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Unregelmäßige

Unregelmäßige Verben (unregelmäßige Zeitwörter) sind Verben, deren Stammformen? im Gegensatz zu regelmäßigen Verben? nicht vollständig aufgrund von Regeln aus dem Infinitivoder einer anderen Nennform abgeleitet werden können.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Unregelmäßige Verben im Deutschen
    • 1.1 Grundlegendes
      • 1.1.1 Schwache Verben
      • 1.1.2 Starke Verben
      • 1.1.3 Sonstige unregelmäßige Verben
    • 1.2 Herkunft und Verteilung unregelmäßiger Verben
    • 1.3 Ablaut
    • 1.4 Weitere Kriterien
    • 1.5 Begriffsklärung: unregelmäßiges Verb oder starkes Verb?
  • 2 Psycholinguistische Betrachtung
  • 3 Die Anzahl der unregelmäßigen Verben in anderen Sprachen
  • 4 Siehe auch
  • 5 Literatur
  • 6 Weblinks

Unregelmäßige Verben im Deutschen

Grundlegendes

Wie in allen germanischen Sprachengibt es im Deutschenzwei hinsichtlich ihrer Stammbildung grundlegend verschiedene Klassen von Verben: schwache Verben und starke Verben.

Schwache Verben

Die regelmäßige Bildung der Stammformen eines Verbs erfolgt durch Anfügen der Suffixe-te bzw. -t sowie des Präfixesge- an den unveränderten Wortstamm, wie etwa in fragen ? fragte ? gefragt. Der Wortstamm (in diesem Fall -frag-) bleibt immer gleich. (Zum Vergleich: Im Englischenerfüllt die Endung -ed dieselbe Funktion.) Da diese Endung in allen germanischen Sprachen einen Dentallautenthält, wird sie auch Dentalsuffix genannt. Die Konjugationvon Verben mithilfe dieser Dentalsuffixe nennt man schwache Konjugation; Verben, die nach diesem Muster flektiertwerden, heißen dementsprechend schwache Verben.

Es gibt jedoch auch unregelmäßige schwache Verben, die ihre Stammformen zwar mit Dentalsuffix bilden aber auch andere historische phänomene vorzeigen, etwa denken ? dachte ? gedacht, mit Umlaut im Präsensstamm und durch Primärberührung verursachter Konsonantenänderung im Präteritum. Die häufig wiederholte Gleichung "schwache Verben = regelmäßige Verben" ist deshalb für alle germanische Sprachen irreführend.

Starke Verben

Starke Verben sind im Deutschen ? wie in einigen anderen Sprachen ? durch Wechsel des Stammvokalsgekennzeichnet ("Ablaut"), wie beispielsweise bei singen ? sang ? gesungen oder treffen ? traf ? getroffen, wobei die Vokaländerungen historisch erklärbaren Mustern folgen und keinesfalls beliebig sind.

Das System der starken Verben ist ? genauso wie das der schwachen ? ursprünglich völlig regelmäßig, aber die Zahl der Ausnahmen und die Spaltung der sieben Klassen in Untergruppen führt dazu, dass man der Einfacheit halber im Sprachunterricht alle starke Verben als unregelmäßig betrachtet. Trotzdem haben die sieben starken Verbklassen im Neuhochdeutschen immer noch soviel Homogenität, dass man mit etwas Erfahrung von der Sprache in sehr vielen Fällen die Beugungen hervorsagen kann. Begegnet einem ein Verb mit der Form K1eiK2en (etwa bleiben oder reiten), so kann man zwar nicht erkennen, ob es stark oder schwach gebeugt wird, weiß man aber, dass es stark ist, so erkennt man aus dem Stammvokal die Klasse 1 und kann erschließen, dass das Präteritum K1ieK2 (blieb) lauten muss, sofern der Konsonant K2 stimmhaft ist, bzw. K1iK2K2 (ritt), wenn K2 stimmlos ist.

Sonstige unregelmäßige Verben

Weitere Möglichkeiten für Unregelmäßigkeiten bilden die Verwendung eines alten Pretäritums als Präsens (Präteritopräsentien) und die Verwendung verschiedener Wortstämme oder Wurzelnfür verschiedene Formen (b-in ? s-ind ? war/ge-wes-en) (Suppletion).

Herkunft und Verteilung unregelmäßiger Verben

Historisch gesehen bildet die Gruppe der starken Verben den Grundbestand der germanischen Verben, die sich hauptsächlich von indogermanischen primären Verbbildungenherleiten. Die schwache Konjugation mithilfe von Dentalsuffixen entstand, um Verben, die in dieses primäre System nicht hineinpassten, flektieren zu können. Die ältesten Beispiele finden sich unter anderem bei den so genannten Präteritopräsentien. Zu diesen Verben gehören des weiteren Kausativemit dem Suffix germanisch *-ja und Wurzelablaut (zum Beispiel setzen < *satjana- zu sitzen) denominale Verben (Suffix *-ôja, zum Beispiel althochdeutsch salbôn) und Stative(Suffix *-ai, zum Beispiel althochdeutsch habên). Einige schwache Verben weisen verschiedene Besonderheiten auf und gehören daher auch zu den unregelmäßigen Verben.

Die Anzahl der unregelmäßigen Verben geht in der deutschen Sprache leicht zurück. Das Mittelhochdeutschebesaß über 350 solcher Verben, so hieß es damals z.B. noch ball statt bellte, gedacht oder gedact statt gedeckt. Andererseits haben sich einige wenige ursprünglich schwache Verben erst später der starken Konjugation angeschlossen, so etwa preisen (denominativzu Preis), zu dem noch frühneuhochdeutschdas Präteritum preisete gebildet wurde. Heute liegt die Zahl der unregelmäßigen Verben zwischen 200 und 300.

Während die meisten Verben in der deutschen Sprache regelmäßig sind, sind viele der am häufigsten gebrauchten Verben unregelmäßig. Umgekehrt sind fast alle seltenen Verben regelmäßig und neue Verben werden ebenfalls regelmäßig gebildet. Die unregelmäßigen Verben bilden eine (fast) abgeschlossene Liste.

Ablaut

Zu den Kriterien starker Verben gehört in erster Linie der Ablaut, d.h. der Wechsel des Stammvokals zwischen Präsens, Präteritumund Partizip Perfekt. Ablaut ist ein altes Phänomen, welches bereits für die indogermanische Ursprache, von der u.a. die germanischen Sprachen abstammen, angenommen werden kann. Allerdings hat sich der Ablaut nur in den germanischen Sprachen zu einem System entwickelt, mit dem regelmäßig Vergangenheit ausgedrückt werden kann. Ursprünglich gab es sechs sog. Ablautreihen, welche von den jeweils dem Stammvokal nachfolgenden Konsonanten abhingen. Im Neuhochdeutschen folgen einige Verben noch heute diesen sechs Ablautreihen; dazu kommt eine siebte Reihe, die nicht auf einem historischen Ablaut beruht, sondern u.a. ehemals reduplizierende Verbenenthält. Eine Übersicht:

Ablautreihe Stammvokal (Präsens) Ablaut (Imperfekt) Ablaut (Partizip Perfekt)
I. Reihe:treibentriebgetrieben
II. Reihe:fliegenfloggeflogen
III. Reihe:trinkentrankgetrunken
IV.Reihe:stehlenstahlgestohlen
V. Reihe:gebengabgegeben
VI. Reihe:grabengrubgegraben
VII. Reihe:fangenfinggefangen

Diese sieben Ablautreihen sind jedoch in der Geschichte der deutschen Sprache so gründlich zerfranst worden, dass es heute mehr als 50 Verbgruppen mit verschiedenen Ablauten im Deutschen gibt, die vielfach nur jeweils ein Verb enthalten, so dass das Ablautsystem nicht mehr als regelmäßig wahrgenommen wird. Deshalb werden ablautende bzw. starke Verben heute in der Schule als unregelmäßige Verben erlernt. Ähnliches gilt für die anderen germanischen Sprachen. Ein Vergleich des Verbs trinken in den germanischen Standardsprachen:

Sprache Infinitiv Präteritum PartizipPerfekt
Deutschtrinkentrankgetrunken
Niederländischdrinkendronkgedronken
(West)Friesischdrinkedronkdronke
Englischdrinkdrankdrunk
Dänischdrikkedrakdruket
Schwedischdrickadrackdruckit
Norwegischdrikkedrakkdrukket
Isländischdrekkadrakkdrukkið

Weitere Kriterien

Außerdem unterscheiden sich deutsche starke Verben von schwachen Verben wie folgt:

  • Sie weisen Umlautim PräsensIndikativder 2. und 3. Person Singularauf: ich fahre ? du fährst ? er fährt ? wir fahren ? ihr fahrt ? sie fahren.

Dieses Kriterium betrifft nur Verben mit dunklem Stammvokal (hauptsächlich a/ä; au/äu in laufen und saufen sowie o/ö in stoßen) ? dagegen ohne Umlaut: kommen, hauen, rufen sowie sog. halbstarke Verben wie mahlen und salzen.

  • Starke Verben mit Stammvokal e (ä) zeigen ebendort Stammvokal i (ie): ich gebe ? du gibst ? er gibt ? wir geben ? ihr gebt ? sie geben.

Dieser Vokalwechsel findet, anders als der Umlaut, auch im Imperativ Singular statt: gib! vs. gebt! Allerdings gibt es auch von diesem Stammwechsel Ausnahmen (z.B. scheren sowie die völlig unregelmäßigen Verben gehen und stehen).

  • Das PartizipPerfekt wird ebenso wie bei schwachen Verben mit dem Präfixge- gebildet, allerdings nicht mit dem Suffix-t (z.B. geliebt), sondern mit dem Suffix -en (z.B. getrieben).

Begriffsklärung: unregelmäßiges Verb oder starkes Verb?

Die Ausdrücke "unregelmäßiges Verb" und "starkes Verb" werden meist synonymverwendet. Manchmal ist allerdings eine genauere Unterscheidung nötig.

Hiernach ist ein starkes Verb ausschließlich durch den Ablaut (d.h. die Veränderung des Vokals im Wortstamm) in seinen Stammformen gekennzeichnet. Diese Veränderungen folgen gewissen Regelmäßigkeiten, weshalb diese Verben im Grunde irrtümlich "unregelmäßig" genannt werden. So werden die beiden Stammformreihen reiten - reite - ritt - geritten und streiten - streite - stritt - gestritten nach den gleichen Regeln geformt. Auch leiden folgt diesem Muster. Wenn im Infinitiv also /ei/ als Stammvokal auftritt, folgt ein starkes Verb diesem Schema. (Vergleiche im Gegensatz dazu sein, das ein echtes unregelmäßiges Verb ist.) Insgesamt lassen sich bei den starken Verben acht Arten der Bildung der Stammformreihen ausmachen, wobei die achte Reihe (in sich ebenfalls äußerst systematisch und auch aus sprachgeschichtlichen Gründen geeignet an die Stelle des Systems der schwachen Verben zu treten) die sonst regelmäßige Systematik zerstört.

Beispiele:

  • 1. reiten - reite - ritt - geritten und streiten - streite - stritt - gestritten
  • 2. biegen - biege - bog - gebogen und wiegen - wiege - wog - gewogen
  • 3. binden - binde - band - gebunden und finden - finde - fand gefunden
  • 4. nehmen - nehme - nahm - genommen und treffen - treffe - traf - getroffen
  • 5. geben - gebe - gab - gegeben und sehen - sehe - sah - gesehen
  • 6. graben - grabe - grub - gegraben und fahren - fahre - fuhr - gefahren
  • 7. heben - hebe - hob - gehoben und weben - webe - wob - gewoben
  • 8. halten - halte - hielt - gehalten und heißen - heiße - hieß - geheißen

Für genauere Informationen zu den einzelnen Reihen siehe Schmidt(1996).

Unregelmäßige Verben können nach dieser genaueren Unterscheidung nur Verben sein, 1) die ihre Stammformen nicht nach einer erkennbaren Systematik bilden, 2) bei denen bestimmte Formen fehlen und/oder 3) die von vorhandenen Systematiken durch Ausnahmeerscheinungen abweichen. Unregelmäßige Verben folgen bei der Konjugation eigenen, individuellen Wegen. Keine Systematik ist etwa bei der Reihe sein - bin - war - gewesen zu erkennen. Genauso bei haben - habe - hatte - gehabt. Fehlende Formen treten bei den sechs Modalverben(können, wollen, sollen, dürfen, müssen, mögen) auf: Allen fehlen die Imperativformen(Singularund Plural). Mit Ausnahme von sollen, das der schwachen Konjugationfolgt, bilden sie auch ihre Stammformen unregelmäßig. 'wollen' ist ein Wurzelverb, die restlichen sind Präteritopräsentien. Diese Präteritopräsentien haben eine alte Präteritumsform im Präsens und einen Dentalsuffix <-te> im Präteritum. (können - kann - konnte - gekonnt). Bei Verben wie 'denken', 'kennen', 'nennen', 'brennen' usw. wird der Stammvokal geändert und gleichzeitig werden die typischen Endungen der schwachen Verben an den Wortstamm gehängt. Unregelmäßig sind ferner gehen, stehen (Wurzelverben mit Stammsuppletion), wissen (Präteritopräsens), werden.

Psycholinguistische Betrachtung

Die Formen unregelmäßiger Verben werden nach Steven Pinkereinzeln im Gedächtnis abgespeichert, während für die regelmäßigen Verben entsprechende Regeln gespeichert werden. Unregelmäßige Verben werden heute kaum noch neu gebildet. Beim Konjugieren der Verben werde zunächst gesucht, ob ein unregelmäßiges Verb vorhanden sei. Ist das nicht der Fall, so werde im Normalfall das Verb regelmäßig konjugiert. Wenn ein unregelmäßiges Verb lange nicht genutzt worden sei, so verschwinde es aus dem Gedächtnis und ein regelmäßiges Bildungsmuster trete an dessen Stelle. Andere Forscher nehmen an, dass unregelmäßige Verben in einem Musterassoziativspeicher gespreichert werden und nach Ähnlichkeit der Muster gebildet werden. Durch neue Verfahren, wie genaue Zeitmessungen und bildliche Echtzeitdarstellung der Arbeit des Gehirns ist zu erwarten, dass einige der Theorien falsifiziert werden können.

Kinder neigen in einem bestimmten Alter während des Spracherwerbs dazu, auch unregelmäßige Verben wie regelmäßige zu verwenden, obwohl sie zuvor schon die richtigen unregelmäßigen Formen benutzt hatten. Das tritt dann ein, wenn sie die Regeln entdecken.

Die heute unregelmäßigen Verben beruhen wohl auf früher regelmäßigen Strukturen, bei denen die Verbformen durch regelmäßige Vokaländerungen gebildet wurden.

Die Anzahl der unregelmäßigen Verben in anderen Sprachen

Sprache Anzahl Besonderes
Latein mind. 924* *924 wird von H. Menge in seinem Wörterbuch aufgelistet
Italienisch über 400
Englisch 283 die meisten unregelmäßigen Verben aller Weltsprachen
Deutsch um 250
Polnisch 88
Französisch 81
Spanisch 59 Laut Langenscheidts Wörterbuch, plus jeweils weitere nach dem gleichen Muster zu konjugierende Verben
Niederländisch um 200 -> die selben Verben wie im Deutschen
Gälisch 11
Finnisch >=4
Japanisch 2 hat auch zwei weitere Hilfsverben
Chinesisch 1
Esperanto 0 wie die meisten Plansprachen

Siehe auch

  • Liste starker Verben (Deutsche Sprache)
  • Liste starker Verben (Bairische Sprache).

Literatur

  • Glück, Helmut/Sauer, Wolfgang Werner: Gegenwartsdeutsch. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart/Weimar 1997
  • Pinker, Steven: Words and Rules. The Ingredients of Language. 1999(dt. Wörter und Regeln. Die Natur der Sprache. Heidelberg/Berlin 2000. ISBN 3-8274-0297-2)
  • Schmidt, Wilhelm: Geschichte der deutschen Sprache. 7. verbesserte Auflage. Stuttgart 1996. ISBN 3-7776-0720-7. Seite 191 - 203 sowie Seite 241 - 253 und Seite 309 - 323

Weblinks

Bild:Wiktionary-ico-de.png
   
Wiktionary: {{{2|Wiktionary:Deutsch/Liste der unregelmäßigen Verben}}} ? Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
  • Gesellschaft zur Stärkung der Verben- Humorvoller Versuch, neue unregelmäßige Verben einzuführen
  • Italian: list of principal irregular second and third conjugation verbsca:Verb irregular

en:Strong verb fr:Verbe irrégulier scn:Verbi Irrigulari




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