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Obstipation

Die Obstipation bedeutet in der Medizineine akute oder chronische Verstopfung. Ursächlich sind krankhafte Veränderungen des Darmes, Fehlernährung, mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Stoffwechselstörungenund/oder Störungen des Mineralsalzhaushaltes (häufig Kaliummangel!) des Körpers. Auch nach erfolgten Bauchoperationen kann es in Folge von Verwachsungen zu einem Passagehindernis des Stuhlgangskommen. Eine andere Form der Obstipation ist das obstipations-prädominante Reizdarmsyndrom.


Inhaltsverzeichnis

  • 1 Historisches
  • 2 Definition
    • 2.1 Akute Obstipation
    • 2.2 Reiseobstipation
    • 2.3 Chronische Obstipation
      • 2.3.1 Kologene Obstipation
      • 2.3.2 Anorektale Obstipation
      • 2.3.3 Idiopatische Obstipation
    • 2.4 Pseudo Obstipation
  • 3 Symptome
  • 4 Gesundheitliche Folgen
  • 5 Diagnostik
    • 5.1 Körperliche Untersuchungen
    • 5.2 Psychische Untersuchungen
  • 6 Behandlung
    • 6.1 Ernährungsumstellung
      • 6.1.1 Normalkost
      • 6.1.2 Schlackenreiche Kost
      • 6.1.3 Weiche Kost
      • 6.1.4 Abführende Ernährung
    • 6.2 Umstellung der Lebensgewohnheiten
      • 6.2.1 Verhaltenstherapie
      • 6.2.2 Bewegungstherapie
      • 6.2.3 Physikalische Therapie
      • 6.2.4 Zusätzliche Therapien
    • 6.3 Medikamentöse Behandlung
    • 6.4 Operative Behandlung
  • 7 Tipps & Tricks
  • 8 Siehe auch
  • 9 Weblinks

Historisches

Bereits im Mittelalter und im alten Ägypten waren Verdauungsstörungen nicht unbekannt. In medizinischen Schriften aus jener Zeit sowie in Literatur und Kunst finden sich zahlreiche Hinweise auf Obstipation. Heute leiden in Deutschland ca. 30-60% der Bevölkerung mehr oder weniger an einer Obstipation, dabei sind Frauen etwa doppelt so oft betroffen wie Männer. Betroffen sind Menschen jedes Alters.


Definition

Eine alte Weisheit besagt "Was oben reinkommt, muss unten wieder rauskommen ...", da die Nahrung einen ziemlich weiten Weg hinter sich bringen muss, bis ihr die verwertbaren Bestandteile entzogen worden und die Reste zur Ausscheidung bereit sind. Immerhin ist unser Verdauungskanal mit seinen Bestandteilen Mund, Rachen, Speiseröhre, Magen, Dünndarm, Dickdarm, Mastdarm und After beim Erwachsenen bis zu neun Metern lang. Je nachdem, was gegessen wurde, kann eine vollständige Darmpassage bis 30 Stunden und länger dauern. Da wundert es keinem, dass unser Stuhlgang zeitlich starken Schwankungen unterliegen kann. Man muss nicht jeden Tag "müssen", manchmal braucht die Nahrung einfach etwas länger. Erst, wenn über mehr als drei Monate der Stuhlgang länger als drei bis vier Tage ausbleibt, wenn auch bei längeren Toilettenbesuchen starkes Pressen erforderlich ist und wenn dennoch ein Gefühl der unvollständigen Darmentleerung bestehen bleibt, dann spricht man aus medizinischer Sicht von einer chronischen Verstopfung.

Was denn nun "Normal" ist, da gibt es teilweise immernoch heftige Diskussionen. Man geht aber heute davon aus, dass sowohl eine Darmentleerung dreimal am Tag genauso normal einzustufen ist, wie täglich oder nur alle 2-3 Tage. Bei gesunder ballaststoffreicher Kost ist allerdings die tägliche Stuhlentleerung der Normalfall.


Akute Obstipation

Eine akut einsetzende Verstopfung kommt relativ selten vor und muss unbedingt medizinisch diagnostiziert werden. In den meisten Fällen sind die Ursachen einer akuten Verstopfung in den persönlichen Lebensumständen der Betroffenen zu suchen. Die Beschwerden gleichen denen der chronischen Verstopfung. Treten aber zusätzlich zu den Verstopfungsbeschwerden Symptome wie

  • heftige Schmerzen
  • angeschwollener Bauch
  • Erbrechenvon Kot
  • Schock

auf, können diese Beschwerden auf einen Darmverschlusszurückzuführen sein. Diese Patienten müssen sofort medizinisch betreut werden, u.U. ist eine sofortige operative Behandlung notwendig. Eine akute Verstopfung kann auch die Folge eines Schlaganfallsoder eines Bandscheibenvorfallssein.

Reiseobstipation

Die Reiseobstipation zählt eigentlich zur kologenen Obstipation, da sie aber zeitlich begrenzt zumeist zu Beginn der Reise auftritt, ist sie nicht zu den chronischen Verstopfungen zu zählen. Eine plötzlich auftretende Verstopfung kann Folge einer Umstellung der Ernährung und der Umgebung bei einer Reise sein. Der Körper ist mit der neuen Situation nicht vertraut und reagiert dann u.U. mit einem trägen Darm, der eine Verstopfung zur Folgehaben kann. Eine Reiseobstipation kann bedingt sein durch:

  • ungewohnete Nahrungsmittel und Gewürze
  • Flüssigkeitsmangel bedingt durch hohe Temperaturen und trockene Luft
  • Zeitumstellung bei Fernreisen
  • ungewohnter Alltagsablauf


Chronische Obstipation

Entsprechend ihrer Ursachen wird die chronische Verstopfung in drei Gruppen eingeteilt, der kologenen Obstipation, der anorektalen Obstipation und der idiopatischen Obstipation, bei der keine eindeutige körperliche Ursache gefunden wird.

Kologene Obstipation

Die kologene Obstipation ist eine Form der chronischen Verstopfung, die auch unter dem Begriff "Slow- transit- Obstipation" bekannt ist. Diese form der Obstipation beschreibt eine zu langsame Passage der Nahrung durch den Darm. Der Grund für die zu langsame Darmpassage ist eine mangelnde Beweglichkeit des Darms, der Darminhalt wird dadurch nur langsam vorwärts bewegt und trotzdem die ganze Zeit dem Darminhalt Wasser entzogen. Das Ergebnis ist ein harter Stuhl das sich als Verstopfung zeigt. Folgende Ursachen können dafür Verantwortlich sein:

  • Nervenstörungen z.B. im Nervengeflecht des Darms, in der zentralen Nervensteuerung, oder durch neurologische Erkrankungen
  • Diabetes mellitus
  • Multiple Sklerose
  • Parkinson
  • Sklerodermie(Erkrankung des Gefäß- und Bindegewebes)
  • Muskuläre Störungen und Bindegewebserkrankungen
  • hormonelle Einflüsse, z.B. bei Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Dolichokolon(angeborenes überlanges Colon > 1,5m)
  • Auch ballaststoffarme Ernährung kann eine Ursache sein.
Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Mittel gegen psychische Erkrankungen
  • Schlafmittel
  • Beruhigungsmittel
  • aluminiumhaltige Magensäurebinder
  • Opiate, z.B. Codein (gegen Schmerzen)
  • Eisenpräparate
  • Diuretika(entwässernde Medikamente)
  • Bluthochdrucksenker
  • Antiparkinsonmedikamente
  • Antiepileptika
  • Anticholinergika(bei Harninkontinenz)

Anorektale Obstipation

Die anorektale Obstipation ist eine Form der chronischen Verstopfung die auf Veränderungen oder Störungen im Bereich des Enddarms und des Afters zurückgeführt wird. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten bzw. Erkrankungen, die zu einer anorektalen Verstopfung führen können, dazu zählen:

  • Analstenosen(Verengungen)
  • Rektumprolaps(Herausrutschen eines Teils des Mastdarmgewebes aus den After)
  • Rektozele(Aussackung des Enddarms)
  • angeborene Verdickung des inneren Schließmuskels
  • gestörte Motorik von Enddarmund After
  • verminderte Rektumsensibilität
  • gestörte Koordination der inneren und äußeren Schließmuskeln

Idiopatische Obstipation

Bei der idiopatischenObstipation kann keinerlei krankhafte Veränderungen der Darmfunktion oder der Darmanatomie durch den Arzt festgestellt werden. Idiopatisch bedeutet oft auch "aus nicht ersichtlichem Grund". Die idiopatische Verstopfung ist sehr häufig zu finden. Da keine organischen Ursachen gefunden werden können, wird diese Verstopfungsform anhand der Beschwerden des Patienten und mit Hilfe einer Transitzeitmessung festgestellt. Transitzeit ist die Zeitspanne von der Aufnahme bis zur Ausscheidung der Nahrung. Auch eine Rektoskopieund eine Sphinktermanometrie (Druckmessung des Schließmuskels) sollte durchgeführt werden, um die Diagnose abzusichern. Häufige Ursachen sind:

  • willkürlich unterdrückter bzw. überspielter Stuhldrang
  • Stressfaktoren

Pseudo Obstipation

Unter bestimmten Umständen hat man einige Tage lang keinen Stuhlgang ohne jedoch unter einer Verstopfung zu leiden. Wenn der Darm leer ist, dann braucht er Zeit, um sich zu füllen, denn von der Nahrungsaufnahme bis zur Ausscheidung der Endprodukte vergehen im Durchschnitt etwa 30 Stunden. Die Ursachen für eine vermeintliche Verstopfung können z.B. eine Ernährungsumstellung im Rahmen einer Diät, ein leerer Darmnach einer Fastenkur, nach heftigem Durchfalloder einer Darmuntersuchung sein. Wenn der Patient aber vorher darüber aufgeklärt wurde, dass es u.U. zwei oder drei Tage dauern kann, bis wieder Stuhlgangauftritt, dann kann die unnötige Einnahme eines Abführmittelsvermieden werden. Hier noch einmal die Gründe für eine vermeintliche Verstopfung:

  • Ernährungsumstellung z.B. Diät
  • nach einer Fastenkur
  • nach heftigem Durchfall
  • nach Darmuntersuchungen z.B. Koloskopie

Symptome

Eine Obstipation kann sich in unterschiedlichen Symptomen je nach Ausprägung zeigen. Die Patienten leiden zu Beginn meistens unter Völlegefühl und einem allgemeinen Unwohlsein, der Bauch kann dabei angeschwollen sein. Häufig ist der Stuhlgang dann schwierig, oft schmerzhaft zu entleeren und meistens werden dann viele kleine und harte Bröckchen ausgeschieden. Mit der Verstopfung sind eine Reihe von objektiven Symptomen und subjektiven Mißempfindungen gekoppelt und können sich unterschiedlich stark zeigen:

Objektive Symptome
  • seltener Stuhlgang
  • harter Stuhl
  • starkes Pressen bei der Darmentleerung
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
Subjektive Missempfindungen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Druck- und Völlegefühl
  • Mundgeruch
  • Appetitlosigkeit
  • Zungenbelag

Gesundheitliche Folgen

Eine chronische Verstopfung kann verschiedene gesundheitliche Folgen haben, wenn sie nicht rechtzeitig ärztlich Behandelt wird. Zu den häufigsten Komplikationen einer chronischen Verstopfung zählen:

  • Hämorrhoiden
  • Analfissurdurch harten Stuhl verursacht
  • Entstehung eines Rektumprolaps
  • Bildung von verhärteten Kotballen (Skybala)
  • Risiko einer Entzündung von Divertikelnim Darm
  • Ausbildung eines Megacolons(eher selten)
  • Entstehung einer vermeintlichen Stuhlinkontinenzbzw. einer Enkopresisbei Kindern
  • Entstehung eines mechanischen Ileus(eher selten)


Diagnostik

Die Diagnostik beginnt mit einer ausführlichen Anamneseund hängt auch von der Grunderkrankung ab, die diese Obstipation verursacht hat. Etwas schwierig gestaltet sich häufig die Diagnostik, wenn die Ursache der Verstopfung in der Psyche zu suchen ist bzw. wenn keine offensichtliche Ursache zu finden ist (ideopatische Obstipation). Folgende Fragen sollten bei der Anamnese auf alle Fälle gestellt werden:

  • Wie oft hat der Patient Stuhlgang?
  • Ist die Stuhlentleerung mit Schmerzen verbunden?
  • Seit wann tritt die Verstopfung auf?
  • Tritt Verstopfung nach bestimmten Mahlzeiten auf?
  • Ist mit der Verstopfung ein Völlegefühl verbunden?
  • Fühlt sich der Bauch gebläht an?
  • Ist der Stuhl hart oder normal weich?
  • Welche Medikamente (Menge und Dosierung) werden genommen?
  • Ist in früherer Zeit auch schon häufiger eine Verstopfung aufgetreten?
  • Wurde der Lebensrhytmus verändert z.B. durch berufliche Veränderung, Ernährungsumstellung etc.?
  • Welche weiteren Erkrankungen liegen vor?


Körperliche Untersuchungen

Im Anschluss an die Anamnese erfolgt die körperliche Untersuchung des Patienten. Sie beginnt mit dem Stethoskop durch abhorchen des Bauches nach auffälligen Geräuschen (Auskultation), danach betastet und geklopft (Palpation) der Arzt mit beiden Händen den ganzen Bauchbereich mit den Fingern (Perkussion). Danach folgen weitere Untersuchungen zum Ausschluss organischer Ursachen.

Untersuchung von Blut und Urin
Die Laboruntersuchung von Blut- und Urinprobensind erforderlich, um Mineralstoff- und Elektrolytstatus des Patienten zu bekommen. Diese Werte geben darüber Aufschluß, ob z.B. eine Stoffwechselerkrankung oder ein Laxantienabususvorliegen kann. Die Ergebnisse geben dann die Richtung für weitere Untersuchungen vor und können einen ersten Hinweis auf den Grund der Obstipation liefern.
Untersuchung auf Blut im Stuhl
In der Regel wird eine Stuhluntersuchung veranlasst, um beispielsweise Blut im Stuhl nachzuweisen. Mit diesen Untersuchungen versucht man herauszufinden, ob die Verstopfung Symptom einer zugrunde liegenden Krankheit ist. Findet sich tatsächlich Blut im Stuhl, spricht das beispielsweise für eine Darmentzündung oder für einen Tumor im Darm.
Ultraschall-Untersuchung
Die Ultraschall-Untersuchung des Bauches findet ohne Strahlenbelastung und ohne Beeinträchtigung des Patienten statt und stellt das Bauchinnere mit Ultraschallwellen dar. Dabei gelingt es unter guten Bedingungen häufig die inneren Organe des Bauchraums auf einem Bildschirm darzustellen. Krankhafte Veränderungen wie beispielsweise Darmverengung aufgrund einer Entzündung oder ungewöhnliche Luftansammlungen im Darm können auf diese Weise auffallen, wobei durch zuviel Gas im Darm die Ultraschallbilder für den Arzt nur noch bedingt auswertbar sind.
Darmspiegelung
Die Darmspiegelung oder auch Koloskopiegenannt, gibt die Möglichkeit, sich den Darm von innen her direkt anzusehen und zu beurteilen. Um Veränderungen wie Darmpolypen, Verengungen oder Krebsgeschwüre genau zu erkennen, ist die Darmspiegelung normalerweise die beste Möglichkeit. In einigen Fällen genügt auch die genannte Rektoskopie, dabei wird lediglich der Mastdarm untersucht, wogegen mit einer Koloskopie auch die höheren Abschnitte des Dickdarmsuntersucht werden können. Vor dieser Untersuchung muss der komplette Darm entleert werden, für die Rektoskopie genügt in der Regel ein einfaches Klistierselten ist hier ein Reinigungseinlaufnötig. Für die Koloskopie trinkt der Patient zu diesem Zweck etwa zwei Stunden vor der Untersuchung mehrere Liter einer PEG-Spüllösungbis nur noch klare Flüssigkeit ausgeschieden wird.
Röntgenuntersuchung
Durch den Colon-Kontrasteinlaufkann die Lage des Dickdarms im Bauchraum sowie seine Arbeitsweise untersucht werden. Da der gesamte Dickdarm dargestellt werden soll, muss vor dieser Untersuchung der Darm gut entleert sein. Als Kontrastmittelkommt meistens ein so genannter Barium-Brei zum Einsatz. Unter Röntgendurchleuchtung kann man auch eine Gefässuntersuchung durchführen, wenn Gefässprobleme wie Blutungen, Verletzungen, Gerinnsel oder Tumoren vermutet werden. Um die Arbeitsweise des Dickdarmes röntgenologisch darstellen zu können, wird der ganze Dickdarm (Irrigoskopie) mit einem speziellen Kontrastmittelgefüllt, in dem ein starkes Abführmittel gelöst ist. Die Darmbewegungen lassen sich dann als Film auf dem Röntgenschirm gut erkennen. Diese Untersuchung wird nur durchgeführt, wenn es unbedingt notwendig ist, da sie starke koligartige Bauchkrämpfe auslösen kann, die durch das Abführmittel hervorgerufen werden.
Kolontransit-Test
Diese Untersuchung wird eher selten durchgeführt und nur wenn z.B. der Verdacht auf ein Dolichokolon(überlanger Dickdarm) besteht. Man kann damit die Dickdarmtätigkeit und den Ausscheidungsrhythmus sehr genau bestimmen. Der Patient muss bei diesem Test an sechs aufeinander folgenden Tagen täglich morgens zur gleichen Zeit so genannte Markerschlucken. Die Marker sind kleine Kapseln, die mit Bariumsulfatgefüllt und auf den Röntgenbild gut sichtbar sind. Am siebten Tag wird zur gleichen Zeit eine Röntgenaufnahme des Bauches gemacht. Auf diese Weise kann man feststellen, wie viele Kapseln sich in den verschiedenen Dickdarmabschnitten befinden. Dadurch kann man die Passagezeit wie lange der Stuhl für seine Wanderung durch den Darm braucht, berechnen. Als obere tolerierbare Grenze gelten 64 Stunden für die gesamte Darmpassage, bei einer Verstopfung kann Passagezeit bis zu 120 Stunden betragen.
Zusätzliche Spezialuntersuchungen
In besonderen Fällen kann zur Klärung der Ursache eine Computertomographie(CT) oder eine Magnetresonanztomographie(MRT/MRI) sinnvoll sein, damit lässt sich gut der ganze Dickdarmund der Schließmuskelapparat darstellen. Manchmal ist es empfehlenswert, die Diagnostik durch eine gynäkologische, urologische oder neurologische Untersuchung zu vervollständigen. Bei Verdacht auf eine neurologische Störung kann z.B. eine Elektromyographie(EMG) sinnvoll sein. Bei einer anorektalen Obstipation kann die sogenannte anorektale Manometrie auch Aufschluss über die Funktion des Enddarmes und des Schließmuskels geben.


Psychische Untersuchungen

Nicht nur die körperliche Untersuchung spielt eine Rolle bei der Diagnostik einer Obstipation, auch der psychische Zustand des Patienten sollte dabei erfasst werden. Besonders bei jüngeren Frauen können hier häufig die Ursachen für eine Obstipation ausgemacht werden. Bei der Befragung des Patienten wird nach den Lebensumständen, Ernährungsgewohnheiten sowie nach der familiären und beruflichen bzw. schulischen Situation gefragt. Die Antworten können deutliche Hinweise z.B. auf stressbedingte Obstipation oder auf eine Stuhlverhaltung(vor allem bei Kindern) geben.

Behandlung

Das wichtigste bei der Behandlung einer Verstopfung ist die Umstellung der Ernährung auf faserstoffreiche Kost, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Lebensgewohnheiten. Abführmittelsollten nur in Ausnahmefällen angewendet werden, hierbei sind bevorzugt Füll- und Quellstoffe ratsam. Eine ausreichende Bewegung und Toiletten-Konditionierung unterstützen die Darmtätigkeit.

Ernährungsumstellung

Bei der Umstellung der Ernährung sollte eine Ernährungsberatung durch eine Fachkraft erfolgen, da so besser auf die Probleme des Patienten eingegangen werden kann. Die meisten Kliniken, Krankenkassen und verschiedene andere Einrichtungen bieten solche Beratungen, gelegentlich sogar spezielle Ernährungs- und Kochkurse an.

Normalkost

  • Vollkornbrote (Braunbrot hat unwesentlich mehr Ballaststoffe als Weißbrot)
  • Kleiebrote (es gibt spezielle Kleiebrote, welche nicht so hart sind wie gewisse Vollkornbrote)
  • Vollkornteigwaren, Vollreis, Hirse, Hafer, Vollkornmüsli
  • Knollengemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte
  • Früchte: Birnen, Pfirsiche, Kirschen, Dörrobst, Feigen etc.
  • rohe Salate

Schlackenreiche Kost

Zur Verhinderung und Behebung einer chronischen Verstopfung kann schlackenreiche Kost angeboten werden.

  • Vollkornbrote oder spezielles Kleiebrot mit weicher Rinde (Braunbrot hat unwesentlich mehr Ballaststoffe als Weißbrot)
  • Vollkornteigwaren, Vollreis, Hirse, Hafer, Vollkornmüsli (über Nacht in Wasser einlegen, am Morgen Zugabe von Rahm)
  • alle Knollengemüse roh und gekocht, und Kartoffeln
  • Obst: Erdbeeren, Birnen, Pfirsiche, Dörrpflaumen, Dörrbirnen und Feigen als Kompott evtl. auch püriertes Kompott
  • Hülsenfrüchte (mit viel frisch gehackter Petersilie und in wenig Butter angeröstetem Kümmel blähen sie viel weniger)
  • Sauerkraut und Sauerrüben (mit Wacholderbeeren und viel Kümmel)
  • Salate, fein geschnitten, an milden Salatsaucen, Salate können auch aus gekochtem, fein geschnittenem Knollengemüse gemacht werden
  • Erdbeerkonfitüre, Milchschokolade, Schokoladengetränke und Sofortkaffee.

Weiche Kost

  • gekochte Früchte, auch pürierte Feigen, Dörrpflaumen und Dörrbirnen
  • gekochte Gemüse und Kartoffeln
  • Salate aus gekochtem Knollengemüse
  • Erdbeerkonfitüre
  • Sofortkaffee
  • Schokoladengetränke und Milchschokolade

Abführende Ernährung

  • Eingelegte Pflaumen und Feigen (sind für Diabetiker nicht möglich)
  • Kleie (mit viel Flüssigkeit)
  • Leinsamen (mit viel Flüssigkeit)
  • Gemüse wie z.B. Rhabarber


Umstellung der Lebensgewohnheiten

Die Beseitigung einer Verstopfung sollte auch mit einer Umstellung der Lebensgewohnheiten einher gehen. Es gibt unterschiedlichen Methoden zum Ziel zu kommen, die auch vom Ursprung der Verstopfung abhängen.

Verhaltenstherapie

Eine wichtige Säule bei der Behandlung einer Verstopfung liegt auch im Umdenken der alltäglichen Lebensabläufe. Man muss sich vom Zwang der täglichen Stuhlentleerung befreien, denn zweimal pro Woche kann normal sein! Eine Normalisierung der Lebensrhythmen wie etwa ein geregelter Tag-Nacht-Rhythmus mit Aktivitäts- und Ruhephasen zu möglichst gleichen Tageszeiten, Einnahme der Mahlzeiten zu den gleichen Zeiten, gehört auch dazu. So ist es auch wichtig, den Darm zu einer gewissen Regelmäßigkeit zu erziehen z.B. jeden Morgen zur gleichen Zeit nach dem Frühstück die Toilette aufsuchen, eine Stuhlentleerung versuchen, bei vergeblichem Versuch nicht länger als maximal 5 Minuten verweilen. Der Stuhlentleerungsdrang, auch wenn er spontan auftritt, sollte nicht unterdrückt werden, weil man etwas "Wichtigeres" zu tun hat. Auch evt. vorhandene Konflikte sollten gelöst, mit anderen und mit sich selbst ins Reine gekommen werden. Die täglichen Stressbelastungen, soweit wie möglich sind zu vermeiden und Gegenpole zum Stress z.B. durch Entspannungsübungen, Meditation Yoga oder Autogenes Training schaffen.

Bewegungstherapie

Da jegliche Form der körperlichen Bewegung auch die Darmtätigkeit begünstigt, insbesondere Wandern, Laufen, Spielsportarten, Gymnastik und hier besonders Übungen zur Stärkung der Bauchmuskulatur, sollte der Patient seine sportlichen Aktivitäten dahingehend ausbauen. Eine isometrische Bauchpresse zur Stärkung der Bauchmuskulatur z.B. Bauch 10 Sekunden lang kräftig einziehen und langsam entspannen, das Ganze fünfmal wiederholen. Diese Übung soll 3 x tägl. durchgeführt werden. Eine Darmmassage im rechten Unterbauch beginnend, feste, kreisende, massierende Bewegungen im Uhrzeigersinn über den gesamten Bauch ausführen, morgens vor dem Aufstehen 5 Minuten lang begünstigen den Erfolg und regen zusätzlich den Darm an. Auch eine Bindegewebsmassage von erfahrenen Therapeuten 2 - 3x wöchentlich für etwa 2-3 Wochen lang durchgeführt,haben ebenfalls eine günstige Wirkung.

Physikalische Therapie

Bei einer "schlaffen" Verstopfung können Kniegüsse zur Darmanregung nützlich sein, auch kalte Fuß- und Halbbäder, kalte Reibe-Sitzbäder (16-20' C, 2-3 Min.), 3x täglich kalte Bauchwaschungen, 3 Minuten lang bringen eine besserung der Symtome. Bei "krampfartiger" Verstopfung können zur Krampflösung intensive Wärmeanwendungen wie Ansteigende Sitzbäder, 1-2x täglich, 20-30 Minuten lang, heiße Auflagen z.B. Wärmflasche mit feuchtem Tuch umwickelt auf den linken Unterbauch hilfreich sein.

Zusätzliche Therapien

Wer ständig unter einer Obstipation zu leiden hat, dem könnte auch mit der sogenannten Irrigationgeholfen werden. Die Irrigation wird eigentlich in der Stomaversorgungund bei einer Stuhlinkontinenzeingesetzt, aber auch bei chronischer Verstopfung wurden gute Ergebnisse erzielt. Bei der Irrigation wird der Enddarm mehrmals hintereinander mit warmem Wasser gespült, das so zugleich eine peristaltikanregende Wirkung besitzt. Hilfreich kann u.U. auch eine Colon-Hydro-Therapiesein, die aber nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird. Dabei wird wie bei der Irrigation der Darm mehrmals mit Wasser gefüllt und wieder entleert, was auch zu einer guten Darmreinigung führt.

Wenn die Koordination der inneren und äußeren Schließmuskeln gestört ist, dann bietet sich auch der Versuch an, mit Hilfe einer Biofeedback- oder Elektrostimmulationstherapie eine Besserung zu erzielen. Diese Methode kommt vor allem bei neurologischen Störunen zum Einsatz, kann aber auch unter bestimmten Umständen bei der Erlernung der richtigen Stuhlentleerung im Rahmen einer Verhaltenstherapie sinnvoll sein.

Medikamentöse Behandlung

Trotz aller Anstrengungen kann es durchaus nötig werden, eine Obstipation mit Medikamenten zu behandeln. Hier werden nicht nur die Ursachen behandelt, die eine Obstipation verursachen, sondern es muss auch die Obstipation beseitigt werden. Aber wer die Wahl hat, der hat auch die Qual. Denn unter der Vielzahl an unterschiedlichen Abführmittelnist es nicht immer ganz einfach, das Abführmittel mit dem passenden Wirkstoff zu verwenden. Welches Abführmittel nun zum Einsatz kommt, das hängt von der Ursache und Stärke der Obstipation ab.

Bei der kologenen Obstipation ist die Ursache ein träger Darm, der mit osmotischen z.B. Lactuloseoder motilitäts- und sekretionsbeeinflussenden Abführmittelnz.B. Bisacodyloder Sennosideam besten in Schwung zu bringen ist. Ist die Ursache der Obstipation dagegen Ernährungsbedingt durch Ballaststoffmangel verursacht, dann eignen sich auch Füll- und Quellstoffe wie etwa der indische Flohsamen bestens dazu.

Eine anorektale Obstipation lässt sich am besten mit Rektal verabreichten Mitteln beseitigen. Dazu eignen sich Zäpfchen mit den Wirkstoffen Glyzerinoder Bisacodylund Klistieremit Natriumdioctylsulfosuccinat. Auch mit einem Einlauflassen sich schnell gute Erfolge erzielen.

Bei einer schon lange bestehenden Obstipation dagegen ist ein etwas aufwendigeres Verfahren notwendig, um den Darm wieder in Schwung zu bekommen. Meistens sind hier schon länger motilitäts- und sekretionsbeeinflussende Abführmittel wie z.B. Bisacodyloder Sennosidein manchmal höheren Dosen verwendet worden. Hier muss zuerst wie beim Laxantienabususvon stimmulierenden Abführmitteln auf osmotisch wirkende Abführmittel umgestiegen werden. Dazu wird mit Magnesiumsulfat(Bittersalz) in einer hohen Dosis von 2 EL auf 1/2 Liter Wasser begonnen, bei normalem oder dünnem Stuhl wird die Dosis reduziert bzw. bei nicht ausreichendem Erfolg ggf. zusätzlich Lactulose-Sirup 1-3 EL tägl. nach dem Frühstück gegeben. Die individuelle Dosis ist so zu wählen, dass täglich einmal weicher Stuhlgang stattfindet. Wenn sich der Stuhl normalisiert, dann beginnt man langsam mit dem Ausschleichen der Abführmittel, das über mehrere Monate dauern kann.

Sind Abführmittel aufgrund einer Darmlähmung notwendig und müssen über einen langen Zeitraum gegeben werden, dann sind mit Lactulose, Macrogoloder Bisacodyldie besten Ergebnisse erzielt worden. Hier gilt das Prinzip, dass nur soviel gegeben wird, um einen regelmäßigen, weichen aber geformten Stuhlgang zu erzielen.

In einigen Fällen, bei denen sich eine gestörte Koordination des inneren und des äußeren Schließmuskelsin Form einer Spastikzeigt, kann u.U. durch Einspritzung von Botox in den äußeren Schließmuskel eine Besserung der Symptomatik erzielt werden. Das Botoxbewirkt für etwa 3-9 Monate ein Schwächung der Verschlußkraft um ca. 20-40 Prozent und erleichtert damit die Stuhlentleerung.

Bei einer Reiseobstipation sind Abführmittel mit Bisacodyldie beste Wahl, da sie schnell (Dragees über Nacht und Zäpfcheninnerhalh von 30-60 Minuten) und zuverlässig wirken. Noch schneller wirkt ein Einlaufder auch unterwegs mithilfe eines Reiseirrigatorsgemacht werden kann. Patienten, die schon vor Reiseantritt unter einen chronischen Verstopfung litten, sollten ihre bisher benützten Abführmittelauch weiterhin in der gewohnten Dosierung verwenden.

Operative Behandlung

Eine operative Behandlung kann in bestimmten Fällen besonders bei anorektaler Obstipation erforderlich werden. Diese Behandlungsmethode sollte nur in Ausnahmefällen zum tragen kommen wenn alle anderen Behandlungsversuche fehlgeschlagen sind. Häufig kann durch die operative Behandlung die Verstopfung beseitigt, zumindest aber deutlich verbessert werden. Die Indikation dafür können sein:

  • Morbus Hirschsprung
  • Megacolon
  • Dolichokolon
  • Beckenbodensenkung (Descending perineum Syndrom)
  • Tumorobstruktion
  • Rektozele
  • Invaginationen
  • innerem Rektumprolaps
  • Verwachsungen (Briden)
  • Crohn-Stenosen

Tipps & Tricks

Der Einlauf unterwegs

Patienten, die häufiger an einer Obstipation leiden, können für ihre Reise auch einen sogenannten Reiseirrigatormitnehmen und am Reiseziel ggf. einen Einlaufvornehmen. Sicher ist es nicht jedermanns Sache, aber wer nicht so gerne gleich zu Abführmittel greifen will, der kann damit die Obstipation schnell beseitigen. In leichteren Fällen kann auch ein kleines Klistier hilfreich sein. Heute werden überwiegend Fertigklistiere verwendet, da sie ohne großen Aufwand eingesetzt werden können und trotzdem schnell zum "Erfolg" führen. Wer aus Kostengründen lieber selber ein Klistier herstellen will, der kann eine Klistierlösung aus einer Mischung von Glyzerin und Wasser im Mischungsverhältnis 1:3 und einer Menge von etwa 100 ml verwenden. Noch schneller wirkt ein kleines Klistier mit 10 ml Glyzerinund 10 ml Wasser gemischt, dieses Klistierwird vor allem Säuglingen und Kleinkindern gegeben. Je nach Mischungsverhältnis tritt die Wirkung nach 5 bis 15 Minuten ein.

Vollständige Darmentleerung ist Wichtig

Besonders bei Umstellung der Ernährung ist es sinnvoll, zu Beginn den gesamten Darm gründlich zu entleeren. Hier eignen sich besonders PEG-Lösungenvon denen man 3-5 Liter trinken muss, wie sie auch vor Darmspiegelungengegeben wird. Wer aber die verhältnismäßig große Flüssigkeitsmenge nicht trinken kann oder will, der kann auch mit normalen Abführmitteln in hoher Dosierung (z.B. 4 Dragees Dulcolax®) und einem zusätzlichen Reinigungseinlaufdie gleiche Wirkung erzielen.


Siehe auch

  • Abführmittel
  • Einlauf
  • Obstipationsprophylaxe
  • Atahualpas Rache

Weblinks

  • www.medicoconsult.de- Obstipation
  • www.netdoktor.de- Verstopfung (Obstipation)





Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Obstipation aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
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