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Zentraler

Zentrale Orte sind Orte, in denen Verwaltungs-, Dienstleistungs- Verkehrs-, Kultur-, Bildungs- und Wirtschaftsfunktionen für ein Umlandkonzentriert sind. Ein solcher Ort nimmt aufgrund dieser Konzentration eine bedeutende ("zentrale") Stellung für sein Umland ein ("Bedeutungsüberschuss"). Zentrale Orte bilden unter sich wiederum oft eine Hierarchiebzw. bauen ein Schema der Funktionsteilung von Zentralität auf, d.h. ein System der Zentralen Orte.

Je größer und bedeutender eine Stadt ist, desto größer ist auch ihr potentieller Einzugsbereich. Das gilt nicht nur für Wirtschaftund Handel, sondern auch für Wanderungen in eine Stadt oder zwischen den Städten (räumliche Mobilität), die nach einem bestimmten Muster und bestimmten Wahrscheinlichkeiten ablaufen.

In der Regel galt: Je größer der Besitz oder je höher der Bildungsgrad einer Person, desto weiter war auch der potentielle Wanderungsbereich und Heiratskreis. Das Besitz- und Bildungsbürgertum von beispielsweise Leipzighatte Verbindungen nach Dresden, Wittenberg, Berlin, Erfurt und in andere Städte vergleichbarer Zentralität, aber nicht in Kleinstädte wie Wildenfels und Hartenstein bei Zwickau.

Der soziale Aufstiegin Leipzig ist meist Zuwanderern aus Städten mit etwas geringerer Zentralität wie Chemnitz, Schneebergund Zwickauvorbehalten, die wiederum ihre Aufsteiger unter den Zuwanderern aus den kleineren Städten des Erzgebirgeshaben. Besitzarme Zuwanderer stammen in der Regel aus der unmittelbaren ländlichen Umgebung. Während der Industriellen Revolutionverstärkte sich dieser Zustrom auch in die stadtnahen Dörfer, die dann nach 1890 in die Städte eingemeindet worden sind, wodurch es in Mitteleuropazur Herausbildung von Großstädtengekommen ist.

So ergeben sich aus der Klassen- und Schichtenzugehörigkeiteiner Person und dem Zentralitätsgrad der Siedlung bestimmte Wahrscheinlichkeiten für Wanderungs- und Heiratskontakte in andere Städte, wobei die Wahrscheinlichkeit mit der räumlichen Entfernung und sozialen Distanzstets abnimmt, ebenso zur Landbevölkerung (siehe auch soziale Mobilität).

Durch Fernwanderung von Unterschicht-Bevölkerung, etwa von Anatoliennach Berlin-Kreuzberg, werden diese allgemeinen Gesetzmäßigkeiten, scheinbar außer Kraft gesetzt, gelten aber insgesamt gesehen weiter, so z.B. für den sozialen Aufstieg dieser neuen Unterschichten.

Literatur

  • Walter Christaller: Die zentralen Orte in Süddeutschland: Eine ökonomisch-geographische Untersuchungen über die Gesetzmäßigkeit der Verbreitung und Entwicklung der Siedlungen mit städtischen Funktionen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1968 (Reprografischer Nachdruck der 1. Aufl. Jena 1933)

Siehe auch: Metropole Theorie zentraler Orte




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