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Reizdarmsyndrom

In der Medizin(Gastroenterologie) bezeichnet der Begriff Reizdarmsyndrom (RDS, englisch: Irritable Bowel Syndrome, IBS) eine Gruppe funktioneller Darmerkrankungen, die eine hohe Prävalenzhaben und bis zu 50% der Besuche beim Spezialisten ausmachen. Das Reizdarmsyndrom kann Symptome aller möglichen Darmerkrankungen nachahmen, ist jedoch, wenn diese Erkrankungen ausgeschlossen sind, ungefährlich. Synonyme Begriffe sind:

  • Reizkolon
  • Colon irritable
  • "nervöser Darm"

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Symptomatik
  • 2 Diagnose
  • 3 Pathophysiologie
  • 4 Behandlung
  • 5 Epidemiologie
  • 6 Prognose
  • 7 Referenz
  • 8 Links

Symptomatik

Symptome des Reizdarmsyndroms sind abdominelle Schmerzen oder Unwohlsein zusammen mit einer Veränderung in den Stuhlgewohnheiten unter Ausschluß einer strukturellen oder biochemischen Ursache. Eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Darmes gegenüber mechanischen Reizen ist ein sehr sensitives, weniger spezifischesZeichen des Reizdarmsyndroms. Je nach Charakter der Schmerzen und der Stuhlgewohnheiten spricht man auch vom spastischen Kolon. Das RDS kann in verschiedene Untergruppen klassifiziert werden, dazu gehören Diarrhoe-prädominantes, Obstipations-prädominantes RDS und RDS mit wechselnden Stuhlgewohnheiten. Typisch ist die Überlappung mit chronischen Beckenschmerzen (ursächlich ist dafür wahrscheinlich die Fehldiagnose durch den Gynäkologen), mit Fibromyalgieund psychischen Erkrankungen.

Diagnose

Nach den ROM II-Konsensus-Kriterien der American Gastroenterological Associationund anderen medizinischen Gesellschaften kann ein Reizdarmsyndrom diagnostiziert werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

innerhalb der letzten 12 Monate mindestens 12 Wochen, die nicht in Folge sein müssen, abdominelle Schmerzen oder Unwohlsein mit zwei der drei Eigenschaften: 1. Besserung mit dem Stuhl 2. Beginn der Schmerzen verbunden mit einer Veränderung der Stuhlhäufigkeit 3. Beginn der Schmerzen verbunden mit einer Veränderung der Stuhlkonsistenz

Nebenkriterien, die die Diagnose unterstützen, aber für sich keine Diagnose erlauben, sind:

  • abnormale Stuhlhäufigkeit (z. B. mehr als 3 Stühle pro Tag oder weniger als 3 Stühle pro Woche)
  • abnormale Stuhlkonsistenz
  • abnormales Absetzen von Stuhl (z. B. starkes Pressen, imperativer Stuhldrang, Gefühl der unvollständigen Entleerung)
  • schleimiger Stuhl
  • Blähungen und Gefühl des Aufgeblähtseins

Die Diagnose setzt voraus, dass keine strukturelle oder biochemische Veränderung die Symptome erklären kann. Das muss ausgeschlossen werden durch:

  • Darmspiegelungu. a. zum Ausschluss von Kolonkarzinomenund chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
  • Magenspiegelungu. a. zum Ausschluss von Magenkarzinomenund Magengeschwüren
  • Ultraschalluntersuchungdes Bauches u.a. zum Ausschluss von Lebererkrankungen und extraenteralen Neubildungen
  • Blutuntersuchungen: Blutbild, Leberenzyme, Elektrolyte, Nierenwerteusw. zum Ausschluss anderer internistischer Erkrankungen wie Lebererkrankungen, hormoneller Störungen oder Allergien
  • H2-Atemtests zum Ausschluss von Laktoseintoleranzund Fruktosemalabsorption
  • Test auf eine Sorbitunverträglichkeit
  • tiefe Dünndarmbiopsie zum Ausschluss einer Zöliakie

Eine Reizschwellenbestimmung durch Barostatwird als diagnostischer Test diskutiert. Sensitivitätund Spezifitätsind jedoch noch nicht gut genug, um es als klinische Methode anwenden zu können.

Pathophysiologie

Die Ätiologiedes RDS ist weitgehend unklar. Veränderungen der Motilität, Immunreaktionenund psychischeFaktoren sind vorgeschlagen worden. Einzig konsistenter Befund bei vielen Patienten sind erniedrigte Schmerzschwellen (Hyperalgesie) im Kolon. Bis zu 50% der Frauen mit Reizdarmsyndrom berichten eine Missbrauchsgeschichte.

Etwa 25% der Reizdärme entstehen nach einer Gastroenteritis(z. T. nach dem Einsatz von Antibiotika). In diesen Fällen werden eine verlängerte Immunreaktion oder neuroplastische Vorgänge auf Ebene des Rückenmarksals ursächlich diskutiert, allerdings basieren diese Annahmen bisher nur auf Tiermodellen.

Das Reizdarmsyndrom wird von vielen als ein Konglomerat von Störungen mit ähnlicher Symptomatik, aber unterschiedlicher Ätiologie angesehen. Wie bei vielen anderen Krankheiten wird über Ursachen spekuliert, unter anderem von Seiten der alternativen Medizin.

Behandlung

Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist, dem Patienten zu versichern, dass er keine tödliche oder sonstwie bedrohliche Krankheit hat, denn das ist die größte Sorge der meisten, die sich in medizinische Behandlung begeben. Je nach den Symptomen kann die Behandlung in einer Diätberatung bestehen. Bei verstopfungs-prädominanten RDS können Laxantieneingenommen werden, bei diarrhoe-prädominantem RDS dagegen Loperamid. Krampflösende Medikamente werden nicht empfohlen, da ihr Nutzen gegenüber Placebo nicht bewiesen ist. Neuere Präparate wie Alosetronund Tegaserod, die zur Zeit (2005) in Deutschland nicht zugelassen sind, werden von der Pharmaindustrie heftig beworben, ihr Nutzen im klinischen Alltag muss sich jedoch erst zeigen. Psychotherapie ist eine gute Behandlung für das RDS bei den Patienten, bei denen eine psychische Komorbiditätbesteht, jedoch sind viele Patienten nicht bereit, eine solche Therapie zu beginnen. Die Wirksamkeit der Psychotherapie scheint unabhängig von der Art der Therapie zu sein (Verhaltenstherapie, Hypnose, Entspannungstherapie, Gesprächstherapie, Gruppentherapie) Auch der Gebrauch von Antidepressivaist eine Möglichkeit, z. B. Amitriptylinin niedriger Dosierung. Sie unterdrücken die Schmerzen und wirken sich bei manchen Patienten positiv auf die Darmmotilitätaus.

Als natürlich Verdauungshilfe können Flohsamenschalensowohl beim Durchfall- als auch beim Verstopfungstypen gute Ergebnisse erzielen.

Epidemiologie

Die Punktprävalenzin westlichen Ländern beträgt ca. 10-20% bei einer wesentlich höheren Lebenszeitprävalenz. Die Prävalenzin Indien, Japanund der Volksrepublik Chinaist ähnlich. In Thailandund dem ländlichen Südafrikaist das RDS weniger häufig. In westlichen Ländern (aber z. B. nicht in Indienoder Sri Lanka) haben Frauen ein höheres Risiko, am RDS zu erkranken als Männer.

Die meisten Personen mit RDS suchen keine medizinische Hilfe auf. Es lässt sich bisher nicht vorhersagen, welche der Erkrankten Hilfe aufsuchen werden.

Prognose

Das Reizdarmsyndrom ist weder tödlich noch mit der Entwicklung einer anderen ernsthaften Darmerkrankung verbunden. Dennoch ist die Lebensqualität bei einer Reihe von Betroffenen drastisch eingeschränkt u. a. durch die ständigen Schmerzen, unangenehme Stuhlgewohnheiten, Krankschreibungen und durch die Entwicklung sozialer Phobien. Patienten, die eine erfolgreiche Behandlung für ihre Symptome finden, können ein normales Leben führen.

Referenz

  • Thompson WG, Longstreth GL, Drossman DA et al. (2000). Functional Bowel Disorders. In: Drossman DA, Corazziari E, Talley NJ et al. (eds.), Rome II: The Functional Gastrointestinal Disorders. Diagnosis, Pathophysiology and Treatment. A Multinational Consensus. Lawrence, KS: Allen Press.

Links

  • http://www.rds-forum.de
  • http://www.gesunderdarm.atÖsterreichische Informationsseite zu RDS
  • http://www.libase.de DER Treffpunkt für Personen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Reizdarmsyndrom aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
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