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Familienaufstellung

Familienaufstellung (auch: Familienstellen) ist die bekannteste Form der sog. Systemaufstellungenund ist ein von Bert Hellingerabgewandeltes (siehe Ursprünge und Vergleichbarkeiten) bekannt gemachtes und praktiziertes Verfahren, das inzwischen von zahlreichen Personen angeboten wird, darunter auch Psychologen, Psychotherapeutenund Heilpraktiker.

Über 2300 Familienaufsteller soll es inzwischen im deutschsprachigen Raum geben. Andere Formen der Systemaufstellungensind z.B.: Organisationsaufstellungenoder Strukturaufstellungen.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Ablauf
  • 2 Kritik
  • 3 Ursprünge und Vergleichbarkeiten
  • 4 Siehe auch
  • 5 Literatur
  • 6 Weblinks

Ablauf

Der Aufstellende wählt unter den Gruppenmitgliedern Stellvertreter für Vater, Mutter, Geschwisterund eventuell weitere Familienmitglieder. Diese versucht er nun jeweils intuitiv "passend" im Raum zu platzieren. Aufgrund der sich entwickelnden Dynamik sollen die so gestellten Stellvertreter sich nach einer gewissen Zeit der Sammlung in der Regel so fühlen wie die von ihnen dargestellten Personen. Die aufgestellten Familienmitglieder - daher der Begriff "Familienstellen" - können nun ihre Gefühle ausdrücken.

Die Gefühle und Verhaltensweisen der "echten" Familienmitglieder sollen nach Ansicht der Aufsteller von den "gestellten Personen" übernommen werden können.

Krankmachende "Verstrickungen" mit den Vorfahren und Verwandten und heilsame "Lösungen für die Seelen" der Nachkommen sollen ans Licht kommen, und mit Begleitung des Therapeuten erleichternde und lösende Haltungen und Positionen gefunden werden.

Aufsteller gehen davon aus, dass der Proband die Lösungen seiner Konflikte und Probleme bereits kennt, sie aber durch die Aufstellung aus dem Unterbewussten oder verdrängten Zustand an die Oberfläche des Bewussten bringen kann.

Neben dem Familienaufstellen in einer Gruppe von etwa 20 Menschen gibt es auch alternativ die Möglichkeit, nur mit einem Therapeuten und Symbolen für die einzelnen Familienmitglieder aufzustellen.

Es gibt eine weitere Form, in der der Aufsteller nur eine Person für sich aufstellt und dann die Gruppe interaktiv auf diese Situation reagiert und sich zu der aufgestellten Person hinzustellt. Zwischen den Personen im "Kreis" werden dann Probleme gelöst.

Kritik

Neben der Kritik an der speziellen Form des Familienaufstellens, wie Hellinger es praktiziert, wird auch die Methode selbst kritisiert. Kritiker sind der Ansicht, es handele sich um "gefährlichen Hokuspokus". Auch Anhänger der Methode verkennen nicht, dass für Effekte (der "repräsentierenden Wahrnehmung"), die bei Aufstellungen beobachtet bzw. wahrgenommen werden können, allgemein anerkannte wissenschaftliche Erklärungen fehlen. Das Morphogenetische Feldals theoretisches Erklärungsmodell wurde auf Fachkongressen erörtert, ist aber selbst kein anerkanntes Konzept.

Kritiker fordern eine wissenschaftliche Überprüfung der Kurzzeittherapie. Es komme bei den Beteiligten oft zu heftigen Erschütterungen, tiefer Verunsicherungbis hin zu Suizidgedanken. Von mindestens einem Menschen wird berichtet, das er sich nach einer Familienaufstellung das Leben genommen hat.

Es handele sich um eine "esoterisch durchwaberte Laienspielinszenierung" (Colin Goldner), vgl. a. soziale Rolle. Kritiker bemängeln, dass häufig die Kennzeichen seriöser Therapie wie Diagnostikoder Interventionslehre fehlten.

In dem Buch Familienstellen - Therapie oder Okkultismus? (Werner Haas) werden die Effekte von Familienaufstellungen als Zusammenwirken wohlbekannter psychologischer Mechanismen erklärt. Die den stellvertretenden Rollenspielern angedichtete Fähigkeit, die seelische Wirklichkeit des zur Debatte stehenden (Familien-)Systems wahrheitsgetreu abzubilden, beruhe einerseits auf trivialen menschlichen Fähigkeiten (z.B. Einfühlungsvermögen), andererseits auf Suggestion, Illusion, Manipulationund mangelnder Internalisierungpsychologischen Wissens zugunsten vulgärpsychologischer Konstrukte (s. Weblinks).

Kritisiert wird auch die mangelhafte Ausbildung zahlreicher Anbieter, die aus dem Esoterik-Bereich kommen.

Aufsteller betonen, aus diesem Grund sei es wichtig, sich mit Bedacht einen Familienaufsteller zu suchen. Seriöse Anbieter - wie auch immer man diese erkennen könnte - des Familienstellens böten eine Nachsorgean oder wiesen darauf hin, dass man sich an sie oder an einen anderen Psychotherapeuten wenden solle, falls es zu Problemen durch die Familienaufstellung kommen sollte, die ja eigentlich Probleme lösen soll. Zudem sollen sie gewisse charakterliche Fähigkeiten aufweisen, sehr wichtig, damit sich da keine Scharlatane einschleichen - am besten man verlangt das grosse Hellingersche Charakterzeugnis. Gerade bei größeren psychischen Problemen sei es sinnvoll - warum weiss keiner - Familienstellen eingebettet in eine Therapie durchzuführen.

Ursprünge und Vergleichbarkeiten

Die historischen "Vorläufer" ähnlicher Aufstellungsformen sind:

  • Psychodrama, Jakob Moreno(1889-1974); österreichischer Arzt, wählte Stellvertreter für die betreffenden Personen eines zu betrachtenden Konflikts;
  • Familienskulptur, Virginia Satir(1916-1988); betonte die Bedeutung der räumlichen Anordnung bei der Prozessarbeit bzw. für die Bedeutung der Position von Familienmitgliedern.
  • NLPund Hypnotherapienach Milton H. Erickson(1901-1980); prägend für den Sprachgebrauch in Aufstellungen;
  • LösungsfokussiertesArbeiten/Therapie, Steve de Shazer, Insoo Kim Berg, Schule von Milwaukee; Lösungsfokussiertheit anstatt Problemorientiertheit;

Familienskulptur: Das Auswählen von "Stellvertretern" ist seit 1969in der Fachwelt unter dem Begriff Familienskulptur bekannt. Entwickelt wurde die Familienskulptur unter anderem von der amerikanischen Psychotherapeutin Virginia Satir(Palo-Alto-Schule). Satir wollte mit Hilfe dieser Technik den Klienten ermöglichen, Familienbeziehungen ohne Worte darstellen und erkennen zu können. Widersprüche oder Abweichungen zwischen dem, was körperlich gezeigt und dem, was gesagt wird, können reflektiert werden. Da die obligaten Pflichtgefühle vergessen werden, sollte so ein recht reales Abbild der Gefühlsbeziehungen innerhalb der Familie entstehen. Anhand der dargestellten Konstellation kann sich der Therapeut ein Bild von dem sozialen Gefüge machen, in dem der Klient lebt und von dem er beeinflusst wird. Gleichzeitig ist es dem Klienten möglich, innerhalb dieses dargestellten Beziehungsgeflechtes auf sein Verhalten gleich eine Reaktion zu bekommen, die auf der verbalen und gefühlsmäßigen Ebene abgefragt werden kann.

NLPund Hypnotherapie: Während Hellinger selbst mitunter die Kritik entgegengebacht wird, in seinen Aufstellungen einen Sprachgebrauch zu pflegen, der von einem konservativen, patriarchalischen Weltbild geprägt sei, orientieren sich weiterentwickelte Aufstellungsformen (insbesondere systemische Strukturaufstellungen) und Aufsteller mit entsprechenden Zusatzqualifikationen auch an einem Sprachgebrauch, der dem NLP und der Hypnotherapie entnommen ist.

LösungsfokussiertesArbeiten/Therapie, (engl.: solution focused therapy, SFT): Elemente der Lösungsfokussiertheit werden sowohl in Familienaufstellungen der hellingerschen Prägung (Begriffe wie: "Lösungsbild" und "Die gute Ordnung" bringen dies zum Ausdruck) als auch in weiterentwickelten Formen wie den systemischen Strukturaufstellungen(z.B.: Zielannäherungsaufstellung) verwendet. In der Aufstellungsarbeit kommen im Allgemeinen sowohl Elemente einer 'Problembetrachtung' und damit einhergehenden Katharsisals auch Elemente ziel- und lösungsorientierten Arbeitens vor.

Eine Weiterentwicklung erfuhr die Familienaufstellung durch Peter Soppa und Jürgen Roming vom Institut für Systemisch-integrative Therapie und Beratung (http://www.das-institut.com). In dieser Variante werden Handlungen und Impulse der Rollenspieler durch die Methode des Rollentauschs aus dem Psychodrama überprüft, um eine mögliche Abweichung von der verinnerlichten "Wahrheit" des Klienten korrigieren zu können.

Siehe auch

  • Systemaufstellung, Teamaufstellung
  • Systemische Familientherapie
  • Esoterik

Literatur

  • Bertold Ulsamer: Ohne Wurzeln keine Flügel. Die systemische Therapie von Bert Hellinger. Goldmann-TB, 1999, ISBN 3-442-14166-4
  • Bertold Ulsamer: Das Handwerk des Familienstellens, Goldmann TB 141972, 2001, ISBN 3-442-14197-4;
  • Bert Hellinger: Ordnungen der Liebe. Droemer Knaur, München 2001, ISBN 3-426-77563-8
  • Renate Daimler, Insa Sparrer, Matthias Varga von Kibéd: Das unsichtbare Netz. Kösel Verlag, München 2003, ISBN 3-466-30624-8
  • Gert Höppner: Heilt Demut - wo Schicksal wirkt? Evaluationsstudie zu Effekten des Familien-Stellens nach Bert Hellinger. Profil, München 2001 (zugl. Diss. Univ. München, 2001), ISBN 3-89019-508-3
  • Werner Haas: Familienstellen - Therapie oder Okkultismus? Das Familienstellen nach Hellinger kritisch beleuchtet. Asanger, 2004, ISBN 3-893-34430-6

Weblinks

  • Familienstellen nach Bert Hellinger
  • Familienstellen in Hamburg, Berlin, München, Nürnberg, Wasserburg, Bremen und weiteren Orten
  • http://www.iag-systemische-loesungen.de/Die Internationale Arbeitsgemeinschaft Systemische Lösungen nach Bert Hellinger e. V. mit Beschwerdestelle über Aufsteller
  • http://www.iag-congress.com/Internationaler Kongress für Systemaufstellungen
  • http://www.wrage.de/kgs/mp_familienstellen.htmmit Erfahrungsbericht
  • http://www.zeit.de/2003/35/Hellinger-HaupttextKritischer Bericht der Zeitschrift Zeit
  • http://www.agpf.de/Hellinger.htm#HumbugKritischer Bericht der Zeitschrift Spiegel
  • http://www.familienaufstellen.orgKritische Betrachtungen
  • http://www.religio.de/therapie/hellinger/stellvertreter.pdfKritischer Artikel über die psychologischen Hintergründe der "Stellvertreter-Reaktionen in Familienaufstellungen" (W. Haas)
  • Avanta - The Virginia Satir Network(englisch)
Von "http://de.wikipedia.org/Familienaufstellung"



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