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Stuhlabgang

Bild:Toilet chair.jpg
Leibstuhl

Als Stuhlgang bzw. medizinisch Defäkation (von lat. faex "Kot") bezeichnet man das Ausscheiden von Kotaus dem menschlichen Verdauungstraktbzw. Darm. Die Bezeichnung Stuhlgang rührt vom Leibstuhlher, der im 18. Jahrhundertentwickelt wurde und aus einem Stuhl mit eingebautem Nachttopfbestand, um darin die Fäkalienaufzunehmen.

Umgangssprachlich wird Stuhlgang auch als kacken (von lat. cacare "scheißen") oder scheißen bezeichnet. Man spricht gelegentlich auch davon, ein (großes) Geschäft zu verrichten, was vermutlich auf die alten Römer zurückgeht. Diese schlossen Geschäfte oft bei einer Sitzung auf einer der öffentlichen Latrinenab.

Der Kot wird dabei im Darm durch unwillkürliche Bewegungen (Peristaltik) transportiert und schließlich im Enddarm (Mastdarm) vorübergehend gesammelt. Dehnungsrezeptoren in der Darmwand stimulieren dann im Gehirn das Bedürfnis zur Ausscheidung. Diese kann von den meisten Menschen bewusst gesteuert werden, verantwortlich dafür ist der Schließmuskeldes Anus. Bei Menschen, die ihren Stuhlgang nicht bewusst kontrollieren können, spricht man von Stuhlinkontinenz.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Häufigkeit und Ausprägung
  • 2 Körperhaltung
  • 3 Intimreinigung
  • 4 Scham und Öffentlichkeit
  • 5 Literatur

Häufigkeit und Ausprägung

Viele Menschen haben täglich Stuhlgang, aber dennoch kann die Häufigkeit beim gesunden Menschen von mehrmals täglich bis einige wenige Male wöchentlich variieren. Erst bei deutlichen Abweichungen von den individuellen Gewohnheiten spricht man von Durchfalloder Verstopfung. Die Granularität schwankt zwischen hart und weich erheblich von Mensch zu Mensch und auch je nach körperlicher und seelischer Verfassung, hängt vor allem aber von der aufgenommenen Nahrung ab. Die Menge des bei einem einzigen Stuhlgang ausgeschiedenen Materials kann bis zu 1 kg betragen. Aufgrund der Peristaltik und der Speicherfähigkeit des Darmes kommt bei den meisten Menschen etwa eine Minute nach der Erstentleerung, die den Hauptanteil stellt, noch weiterer Kot in etwas weicherer Form hinzu. Medizinisch gilt ein großes Stuhlvolumen als günstig (der Stuhl sollte zumindest anfangs auf dem Wasser schwimmen). Die braune Farbe wird hauptsächlich durch das Tetrapyrrol Sterkobilinhervorgerufen, welches auch die Farbe des Urinsbestimmt. Die Farbe des Stuhles wird jedoch auch durch die aufgenommene Nahrung und/oder Krankheiten des Magen-Darmtraktes beeinflusst.

Körperhaltung

Die Körperhaltung beim Stuhlgang unterscheidet sich nach Art und Einrichtung und nach Kulturkreis. In Mitteleuropa werden dafür meistens Sitztoilettenverwendet. In Südeuropaoder Asien (Artikel: Toiletten in Japan) finden sich aber auch häufig Steh- bzw. Hocktoiletten, welche von manchen Menschen als hygienischer erachtet werden. Dennoch breiten sich die Sitztoiletten rund um den Globus mehr und mehr aus.

Intimreinigung

Auch die Art der Reinigung nach dem Stuhlgang hängt stark vom Kulturkreis ab und wird meist mit Hilfe von eigens dafür gefertigtem Toilettenpapieroder mit Hand, Wasser und Seife durchgeführt. Dazu kann auch ein Bidetbenutzt werden. Ärzte gehen davon aus, dass die Reinigung mit Wasser (aber ohne Seife - Kot ist wasserlöslich) die hygienischere und gesündere Methode darstellt und somit zahlreichen Erkrankungen des Aftersund der Geschlechtsorganevorgebeugt werden kann.

Scham und Öffentlichkeit

Im Gegensatz zum Harnlassen, das zumindest in den meisten öffentlichen Herrentoiletten Deutschlands noch in einem offenem Raum stattfindet (siehe auch: Urinal, Pinkelrinne) ist der Stuhlgang heutzutage in der Regel Privatangelegenheit. Überlieferungen aus der Antikeoder dem Mittelalterzeigen, dass es damals beim Verrichten der Notdurftnoch keine Geheimnisse und Schamgefühle gab. Diese entstanden erst später und entwickelten sich zeitlich zunächst in den größeren Städten, wahrscheinlich auch aufgrund der durch Kot übertragbaren Krankheiten. Aber auch die Nacktheit des Unterleibs und das Zurschaustellen der Geschlechtsorgane hemmt viele Menschen, ihren Stuhlgang in Gegenwart anderer Menschen auszuführen. Auf dem Land hingegen war das Gemeinschaftsgefühl häufig noch stärker ausgeprägt. Innerhalb der Familie gab es noch bis ins 19. JahrhundertGemeinschaftssitze. In den skandinavischenWochenendhäuserneinfacher Prägung findet man auch heute noch externe mehrsitzige Plumpsklos. In China sind, nicht nur auf dem Land, Toiletten ohne Trennwände, in denen man sich auch noch gegenübersitzt, häufig anzutreffen ohne dass dies das Schamgefühl anrührte.

In einem noch größeren Umfang als das Anspuckenund das Harnlassenstellt der Stuhlgang auf eine Person oder auch auf einen speziellen Gegenstand eine Demütigungdes Opfers dar, die wiederum im Mittelpunkt einiger Sexualpraktikendes BDSM-Spektrums steht. Anders die Koprophilie, bei der der Koprophile sexuelle Stimulierung durch den Umgang mit dem Stuhl erfährt.

Literatur

  • Mila Schrader: Plumpsklo, Abort, Stilles Örtchen, 2003, ISBN 3-931824-25-X

siehe auch: Fäkalsprachecs:Vyprazd?ování stolice en:Defecation es:Defecación fr:Défécation ja:?? lt:Tu?tinimasis nl:Defecatie pl:Defekacja (medycyna) sk:Defekácia




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