| |
Die Pocken, med.: Variola, auch Blattern genannt, sind eine gefährliche Infektionskrankheit, die durch Virenübertragen wird.
Seit 1977sind keine Pockenfälle mehr aufgetreten.
Der letzte Fall in Deutschlandtrat im Jahre 1972 in Hannover auf.
Durch ein konsequentes Impf- und Bekämpfungsprogramm der WHOund anderer Gesundheitsorganisationen wurde erreicht, dass 1980 die Welt von der WHO für pockenfrei erklärt werden konnte, weil der Erreger nur durch den Mensch weitergegeben werden kann. Dennoch sind weitere Pockeninfektionen, z. B. durch Laborunfälle oder Bioterrorismus, nicht ausgeschlossen, und die Krankheit unterliegt nach wie vor der gesetzlichen Meldepflicht.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Erreger
- 2 Tierpocken
- 3 Krankheitsverlauf
- 4 Impfung
- 4.1 Impfung mittels Variolaviren
- 4.2 Impfung mittels Vaccinia-Viren
- 5 Geschichte
- 6 Weblinks
|
Erreger
Die Erregerder Pocken beim Menschen sind Viren aus der Gattung Orthopoxvirus. Pockenviren sind die größten und bekanntesten Tierviren.
Sie weisen Eigenschaften auf, die denen primitiver Zellen ähneln. Jedoch sind die Pockenviren, wie alle Viren, nicht in der Lage, Stoffwechsel zu betreiben, und sind daher in Bezug auf die Proteinbiosynthese vom Wirt abhängig. Diese Viren sind auch hinsichtlich ihrer Replikationim Cytoplasma, obwohl sie DNA-Viren sind, einmalig. Eine mit einem Pockenvirus infizierte Zelle weist eine DNA-Synthese außerhalb des Kernes auf, was sonst nur in intrazellulären Organellen wie Mitochondrienvorkommt.
| Erkrankung
|
medizinischer Name
|
Erreger
|
Sterblichkeit
|
|
echte Pocken
|
Variola vera, Variola major
|
Orthopoxvirus variola
|
10-90%, je nach Stamm
|
|
Weiße Pocken
|
Variola minor, Alastrim
|
Orthopoxvirus alastrim
|
1-5%
|
|
Ostafrikanische Pocken
|
?
|
?
|
5%
|
Tierpocken
Neben den menschlichen Pockenerkrankungen gibt es auch bei einer Reihe von Tierendurch verwandte Viren ausgelöste Erkrankungen, z. B. Affen-, Büffel-, Esel-, Kamel-, Kaninchen-, Katzen-, Maulesel-, Mäuse-, Pferde-, Schaf-, Schweine-, Vogel- und Ziegenpocken.
Einige dieser Viren können auch den Menschen befallen, lösen aber meist nur leichte Erkrankungen aus. Viel zu wenig ist allerdings bekannt, dass durch 45 % aller Katzenbisse Pockenviren auf den Menschen übertragen werden.
Einige Deutsche sind an einer solchen Infektion mit Katzenpocken gestorben, wenn ihr Immunsystemwegen einer hochdosierten Kortisonbehandlungoder einer sonstigen Abwehrschwäche mit den Viren nicht fertig geworden ist.
Von besonderer Bedeutung ist der Erreger der KuhpockenOrthopoxvirus vaccinia, der mit dem Variolaviruseng verwandt ist, beim Menschen aber nur eine leichtere Krankheit auslöst. Dafür ist der Patientnach einer Ansteckung mit Kuhpocken gegen die echten Pocken immunisiert. Deshalb wurden Varianten von Vaccinia für die Pockenimpfung verwendet.
Krankheitsverlauf
Pocken können direkt von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektionbeim Hustenübertragen werden. Daneben kann die Ansteckung auch durch Einatmenvon Staub erfolgen, der z. B. beim Ausschütteln von Kleidung oder Decken von Pockenkranken entsteht.
Die Inkubationszeitbeträgt ein bis zweieinhalb Wochen, meistens jedoch 12?14 Tage. Die Viren befallen zunächst den Nasen- und Rachenbereich und werden danach vom Blutüber den ganzen Körper verteilt, wodurch starkes Fieberund Schüttelfrostausgelöst werden. Etwa vier Tage nach den ersten Anzeichen tritt der typische Ausschlag auf. Es bilden sich Bläschen an fast allen Stellen des Körpers, wobei Kopf, Hände und Füße am stärksten, Brust, Bauch und Oberschenkel
nur schwach betroffen sind, während in den Achselhöhlen und Kniekehlen praktisch keine Bläschenbildung auftritt.
Die Flüssigkeit in den Bläschen trübt sich und es entstehen eitrigePusteln, die einen sehr unangenehmen Geruch verbreiten. Bei einem weniger schweren Krankheitsverlauf trocknen die Pusteln etwa zwei Wochen nach Ausbruch der Krankheit nach und nach ein und hinterlassen deutlich erkennbare Narben. In schwereren Fällen können Erblindung, Taubheit, Lähmungenoder Hirnschädenauftreten.
Oft genug verläuft die Krankheit jedoch tödlich. Die geschätzte Mortalitätder unbehandelten Pocken liegt bei etwa 30 %.
Impfung
Gegen Pocken gibt es kein Heilmittel, nur eine vorbeugende Impfung ist möglich.
Die Impfung kann ihre Schutzwirkung auch noch entfalten, wenn sie bis etwa fünf Tage nach der Infektion vorgenommen wird.
Die Pockenimpfung ist eine Lebendimpfungund ist durch eine Reihe von Impfkomplikationen belastet, so dass nur bei eindeutigen Pockenausbrüchen geimpft werden sollte.
Nach Meinung von Experten würde eine Massenimpfung der deutschen Bevölkerung mehr Opfer fordern als eine früh erkannte Pockeninfektion, die dann konsequent und unter Quarantäne behandelt werden würde. Eine Massenimpfung ist z. B. in den USA gar nicht vorgesehen ? die dortigen Notfallpläne sehen nur eine Impfung der gefährdeten Personen vor.
Quarantänemaßnahmen(= Isolierung von Kranken und Krankheitsgebieten) haben sich gegen die Pocken bewährt und sind eine notwendige Maßnahme zur Eindämmung der Erkrankung.
Die gesetzliche Pockenschutzimpfung wurde am 26. August1807von Bayernals weltweit erstem Land eingeführt. Badenfolgte 1815, England1857 und das Deutsche Reich1874.
Impfung mittels Variolaviren
Einfache Formen der Impfung sind schon lange bekannt. Die vorbeugende Ansteckung mit geringen Mengen von Variolaviren, heute Variolation genannt, ist schon seit mindestens 3000 Jahren aus China bekannt, wo zerriebener Schorf der Pusteln geschnupft wurde. In Indien dagegen wurde dieses Material in die Haut eingeritzt. In Europa führte Lady Montagu, die Frau eines britischen Diplomaten in Istanbul, die Variolation durch Einritzen von etwas Flüssigkeit aus den Pockenbläschen in die Haut ein.
Impfung mittels Vaccinia-Viren
Die zweite, sicherere Impfmethode wurde 1796 von Edward Jennerin England eingeführt. Er glaubte der Landbevölkerung, die berichtete, dass Menschen, die von Kuhpocken angesteckt worden waren, nicht mehr die echten Pocken bekommen könnten. Zur Überprüfung dieser These infizierte Jenner einen Jungen zunächst mit Kuhpocken und, nach Abklingen der Krankheit, mit den echten Pocken. Der Junge überlebte. Dieses Verfahren wird, nach den verwendeten Vaccinia-Viren, Vakzination genannt. Das Wort vaccination bedeutet heute im Englischen Impfung ganz allgemein, auch bei uns werden Impfstoffe Vakzine genannt. In vielen Ländern wurde die Impfung von Kleinkindern und auch die Nachimpfung nach etwa 12 Jahren gesetzlich vorgeschrieben.
Geschichte
Pocken sind schon seit Jahrtausenden bekannt. Die Mumievon PharaoRamses II.von Ägyptenzeigt deutliche Pockennarben. Die europäischen Eroberer brachten die Pocken nach Amerika mit, wo sie unter den Ureinwohnern(Indianer) verheerende Epidemienauslösten, die Millionen von Toten forderten. In Nordamerika wurden die Pocken auch als Waffeeingesetzt, indem der britische Befehlshaber eines von Indianern besetzten Forts, ein Oberst Henry Bouquet, zwei Häuptlingen als Zeichen seiner Anerkennung pockeninfizierte Decken schenkte. Dies führte unter den völlig ungeschützten Indianern zu einer schweren Pockenepidemiemit vielen Toten. Die Europäer dagegen waren durch zahlreiche frühere Pockenepidemien stark durchseucht und daher relativ wenig gefährdet.
Nach Europa kamen die Pocken wahrscheinlich 166 mit dem Einzug der siegreichen Legionen nach der Einnahme der syrischen (heutiges Irak) Stadt Seleukia-Ktesiphon. Sie breitete sich rasch bis zur Donau und zum Rhein hin aus. Die Folge war ein Massensterben über 24 Jahre hin. Der Namen "variola" soll der Krankheit von dem Arzt und Übersetzer Constantinus Africanusgegeben worden sein. Die Kreuzritter des 11. und 13. Jahrhunderts trugen zu ihrer Verbreitung wesentlich bei. Seit dem 15. und 16. Jahrhundert waren die Pocken weltweit verbreitet. Über 10 % der Kinder starb vor dem 10. Lebensjahr an Pocken. Der Name "Pocken" kommt zum ersten Mal in einer angelsächsischen Handschrift aus dem 9. Jahrhundert am Ende eines Gebetes vor: "geskyldath me wih de lathan Poccas und with ealleyfeln. Amen". (beschützt mich vor den scheußlichen Pocken und allem Übel. Amen).
In Europa galten Pocken teilweise als Kinderkrankheit. Ab dem 18. Jahrhunderthäuften sich die Pockenfälle und lösten die Pestals schlimmste Krankheit ab.
Nach Schätzungen starben jedes Jahr 400.000 Menschen an Pocken. Oft zählten Kinder erst zur Familie, wenn sie die Pocken überstanden hatten. Berühmte Persönlichkeiten wie Mozart, Haydn, Beethovenoder Goetheblieben von der Krankheit nicht verschont. Die Heiratspolitik der Habsburgerwurde gleichfalls von den Pocken immer wieder durcheinandergebracht. Die Kaiserin Maria Theresia, die mit der Verheiratung ihrer Töchter an andere Herrschaftshäuser Allianzpolitik betrieb, musste mehrfach ihre Pläne ändern, weil zwei ihrer Töchter an den Pocken starben und eine dritte durch diese völlig verunstaltet wurde.
Noch in den 50erund 60erJahren gab es in Europa Pockenepidemien, so z. B. 1950in Glasgow, 1957in Hamburg oder 1967in der Tschechoslowakei. Ab 1967wurde mit groß angelegten Impfaktionen ein weltweiter Feldzug zur Ausrottung der Pocken gestartet.
Der letzte Pockenfall in Deutschlandtrat 1972als eine aus dem Kosovo eingeschleppte Erkrankung auf, der weltweit letzte Fall wurde in Somalia 1977dokumentiert. Am 8. Mai1980wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHOfestgestellt, dass die Pocken ausgerottet sind.
Seitdem gibt es, zumindest offiziell, nur noch zwei Orte, an denen Pockenviren lagern, nämlich das Forschungszentrum der US-amerikanischen Seuchenbehörde CDC (Centers for Disease Control) in Atlanta und ihr russisches Gegenstück in der Nähe von Nowosibirsk. Über eine Vernichtung der letzten Bestände wird nachgedacht, wegen der hohen Eignung der Pockenviren für Biologische Waffenkonnte man sich jedoch noch nicht dazu durchringen.
Die meisten Staaten hoben ab den 70erJahren die Pockenimpfpflichtwieder auf (in Deutschland 1975die Erstimpfung für Kleinkinder und ein Jahr später die Wiederimpfung für Zwölfjährige), da auch die Impfung nicht völlig risikofrei ist.
Nach Erfahrungswerten aus den 50er und 60er Jahren rechnet das CDC mit 15 lebensbedrohlichen Komplikationen und zwei Todesfällen pro einer Million Geimpfter.
Weblinks
Bild:Wiktionary-ico-de.png
| Wiktionary: {{{2|Pocken}}} ? Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
|
- sehr ausführliche Beschreibung der Pocken
- Centers for Disease Control and Prevention
- Fragen/Antworten an/vom Sozialministerium Hessen<--kein direkter Link, nur über den Suchbegriff: Pocken erreichbar.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
|