle: [1]).
Meldepflicht
In Deutschlandsind durch das 2001 in Kraft getretene InfektionsschutzgesetzKrankheitsverdacht, Erkrankung und Tod ebenso wie der direkte oder indirekte Nachweis des Masernvirus meldepflichtiggeworden. Bei Krankheitsverdacht oder Erkrankung besteht Tätigkeits- und Aufenthaltsverbot in Gemeinschaftseinrichtungen.
In Österreichbesteht Meldepflicht seit Dezember 2001 (BGBl. II Nr. 456/2001 Verordnung: Anzeigepflichtige übertragbare Krankheiten)
In der Schweizbesteht seit März 1999 Meldepflicht (Melde-Verordnung, SR 818.141.1).
Komplikationen
Etwa 20% aller Masern-Infektionen gehen mit Komplikationen einher, wobei Mittelohrentzündungenund Lungenentzündungendie häufigsten sind. Das Robert-Koch-Institut gibt an, dass die Letalitätbei Masern der Literatur zufolge bei 1:10.000 bis 1:20.000 liege, bei einem Ausbruch in den Niederlanden 1999/2000 starben 3 von knapp 3000 Betroffenen, die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) geben für die USA eine Sterblichkeit von ca. 1:500 bis 1:1.000 an. In Entwicklungsländern liegt die Letalität wesentlich höher (laut Literaturangaben bis zu 25%). Zusammenfassend ist also zur Sterblichkeit zu sagen, dass statistisch unter ungünstigen Umständen jeder vierte, unter günstigen Umständen nur jeder 20.000. Erkrankte stirbt. Zum Tode führende Komplikationen sind meist die Masernpneumonie oder -enzephalitis.
Masernkrupp
Durch eine Kehlkopfentzündung mit Schwellung der Schleimhaut kommt es zu Heiserkeit und Atemnot bereits im Vorstadium. Siehe Krupphusten.
Masernpneumonie
- Primäre Masernpneumonie: Eine interstitielle Pneumonie mit Bronchiolitis, die sich hauptsächlich als Atemstörungäußert. Mittels körperlicher Untersuchung ist sie schwer zu diagnostizieren, so dass ein Röntgenbefunderforderlich ist.
- Bronchopneumonie als bakterielle Superinfektion: als bakterielle Superinfektioninsbesondere nach oder bei einer interstitiellen Viruspneumonie auftretend, aber auch isoliert möglich durch die masernbedingte Immunsuppression (s. oben).
- Riesenzellpneumonie: Eine seltene Pneumonie mit vielkernigen, von den Alveolarepithelien abstammenden Riesenzellen, pathognomonisch für Masern (Masernriesenzellen) und Keuchhusten, selten auch bei Diphtherie oder Grippe.
Keratitis
multiple, punktförmige, epitheliale Läsionen an der Kornea. In Entwicklungsländern sind die Masern eine der häufigsten Ursache der Erblindungen von Kindern (besonders im Zusammenhang mit Vitamin-A-Mangel).
Enzephalomyelitis
3-10 Tage nach Exanthembeginn. Bei Patienten über 6 Jahren häufiger als bei Kleinkindern. Fieber, Kopfschmerz, Bewußtseinstrübung, meningeale Reizung (Nackensteifigkeit, Erbrechen unter anderem ): Rückgang nach 1-3 Tagen. Bei leichten Formen ist keine Krankenhauseinweisung notwendig. Schwere Verlaufsformen äußern sich in epileptischen Anfällenund Funktionsstörungen des ZNS.
Herdförmige oder diffuse Ausbreitung.
Häufigkeit: Nach Einführung der Masernimpfung sank die Zahl ständig und liegt derzeit in Deutschland bei <10/Jahr.
Letalität: 20%; Defektheilungen: 20-40%.
Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE)
Die Angaben über die Häufigkeit von SSPE schwanken zwischen 1 bis 22 pro 1 Mio. Masern-Fällen. Die Erkrankung tritt Monate bis 10 Jahre nach einer Maserninfektion auf. Die Häufigkeit der SSPE ist durch die Masern-Impfung deutlich reduziert worden
- Stadium: psychische Störung und Demenz
- Stadium: Myoklonien, epileptische Anfälle
- Stadium: Dezerebrationssyndrom
- langsam progredienter Verlauf über 1-3 Jahre (Die SSPE zählt zu den sog. Slow Virus Infections.)
- in 10% akuter Verlauf (3-6 Monate), 10% langsamer Verlauf > 3 Jahre
- die Isolierung eines Masernvirus mit defektem M-Protein war möglich: "SSPE-Virus"
- Letalität 100% - der Verlauf führt immer zum Tod
- im EEG finden sich typische Veränderungen, die nahezu wegweisend für die SSPE sind (Radermecker-Komplex)
Thrombozytopenische Purpura
2-3 Wochen nach Exanthemausbruch; spontane Rückbildung; selten.
weitere Komplikationen
Durchfall, Blinddarmentzündung, generalisierteLymphadenitis
Impfung
Die Impfunggegen Masern soll als Masern-Mumps-Röteln-Impfung mit einem Kombinationsimpfstoff (MMR-Impfstoff) durchgeführt werden, in der Regel zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat, möglichst bis zum Ende des 2. Lebensjahres, um den frühestmöglichen Impfschutz zu erreichen. Damit ist nach einmaliger Impfung bei 95% der Kinder ein ausreichender Impfschutz vorhanden. Da bei einer Durchimpfungsrate von weniger als 95% mit sporadischen Masernepidemien (alle 5 bis 7 Jahre) zu rechnen ist, müssen mit einer zweiten Impfung - frühestens vier Wochen nach der ersten - Impflücken geschlossen werden, um Impfversagernden entsprechenden Impfschutz zu gewähren. Nach dem Impfkalender der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut ist die zweite MMR-Impfung bei allen Kindern im Alter von 15-23 Monaten vorgesehen.
Steht bei einem Kind die Aufnahme in eine Kindereinrichtung an, kann die MMR-Impfung auch vor dem 12. Lebensmonat, jedoch nicht vor dem 9. Lebensmonat erfolgen, da im 1. Lebensjahr im Blut des Säuglingsnoch vorhandene mütterliche Antikörper die Impfviren neutralisieren können (es handelt sich um eine Lebendimpfung, für deren Erfolg die Vermehrung der Impfviren erforderlich ist). Sofern die Erstimpfung vor dem 12. Lebensmonat erfolgte, sollte die MMR-Impfung bereits im 2. Lebensjahr wiederholt werden.
Auch wenn von Eltern oder Impflingen angegeben wird, dass eine Masern-, Mumps- oder Rötelnerkrankung bereits durchgemacht wurde, sollte die zweite MMR-Impfung durchgeführt werden. AnamnestischeAngaben über eine Masern- oder Rötelnerkrankung sind ohne mikrobiologisch-serologische Dokumentation der Erkrankungen unzuverlässig und nicht verwertbar. Es gibt keine Hinweise auf Nebenwirkungen nach mehrmaligen Masern-, Mumps- oder Rötelnimpfungen (siehe Diskussion unter Impfkritik)
- Deutschland: Die Eliminierung der Masern ist ein erklärtes Ziel der deutschen Gesundheitspolitik. "Es ist dafür Sorge zu tragen, dass die zweite MMR-Impfung so früh wie möglich, spätestens jedoch bis zum vollendeten 18. Lebensjahr nachgeholt wird; bei Mädchen wird damit auch der unverzichtbare Schutz vor einer Rötelnembryopathiegesichert." Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) (PDF, ~150KB)
Stand: Juli 2005
- In Österreich: 2 Teilimpfungen im 2. Lebensjahr mit einem Mindestabstand von 1 Monat. Wiederholungen der Impfung bei Schuleintritt im 7. Lebensjahr und im 13. Lebensjahr vom öffentlichen Gesundheitsdienst kostenlos angeboten. (Österreichischer Impfplan 2006)
Impfkomplikationen
Von Impfreaktionensind die Impfkomplikationenabzugrenzen, die zu vorübergehenden oder anhaltenden Schäden oder gar zum Tod führen können. Prinzipiell ist zu sagen, dass ein direkter Zusammenhang mit einer Masernimpfung schwer zu beweisen ist. Andererseits ist es gerade in der Diskussion mit Impfgegnern sinnlos, auf diesem Standpunkt zu beharren. So soll festgehalten werden, dass es bei einer von 200.000 Impfungen zu einem Impfschaden mit bleibenden Folgen und auf ca 500.000 Impfungen ein Todesfall kommt.
Da es sich bei der Masernimpfung um eine Impfung mit einem abgeschwächten Lebendimpfstoffhandelt, können in 3-5% der Fälle so genannte Impfmasern auftreten. Diese stellen eine abgeschwächte Form der Masern dar: eine Konjunktivitis, eine Tracheitis, ein feiner Hautausschlag und sehr selten eine Otitis media können auftreten. Schwerwiegendere Folgen bei besonders empfänglichen Kindern sind denkbar oder möglich, solange Masernimpfungen durchgeführt werden müssen.
Fieber und lokale Impfreaktionen wie Rötung, Schmerzen und Schwellungen an der Injektionsstelle können wie bei allen Impfungen vorkommen und sind als harmlose Nebenwirkungen zu betrachten.
Argumente der Impfgegner
Die Argumente der Impfgegner sind schwer nachzuvollziehen, wenn man die Erkrankungsraten der Staaten auf dem amerikanischen Kontinent und der nordeuropäischen Länder betrachtet. Diese Wortmeldungen reichen von einem Abstreiten der Existenz eines Masernvirus bis zu der Behauptung, ein Kind müsse die Kinderkrankheiten durchmachen, weil diese vor späteren schwerwiegenderen Krankheiten schützen würden. Bislang konnte für keine dieser Behauptungen Untersuchungsergebnisse vorgelegt werden, die einer Überprüfung standhielten. Tatsächlich wären die Masern genau so ausrottbar wie es die Pocken waren. Wären die Masern ausgerottet, brauchte es keine Impfung mehr.
Eine klassische "Argumentationskette" von Impfgegnern wäre beispielsweise folgende:
Da die Pocken nach der Erklärung ihrer Ausrottung durch die WHO noch mindestens einmal aufgetreten sind, muß man obiger Aussage mit der gebotenen Skepsis begegnen. Die Durchimpfungsrate in den USA beträgt zirka 95 Prozent, was dazu geführt hat, daß weniger Kinder erkranken. Weniger erkrankte Kinder führen aber zu weniger Ansteckungen im Kindesalter. Dadurch steigt die Anzahl der Erkrankungen im Erwachsenenalter, deren Verlauf dann regelmässig dramatischer ist. Es sterben daher in den USA mehr Menschen als vor Beginn der Impfkampagne.
siehe auch: Masernparty
Studien zur Masernimpfung
Siehe unter Masern-Mumps-Röteln-Impfung (Studien)
Siehe auch: Mumps- Röteln- KinderlähmungInfluenza
Geschichte
Erste Berichte über die Masern gehen auf das 7. Jahrhundertzurück und werden dem jüdischen Arzt Al-Yehudizugeschrieben. Die erste minutiöse Beschreibung der Masern verdanken wir dem persischen Arzt Abu Bakr Mohammad Ibn Zakariya al-Razi([2]), Anfang des 10. Jahrhunderts, der angab, sie würden "mehr gefürchtet als die Pocken".
Den Namen "Morbilli", was soviel wie "kleine Pest" bedeutet, erhielten die Masern während der ausgedehnten Epidemiendes Mittelalters, da damals wie heute viele Kinder an den Masern starben.
1882veröffentlichte der französische Arzt Antoine Louis Gustave Béclèreseine Aufsehen erregende Arbeit "Die Ansteckung mit Masern".
1954wurde das Virus erstmalig isoliert, ab 1963war der erste Impfstofferhältlich. Zuvor bekam aufgrund des hohen Ansteckungspotentialsdes Erregers beinahe jeder die Masern: es handelte sich um ein Ereignis im Leben, das unweigerlich auftrat und auf das man wartete. Mehr als die Hälfte der Kinder bekam die Masern vor dem 6. und 90% vor dem 15. Lebensjahr. Hatte man die Krankheit überstanden, konnte man aufatmen.
Siehe auch Impfung, Mumps, Röteln
Weblinks
- Robert Koch InstitutMasern
- Robert Koch Institut Epidemiologisches Bulletin über Masern-, Mumps- und Rötelninzidenz in Deutschland
- Arbeitsgemeinschaft MasernDie AGM ist ein bundesweites Masern-Sentinel-System.
- Deutsches Grünes Kreuz e.V. -> Das Krankheitsbild Masern
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| Wiktionary: {{{2|Masern}}} ? Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
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