Bild:Sphygmomanometer.jpg Mechanisches Sphygmomanometer mit Aneroidmanometer und Stethoskop
Der menschliche Körper braucht, um zu leben, einen gewissen Arbeitsdruck (Blutdruck). Der Blutdruck ist invasiv (im Körper) und extern messbar.
Invasiv wird er über einen arteriellenZugang (meist am Unterarm platziert) gemessen. Diese Methode wird nur in Kliniken eingesetzt.
1733erstmals durch Stephen Hales(1677-1761) wurde die blutige Messung hauptsächlich im Veterinärbereich vorgenommen.
Ein frühes Gerät der indirekten Blutdruckmessung war z.B. der Sphygmographdes deutschen Physiologen Karl von Vierordt(1818-1884). Das erste Sphygmomanometerwurde erfunden vom österreichischem Pathologen und Hausarztes von Maximilian I.Samuel Siegfried Karl Ritter von Basch(1837-1905).
Extern wird über eine mit Luft gefüllte Manschettegemessen, die in der Regel am Oberarm angelegt wird. Eine einfache Methode des Sphygmomanometers mittels Quecksilber wurde vom italienischen Arzt Scipione Riva-Roccierfunden und 1896 veröffentlicht. 1901entdeckte Harvey Cushingdiese Methode auf einer Italienreise, verbesserte sie für die klinische Anwendung und popularisierte sie. Noch heute wird diese Art der Blutdruckmessung mittels Manschette am Oberarm, Quecksilbersäule und Tasten des Pulses manchmal mit RR abgekürzt.
Bild:Blutdruck.jpg Handgelenkgerät
Im professionellem Bereich (z.B. in Kliniken, Praxen, Rettungsdiensten) hat sich, anstatt der alten handbetriebenen Manschetten mit Quecksilbersäulen, die elektronische Messung durchgesetzt. Sie erfolgt meist oszillometrisch. Bei bestimmten Bedingungen (z.B. einem unregelmäßigem Puls, Störung durch Bewegung) ist diese Methode jedoch fehleranfällig. Dann kann die Messung mit manuell betriebener Manschette und Tasten des Pulses oder Auskultation der Geräusche bessere Ergebnisse liefern.
Es gibt auch eine elektronische Messung über ein Gerät am Handgelenk. Diese Geräte sind oftmals in Sanitätshäusern und Apotheken zu erwerben; sind in der Regel allerdings sehr ungenau und nicht zu empfehlen.
Nach Aufblasen der Manschette ist es möglich, beim Ablassen der aufgepumpten Luft anhand eines (Manometers) den oberen (systolischen) und den unteren (diastolischen) Blutdruckwert zu ermitteln. Den oberen Wert erkennt man, wenn der beim Ablassen der Luft sich im Manometer zurückdrehende Zeiger plözlich anfängt zu pulsieren. Man kann dieses Pulsieren auch an der Handgelenkarterie (arteria radialis) spüren (die Messung nach Riva-Rocci).
Der untere Wert (diastolischer Druck) ist durch ein Stethoskopermittelbar, indem man horcht, bis der Puls aufhört zu "pochen" bzw. keine Strömungsgeräusche mehr wahrzunehmen sind. Die Anzeige des Druckes hört auf zu oszillieren (der Zeiger hört auf zu pulsieren). Der erste Ton, den man beim auskultieren (=abhören) mittels Stethoskop hört, das sogenannte Korotkow-Geräuschnach dem russischen Militärarzt Nikolai Sergejewitsch Korotkow, entspricht dem systolischen Blutdruck und entsteht durch tubuläre Strömung. Auch die auf den ersten Ton zu hörenden Geräusche, nennt man Korotkow-Geräusche.
Physisch ist dies so zu erklären: Durch das Aufpumpen der Manschette kommt der Blutstrom in der Arterie zum Erliegen. Man hört weder Geräusche, noch pulsiert der Zeiger des Manometers. Verringert sich der Druck in der Manschette, beginnt wieder Blut zu fließen, man hört die durch die Strömung verursachten Geräusche, und der Zeiger pulsiert. Der Druck der Manschette entspricht in diesem Moment dem Druck, den das Herz bei der Kontraktion erzeugt (systolischer Druck). Verringert sich der Druck weiter, werden die Strömungsgeräusche verschwinden, da das Blut ungehindert fließen kann. In diesem Fall entspricht der Manschettendruck dem diastolischen Blutdruckwert.
Die genaueste Blutdruckmessung erfolgt invasiv. Jedoch ist dieser Druck unterschiedlich je nach gewählter Arterie. Da für viele klinische Studien jedoch nichtinvasiv gemessen wird, ist der nichtinvasiv gemessene Blutdruck am Oberarm de facto Standard bei der medikamentösen Einstellung eines Blutdruckes.
Angegeben wird der Blutdruck meist noch in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) anstatt der SI-EinheitPascal.
Diese Einheit kommt daher, dass früher (in einigen Praxen auch noch heute) eine in einem Glasrohr befindliche Quecksilbersäule als Instrument zur Blutdruckmessung benutzt wurde.
Als Blutdruck-Normwert wird allgemein ein Wert 16 kPa (120 mmHg) systolisch zu 10,6 kPa (80 mmHg) diastolisch genannt.
Aus dem oberen (systolischen(BD sys)) und dem unteren (diastolischen(BD dias)) Wert lässt sich der mittlere arterielle Druck [MAD = BD dias + 1/3 (BD sys ? BD dias)] abschätzen. Der Normbereich beim Erwachsenen liegt bei (< 100 mmHg).
Beispiel: Bei einem Blutdruck von 150/90 mm Hg berechnet man den MAD näherungsweise wie folgt:
MAD= 90 + 1/3(150-90) = 110 mm Hg
Unter dem mittleren arteriellen Blutdruck versteht man den durchschnittlichen, d.h. den unabhängig von den systolischen und diastolischen Schwankungen im Gefäßssystem herrschenden Mittelwert des Blutdrucks.
Die genaue Kalkulation erfolgt durch die Berechnung der Fläche unter der Kurve beim Blutdruck, also dem Integral des Blutdrucks über die Zeit. Deshalb ist es bei Blutdruckmessgeräten wichtig zu wissen, ob es sich um den tatsächlich gemessenen mittleren Blutdruck handelt, oder nur um einen aus systolisch und diastolisch angenähert kalkulierten Druck.
Die Bedeutung des arteriellen Mitteldrucks besteht darin, dass seine Größe, neben dem peripheren Widerstand, maßgebend für die Durchströmung der nachgeschalteten Gefäßabschnitte ist und somit auch ein Maß für die Anpassung des Körpers auf die Anstrengung bzw. Belastung ist.
?Über den Anstieg des MAD zeigt sich die Anpassung des Systems an die körperliche Belastung.?
(Eisenschink, A.M., Studienbericht Pflegestudie, Uni Ulm, 2002, S. 133).
Bei körperlicher Anstrengung wird Blutvolumen in die arbeitende Muskulatur umgeleitet, ruhende Skelettmuskulatur, Bauchorgane und Nieren werden durch die Sympathikusaktivität in der Durchblutung reduziert. In der arbeitenden Muskulatur nimmt der totalperiphere Widerstand ab, es kommt jedoch zu keinem Blutdruckabfall da dies durch eine Sympathikusaktivierung kompensiert wird, der systolische Blutdruck steigt an, während der diastolische Druck weitgehend konstant bleibt. ?Daraus resultiert eine Erhöhung des arteriellen Mitteldrucks, der zur besseren Durchblutung der arbeiteten Muskulatur beiträgt.?
( Thews, G., Mutschler, E.,Vaupel, P., 1999, S. 226).
Der Blutdruck ist zusammengefasst im wesentlichen abhängig von der Herzarbeit (Kontraktilität) und dem Herzeitvolumen, dem Strömungswiderstand der Gefäße und der Blutviskosität (peripherer Widerstand).
Siehe auch:Blutdruck, Blutdruckmessgerät
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