Startseite | Impressum
Lumrix Logo
 
 



[ICD 10 Suche]
[Mehr über den ICD]

 

 

Syphilom

Syphilis (lat.Lues venerea), auch Lues, harter Schanker oder Franzosenkrankheit genannt, ist eine ansteckende Geschlechtskrankheit, die von Bakterien (Treponema pallidum) verursacht wird.

Die Krankheit wird durch Schleimhautkontaktvon Mensch zu Mensch übertragen. Bei der Geburt kann eine infizierte Mutter die Krankheit an das Neugeborene übertragen.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Symptome
  • 2 Geschichte
  • 3 Behandlungsmethoden
  • 4 Prävention
  • 5 Literatur
  • 6 Weblinks

Symptome

Erstes Stadium (Primärstadium, L1 (Lues 1))

Drei bis vier Wochen nach der Ansteckung erscheint an der Stelle, an der die Bakterien in die Haut oder Schleimhaut eingedrungen sind, ein schmerzloses Geschwür. Andere Namen dafür sind auch harter Schanker oder Primäraffekt. Das Geschwür entsteht also am Penis, an den Schamlippenoder in der Vagina. Bei Oralverkehr findet man es auch im Mundoder Rachenund bei Analverkehr im Enddarm. Das Geschwür ist gerötet und sondert eine farblose Flüssigkeit ab. Diese Flüssigkeit enthält sehr viele Erreger, ist also äußerst ansteckend. Ein bis zwei Wochen später schwellen die benachbarten Lymphknotenan und werden hart (daher der Name "harter Schanker"). Ab diesem Datum kann die Krankheit mit dem TPHATest nachgewiesen werden. Auch unbehandelt heilen die Geschwüre von selbst nach einigen Wochen ab, wodurch die Erkrankung oft ignoriert oder nicht erkannt wird.

Zweites Stadium (Sekundärstadium, L2)

Acht Wochen nach der Ansteckung kommt es oft zu grippeartigen Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit oder Kopf- und Gliederschmerzen. Die Lymphknoten am ganzen Körper sind vergrößert. Nach zehn Wochen erscheint bei den meisten Erkrankten ein Hautausschlag. Zunächst sind es nur schwachrosa gefärbte Flecken, die sich in derbe, kupferfarbene Knötchen (Papeln) verwandeln. Breite Papeln, die besonders in Hautfalten auftreten, nennt man Condylomata lata. Wenn diese aufgehen und nässen, ist die austretende Flüssigkeit wieder hoch infektiös. Seltener treten auch Schleimhautveränderungen im Mund und an den Genitalien auf. Manchen Patienten fallen die Haare aus. Alle Hauterscheinungen (Syphilide) heilen nach ungefähr vier Monaten ab, so dass manche Patienten von ihrer Infektion nichts wissen. Unbehandelt kommen sie aber innerhalb verschiedener Zeitabstände wieder. Typischerweise tritt bei allen Hauterscheinungen der Syphilis kein Juckreiz auf.

Stillstand (Latenzzeit)

Für viele Erkrankte kann die Syphilis jetzt zu einem Stillstand kommen, der jedoch jederzeit, nach Monaten oder Jahren unterbrochen werden kann und dann zur Spätsyphilis führt. Die Erreger sind jedoch immer noch im Körper des Betroffenen. Er ist somit immer noch ansteckend, auch wenn diese Gefahr sinkt, je länger der Patient beschwerdefrei bleibt.

Drittes Stadium (Tertiärstadium, L3)

Drei bis fünf Jahre später sind nicht nur Eintrittspforte, Lymphknoten und Haut befallen. Die Erreger haben sich im ganzen Körper ausgebreitet und auch innere Organe befallen wie Blutwege, Luftwege, Rachen, Speiseröhre, Magen, Leber, Knochen, Muskeln. Es bilden sich Knoten, die oft gummiartig verhärtet sind (Gummen). Auf der Haut bilden sie mitunter große Geschwüre, am Gaumen entsteht unter Umständen ein Loch zur Nasenhöhle. Wenn diese Knoten aufbrechen, zerstören sie das umgebende Gewebe. Besonders gefährlich ist ein syphilitischer Knoten an der Hauptschlagader (Aorta). Er führt hier zu einer Aussackung (Aortenaneurysma), das sehr leicht zerreißen kann. Wenn dies eintrifft, verblutet der Betroffene innerlich. Ab L3 sind die Erreger nicht mehr nachweisbar.

Viertes Stadium (Neurolues, L4)

Ohne Behandlung kommt es zehn bis zwanzig Jahre nach Beginn der Erkrankung zu schweren neurologischen Störungen (vgl. Progressive Paralyse). Ein Viertel der unbehandelten Patienten erkranken an chronischer Hirnentzündung (Syphilis cerebrospinalis), die zu Demenz führt (zum Teil wird aber auch von einer erheblichen kurzzeitigen Steigerung der kognitiven mentalen Fähigkeiten der Infizierten berichtet). Weiter wird das Rückenmarkund seine austretenden Nerven so geschädigt, dass die Patienten zunächst Schmerzen haben, dann Schmerz und Temperatur nicht mehr wahrnehmen. Das Gehen und die Kontrolle über Blaseund Darmsind gestört. Am Ende sind die Patienten gelähmt. Weiterhin treten oft Kreislauf- oder Knochenschäden auf. Diesen Verlauf beobachten wir in den westlichen Ländern dank ausreichender Therapie mit Antibiotika nur noch selten.

Geschichte

Bild:Syphilis false shame and fear may destroy your future.png
Syphilis. Falsche Scham und Angst kann deine Zukunft zerstören: Lass dein Blut testen. Poster der US-amerikanischen Regierung zur Bekämpfung der Syphilis.
Bild:Syphilis is a dangerous disease.png
Syphilis ist eine gefährliche Krankheit, kann aber geheilt werden. Poster der US-amerikanischen Regierung zur Bekämpfung der Syphilis.

1495trat die Syphilis zum ersten Mal bei der Belagerung Neapelsdurch den französischen König Karl VIII.auf. Daraufhin überzog innerhalb von fünf Jahren eine Syphilis-Epidemieganz Europa. Den Verlauf ihrer Ausbreitung kann man an den Namen erkennen, die die verschiedenen Völker ihr gaben, je nachdem, wo man die Quelle der Ansteckung vermutete:

  • Italien: Französische oder keltische Krankheit
  • Frankreich: Italienische oder neapolitanische Krankheit
  • Spanien: Französische Krankheit
  • England: Französische Krankheit
  • Schottland: Englische Krankheit
  • Deutschland: Französische Krankheit
  • Polen: Deutsche Krankheit
  • Ungarn: Französische Krankheit
  • Russland: Polnische Krankheit
  • Mongolei: Russische Krankheit
  • Japan: Chinesisches Himmelsstrafengeschwür

Nach der Kolumbus-Theorie wurde die Syphilis von Christoph Kolumbus bzw. seinen Matrosen eingeschleppt, als er 1493nach der Entdeckung Amerikas 1492nach Europa zurückkehrte. Inzwischen gilt die Kolumbus-Theorie als widerlegt. Der Engländer Dr. Simon Maysbegründet seine präkolumbianische Theorie auf Knochenfunde, die auf die Zeit von 1296- 1445datiert wurden. Spezifische Veränderungen an den Knochen lassen mit großer Sicherheit auf eine Infektionmit Syphilis schließen. Die bedeutendsten Funde dieser Art stammen aus Riverhall, Essexin England. Demnach trat die Syphilis also bereits deutlich früher als 1495 zuerst in Englandauf. Es gibt weitere Hinweise, dass die Syphilis in einer harmloseren Form, als Hautkrankheit, schon im alten Griechenland oder im präkolumbianischen Amerika existierte.

Der Name Syphilis geht auf ein 1530veröffentlichtes Gedicht des venezianischen Gelehrten Girolamo Fracastorozurück. Die Reinzüchtung des Syphiliserregers gelang 1911erstmals dem japanischen Bakteriologen Noguchi Hideyo.

Eine der größten Medizinskandale der USA war die Tuskegee Syphilis Study im Ort Tuskegeeim US Staat Alabama, in dem etwa 400 schwarze und gleichzeitig meist arme und analphabetische Einwohner mit bekannter Syphilis bewusst nicht mit dem zur Verfügung stehendem Penicillin behandelt wurden, um die Spätfolgen der Infektion beobachten zu können. Die beobachteten Personen wurden nicht über die Studie informiert und auch nicht darüber, dass in der Zwischenzeit eine effektive Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung stand. Die ?Studie? begann im Jahre 1932 und endete erst 1972, als Einzelheiten an die Öffentlichkeit durchsickerten.

Das Robert-Koch-Institutin Berlingab im Oktober 2004 bekannt, dass die Zahl der Syphilisinfektionenin Deutschland 2003im Vergleich zum Vorjahr um weitere 20% angestiegen sei und schlug vor allem für die bundesdeutschen GroßstädteAlarm.

Behandlungsmethoden

Die Syphilis wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem hochgiftigen Quecksilberbehandelt, mit dem man den Körper des Erkrankten großflächig bestrich, was gewöhnlich zu einem vollständigen Ausfall der Körperbehaarung sowie sämtlicher Zähne führte und den rapiden Verfall sämtlicher Körperfunktionen einleitete.

Die südamerikanischen Indianer verfügten über eine kombinierte Syphilistherapie, die ihnen in der Regel auch Heilung verschaffte, denn die Krankheit verlief bei ihnen weniger schwer als bei Europäern. Sie verwendeten Abkochungen aus dem Holz oder der Rinde des Guajakbaumes(Guaiacum officinale und G. sanctum) oder der Sarsaparillewurzeln(Smilax regelii u.a. Arten) in Kombination mit einem Schwitzbad und einer Fastenkur. Das Schwitzbad, dem sich die Indianer nach Einnahme von Guajak unterzogen, bestand in einer gezielten Heißbedampfung der äußeren Genitalien. Der Humanist Ulrich von Huttenhat diese Methode im Selbstversuch erprobt und in seinem 1519erschienenen Werk "De guajaci medicina et morbo gallico liber unus" beschrieben. Tatsächlich trat durch die Behandlung zeitweilig eine Verbesserung ein.

Um 1900fand man heraus, dass Treponema pallidumTemperaturen von über 41°C nicht überlebt. Daraufhin infizierte man Syphiliskranke absichtlich mit Malaria. Häufig genügten die hohen Malariafieberschübe, den Syphiliserreger abzutöten (Malariatherapie). Die Risiken und Nebenwirkungen waren nicht unerheblich, einer tertiären Syphilis waren sie jedoch durchaus vorzuziehen. 1909entwickelt Paul EhrlichSalvarsan, ein weniger giftiges, aber wirksames arsenhaltigesMittel. Heute wird die Syphilis mit Antibiotikabehandelt und ist im ersten und zweiten Stadium heilbar. Im dritten Stadium bleiben oft Spätschäden.

Prävention

Durch die Anwendung von Kondomenbeim Geschlechtsverkehrkann die Übertragungswahrscheinlichkeit der Syphilis und anderer Geschlechtskrankheitenwesentlich verringert werden.

Auch eine Übertragung der Syphilis beim Oralverkehrist möglich.

Insbesondere Menschen, die Sex mit wechselnden Partnern haben, sollten regelmäßig ihr Blut auf Syphiliserreger untersuchen lassen, da in Deutschland die Anzahl der Syphilisfälle seit dem Jahr 2004 deutlich ansteigt.

Literatur

  • Birgit Adam: Die Strafe der Venus. Eine Kulturgeschichte der Geschlechtskrankheiten. Orbis, 2001, ISBN 3-572-01268-6
  • Otto Braun-Falco, Gerd Plewig, Helmut H. Wolff: Dermatologie und Venerologie. Springer, Berlin 2002, ISBN 3-540-43556-5

Weblinks

Bild:Wiktionary-ico-de.png
   
Wiktionary: {{{2|Syphilis}}} ? Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
  • Robert Koch InstitutSyphilis
  • www.cdc.govTuskegee Experiment (Englisch)
  • www.gpc.eduInternet Resources on the Tuskeegee Study (Englisch)



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.