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Der Dekubitus (auch: Druckgeschwür, Dekubitalgeschwür, Wundliegegeschwür) ist definiert als "Bereich lokalisierter Schädigung der Hautund des darunterliegenden Gewebes" (European Pressure Ulcer Advisory Panel). In der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) der WHOwurde dem Dekubitus die Ziffer L89 zugeordnet.
Die Dekubitalgeschwüre können "Pflegefehler" sein und werden deshalb gerne als Gradmesser der Pflegequalitätgewertet.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Stadieneinteilung
- 2 Entstehung
- 3 Prophylaxe
- 4 Therapie
- 5 Begriffliches
- 6 Weblinks
- 7 Literatur
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Stadieneinteilung
Dekubitusgeschwüre werden nach W.O. Seiler in vier Stadien eingeteilt:
- Stadium 1: Nicht wegdrückbare, umschriebene Hautrötung bei intakter Haut. Weitere klinische Zeichen können Ödembildung, Verhärtung und eine lokale Überwärmung sein.
- Stadium 2: Teilverlust der Haut; Epidermisbis hin zu Anteilen des Koriumssind geschädigt. Der Druckschaden ist oberflächlich und kann sich klinisch als Blase, Hautabschürfung oder flaches Geschwür darstellen.
- Stadium 3: Verlust aller Hautschichten einschließlich Schädigung oder Nekrosedes subkutanenGewebes, die bis auf, aber nicht unter, die darunterliegende Fasziereichen kann. Der Dekubitus zeigt sich klinisch als tiefes, offenes Geschwür.
- Stadium 4: Verlust aller Hautschichten mit ausgedehnter Zerstörung, Gewebsnekrose oder Schädigung von Muskeln, Knochenoder stützenden Strukturen wie Sehnenoder Gelenkkapseln, mit oder ohne Verlust aller Hautschichten.
Entstehung
Der Begriff Druckgeschwür weist schon auf einen Faktor hin, der maßgeblich an ihrer Entstehung beteiligt ist: die lokale Druckbelastung. Es gilt die kurze Formel: Druck x Zeit. Überschreitet von außen auf Gefäßeeinwirkender Druck den Kapillardruckder Gefäße, so kommt es zu trophischenStörungen. Dieser Grenzwert wird in der Literatur oft auch als physiologischer Kapillardruck bezeichnet. Verschiedene Studien zur Bestimmung des Kapillardruckes (u.a. von E.M. Landis, K.-D. Neander, Yamada und Burton) lieferten Druckwerte zwischen 32 und 70 mmHg, die zu einer Unterbrechung der Blutzufuhr führten.
Dauert eine Druckbelastung, die die Kapillardruckschwelle überschreitet, weiter an, kommt es durch die folgende Unterversorgung der Zellenmit Sauerstoff(Hypoxie) und Nährstoffenzu einer Absenkung des Sauerstoffpartialdrucksauf 0 mmHg (Ischämie) sowie einer Ansammlung von toxischen(sauren) Stoffwechselprodukten und daraus folgend zu einer Nekrosebildung des Gewebes sowie einer irreversiblen Schädigung von Nervenzellen. Der Anstieg der sauren Stoffwechselproduktelöst bei gesunden Menschen einen Reflexaus, der zu einer Umlagerung und damit Entlastung der gefährdeten Hautstellen führt, bevor die entsprechenden Areale bleibende Schädigungen erleiden. Bei älteren und kranken Personen sind diese Reflexe oft nur noch eingeschränkt oder nicht mehr vorhanden, so dass es bei diesen Personengruppen nicht zu der notwendigen Entlastung des Gewebes kommt. Auf die folgende Übersäuerung des Gewebes reagiert der Körper mit einer Weitstellung der Gefäße (Gefäßdilatation), so dass diese Hautareale stärker durchblutet werden - eine auch bei Druck bleibende Hautrötung - ein Dekubitus Grad I ? ist die Folge.
Als besonders gefährdet gelten Stellen mit geringer Weichteildeckung (Muskelnoder Fettgewebe) und konvexenknöchernen Widerlagern, da entstehender Druck auf Grund des fehlenden Unterhautfettgewebes nicht genügend verteilt werden kann, wie die Kreuzbeinregion, die Fersen, die Rollhügel, der Oberschenkelknochenund die Knöchel.
Die Entstehung eines Dekubitus muss als multifaktorielles Geschehen gesehen werden, wobei zwischen intrinsischenund extrinsischenRisikofaktorenunterschieden wird. Während die intrinsischen Faktoren "in dem Patienten selbst" (reduzierte Mobilität, Alter, Ernährung, Austrocknung, Gewicht, Zusatzerkrankungen, Infektionen, Inkontinenz, Sensibilitätsstörungen, ...) begründet liegen, werden die extrinsischen Faktoren durch das Umfeld des Patienten bestimmt und lassen sich damit ? im günstigen Fall ? durch Mobilisierungund die Wahl eines geeigneten Hilfsmittelssowie korrekte Lagerung(siehe auch Dekubitusmatratze) und konsequente Pflegedes Betroffenen positiv beeinflussen.
Als weitere extrinsische Faktoren, die die Entstehung eines Dekubitus begünstigen, gelten:
- Scherkräfte führen zu Verdrillungen der Blutgefäße; trophische Störungen sind die Folge. Gerade bei älteren Menschen, bei denen eine Abnahme des Wassergehaltes der Haut zu einem Elastizitätsverlust führt, kann es durch Scherkräfte auch zu einer Trennung ganzer Hautschichten voneinander kommen;
- Reibung führt zu Verletzungen an der Hautoberfläche;
- Temperaturen in unphysiologischen Bereichen und starke Feuchtigkeit führen zu einem Erweichen (Mazeration) der oberen Hautschicht, welche dadurch anfälliger für Verletzungen wird.
Weiterhin fördern folgende Faktoren einen Dekubitus:
- Fieber-> Schwitzenund erhöhter Sauerstoffverbrauch
- Inkontinenz, zusätzlich saurer pH
- Adipositas-> Druck durch mehr Gewicht, vermehrtes Schwitzen
- Weitere Faktoren: Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, Abwehrschwächeund schlechter Allgemeinzustand
Als Instrumentarium zur Einschätzung des Dekubitusrisikos auf Grund intrinsischer Faktoren haben sich Skalenals günstig erwiesen, auf denen für verschiedene Kategorien (z.B. geistiger Zustand, körperlicher Zustand, Beweglichkeit, ...) Punkte vergeben werden. Patienten unter einer bestimmten Punktzahl gelten dann als gefährdet.
Schon in den 50er Jahren wurde von Doreen Norton die Norton-Skala entwickelt. Erst 1985 wurde diese ? an sich vollkommen unzureichende und zum Teil schwammig formulierte Skala ? erweitert; man spricht von der modifizierten Norton-Skala. Neben der Medley- und Waterlow-Skala, die eher von spezifischen Patientenvorstellungen oder Pflegebereichen ausgehen, wird heute primär in den USAdie Braden-Skala eingesetzt, welche u.a. die Kategorien "Reibungund Scherkräfte" sowie "sensorisches Empfindungsvermögen" einführt.
Offene Dekubitalgeschwüre können als Eintrittspforte für Erregerangesehen werden, welche nicht nur lokale Infektionen verursachen. Eine Dekubitalläsionkann daher zum Beispiel durch Streuung von Eiterherden über die Blutbahn eine ganze Reihe schwerwiegender und unter Umständen auch tödlicher Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung(Pneumonie) oder sogar Blutvergiftung(Sepsis) nach sich ziehen.
Prophylaxe
besteht in der Vermeidung von Druckstellen oder Abpolsterung von vorstehenden Knochenpunkten (Auflagepunkte sind Prädilektionsstellen), in der korrekten Lagerung Hilfloser (siehe Therapie) und in einer optimierten Hautpflege. Eine Mobilisation steht natürlich immer an erster Stelle erwünschter Ziele.
Therapie
Die Behandlung von Dekubitalgeschwüren beinhaltet stets die Entlastung der betroffenen Körperstelle durch Hohl-, Weich- oder Wechsellagerung. Daneben muss die Wunde fachgerecht versorgt und das Fortbestehen von Risikofaktoren ausgeschlossen werden. Weiterhin muss auf die Ernährung des Erkrankten besonderes Augenmerk gelegt werden, da sein Protein- und Energiebedarf ansteigt.
Begriffliches
Der Begriff Dekubitus, ein neulateinisches, erst im 19. Jahrhundert geprägtes Wort, stammt vermutlich von decumbere, decubitum (sich niederlegen, vor allem zum Schlafen, zum Essen oder für den Beischlaf) ab. Möglich ist auch die Abstammung von decubare (liegen). Gemeint ist damit das "Sichdurchliegen" der Kranken. Ursprünglich wurden Druckgeschwüre als Gangraena per decubitum bezeichnet, was sich vom griechischen gangraina = "fressendes Geschwür" ableitet und "faulige Wunde durch das Liegen" bedeutete. Später blieb davon nur die Kurzform Dekubitus übrig. Das Wort Geschwür wird im deutschen Sprachraum seit dem 16. Jahrhundert verwendet. Es leitet sich von schwären (althochdeutschsweran) = "schmerzen, schwellen, eitern" ab und bedeutete ursprünglich "das, was eitert".
Uneinigkeit herrscht in der Fachliteratur über den korrekten Plural des Wortes Dekubitus. Eigentlich der lateinischen u-Deklinationzugehörig, wäre der korrekte Nominativ Plural Dekubitus (mit langem u), jedoch folgten ab dem dritten nachchristlichen Jahrhundert im Zuge einer allgemeinen Sprachvereinfachung viele Wörter einer "heteroklitischen Flexion", d.h. sie wurden der O-Deklination folgend gebeugt. Deshalb ist vermutlich auch Dekubiti korrekt.
Weblinks
- PflegeWiki.de - Dekubitus
- medinfo.de - Links zum Thema Dekubitus
- Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege
- Patientenleitlinie DekubitusEvidenzbasierte Patientenleitlinie der Universität Witten/Herdecke
Literatur
- H. Lubatsch: Dekubitusmanagement auf der Basis des Nationalen Expertenstandards. Schlütersche, 2004, ISBN 3-89993-121-1
- A. Fuchs: Dekubitus. Kohlhammer, 2004, ISBN 3-17-018255-2
- C. Bienstein, G. Schröder, M. Braun, K.-D. Neander (Hrsg.): Dekubitus ? Die Herausforderung für Pflegende. DBfK-Vlg., 2000, ISBN 3-92-794416-5
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