| |
| Bild:Disambig-grau.png
| Dieser Artikel behandelt die Zecke als Lebewesen, für den Aspekt des Krankheitsüberträgers siehe: Zeckenbiss
|
| Zecken
|
Bild:Tick 2 (aka).jpg erwachsene Zecke
|
| Systematik
|
| Stamm: | Gliederfüßer(Arthropoda)
|
| Unterstamm: | Kieferklauenträger(Chelicerata)
|
| Klasse: | Spinnentiere(Arachnida)
|
| Ordnung: | Milben(Acarii)
|
| Unterordnung: | Parasitiformes
|
| Überfamilie: | Zecken
|
|
| Wissenschaftlicher Name
|
| Ixodida
|
| Leach1815
|
| oder Metastigmata
|
| Canestrini1891
|
| Familien
|
- Lederzecken(Argasidae)
- Schildzecken(Ixodidae)
- Nuttalliellidae (Nuttalliella namaqua Bedford)
|
Die Zecken (Ixodida) sind eine Überfamilie innerhalb der Milben(Acarii) mit lederartig dehnbarer Haut und gehören zur Klasseder Spinnentiere. Sie werden hier den parasitischen Milben der Unterordnung Parasitiformes(Anactinotrichida) zugeordnet. Unter den Zecken finden sich die größten Milbenarten. Die meisten Arten sind Ektoparasiten(sie dringen nicht in das Wirtsinnere ein) an Wirbeltieren. Als Wirtedienen Vögel, Reptilienund Säugetiere(Nager, Fledermäuse, Paarhufer). Viele Zeckenarten gehören dadurch zu bedeutenden Krankheitsüberträgern.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Verbreitung
- 2 Aufenthaltsorte
- 3 Merkmale
- 3.1 Mundwerkzeuge
- 3.2 Saugvorgang
- 4 Verhalten
- 5 Lebenszyklus
- 6 Zecken als Krankheitsüberträger
- 7 Natürliche Feinde
- 8 Systematik
- 9 Literatur
- 10 Weblinks
|
Verbreitung
Lederzecken sind auf die Tropenund Subtropenbeschränkt, Schildzecken kommen weltweit vor und sind auch in Mitteleuropa die am weitesten verbreitete Zeckenart. Ihr Auftreten hängt stark von ihren Wirten ab, da sie bis zu drei Nymphenstadienmit Wirtswechsel besitzen.
Durch die Klimaveränderungender letzten Jahre und einem Überbestand an Wildist es zu einer massiven Ausbreitung der Zeckenpopulation in die nördlichen Bereiche von Europa gekommen. Zudem hat die Durchseuchungsrate der Zecken mit Bakterienund Virenzugenommen. Krankheitserreger, die bisher nur in den südlichen Breiten Europaszu finden waren, verbreiten sich damit auch immer mehr nach Norden.
Aufenthaltsorte
Bild:Tick male size comparison (aka).jpg Größenvergleich einer männlichen Zecke mit einem Streichholzkopf
Schildzeckenbevorzugen hohe Luftfeuchtigkeit und relative Wärme. Deshalb halten sie sich vornehmlich im Gestrüpp, in hohen Gräsern und Farnenoder im Unterholz auf (bis ca. 1,5 m Höhe). Sie halten sich meist in einer Höhe auf, die der Größe des potentiellen Wirtes entspricht. Dort werden sie abgestreift, wenn sich der potentielle Wirt durch das Gras bewegt. Die weit verbreitete Ansicht, dass sich Zecken von Bäumen herabfallen lassen, trifft dagegen in der Regel nicht zu. Daneben suchen Zecken sich natürlich auch die Aufenthaltsorte aus, an denen ihre natürlichen Wirte besonders häufig vorkommen.
Lederzeckenhingegen leben oft in der Nähe ihrer Wirte und bevorzugen eher trockenere dunkle Unterschlupfe.
Besonders ideale Bedingungen bieten unter all diesen Gesichtspunkten Waldränder und Waldlichtungen mit hochgewachsenen Gräsern, Feuchtwiesen und Bachränder mit gleichartigem Bewuchs und weiterhin Laub- oder Mischwald mit grasigen oder krautigen Unterwuchs. Allerdings sind Zecken durchaus auch in Gärten und Parks anzutreffen.
Ihre Aktivitäten entfalten sie normalerweise von März bis Oktober, doch können sich wetterabhängig auch Abweichungen davon ergeben. Im Winter sind Zecken nicht aktiv.
Merkmale
Bild:Adult deer tick.jpg Reh-Zecke (Ixodes scapularis)
|
Bild:Tick male (aka).jpg männliche Zecke
|
Bild:Tick (aka).jpg etwas vollgesogene Zecke (Inachis io)
|
Bild:Zecke.jpg Vollgesogene Zecke (von unten) (Pieris napi)
|
Bild:Erythema-motilans.jpg Wanderröteals Spätfolge eines Zeckenbisses mit Borrelioseinfektion
|
Da Zecken zu den Spinnentierenzählen, haben auch sie 8 Beine, ausgenommen die Larvenmit 6 Beinen. Sie sind die größten Vertreter der Milben und können zunächst als adultes Tier bis zu 4 mm groß werden. Die Schildzecken haben einen verhärteten Chitinpanzer(Scutum) auf dem Hinterteil.
Mundwerkzeuge
Die Zecke ritzt mit ihren paarig angelegten sogenannten Chelicerendie Haut ein und schiebt das Hypostom (Stechapparat) in die Wunde. Dieser ist symmetrisch mit Widerhaken besetzt. Damit bohren sie sich jedoch nur oberflächlich in die Haut ein und "lecken" dann das austretende Blut beziehungsweise die Lymphe. Zecken dringen also meist nicht bis zu den Kapillarenvor. Dieser Vorgang wird umgangssprachlich als "Zeckenbiss" bezeichnet. Korrekt ist jedoch "Zeckenstich".
Saugvorgang
Ähnlich wie andere blutsaugende Insekten geben auch Zecken beim Zeckenstichvor Beginn der Nahrungsaufnahme ein Sekret(Speichel) ab, das bei ihnen allerdings mehrere wichtige Komponenten enthält.
- Einen Gerinnungshemmer, der eine Verstopfung der Proboscis verhindert und den Blutfluss hin zur Einstichstelle steigert.
- Eine Art Klebstoff, der die Mundwerkzeuge (Proboscis) fest in der Haut verankert.
- Ein Betäubungsmittel, das die Einstichstelle unempfindlich macht. Diese Komponente ist sehr wichtig, da Zecken im Vergleich zu Stechmückeneinen wesentlich größeren und gröberen Stechrüssel besitzen und außerdem sehr viel länger, manchmal mehrere Tage, an ihrem Nahrungsopfer Blut saugen, das davon selbstverständlich nichts bemerken soll.
- Einen entzündungshemmenden Wirkstoff. Dieser soll eine Stimulation der körpereigenen Immunabwehran der Einstichstelle vermeiden.
Nach einer ausgedehnten Blutmahlzeit erreichen Zecken eine Größe von bis zu 3 cm.
Verhalten
Die männlichen und weiblichen Zecken sind Blutsauger. Zum Auffinden des Nahrungsopfers ist den Zecken ihr Haller'sches Organbehilflich. Dieser grubenförmige Chemorezeptor, der mit Sinnesborsten ausgestattet ist, befindet sich am letzten Beinelement (TarseNummer 23) des ersten Beinpaares und kann Stoffe wie Ammoniak, Kohlendioxid, Milchsäureund vor allem Buttersäureerkennen, die von den jeweiligen Wirtstieren durch Atemund Schweißabgegeben werden. In der Lauerstellung (das vordere Beinpaar wird leicht schwenkend nach vorne gestreckt, mit den hinteren drei Beinpaaren umklammern sie ihren Ansitz) wird dieses Organ vorgestreckt, damit die Zecken die Sinnesreize besser empfangen können. Die wartenden Zecken wechseln sofort von der Wartestellung (die eingefalteten Vorderbeine liegen nahe am Körper) in die Lauerstellung, wenn sie durch Geruchsreize, Lichtveränderung - besonders von hell zu dunkel - oder durch Vibrationen bemerken, dass sich möglicherweise ein Wirt nähert. Sie hängen sich anschließend an alles, was ihren jeweiligen Aufenthaltsort streift und krabbeln dann oft bei Tier und Menschen bis zu mehreren Stunden lang am Körper umher, bis sie eine passende Einstichstelle gefunden haben. Zecken sind dabei sehr wählerisch und bevorzugen etwas feuchte, warme und gut durchblutete, dünne Haut. Beim Mensch sind besonders die Kniekehlen, der Haaransatz, die Leistenbeuge und die feine Haut hinter den Ohrenein beliebtes Ziel.
Lebenszyklus
Die Argasidae (Lederzecken) haben bis zu acht gleiche Nymphenstadien. Jede Nymphe ist auf Blut eines Wirtesangewiesen, jedoch wechseln sie häufig zwischen verschieden großen Wirten (Maus, Katze, Mensch). Bei den Ixodidae (Schildzecken) kommt nur ein Nymphenstadium vor. Nachdem die Eier in 2.000er-Paketen zumeist an verschiedenen geschützten Stellen wie z.b. den Unterseiten von Grashalmen abgelegt wurden, schlüpft aus einem solchen Ei die sechsbeinige Larve. Diese sucht sich schon nach wenigen Tagen einen geeigneten Zwischenwirt(Nagetier), saugt sich dort fest und nimmt innerhalb von zwei bis drei Tagen Blut auf. Nach dem Saugen lässt sie sich abfallen und häutet sich nach einigen Monaten am Ende ihrer Entwicklung zur ersten achtbeinigen, rund 1,5 bis 2 Millimetergroßen Nymphe. Diese sucht sich nun abermals einen größeren Wirt (zweiter Zwischenwirt - Katze) und saugt dort ebenfalls Blut. Die Mehrzahl der Nymphen, die sich im Sommer oder Herbst gehäutet haben, suchen jedoch nicht sofort einen neuen Wirt für eine Blutmahlzeit, sondern treten zunächst bis zum nächsten Frühjahr in ein Ruhestadium ein. Erst nach dieser Pause suchen sie sich einen Wirt zur Sättigung und anschließend findet eine weitere Häutung zur zweiten Nymphe (Lederzecken) oder zum adulten Tier (Schildzecken) statt. Das ausgewachsene Tier befällt danach den Endwirt(Mensch, Rind), lässt sich nach dieser letzten Blutmahlzeit fallen und sucht darauf ein Weibchen auf, um dieses zu begatten. Das Weibchen legt kurz darauf bis zu 3.000 Eier auf Grashalmen ab. Die männlichen Zecken sterben nach der Begattung, die Weibchen erst nach der Eiablage.
Zecken als Krankheitsüberträger
Zecken übertragen aufgrund ihrer Lebensweise häufig Krankheitserreger zwischen den Wirten, ohne jedoch selbst erkrankt zu sein. Es handelt sich dabei um mehr Arten von Krankheitserregern als bei jeder anderen parasitischen Tiergruppe. Da regelmäßig auch Menschen durch ernste Erkrankungen wie Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis(FSME) oder Rickettsiosen
betroffen sind, ist ein Zeckenbiss eine Verletzung, mit der keineswegs leichtfertig umgegangen werden kann. Wichtigste Überträger in Mitteleuropa sind die Arten der Gattung Ixodes mit der häufigsten einheimischen Art, dem Gemeinen Holzbock(Ixodes ricinus), daneben auch die Gattungen Rhipicephalus, Dermacentor, Haemaphysalis, Amblyomma und aus der Familie der Lederzecken die Gattungen Argas und Ornithodorus.
Für weitere ausführliche Informationen diesbezüglich siehe Zeckenbiss.
Natürliche Feinde
Als natürliche Feinde der Zecken sind bisher festgestellt worden:
- extrem kalte Winter
- einige Pilzarten
- Fadenwürmer(Nematoden), von denen sie befallen werden können. Ein solcher Befall ist für die Zecke tödlich.
- Vogelarten, die Zecken gerne fressen.
- kleine, parasitischeWespen. Diese Wespen legen ihre Eier in die Zecken und aus diesen schlüpfen dann die Wespenlarven, welche die Zecken von innen her auffressen und damit töten.
- In Südafrikabefreien kleine SumpfschildkrötenNashörnervon den kleinen Plagegeistern.
Unter Fachleuten wird ernsthaft diskutiert, bestimmte natürliche Feinde der Zecken wie z.B. die Wespen im Freiland auszubringen und damit die Zeckenpopulation zu reduzieren.
Systematik
Zecken werden in 3 Familien eingeteilt:
- Lederzecken(Argasidae)
- Schildzecken(Ixodidae)
- Nuttalliellidae (Nuttalliella namaqua Bedford) - einzige bekannte Art.
Literatur
- Hans-Peter Wirtz: Zecken als Krankheitsüberträger: Was tun bei einem Stich? Biologie in unserer Zeit 31(4), S. 229 - 238 (2001), ISSN 0045-205X
Weblinks
|
| Commons: {{{2|Category:Ixodidae}}} ? Bilder, Videos oder Audiodateien
|
- Zecken, Beschreibung und Systematik
- Homepage des Vereins ParasitusEx
- http://www.zecken.de
- http://www.zecken.info
- http://www.zecken-borreliose.de
- Bundesverband Zecken-Krankheitenen:Tick
eo:Iksodo
fr:Tique
ja:??
lb:Zecken
nl:Teek
sv:Fästing
sr:?????
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
|