Bild:Zahnstocher-holz.jpg Zahnstocher aus Holz
Ein Zahnstocher ist ein Hilfsmittel, das dazu dient, die Zähnevon Speiseresten zu befreien. Er ist dünn, ca. 5 cm lang und besteht meistens aus Holz. Ein Ende oder zwei Enden sind angespitzt, um mit ihnen leicht in die Zahnzwischenräume zu gelangen.
Die Unentbehrlichkeit des Zahnstochers zeigt sich darin, dass eine Kunststoffausgabe dieses Gerätes fester Bestandteil jedes SchweizerTaschenmessersist.
Früher war es in Deutschland üblich, den Zahnstocher bei Tisch hinter vorgehaltener hohler Hand zu verwenden. Da diese Praktik das Hantieren mit den Holzstäbchen noch auffälliger machte, hat der Fachausschuss für Benehmen und Tischsitten eine offene, aber dezente Verwendung nach dem Essen als gebührlich zugelassen.
Geschichte
Den Zahnstocher gibt es bereits seit Jahrtausenden, er ist vermutlich das älteste Instrument zur Zahnreinigung. Zahnstocher sind in allen Kulturen bekannt. Bevor die Zahnbürste erfunden wurde, reinigte man sich die Zähne unter anderem mit harten und weichen Zahnhölzchen. Zahnstocher aus Bronze finden sich als Grabbeigabe in prähistorischen Gräbern in Oberitalien und in den Ostalpen. Auch in Mesopotamienwar er bekannt.
Der Tyrann Agathokles von Syrakuswurde im Jahr 289 vor Christus durch ein langsam wirkendes Giftumgebracht, das ihm sein Lieblingssklave in einem Zahnstocher verabreichte.
Zierliche, kunstvoll aus Silber gearbeitete Exemplare gab es in der Antike, ebenso aus Mastixholzbei den Römern.
Berühmt ist die Stelle bei Martial: "Der da unten auf dem Mittellager liegt, die ölige Glatze von drei Strähnen durchzogen und sich mit Mastixholz im weiten Maule stochert, lügt: Er hat ja gar keine Zähne!" (Martial VI, 74).
Das Christogramm (die Anfangsbuchstaben ? und ? für «Christus») auf einem Zahnstocher des spätrömischen KaiseraugsterSilberschatzes belegt den Wohlstand und den christlichen Glauben des Besitzers.
Der mittelalterliche Sachsenspiegelführte den Zahnstocher ausdrücklich als Teil der Erbgegenstände der Frau auf.
Erasmus von Rotterdam(1469-1536) wies in seinem Benimmbuch darauf hin, Zahnstocher zu gebrauchen, gehöre zu den "feinen Manieren der Knaben".
Im 17. Jahrhundert gab es Zahnstocher als Luxusgegenstände bzw als Schmuckstücke. Sie waren aus edlem Metall geformt und mit kostbaren Steinen besetzt, häufig kunstvoll ziseliert und emailliert. Es gibt Portraits, auf denen Edelleute einen Zahnstocher an einer Kette um den Hals tragen, angefertigt von Silberschmieden aus edlen Metallenoder aus Elfenbein. Auch kamen kostbare Zahnstocherbehälter auf.
Heutzutage wird seitens der modernen Zahnmedizin das Verwenden von Zahnstochern eher abgelehnt, Hilfsmitteln wie Zahnseideund Interdentalbürstenwird der Vorzug gegeben.
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