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Stuhlinkontinenz

Stuhlinkontinenz (lat.: Incontinentia alvi, Darminkontinenz, anorektale Inkontinenz) ist die Unfähigkeit, seinen Stuhlabgangwillkürlich zurückzuhalten. Sie betrifft Menschen aller Altersgruppen, kommt aber häufiger bei älteren Menschen vor.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Ursachen
  • 2 Häufigkeit und Schweregrade
  • 3 Formen der Stuhlinkontinenz
  • 4 Untersuchungen
  • 5 Therapie
  • 6 Inkontinenzversorgung
  • 7 Siehe auch
  • 8 Weblinks

Ursachen

Die Ursachen einer Stuhlinkontinenz können vielfältig sein und es müssen schon mehrere Faktoren zusammen treffen, um eine Stuhlinkontinenz auszulösen. Wenn nur einer der Mechanissmen zur Steuerung der Stuhlentleerung ausfallen, so wird das in der Regel durch sogenannte Kompensationsmechanissmen wieder ausgeglichen. Außerdem spielen auch subjektive Eindrücke eine Rolle dabei. Folgende Ursachen können eine Stuhlinkontinenz auslösen:

Störung der Impulsverarbeitung:
  • Schlaganfall
  • Morbus Alzheimer
  • Multiple Sklerose
  • Gehirntumor
Unterbrechung der Pulsüberleitung:
  • Querschnittslähmung(Tetraplegie)
  • Spina bifida aperta
  • Multiple Sklerose
Sensorische Störung:
  • Haemorrhoiden-OP (weil hierbei sensible Schleimhaut des Darms entfernt wird)
  • Diarrhoe
  • Rektumprolaps(Vorstülpen der sensiblen Darmschleimhaut nach aussen)
  • Dickdarmentzündung (Colitis)
Muskuläre Störung:
  • Tumoren, Tumor-OP
  • Fistelspaltung
  • Dammrisswährend der Geburt wenn auch der Schließmuskel mitverletzt wird)
  • InfiltrierendeAbszesse
  • Beckenbodensenkung (häufige Alterserscheinung durch Bindegewebsschwäche und Abbau der Beckenmuskulatur, Operationen an der Gebärmutter)
  • Überdehnung durch Obstipation
  • Angeborene Fehlbildung (Analatresie)
Medikamente:
  • Psychopharmaka
  • Abführmittel in hoher Dosierung (z.B. Paraffin)
Psychische/psychiatrische Störung:
  • Rückfall in kleinkindliche Verhaltensweisen (Psychosen)
  • Konflikte mit Betreuungspersonen

Häufigkeit und Schweregrade

Stuhlinkontinenz ist häufiger als man zunächst vermuten möchte. Es leiden darunter immerhin ca. 1-3 Prozent der Bevölkerung, in der Bundesrepublik Deutschland mindestens 800.000 erkrankte Personen. Davon betroffen sind alle Jahrgänge, jedoch nimmt die Häufigkeit mit dem Alter stark zu. Frauen und Männer sind etwa gleich stark betroffen, mit einem leichten Übergewicht bei Männern. Nicht jeder Patient ist gleich betroffen, daher unterscheidet man bei der Stuhlinkontinenz zwischen verschiedenen Schweregraden:

Grad 1: Leichte Form
  • Unkontrollierter Abgang von Winden
  • Leichte Verschmutzung der Wäsche
Grad 2: Mittlere Form
  • Unkontrollierter Abgang von dünnflüssigen Stuhl
  • Unkontrollierter Abgang von Winden
  • Gelegentlicher unkontrollierter Stuhlabgang
Grad 3: Schwere Form
  • Stuhl und Winde gehen vollständig unkontrolliert ab

Formen der Stuhlinkontinenz

Man unterscheidet verschiedene Formen der Stuhlinkontinenz. In vielen Fällen kommen mehrere der Faktoren zusammen und bilden das Krankheitsbild der Stuhlinkontinenz. Die Inkontinenz kann sowohl angeboren, als auch erworben werden.

Stuhlinkontinenz durch rektale Koprostase oder durch Obstipationwird ausgelöst durch die lange Verweildauer des Stuhles im Dickdarm und vor allem in der Rektumampulle. Durch die hohe absorptive Kapazität der Dickdarmschleimhaut wird dem Stuhl soviel Flüssigkeit entzogen, daß sich in einzelenen Segmenten der Stuhl soweit eindickt und daraus dann Kotsteineentstehen können. Die dadurch entstandene mechanische Passagebehinderung führt dann zur Entwicklung einer Stuhlimpaktion, einer klinischrelevanten und behandlungsbedürftigen Erkrankung. Die Hauptlokalisation der Stuhlimpaktion ist das Rektum. Stuhlimpaktionen sind jedoch im gesamten Dickdarm möglich. Das Vollbild einer Koprostase ist dann gegeben, wenn durch die Ansammlung der Stuhlmassen der Passageweg weitestgehend verlegt ist und die spontane Entleerung nicht mehr möglich ist.

Oberhalb der relevanten Dickdarmstenosen kommt es zu einer Aktivierung sekretorischer Prozesse mit dem Versuch des Körpers, das Passagehindernis durch verflüssigung der Stuhlmassen funktionell zu umgehen. Der auf dem Boden dieses Mechanismus flüssige Stuhl passiert das mechanische Hindernis und wird fälschlicherweise als Durchfall eingestuft. Eine Situation, die für den Patienten nachteilig bei der Anamnese sein kann.

Inkontinenz durch Störung der rektalen Speicherfunktion. Zur Störung der Speicherfunktion der Rektumampulle kann es auch nach Operationen kommen. Zwar wurden in der Rektumkarzinom-Chirurgie mehr und mehr schließmuskelerhaltende Operationen eingeführt, die nach der Entfernung des Tumorseinen Wiederanschluss des Darmes bis zur inneren Schließmuskelöffnung ermöglichen, eine Vernarbung in der Umgebung sowie das Fehlen der speziellen Erweiterung der Rektumampulle führen dann aber zum häufigen Stuhlgang und zur Inkontinenz. Auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), die über Jahre zu einer Veränderung der Rektumwand führen, können Ursache für einen Verlust der Speicherfunktion sein.

Eine sensorische Stuhlinkontinenz liegt vor, wenn die sensible Wahrnehmung der Schleimhaut des Analkanals gestört ist. Dies kann beispielsweise der Fall sein bei neurologischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Bewusstlosigkeitoder Schlaganfall, aber auch, wenn die Schleimhaut des Analkanals wie zum Beispiel bei einem Anal- oder Rektumprolaps nach außen gestülpt ist und damit an Wahrnehmungssensibilität einbüßt. Ist bei einer Analatresie der Analkanal nicht angelegt oder kam es durch Korrekturoperationen im Durchzugsverfahren zum teilweisen oder vollständigen Verlust der Analschleimhaut, fehlt hier ebenfalls die sensible Wahrnehmung, so dass sich wiederum das klinische Bild einer sensorischen Stuhlinkontinenz ergibt.

Bei der muskulären Stuhlinkontinenz ist der Analsphinkter geschädigt, die sensible Wahrnehmung durch die Analkanal-Schleimhaut ist dabei intakt. Häufigste Ursache für eine Schädigung des Schließmuskelapparates ist die vaginale Entbindung mit Dammriss. Insbesondere bei Kindern sind auch Pfählungsverletzungen (Übersteigen von spitzen Zäunen) häufig. Weiterhin können sich komplexe Schädigungen durch eine unzureichende Funktionsfähigkeit der Beckenbodenmuskulatur bei der sogenannten Beckenbodeninsuffizienz ergeben. Häufig zeigt sich hier die Kombination mit einem Rektumprolaps, vor allem bei älteren Frauen. Aber auch Fisteln und Fisteloperationen, speziell bei den hochreichenden ischiorektalen Fisteln, können eine teilweise oder vollständige Zerstörung des Ringmuskels (Sphincter ani internus) zur Folge haben. Eine narbige Ausheilung des Defektes führt zwar nicht zum vollständigen Verlust der Sphinkterkraft, jedoch ist durch die Erweiterung des Ringmuskels die Kraft herabgesetzt. Im höheren Lebensalter kann sich dann bei Nachlassen der Gewebeelastizität eine Stuhlinkontinenz ausbilden.

Die Kombination von sensorischer und muskulärer Stuhlinkontinenz lässt sich am besten am Beispiel des Rektumprolapses darstellen. Gleitet die Rektumwand durch den muskulären Sphinkter durch, führt das zum Verlust der Wahrnehmungssensibilität und zur dauerhaften Überdehnung des Schließmuskels durch den prolabierten Darmanteil, so dass seine Funktion allmählich schwächer wird.

Bei der neurogenen Stuhlinkontinenz ist die Ursache der Funktionsstörung zumeist Zerebral: Schlaganfall, Metastasen/Tumor, Demenz oder aber degenerative Erkrankungen, Spinal: Multiple Sklerose, Metastasen/Tumor, degenerative Erkrankungen, Cauda-equina-Syndrom(Quetschung des pferdeschweifförmigen Nervenfaserbündels am Ende des Rückenmarks), periphere Neuropathie (Nervenschädigung), Rückenmarkschwindsucht, Spina bifida(Spaltbildung an der unteren Wirbelsäule).

Untersuchungen

Am Anfang der Diagnostik einer Stuhlinkontinenz steht die ausführliche Anamnese, mit der Beschwerdebeginn, Stuhlfrequenz, Stuhlbeschaffenheit, Umstände des unfreiwilligen Stuhlabgangs, aber auch vorhandene Systemerkrankungen, frühere Therapien, Anzahl und Ablauf von Geburten, Operationen etc. erfasst werden.

Es folgt die Inspektion der Analregion, bei der z.B. Irritationen, entzündliche oder ulzeröse Veränderungen der Perianalhaut, Fissuren, Narben, Hämorrhoidenoder Fistelnfestgestellt werden können. Die folgende rektal-digitale Untersuchung in Links-Seiten-Lage ermöglicht unter anderem eine sichere Beurteilung der Sphinkteranatomie und beim Auslösen des Kneifdrucks eine Beurteilung der Verschlusskraft des Sphinkters.

Ergänzt werden diese Untersuchungen durch manometrische Untersuchungen wie Durchzugsmanometrie oder Messung der Füllungsdruckwerte. Zusätzlich wird in Links-Seiten-Lage eine Proktoskopie und eine Rektoskopie durchgeführt. Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzlos, werden aber gelegentlich als unangenehm empfunden, weil sie die Intimsphäre betreffen. Eine Sphinktermanometrie und analer Ultraschall müssen häufig folgen. In Anschluss sind hier die Untersuchungen nochmal aufgelistet.

  • Proktologische Untersuchung mit dem Finger und der Anuskopie/Proktoskopie
  • Darmuntersuchung mit Rektoskopieund Koloskopie
  • Druckmessung des analen Verschlussapparates in Ruhe und beim Kneifen
  • Messung der Kneiffähigkeit der Muskeln sowie der Haltedauer
  • Elektromyographie der Muskeln zur Abgrenzung eines Nervenschadens
  • Ultraschalluntersuchung des Afters zur Abgrenzung von Verletzungen, Durchtrennungen der Schließmuskulatur und der Beckenbodenmuskeln.
  • Röntgenuntersuchung des Enddarmes(Defäkographie)
  • ggf. Röntgenuntersuchung des Dickdarmes(Colon-Kontrasteinlauf)
  • Prüfung der Stuhlhaltefähigkeit und des Entleerungsverhaltens
  • Computertomographie der Schließmuskeln


Therapie

Die Ursache ist entscheidend für die Behandlung der Stuhlinkontinenz, so z.B. werden Entzündungen des Darms häufig medikamentös behandelt. Durch Operationenkann man z.B. Tumore abtragen, den Beckenbodenstraffen oder ein künstlicher Schließmuskel eingesetzt werden. Mit Krankengymnastik kann man die Muskulatur im Beckenboden stärken, z.B. durch zusammenkneifen des Schließmuskels mehrmals täglich oder mit Hilfe von Reizstrom. Bei Schmerzen rund um den Afterhelfen Salben mit Zink oder Lebertran.

Durch Medikamente kann die Stuhlkonsistenz so beeinflusst werden, daß nicht mit unerwarteten Stuhlentleerungen gerechnet werden muß. So gibt man z.B. Abführmittelin Form von Zäpfchenoder Klistieren, um den Darm zu einer bestimmten Zeit zu entleeren. Mit Ballaststoffenwie z.B. indische Flohsamen und Medikamenten die auf die Darmmotorik wirken wie z.B. Loperamidkann zusätzlich die Kontinenz verbessert werden.

Das Toilettentraining bei einer Stuhlinkontinenz wird in den Grundzügen ähnlich durchgeführt wie bei einer Harninkontinenz. Der einzige Unterschied liegt darin, dass der Patient den Versuch zur Darmentleerung nur einmal am Tag und zwar immer zur selben Zeit durchführt. Zu Beginn kann die Stuhlentleerung mithilfe von Abführzäpfchenunterstützt werden, wobei die ersten Wochen Zäpfchen mit Bisacodyl(z.B. Dulcolax ®) verwendet werden und bei Erfolg auf Zäpfchen mit Glyzerin(z.B. Glycilax®) umgestiegen wird. Nach 2 bis 3 Wochen sollte der erste Auslassversuch ohne Abführzäpfchen durchgeführt werden, da sich bis dahin der Darm meistens an die Regelmäßigkeit der Stuhlentleerunggewöhnt hat. Hilfreich ist auch hier das Führen eines Stuhltagebuches, das ähnlich wie das Miktionsprotokollgeführt wird. Anerkennende Worte vom Pflegepersonal haben auch hier einen günstigen Einfluss auf das Gelingen des Toilettentrainings.


Inkontinenzversorgung

Es gibt heutzutage eine Menge an Inkontinenzhilfsmittel, welche die Unanehmlichkeiten des täglichen Lebens etwas mindern. So stehen z.B. Windeln, Analtamponsund die Irrigationzur Verfügung, um den Betroffenen einen Teil der Lebenqualität zurück zu geben und ihm ermöglichen, ein fast normales Leben zu führen. Bereits während der Diagnostik und Behandlung sollten die betroffenen Personen mit entsprechenden Inkontinenzhilfsmitteln versorgt werden, dabei kommt der Auswahl des geeigneten Inkontinenzhilfsmittels eine besondere Bedeutung zu. Besonders Wichtig ist die Versorgung mit passenden Hilfsmitteln bei Patienten, die keine Aussicht auf Besserung oder Heilung ihrer Inkontinenz haben.

Kriterien für die Auswahl der Inkontinenzhilfsmitteln:
  • Wie viel Sicherheit soll gegeben werden?
  • Welche Inkontinenzart (Harn- und/oder Stuhlinkontinenz) liegt vor?
  • Welche Menge und welche Beschaffenheit hat die Ausscheidung?
  • Wann tritt die Inkontinenz auf (z.B. nur in der Nacht)?
  • Wie ist die Mobilität des Betroffenen?
  • Ist der Betroffene aufgrund seiner geistigen und körperlichen Verfassung in der Lage, die Inkontinenzversorgung selbst vorzunehmen?
  • Wie ist die Hautbeschaffenheit des Betroffenen?
Anforderungen an die Inkontinenzversorgung:
  • Möglichst dicht gegen Ausscheidungen und Gerüche
  • Geräuscharmes und optisch unauffälliges Hilfsmittel
  • Hautfreundliches Material
  • Ausscheidungen sicher aufnehmen
  • Möglichst die Selbstständigkeit des Betroffenen erhalten (einfache Handhabung)
Aufsaugende Inkontinenzhilfsmittel:
  • Vorlagen
  • Einlagen
  • Pants, Pullons, Trainers
  • Windeln(z.B. Höschenwindeln)
Sonstige Inkontinenzhilfsmittel:
  • Fäkalkollektor(Klebebeutel) für immobile Patienten
  • Analtampons
  • Die Irrigationzur Darmspülung


Siehe auch

  • Harninkontinenz
  • Irrigation
  • Analtampon
  • Abführmittel


Weblinks

  • Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V. Große Selbsthilfeseite von Betroffenen für Betroffene
  • Ursachen, Behandlung und Therapie der Stuhlinkontinenz



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Stuhlinkontinenz aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
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