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Zellweger-Syndrom

Das Zellweger-Syndrom, auch bekannt unter dem SynonymZerebral-hepatisches-renalesSyndrom bzw. Cerebro-hepato-renales Syndrom, ist eine sehr seltene genetisch bedingte, autosomal-rezessivvererbbare peroxisomale Stoffwechselstörungauf der Grundlage einer angeborenen Genmutation.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Vorkommenshäufigkeit
  • 2 Ursache
  • 3 Symptome
  • 4 Diagnose
  • 5 Therapie
  • 6 Literatur
  • 7 Weblinks

Vorkommenshäufigkeit

Das Zellweger-Syndrom zählt zu den seltenen Erbkrankheitenund kann bei schätzungsweise 1 von 100.000 Neugeborenendiagnostiziert werden. Mädchenund Jungensind gleich häufig betroffen.

Die Besonderheit wurde im Jahr 1964erstmals unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten beschrieben. Seit dem sind über 100 Fälle dokumentiert, die sowohl sporadisch als auch in einer Geschwisterschaftaufgetreten waren.

Ursache

In erster Linie ist das Syndromursächlich gekennzeichnet durch das Fehlen von Peroxisomenbzw. durch eine Störung der peroxisomalen Biogenese, die mit einem Verlust entsprechender Leber-, Nieren- und weiterer Organfunktionen einhergeht. Des weiteren kommt es zu einem Aktivitätsverlust mehrerer peroxisomaler Enzyme, was sich auf verschiedene Stoffwechselfunktionenauswirkt.

Vom echten Zellweger-Syndrom wird das Pseudo-Zellweger-Syndrom unterscheiden. Bei diesem liegt ein Aktivitätsverlust der Acyl-CoA-Oxidase, einem peroxisomalen Enzym, vor.

Symptome

Kinder mit Zellweger-Syndrom kommen häufig vor dem errechneten Geburtsterminals Frühgeburtzur Welt. Neugeborene Babys weisen eine Kombination von Besonderheiten auf, wobei nicht alle Merkmale bei allen Kindern bzw. bei allen Kindern in gleich starker Ausprägung vorliegen. Zu den häufigsten Symptomenzählen:

  • Besonderheiten des Kopfesund des Gesichts:
    • senkrechte Überentwicklung des Kopfes(Skaphocephalus/ Langschädel)
    • wenig ausgeprägte (hypoplastische) Nasenwurzel
    • vergleichsweise kurzes Philtrum(Kuhle zwischen Nase und Oberlippe)
    • vergleichsweise flach und rechteckig wirkendes Gesicht
    • hohe, vorgewölbte Stirn
    • vergleichsweise tief am Kopf sitzenden Ohren
    • bei neugeborenen Kindern vergleichsweise großer noch nicht verknöcherten Bereich auf der Schädeldecke (Fontanelle)
    • Rücklage des Unterkiefersund der Zahnreiheaufgrund einer Wachstumsstörung (Retrogenie)
    • Gaumensegelspalte
    • auffallend wenig sichtbare Bewegungen der Gesichtsoberfläche (Mimik)
  • Besonderheiten der Augen:
    • vergleichsweise großer Augenabstand (Hypertelorismus)
    • flache Ränder der knöchernen Augenhöhle (Orbita)
    • Hornhauttrübung
    • Linsentrübung
    • Rückbildung des Sehnervs, was zu Sehschärfeverlust, Gesichtsfeldausfällenund weitgehender Blindheitführt (Optikusatrophie)
    • Brushfield-Spots(Sprenkelung der Regenbogenhaut)
    • Epikanthus medialis(kleine Hautfalte an den inneren Augenwinkeln)
    • geschrägte Lidachsen
  • Besonderheiten des Gehirns
    • cerebrale Zysten(Zysten im Gehirn, subependymale Pseudozysten)
    • verminderte Ausprägung von Hirnwindungen (Mikrogyrie) oder Windungslosigkeit (Agyrie)
    • Vergrößerung der Seitenventrikelim Gehirn
  • Besonderheiten der inneren Organe
    • Unterentwicklung der Lunge(Lungenhypoplasie)
    • Besonderheiten der Gallenwege
    • Besonderheiten der Nieren(multizystische Nierendysplasie)
    • Besonderheiten der Leber(Leberinsuffizienz, starke Lebervergrößerung / Hepatomegalie, Siderose/ Eisenspeicherstörung)
    • Besonderheiten der Milz(Siderose/ Eisenspeicherstörung)
    • Herzfehler(insbesondere Ventrikelseptumdefekte)
    • Thymusdysplasie
  • sonstige Besonderheiten
    • schrill klingendes Weinen
    • ausgeprägte Verringerung der Muskelspannung (Muskelhypotonie) mit Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit
    • Reflexminderung (Hyporeflexie) oder Fehlen von Reflexen (Areflexie)
    • cerebrale Krampfanfälle (Epilepsie)
    • Schwierigkeiten bei der der Atmung(Atemnot)
    • Minderwuchs(unterdurchschnittliches Längenwachstum)
    • Vierfingerfurche
    • großer, breiter Daumen
    • leichte Biegung der kleinen Fingerund / oder der Ringfinger in Richtung des jeweils rechtsseitig nebenliegenden Fingers (Kamptodaktylie)
    • Besonderheiten der Epiphysen(der Schaftenden von langen Röhrenknochen), insbesondere punktuelle Verkalkungen an entsprechenden Bereichen der Knie- und Hüftgelenken
    • Störung der Bildung von Knochengewebe(Ossifikation)
    • Fehlentwicklung der äußeren Geschlechtsorganebei Mädchen
    • starke psychomotorische Entwicklungsverzögerung
    • schwere kognitive Behinderung

Diagnose

Auf ein Zellweger-Syndroms bei einem Baby können insbesondere die Besonderheiten des Gesichts, die Muskelhypotonie und die Zysten im Gehirn und den Nieren hinweisen.

Eine sichere Diagnosekann über den Nachweis von Veränderungen der Fettsäurenim Serum(Konzentration von Pipecolinsäureim Urin, im Blutsowie im Hirnwasser / Liquor, der Plasmalogengehaltder Zellen / Nachweis einer Verminderung) und letztlich über eine Fibroblasten- und Hepatozytenkulturgestellt werden, bei der das Fehlen von Peroxisomennachgewiesen wird.

Im Rahmen der Pränataldiagnostik, also der vorgeburtlichen Diagnostik, kann das Zellweger-Syndrom in der sich einer Chorionzottenbiopsieoder Amniozenteseanschließenden Untersuchung der Zellen des ungeborenen Kindes anhand eines überdurchschnittlich hohen Gehaltes langkettiger Fettsäuren, verminderter Plasmalogenkonzentrationund geringer Aktivität der Acyk-CoA:DHAP-Transferasediagnostiziert werden. Bei entsprechenden mikroskopischen Untersuchungen sind keine Peroxisomen erkennbar.

Die DifferentialdiagnosenPseudo-Zellweger-Syndrom, 3-Oxoacyl-CoA-Thiolase-Mangel, Hyperpipecolazidämie, Chondrodystrophia punctata, Refsum-Syndrom, Smith-Lemi-Opitz-Syndromund anderen Peroxisomopathiensollten in Betracht gezogen werden, bevor das Zellweger-Syndrom endgültig diagnostiziert wird.

Es ist prinzipiell möglich, dass das Syndrom nicht als solches erkannt, sondern einer der möglichen Differentialdiagnosen, insbesondere dem Pseudo-Zellweger-Syndrom oder der Hyperpipecolazidämie, zugeordnet wird, da eine eindeutige Trennung nicht immer gelingt.

Therapie

Bislang sind keine wirkungsvollen Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten bekannt. Das Zellweger-Syndrom verläuft letal, d.h. dass Kinder mit dieser Besonderheit langfristig nicht lebensfähig sind. Sie sterben in der Regel im Verlauf der ersten Monate nach ihrer Geburt.

Literatur

  • Nancy Guthrie: An der Hoffnung festhalten (Erfahrungsbericht einer Mutter, deren eine Tochter und einer ihrer Söhne mit Zellweger-Syndrom geboren wurden und daran starben)
  • Witkowski, Prokop, Ullrich, Thiel: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen (7. Auflage, 2003, Seite 225 - 226)

Weblinks

  • Möglichkeit zur Bestellung einer Informationsmappe zum Zellweger-Syndrom
  • Leona e.V. - Verein von und für Eltern mit Kinder mit seltenen chromosomalen Besonderheiten



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