| |
Die Zahnmedizin umfasst die Vorbeugung, Erkennung und die Behandlung aller Erkrankungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich.
Bild:Zahn ana.gif Der Aufbau eines Zahnes
Der Zahn heißt auf Lateindens; dentes = Zähne; dentis = des Zahnes; dental = den Zahn betreffend. Die griechische Bezeichnung für Zahn lautet odous; odontes = die Zähne.
Die Medizin (v. lat. ars medicina ?Heilkunst?; auch Heilkunde).
Zahnmediziner sind sowohl der Zahnarzt, der Kieferorthopädewie auch der Kieferchirurg.
Aufgrund der anatomischenGegebenheiten befasst sich die Zahnmedizin mit einem relativ kleinen Ausschnitt des menschlichen Körpers. Der Kauapparat ist eingebettet in die Funktionssysteme des Kopf-Hals-Schulter-Bereichs. Erkrankungenund Störungen in diesen Bereichen können sich auf die Funktion des Kauapparates auswirken. Darum beschäftigt sich der Zahnmediziner nicht ausschließlich mit Zähnen und Zahnfleisch, sondern er berücksichtigt darüber hinaus oft den gesamten Kopf-Hals-Schulter-Bereich.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Historisches
- 1.1 Zahnheilkunde
- 1.2 Zahnmediziner
- 2 Zahnmedizinische Behandlungen
- 2.1 Befunderhebung und Diagnose
- 2.2 Prophylaxe (vorbeugende Zahnheilkunde)
- 2.3 Zahnbehandlungen
- 2.4 Extraktion (Ziehen eines Zahnes)
- 2.5 Prothetik
- 2.6 Kinderzahnheilkunde
- 2.7 Weitere Teilgebiete der Zahnmedizin
- 2.8 Die Angst vor der Zahnbehandlung
- 3 Siehe auch:
- 4 Literatur
- 5 Weblinks
|
Historisches
Zahnheilkunde
2800 v. Chr.bis 1800 v. Chr.wurden im Gebiet der Indus-KulturZähne behandelt.
Im sechzehnten Jahrhunderts vor Christusgab der Papyrus Ebersaus Ägyptenunter anderem Anweisungen zu Zahnbehandlungen.
Im Mittelalterhatten die Menschen die Vorstellung, ein Wurm, der sich durch den Zahn frisst, verursache die Zahnerkrankungen. Quälende Zahnschmerzenkurierte man bis 1829mit dem Brenneisenzum Kauternder Kariesund der Nerven. Die meisten Patientenverloren bei dieser Behandlung das Bewusstsein. Um den offenliegenden Nervabzutöten verwandte man Arsenpaste, dem Patientenkonnte man so die Schmerzennehmen. Auch Äther, Chloroformund Lachgaswaren bekannt. Kokainergänzte später die Mittel zur Schmerzbehandlung.
Jahrhundertelang benutzte man am Ende aufgefaserte Holzstäbchen, bestreut mit alkalischer Asche, Ingwer, Bengalpfefferoder getränkt in Alaunzur Reinigung der Zähne. Die ersten Zahnbürstenstammten aus dem frühen 18. Jahrhundert.
Ebenfalls im 18. Jahrhundertfanden Zähne von Hunden, Pavianenund SchafenVerwendung als Implantate.
Künstliche Zähnegibt es seit Beginn des 19. Jahrhunderts.
| Historische Entwicklung der Zahnheilkunde
|
| 1869
| der Norddeutsche Bund legt die erste Prüfungsordnung fest; Pflicht: 2 Jahre Studium und praktische Erfahrungen beim Zahnarzt
|
| 1889
| einheitliche Prüfungsordnung
|
| 1910
| Errichtung dentistischer Lehrinstitute. Dentistenwerden 2 Jahre geschult, es folgen 4 Jahre Praktikum
|
| 1919
| Möglichkeit der Promotionfür Zahnmediziner, Titel: "Dr. med. dent."
|
| 1920
| Dentistenausbildung wird anerkannt. Die Berufsbezeichnung "Zahnhandwerker/-künstler" abgeschafft
|
| 1952
| Das Zahnheilkundegesetz ersetzt den Begriff "Dentist" durch "Zahnarzt"
|
| ab 1965
| erste Zulassungsbeschränkungfür den Bereich der Zahnmedizin
|
|
|
Zahnmediziner
Im Mittelalter und den folgenden Jahrhunderten wurden Zähne nicht von akademisch ausgebildeten Ärztengezogen, sondern von Handwerkern, meist von Badern. Man nannte sie auch "Zahnbrecher" oder "Zahnreisser". Spezialisten übten ihren Beruf mit Hilfe von verschiedenen Instrumentenaus, es gab aber auch Marktschreier und Scharlatane, deren Interesse in der Hauptsache im Geldgewinn lag und deren Ruf zweifelhaft war.
Vor der Möglichkeit den Patienten oder seine Zähne zu betäuben, war schnelles Arbeiten notwendig.
| Zahnmediziner in der Geschichte
|
| 100-200
| Archigenes, römischer Arzt aus Syrien. Begründer der Zahnheilkunde
|
| 1725
| erstmalige Verwendung des Begriffs "Zahnarzt"
|
| 1756
| veröffentlicht Philipp Pfaffdas erste Lehrbuch der Zahnheilkunde in deutscher Sprache: "Abhandlungen von den Zähnen und deren Krankheiten"; er gilt als Begründer der deutschen Zahnheilkunde
|
|
|
Zahnmedizinische Behandlungen
Befunderhebung und Diagnose
Bild:Spiegel sonde.gif zahnmed. Untersuchungsbesteck, Spiegel und Sonde
Hier sind zunächst Befunderhebung und Diagnosein Bezug auf die Kariestherapie berücksichtigt. Zur Erhebung einer Allgemeinanamnesefüllt der Patient, meist, wenn er das erste Mal in einer Praxis behandelt wird, einen Fragebogen aus. Allgemeinerkrankungenkönnen Auswirkungen auf die Zahngesundheit haben und spezielle Behandlungsrisiken beinhalten. Ergänzend zur schriftlichen Selbstauskunft des Patienten führen Patient und Arzt ein Gespräch.
Eventuell bittet der Arzt den Patienten einen Ernährungsfragebogenauszufüllen, um das individuelle Kariesrisikobesser einschätzen zu können.
Es folgt der intraorale Befund, zu dessen Erhebung der Arzt die Zähne, das Zahnfleischund die übrige Mundschleimhautdes Patienten untersucht. In Einzelfällen wird die Speichelfließratebestimmt.
Es folgt die Dokumentation des Zahnstatus.
Als Zahnstatus wird die Erfassung des Gebisszustandesbezeichnet. Hierbei werden fehlende Zähne, ersetzte Zähne, Kariesbefall, Füllungen, Inlays, Onlays, Implantate sowie Fehlstellungen oder sonstige Zahnerkrankungen in schriftlicher Form oder als Bild festgehalten.
Über den Vergleich von so gewonnenen Informationen mit zahnärztlichen Unterlagen können Menschen identifiziert werden. Dies wird zur Identifizierungvon Leichenverwendet.
Zu den speziellen Diagnosemaßnahmen zählen Röntgendiagnoseund spezielle Untersuchungen, etwa den Parodontalstatusbetreffend.
Prophylaxe (vorbeugende Zahnheilkunde)
Siehe Unterartikel: Prophylaxe (Zahnmedizin)
Bild:Putzen01.gif Zahnbürste und Zahnpasta
Neben der Empfehlung fluoridhaltigerZahnpastazur Kariesprophylaxe, gibt der Zahnarzt Rat zur richtigen Zahnputztechnik und nimmt professionelle Zahnreinigungen vor. Eine allgemein gute Mundhygieneverringert das Kariesrisiko und das Risiko der Folgeerkrankungen von Zähnen und Zahnhalteapparat.
Zahnarztbesuche in regelmäßigen Abständen sind sinnvoll, um bereits entstandene Karies frühzeitig erkennen und behandeln zu können und so die Folgeschäden zu minimieren.
Zahnbehandlungen
Die meisten Zahnbehandlungen werden heute unter örtlicher Betäubungdurchgeführt. Meist gilt es Karieszu entfernen. Die infizierte Zahnhartsubstanz muss ausgeräumt und der Zahn mit einem Füllungsmaterial versorgt werden. Die Füllungstherapiewird der konservierenden Zahnheilkunde zugeordnet.
Die konservierende Zahnheilkunde beschäftigt sich mit der Zahnerhaltung, sie lässt sich untergliedern in
- die Prävention, auch Prophylaxe genannt;
- die Füllungstherapie;
- die Kariologie, die sich mit der Entstehung der Kariesbeschäftigt. Dabei werden alle Faktoren, die Demineralisationsvorgänge auslösen, berücksichtigt, zum Beispiel der Einfluss von Nahrungsmitteln auf die Entmineralisationder Zähne;
- die Parodontologie, welche sich mit den Erkrankungen des Zahnhalteapparates befasst und
- die Endodontie, deren Gegenstand das innere Zahnweichgewebe (Pulpa) ist.
Extraktion (Ziehen eines Zahnes)
Siehe Unterartikel: Extraktion (Zahnmedizin)
Bild:Stuhl02 2.gif Patientenstuhl beim Zahnarzt
Die Extraktion ist ein zahnärztliches Verfahren zur mechanischen Entfernung eines Zahnes. Sie gilt nicht als operatives Verfahren und wird in der Regel unter lokaler Betäubung durchgeführt.
Prothetik
Siehe Unterartikel: Zahnersatz
Mit zunehmendem Alter oder durch Unfällekann es zu Zahnverlusten kommen. Diese durch Ganz- oder Teilprothesenzu ersetzen ist das Behandlungsgebiet der Prothetik. Die verschiedenen Zahnprothesenlassen sich unterteilen in:
- festsitzender Zahnersatz
- herausnehmbarer Zahnersatz
- bedingt herausnehmbar (= kombiniert festsitzend/herausnehmbar)
- herausnehmbar
Als Materialien stehen Edelmetall-Legierungen, Nicht-Edelmetall-Legierungen, Keramikenund Kunststoffezur Verfügung.
Bevor ein Zahnarzt den Patienten mit Zahnersatz versorgt, erstellt er einen Heil- und Kostenplan, den der Patient bei seiner Krankenkasseeinreicht und von dieser die Zusage der Kostenübernahme erhält. (Gilt nur für Deutschland)
Der Zahnarzt nimmt Abdrücke von der aktuellen Gebiss-Situation des Patienten. Die Abdrücke werden im Dentallabor mit Gipsausgegossen, wodurch Modelleder Gebiss-Situation entstehen. Das Dentallabor fertigt nach Vorgabe des Zahnarztes den Zahnersatz aus den gewünschten Materialien. In der Zahnarztpraxis wird die Passgenauigkeit überprüft und der Zahnersatz im Mund des Patienten dauerhaft befestigt.
Kinderzahnheilkunde
Bild:OK UK zeichnung.gif Milchgebiss und Erwachsenengebiss im Vergleich
Die Kinderzahnheilkunde ist Teilgebiet der Zahnmedizin zur speziellen Behandlung aller Krankheiten im Zahn-, Mund- und Kieferbereich während der Kindheit, also von der Geburtbis zur Pubertät.
Weitere Teilgebiete der Zahnmedizin
- Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie behandelt neben der allgemein zahnärztlichen Chirurgie, Tumorerkrankungen, Erkrankungen der Kiefer- und Gesichtsnerven und Fehlbildungen. Sie umfasst Diagnostik und Therapie von Entzündungskrankheiten, Funktionsstörungen und Schmerzsyndromen, dentale Implantologie, die Möglichkeit plastisch-ästhetischer Operationen etwa zur Wiederherstellung nach Unfällen oder aus rein kosmetischen Gründen sowie die dental-fasziale Unfallchirurgie.
- Die Kieferorthopädie befasst sich mit der Verhütung, Erkennung und Behandlung von Fehlstellungen der Kiefer und der Zähne (Zahnfehlstellung; Zahn-, Kieferregulierung).
- Die Psychosomatik erklärt die Zusammenhänge und die gegenseitige Beeinflussung von Seele und Körper des Menschen. Allgemeine psychische Anspannung kann sich beispielsweise in nächtlichem Zähneknirschen (Bruxismus) äußern, was Auswirkungen auf die Funktionalität von Zähnen und Kiefergelenk haben kann.
Die Angst vor der Zahnbehandlung
Nahezu jeder kennt das etwas unangenehme Gefühl, das die meisten Menschen vor oder während einer Zahnbehandlung empfinden. Viele sagen von sich selbst, sie hätten Angst vor dem Zahnarzt. Das unangenehme Gefühl oder eine leichte Ängstlichkeit hindern sie jedoch nicht, wie von Zahnärzten und Krankenkassen empfohlen, halbjährlich oder zumindest jährlich zur Kontrolluntersuchung eine Zahnarztpraxis aufzusuchen.
Deutlich davon abzugrenzen ist die Phobievor Zahnarzt und Zahnbehandlung, die mit 10 - 20 % der Bevölkerung eine große Zahl von Patienten entwickelt hat. Wer unter dieser Phobie leidet, hat in oder vor der auslösenden Situation so starke Angstzustände, dass diese sich in Schweissausbrüchen, Zittern, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit und/oder Schlafstörungen niederschlagen können.
- Die häufigsten Ursachen dieser speziellen Phobie sind unangenehme oder traumatische Erlebnisse während einer Behandlung und/oder Erzählungen über solche Erlebnisse.
- Zu den Folgen gehört ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten der Patienten, das soweit reichen kann, dass sie jahrzehntelang der gefürchteten Situation aus dem Weg gehen und keine Zahnarztpraxis aufsuchen. Darunter leidet der Zustand der Zähne, oft auch der des Zahnfleisches, der der übrigen Mundschleimhaut und des Zahnhalteapparates. Viele Betroffene entwickeln zusätzlich zu ihrer Phobie auch ausgeprägte Schamgefühle und leiden im Alltag darunter durch eine enorme Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität.
- Die Ansätze zur Therapie der Phobie und damit auch der Zähne sind vielfältig. Sie reichen von Verhaltenstherapie über die medikamentösen Sedierung oder einer Kombination von beiden bis zur Behandlung unter Vollnarkose. Ansprechpartner sind Zahnärzte, Psychologen oder Psychiater.
Siehe auch:
- Internationale Dental-Schau
- Studium der Zahnmedizin
- Datenbank mit medizinischen Artikeln der nationalen medizinischen Bibliothek der USA (NLM) (Wiki)
Literatur
- Klaus Rötzscher: Forensische Zahnmedizin. BoD 2005, ISBN 3833403721
- The World Oral Health Report 2003. WHO, Geneva 2003
- Galvanoprothetik-Neue Wege zum biologischen Zahnersatz. Quintessenz, ISBN 3-87652-486-5
- Metallfreie Restauration durch Einsatz vollkeramischer Werkstoffe. Literatur unter www.ag-keramik.de Menü NEWS - "Literatur"
Weblinks
- www.vddi.de- Verband der Deutschen Dentalindustrie (VDDI)
- Deutsche Zahnarztauskunft
- Deutsche Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie
- http://www.implantat-berater.dePatienteninformationsportal rund um Zahnimplantate
- www.ag-keramik.de
- www.agz-rnk.de- Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit
- www.dgzmk.de
- www.zahnwissen.de
- www.onmeda.de
|
| Commons: {{{2|Category:Dentistry}}} ? Bilder, Videos oder Audiodateien
|
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
| |  |
| |
|
|
|
|
|